Nr. 191
Dienstag den 19. August
1890
Amts- und Anzeigeblatt fite den Aireis Gietzen
Hratisöeitage: Hießener Jamitienökätter
Amtlicher Theil.
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Feuilleton
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1659
332
1951
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Bald sahen sie aus den Landstraßen Mobilgarden, die auf Paris marschirten, weil sie in ihrer schlechten Ausrüstung nicht gegen die Deutschen zu fechten wagten. Zu dem Gamaschenknopf, der den Franzosen großsprecherisch nicht einmal gefehlt haben sollte, kamen jetzt noch einige Fehler der französischen Armee. Uebrigens waren diese Mobilgarden ganz wohlgemuth und sangen leichte Lieder.
Das französische Lager bei Mourmelon in der Nähe von Chalons fanden die beiden Freunde bereits leer. Ein Bauer aus dem Felde gab 'ihnen Aufklärung darüber, indem er bemerkte, Mac Mahon sei mit 150,000 Mann nordwärts Wogen, um sich mit Bazaine zu vereinigen und die Prussiens in den Rhein zu werfen.
Nun eilten die beiden jungen Leute in nordöstlicher Richtung weiter.
Schon am Tage darauf trafen Ludwig und Hans auf die ersten preußischen Ulanen, welche sehr erfreut waren, als sie in Frankreich von Landsleuten deutsch angeredet wurden. Die Ulanen zogen dem verlassenen französischen Lager zu und wiesen die Flüchtlinge gen Süden, wo sich der Kronprinz von Preußen mit zwei preußischen Armeecorps, sowie den Bayern, Württembergern und Hessen im Anmarsch befände.
Der Oberst lächelte und sagte:
„Nun, weil Euch Frankreich einmal ausgestoßen und Ihr brave junge Leute zu sein scheint, so sollt Ihr, soweit es möglich ist, Euren Willen haben! Aber als kämpfende Soldaten könnt Ihr nicht ohne Weiteres eintreten, sondern zunächst nur als Krankenträger und Dolmetscher bei dem Regiment bleiben und auch das nur, wenn der General seine Zustimmung ertheilt und Eure Ausweispapiere in Ordnung befunden werden."
Die beiden jungen Leute zeigten sich über diesen Bescheid ziemlich betrübt, denn sie wären am liebsten sofort in die Reihen der deutschen Kämpfer eingetreten. Der Oberst erklärte ihnen aber nochmals leutselig, daß dies den militärischen Anordnungen entgegen sei, und so gaben sie sich endlich zufrieden, da sie ja als Krankenträger und Dolmetscher bei dem Regiment bleiben durften.
Inzwischen lief bei den Bayern die Kunde ein, daß Mac Mahon mit seinem Heere nach Norden ausgewichen sei und nach der belgischen Grenze marschire, wo ihm aber bereits die neugebildete Armee des Kronprinzen Albert von Sachsen den Weg verlege. Marschall Bazaine, zuerst am 14. August bei Nouilly nach Metz zurückgeschlagen, dann dort umfaßt und am 16. bei Vionville, am 18. bei Gravelotte westlich von Metz geschlagen und in die Festung geworfen, sei jetzt gänzlich eingeschlossen, so daß ein Theil der Einschließungs-Armee des Prinzen Friedrich Carl sammt der Nordarmee unter dem Befehle König Wilhelms sich nunmehr nach Norden gegen Mac Mahon wenden könne; an der kron- prinzlichen Armee sei es nun, schnell die Nordschwenkung zu machen und den Feind im Rücken zu saffen.
Ein Jubelruf durchbrauste die tapferen Schaaren, als sie diese Kunde vernahmen. Es ward sofort ausgebrochen und nach mehrtägigem angestrengten Marschiren gelang daS-
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Je weiter die beiden Freunde kamen, desto aufgeregter bewies sich die französische Bevölkerung, welche von der Regierung mit Waffen versehen worden war. Da nahten die „dl6U8 diables“, wie die Franzosen die Bayern nannten, und die beiden jungen Deutschen eilten zu ihnen.
Die Vorposten brachten Ludwig und Hans zu einem Lieutenant, der .sich v. Beck nannte, eine Feldwache com- mandirte und die beiden Ankömmlinge als Dolmetscher und Kundschafter vorläufig bei sich behielt. Am anderen Tage ließ sie aber der Vorpostencommandeur v. Hünfeld zu sich bringen, da solche Ueberläufer nie länger als höchstens einen Tag bei den Vorposten bleiben durften.
„Wohin soll ich Euch schicken?" fragte der Oberst kurz die beiden Freunde.
