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ach dem um IO10 Uhr von predigt Herr Miffionar lt über innere Mission im Oietz aus Messel über- Tunnlung mit Ansprachen
seitens der Gemeinden bet )en wird fteundlichst gebeten.
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Mittwoch den 17. September
Rr. 216.
1896
Der chieße«er A«zeiger erscheint täglich, eMt Ausnahme deS Montags.
Die Gießener N«»ikie«ßttller werden dem Anzeiger »Tchentlich dreimal ^eigelegt.
Gießener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Grefzen.
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Anrtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Unter den Schafen der Heerde des Schäfers Heinrich Rinker zu Nonnenroth ist die Räude ausgebrochen. Es wird deshalb die Sperre über diese Heerde verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zum Zweck sofortiger Ab- schlachtung, und ist in jedem einzelnen Falle, in welchem die- -selbe erfolgen soll, unsere Erlaubniß einzuholen.
Zuwiderhandlungen gegen die angeordneten Schutzmaßregeln unterliegen den gesetzlichen Strafen.
Gießen, den 15. September 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v- Gagern.
politische rtebevficht.
Gießen, 16. September.
Auch die Kaiserlage in Schlesien zeitigen, wie schon ihre "Vorgänger in Schleswig-Holstein, fortgesetzt bedeutsame Kundgebungen aus dem Munde Kaiser Wilhelms. Unter denselben zeichnete sich der Trinkspruch besonders aus, den der erlauchte Monarch aus den von ihm am Samstag den obersten Behörden Schlesiens gegebenen Diner auf die Provinz Schlesien aus- Lrachte.
Der Altkatholikeu-Cougreß in Köln genehmigte am Samstag im Fortgänge seiner Verhandlungen Resolutionen, die sich lediglich auf innere Angelegenheiten des Altkatholicismus bezogen. Nachmittags vereinigte sich der größte Theil der Kongreßmitglieder zu einem Festessen, bei welchem der Kaisertoast vom Vorsitzenden v. Schulte ausgebracht wurde, woraus die Versammlung stehend die Nationalhymne sang. Ansprachen hielten Erzbischof Heydkamp, Seminarpräses v. Thiel, v. Jany- schew (Rußland), Loyson (Paris), Bischof Herzog, Professor Nippold, Bischof Reinkens und Ciccichiti (Italien). An den Kaiser sandte die Versammlung ein Ergebenheitstelegramm ab. Abends fand eine vom altkatholischen Local-Comite arrangirte Festlichkeit statt.
Der Afrikareisende Dr. Karl Peters hat seinen Cur- aufenthalt in dem württembergischen Schwarzwaldorte Wildbad beendigt und sich zunächst nach Frankfurt a. M. begeben. Am Samstag, dem Vorabend der Abreise Dr. Peters, wurde ihm ein Fackelzug dargebracht und hielt der gefeierte Curgast hierbei eine Ansprache, in welcher er die in der colonialen Bewegung wirkenden nationalen Gedanken hervorhob. Im späteren Abend empfing Dr. Peters noch verschiedene Abordnungen süddeutscher Colonialvereine.
In Brüssel veranstalteten die belgischen Arbeitervereinig- -ungen am Sonntag durch ihre Delegirten die schon angekündigte Kundgebung zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts, zu welcher sich auch ein Vertreter der italienischen Ultraradicalen, der Deputirte Costa, eingefunden hatte. Nach lebhaften Ver- chandlungen nahm die etwa 500 Mitglieder zählende Versammlung einen Antrag mit großer Mehrheit an, dahin gehend, daß am Sonntag vor dem Wiederzusammentritte der Kammern in allen Provinzialhauptstädten Belgiens Demonstrationen für das allgemeine Stimmrecht veranstaltet werden sollen. Auch mit der Frage eines allgemeinen Strikes aller -Gewerke befaßte sich die Versammlung und ergab sich als Resultat der Verhandlungen die einstimmige Annahme des Princips eines allgemeinen Strikes. Der Gesang der Marseillaise beendete die Berathungen des Delegirten-Congresses, mit denen die socialistischen Führer in Belgien offenbar eine neue, nicht zu unterschätzende politische Bewegung eingeleitet haben.
Die Revolution im schweizer Canton Tessin stellt sich nach .neueren Meldungen als ein Sturm im Glase Wasser dar. Noch am Samstag Abend hat sich die provisorische liberale Regierung in Bellinzona wieder aufgelöst, nachdem sie also gerade drei Tage in Thätigkeit gewesen ist und haben offenbar ihre Mitglieder selbst gefühlt, daß ihre ungesetzliche Stellung gegenüber der Berner Centralregierung nicht zu halten war. Die von den Aufständischen in Bellinzona verhafteten Personen sind aus Anordnung des Bundescommiffars Oberst Künzli ebenfalls am Samstag in Freiheit gesetzt worden und dasselbe wurde für Sonntag bezüglich der von den Aufständischen in Lugano Verhafteten erwartet. Einstweilen hat Oberst Künzli die oberste Regierungsgewalt im Tessin übernommen und dies den Tessinern in einer Proclamation mitgetheilt- zur Zeit ist er eifrig bemüht, eine Verständigung zwischen der ultramontanen und der liberalen Partei herbeizuführen. Jedenfalls steht nicht zu bezweifeln, daß die so plötzlich gestürzte ctericale Regierung von Tessin demnächst in aller Feierlichkeit wieder
eingesetzt werden wird, in diesem Sinne hat sich schon der Bundesrath in seinen Anweisungen an Oberst Künzli deutlich ausgesprochen und es hätte daher kaum erst des von einer Abordnung der clericalen Fraction der Bundesversammlung dem Bundesrathe ausgesprochenen Wunsches bedurft, die frühere Regierung von Tessin möge förmlich wieder eingesetzt werden. Denn das Vorgehen der Tessiner Liberalen, mochten sie auch noch so sehr Ursache zur Unzusriedenheit mit der clericalen Cantonsregierung haben, war auf alle Fälle ungerechtfertigt und forderte daher eine entschiedene Remedur seitens des Bundesrathes, wenngleich letzterer gewiß nicht mit dem conser- vativen Regime im Tessin sonderlich sympathisirt. Anderseits will jedoch der Bundesrath nunmehr auch alten Beschwerden des liberalen Theiles des Tessiner Volkes gerecht werden, wozu namentlich die Anweisung an den Bundescommiffar Oberst Künzli gehört, nach Feststellung der Thatsache, daß das Begehren nach einer Revision der Cantonsverfassung für Tessin die genügende Anzahl von Unterschriften gesunden habe, die Volksabstimmung hierüber in der kürzesten gesetzlich zulässigen Frist anzuberaumen, womit sich die liberalen Tessiner einstweilen zufrieden geben könnten.
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 16. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben sich am Samstag den 13. d. M. mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Großfürsten Sergius und persönlichem Gefolge nach Moskau begeben. — Der Groß- herzog beglückwünschte Höchstpersönlich den Fürsten Dolgo- roukow zu seinem 25jährigen Jubiläum als Generalgouverneur von Moskau und verlieh demselben das Großkreuz des Ludwigsordcns. — Das Frühstück wurde bei dem Fürsten Dolgoroukow eingenommen und am Nachmittag die Rückkehr nach Jlinskoe angetreten.