„Herr Oberst," entgegnete da Ludwig entschlossen, „ich bin achtzehn Jahre alt, habe als Lieutenant bei unserem Schülerbataillon gestanden und glaube, ich würde als Freiwilliger bald den Dienst bei Ihnen rasch erlernen!"
Der Oberst, welcher sich die Geschichte des armen Jungen bereits erzählen ließ, lächelte und sagte:
„Und was wird Ihr Vormund dazu sagen, junger Herr?"
//Der ist Franzose, Herr Hauptmann, von dem habe ich nichts zu hoffen, weil ich ein Deutscher bin und bleiben will."
„So, so! Und Ihr Gefährte?"
Hans stand soldatisch stramm da und sagte:
„Herr Oberst, ich bin auch deutscher Abkunst, habe zwei Jahre bei der französischen Linie gestanden, ich kenne den Dienst und bin nur wegen eines Armbruchs, der aber vollständig geheilt ist, aus der französischen Armee entlassen. Lassen Sie mich mit meinem jungen Freunde in die deutsche Armee eintreten."
Arrslaird.
Ischl, 16. August. Der König von Rumänien empfing heute den Generalstabschef Freiherrn v. Beck. Der Kaiser stattete Vormittags dem Könige, der morgen Ischl verläßt, einen Besuch im Hotel ab.
Paris, 16. August. Die gestrigen imperialistischen Bankette sind ohne Ruhestörungen verlausen. Auf dem Haupt- bankett im Saale Wagram, woran 800 Personen theilnahmen, wurden Toaste aus die Wiederherstellung des Kaiserreichs aus- ^gebracht und ein Telegramm des Prinzen Victor Napoleon
Deutsche Herzen.
Erzählung aus den Kriegsjahren von 1870/71.
Von Carl Cassau.
(Fortsetzung.)
Die beiden seltsamen Flüchtlinge hatten sich mit einigen -Lebensmitteln und etwas Geld versehen und marschirten meistens in der Nacht, während sie am Tage im Walde verborgen schliefen.
Kr<een, ichön o. sitzend, b reb.
.95.
Bekanntmachung,
Verminderung der Raben, Eichhörnchen rc. betreffend.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß im laufenden Jahr in Folge der durch uns getroffenen Anordnung im Kreis Gießen Raben, Eichhörnchen rc. in folgenden Zahlen, die übrigens thatfächlich wohl höher fein werden, vertilgt worden find :
Gießen, den 15. August 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
verlesen, worin er den Comites für ihre Ergebenheit und rastlose Thätigkeit dankt.
Paris, 16. August. Der „Liberte" zufolge würden Capitän Binger, der Forscher im Nigergebiet, Duvergier, der Reisende in den Tuaregländern, Desbuissons, Geograph im Ministerium des Auswärtigen, den staatlichen Commissaren für die Festsetzung der Grenze des Sudangebietes, Hanotaux und Haußmann, mit beratender Stimme beigegeben. — Der englische Botschafter Morier ist aus der Durchreise nach Petersburg hier eingetroffen. — Den Abendblättern zufolge ist für die zweite Hälfte der Cavallerie- Mannöver bei Chalons, unter dem General Despeuilles, eine Neuerung geplant, indem die Divisionen 80 Kilometer von einander ausgestellt und ohne vorgeschriebene Gefechtsidee gegen einander manöveriren würden.
Ostende, 16. August. Zu Ehren der Söhne des Khedive, Prinzen Abbas Bei und Mehemed Ali Bei, welche zu kurzem Aufenthalt hier eingetroffen sind, gab der König heute im königlichen Schlößchen ein Dejeuner, woran außer den Prinzen und deren Gefolge auch der Eisenbahnminister Peere- boom, General Jonbert und andere hochgestellten Persönlichkeiten Theil nahmen. Abends findet zu Ehren der Prinzen ein Ball im Casino statt.
Mailand, 16. August. Der Afrikareisende Oscar Borchert begrüßte, einer Einladung Casatis folgend, Dr. Peters gestern bei Casati.
Petersburg, 16. August. Der deutsche Botschafter von Schweinitz begab sich gestern zum Empfang des Kaisers nach Reval. Giers ist deswegen von seinem Aufenthalt in Finland hier eingetroffen.
Konstantinopel, 16. August. Die „Agence de Constan- tinople" meldet: der Sultan ersuchte die angesehensten Armenier im Staatsdienste, den Finanzminister Agob Pascha, den Unterstaatssecretär des Aeußeren Amtes Artin Pascha, den Bergdirector Bedros Effendi, ferner die armenischen Mitglieder des Staatsrathes und andere Armenier, Reformvorschläge für die armenischen Landestheile zu machen. — Auf dem von Japan heimkehrenden Kriegsschiff „Crtogrul" sind 35 Cholerafälle, davon 15 mit tödtlichem Ausgange, vorgekommen. Aus Mecca wird Stillstand, resp. Abnahme der Cholera gemeldet. Am 13. August waren zu Mecca 43, in Djeddah 45 Todte.