Camenz, 14. September. Der Kaiser und die Kaiserin wurden bei der Ankunft von dem Prinzen und der Frau Prinzessin Albrecht bewillkommnet. Auf dem Bahnhose waren die Kriegervereine, am Eingänge zum Schloßpark die Schulen und vor dem Schlosse die prinzlichen Beamten ausgestellt. Unter dem Jubel der Bevölkerung fuhren die Herrschaften nach dem Schloß, wo ein Dejeuner eingenommen wurde. Alsdann folgte eine Rundfahrt durch den Park und die Umgegend, sowie ein Besuch der von dem Prinzen Albrecht erbauten evangelischen Kirche.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 15. September. Der „Reichsanzeiger" sagt in Betreff der Probeveranlagung zur Gewerbe st eu er: Die neue Veranlagung erfolgt ohne Rücksicht aus die Betriebsarten nach Maßgabe des Ertrages und des Anlage- und Betriebscapitals in vier Klaffen. Von Klaffe zwei bis vier findet eine entsprechende steigende Entlastung statt, insbesondere für Kleinhändler, Handwerker und Fuhrleute. Dem gegenüber stehe eine stärkere Heranziehung der Großbetriebe, deren Inhaber selbst die Notwendigkeit der Reform anerkennen würden. Auch sollten sehr leistungsfähige, derzeit nicht besteuerte Gewerbebetriebe, wie Theater, Concerte rc. herangezogen werden. Erst weitere Probeveranlagungen würden eine endgiltige Entscheidung ermöglichen.
Köln, 15. September. Gelegentlich des Altkatho- liken-Congresses sand gestern Vormittag ein zahlreich besuchter festlicher Gottesdienst statt. Erzbischof Heydkamp- Utrecht celebrirte das Hochamt, Bischof Reinkens hielt die Festpredigt. In der öffentlichen Sitzung sprachen Fürsprach Weibel (Schweiz) über den internationalen allgemeinen katholischen Character^ der christlichen Kirche, Reinkens über die Charitas. Schulte schloß mit einem Rückblick auf die altkatholische Bewegung seit Erlaß des Syllabus und Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas. An die Sitzung schloß sich ein gesellschaftliches Zusammensein.
Köln, 15. September. Der Kaiser von Brasilien ist hier eingetroffen und im Hotel du Nord abgestiegen.
Aachen, 15. September. Wie verlautet, sand gestern Nachmittag zwischen Montjoie und Kalterherberg ein Zusammenstoß zweier Personenzüge statt. Vier Personen sollen getödtet, acht verletzt sein. Der Stationsassistent in Montjoie soll verhaftet sein.
Düsseldorf, 15. September. Der Nachmittags um 1 Uhr 10 Min. von Cöln abführende Hamburger Schnellzug entgleiste gestern bei der Einfahrt im hiesigen Bahnhofe in Folge falscher Weichenstellung, lies auf das Nebengeleise und gegen eine stehende Locomotive. Zwei Postbeamte wurden schwer-
innerlich verletzt; zwei Locomotivbedienstete wurden leicht beschädigt. Beide Maschinen sind zertrümmert.
Liegnitz, 15. September. Bei regnerischem Wetter traf das Kaiserpaar um 10 Uhr aus Breslau auf dem Eichholzer Paradefelde ein. Nach dem Abreiten der Front fand Parademarsch und der Einzug des Kaisers an der Spitze der Truppen um 1 Uhr statt. Der Fremdenzufluß ist ungeheuer.
Liegnitz, 15. September. Die um 10 Uhr bei Eichholz abgehaltene Parade nahm einen glänzenden Verlauf. Die Anfahrt Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin erfolgte über Klein-Tinz. Die Truppen waren aus der nach dem Lerchenberge zu gelegenen Langseite des Platzes aufgestellt. Die 1., 2., 3. und 4. Kavallerie-Brigade standen mit in Parade. Se. Majestät der Kaiser betrat, von Brechelshof kommend, das Paradefeld und ritt dann sofort die Front der Truppen, sodann diejenige der Militärvereine ab. Hierauf erfolgte der Parademarsch der Truppen. — Nach beendigter Parade fuhr Ihre Majestät die Kaiserin nach Liegnitz zurück, wo Allerhöchst dieselbe um 1% Uhr eintraf, Se. Majestät der Kaiser folgte unmittelbar, an der Spitze der Fahnen- Compagnie reitend. Ihre Majestäten wurden von den Spitzen der Behörden, von Ehrenjungfrauen, den Schulen und den Korporationen ehrfurchtsvollst begrüßt. Auf dem Friedrichs- Platze, der besonders festlich geschmückt war, hörte Ihre Majestät die Kaiserin den Vortrag eines Gedichtes durch eine Ehrenjungsrau an, woraus der Oberbürgermeister Oertet eine Ansprache hielt, welche Se. Majestät der Kaiser mit huldvollen Dankesworten erwiderte. Hierauf begaben sich Ihre Majestäten nach dem Schlosse, woselbst um 5J/2 Uhr Paradetasel stattfindet. Die ganze Stadt ist prächtig geschmückt, die Bevölkerung in freudiger Bewegung.
Brechelshof, 15. September. An der heutigen Parade des V. Armeecorps nahmen Se. Königl. Hoheit der General- seldmarschall Prinz AlbrechtIvon Preußen, der Generalfeldmarschall Prinz Georg von Sachsen, Prinz Ludwig von Bayern und die commandirenden Generale Theil. Ihre Majestät die Kaiserin folgte Sr. Majestät dem Kaiser beim Abreiten der Fronten zu Wagen. Auch die Zöglinge der Ritterakademie und des Cadettenhauses waren zur Parade aufgestellt und wurden besichtigt. Se. Majestät der Kaiser führte zweimal das Leibgardehusaren-Regiment vor, Prinz Ludwig von Bayern zweimal das 47. Infanterie-Regiment (Niederschlesisches). Se. Königl. Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen cotoyirte zweimal das 1. Garde-Dragoner-Regiment Königin von Großbritannien und Irland. Der Vorbeimarsch der Cavallerie erfolgte im Trabe. Die dichtgedrängten Zuschauermassen brachten wiederholt Ihren Majestäten enthusiastische Ovationen dar.
Liegnitz, 15. September. Nach der Parade ritt der Kaiser zum Schloß, woselbst er die Fahnencompagnie und die Standartenescadron defiliren ließ und dem Commandeur des Garde-du Corps, Bissing, die Hand reichte. Nach dem Paradediner begibt sich der Kaiser nach dem neuerbauten Pavillon vor dem Schießhause, um von hier aus den Fackelzug vorbeiziehen zu lassen und dem Zapfenstreich zuzuhören.
Liegnitz, 15. September. Bei dem Paradediner toastete der Kaiser unter die Leistungen anerkennenden Worten auf das Wohl des fünften Armeecorps. General Seekt dankte und versicherte die Hingebung und Treue desselben. Die Kaiserin reiste Abends nach Breslau zurück. Die Stadt ist prachtvoll illuminirt.
Liegnitz, 15. September. Bei dem Fest im Schießhause begrüßte der Oberbürgermeister den Kaiser in einer Ansprache, in welcher er aus die wiederholten Besuche Hes kaiserlichen Großvaters und Vaters hinwies und gelobte, die den kaiserlichen Vorfahren geweihte Verehrung und Liebe auch auf den Kaiser zu übertragen. „Mit freudigem Stolze haben wir die Bemühungen Ew. Majestät verfolgt, vereint mit den Verbündeten den Frieden zu erhalten, freudig die ersehnte Vereinigung eines Stückes deutscher Erde mit dem Mutterlande begrüßt und nicht minder freudig begrüßt die Entschließung, den gestörten Frieden unter den Bevölkerungsklassen wiederherzustellen. Wir betrachten es als ernste Reichspflicht, dem Unternehmungsgist des deutschen Volkes in fremden Welt- theilen neue Bahnen zu eröffnen. Vertrauensvoll werde die Nation dem Kaiser in guten Tagen wie in Sturm und Wetter folgen. Die Ansprache schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.
Halle a. d. S., 15. September. Der deutsche Berg- arbeiter-Congreß ist heute eröffnet worden. Anwesend sind 39 Delegirte, meistens aus dem Rheinland und Westfalen. Möller (Gelsenkirchen) hielt die Eröffnungsansprache. Schröder und Staelln wurden zu Vorsitzenden gewählt. Bunte unb Siegel treffen morgen ein..