New Iork, 16. August. Nach Meldungen aus Buffalo haben gegen 300 Angestellte der N e w y o r k-C e n t r a l e i s en- bahn die Arbeit eingestellt. Man glaubt, daß die Ritter einen allgemeinen Strike veranlassen werden.
FRANKLS
4 Cm-bocb.
Dtzd.: M. -6l)>
ichmcr Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. August. Nach einer dem Emin Pascha-Comite zugegangenen Meldung aus Mailand trifft Dr. Peters am 23. August Mittags Hierselbst ein.
Kiel, 16. August. Die „Kieler Ztg." will wissen, daß das Agricultur-Departement in London die Einfuhr von schleswig-holsteinischemVieh aus Tönning für dieses Jahr definitiv ablehnte.
Memel, 16. August. Vormittags 9x/4 Uhr kam die „Irene" in Sicht, bald darauf die „Hohenzollern". Landrath Cranz und Lootsencvmmandeur Krüger fuhren mit dem Dampfer „Hagen" dem Geschwader entgegen und begaben sich an Bord der „Irene", wo sie von dem Prinzen Heinrich empfangen wurden. Sie kehrten nach halbstündigem Aufenthalte zurück. Um IP/2 Uhr fuhr eine Dampfbarkasse aus dem Hafen mit den Postsachen zu den wartenden Schiffen, idie alsdann ihren Curs nordwärts fortsetzten.
Verminderung besteht, wolle der Abschuß fortgesetzt werden.
SCHILLER (durchweg gedoppelt)
Dtzd: M. -90.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 17. August. Der Ober-Postdirector und Geheime Ober-Postrath Schiffmann ist heute gestorben.
Metz, 17. August. Der Kaiser bewilligte für die durch Hagelschaden heimgesuchten Landwirthe im Kreise Saarburg aus seiner Schatulle die Summe von 1000 Mark.
Ischl, 17. August. Der König von Rumänien und der Prinz Thronfolger sind gegen Mittag nach München ab gereist. Kaiser Franz Joses geleitete dieselben zum Bahnhof, wo sich die Monarchen mit wiederholten Umarmungen verabschiedeten.
Paris, 17. August. Das „Journal des Debats" erblickt in dem Besuche des Kaisers Wilhelm bei dem Kaiser von Rußland einen Beweis für das zwischen Deutschland und Rußland bestehende gute Einvernehmen. — Ein Theil der Mitglieder des französischen socialistischen Arbeiterbundes wird am 15. October einen Congreß in Chatellerau lt abhalten. — Im Monat October werden infolge des Ueberschreitens der für die Generalität bestimmten Altersgrenze vier neue Divisions- und neun neue Brigade- Generäle ernannt werden. — Die „Autorite" meldet, der Ort Kade (Sen eg am bi en) sei von einem ftanzösischen Aviso bombardirt worden.
— Nach einer Meldung des „La Paix" von der Insel Martinique sind daselbst fünf Einwohner von Fort de France bei dem Versuch verhaftet worden, den Stadtheil Carenage, welcher bei dem kürzlichen Brande verschont ge-- blieben, anzuzünden. Ein gleicher Versuch sei in der Stadt Saint-Pierre gemacht, das entstandene Feuer jedoch nach der Einäscherung von zwei Häusern gelöscht worden. Die europäische Bevölkerung sei in große Bestürzung versetzt und sehr viele Kaufleute suchten ihr Geschäft zu liquidiren, um die Colonie zu verlassen.
Kopenhagen, 17. August. Drei Schiffe des österreichischen Geschwaders sind hier eingetroffen und auf der äußeren Rhede vor Anker gegangen.
Mailand, 17. August. Dr. Karl Peters ist, nachdem er eine herzliche Begegnung mit Kapitän Casati in Monza hatte, gestern Abend nach Deutschland abgereist. Der Afrikareisende Oskar Borchert wohnte der Begegnung mit Casati bei.
Madrid, 17. August. Gestern erkrankte hier eine Frau unter chopraverdächtigen Symptomen. Die üblichen Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden.
Petersburg, 17. August. Der „Swet" spricht sich in sehr bemerkenswerther Weise über den Besuch des Kaisers Wilhelm in Rußland aus. Er gibt dem Vertrauen in die Bewahrung des europäischen Friedens Ausdruck, begrüßt die Ankunst des deutschen Monarchen auf russischem Boden
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