verbunden sind. In diesem Sinne war der zehnte internationale medicinische Kongreß in Berlin eine Friedenskundgebung von ganz eminenter Bedeutung. Aus aller Herren Länder waren die Fahnenträger im Kampfe gegen die Leiden der Menschheit zusammengeeilt, 5737 wirkliche Mitglieder, 153 sogen. Theilnehmer und 1376 Damen sind in die Listen eingetragen worden. Deutschland allein entsandte 2918 Aerzte, Berlin davon 1166, also fast sein ganzes Kontingent. Eine besondere Freude für alle Freunde des Friedens war die Thatsache, daß die französische Regierung es sich nicht hatte nehmen lassen, eine Anzahl officieller Vertreter zu senden, deren Führer Professor Bourchard aus Paris tiefbewegt seinen Dank dafür aussprach, daß nicht nur die deutschen Aerzte, sondern auch das deutsche Volk gerade die französischen Vertreter besonders gefeiert chabe. Virchow, der vorher unter brausendem Beifalle betont hatte, in dem wissenschaftlichen Wirken gäbe es keine politischen und konfessionellen Unterschiede, hat als Leiter des Kongresses sich besonders darum verdient gemacht, daß dieser großartige Geist treuer internationaler Arbeit im Sinne der Brüderlichkeit und des Friedens die ganze Versammlung erfüllte- Virchow wurde darum auch ganz besonders begeistert gefeiert,- ein fremder Arzt nannte ihn den glänzendsten Vertreter der Wissenschaft und in der That nimmt heute Virchow in der gebildeten Welt eine Stellung ein, die sich von derjenigen Alexander von Humboldts vor 50 Jahren nicht wesentlich unterscheidet. Liegt nun also die große Bedeutung des Kongresses in erster Linie nach der politischen Seite, so darf man seine Wirkungen und Erfolge auf medicinischem Gebiete nicht unterschätzen. Selbstverständlich werden auf solchen Kongressen keine neuen Entdeckungen gemacht, kaum wird eine völlig neue Entdeckung der Welt bekannt gegeben, dafür ist ja die Presse viel geeigneter- aber die Anregungen, die von solchen Versammlungen ausgehen, die Verbreitung medicinischer Kenntnisse in weitere Kreise, das sind die Erfolge, die sich als der nicht hoch genug anzuschlagende Nutzen solcher Kongresse Herausstellen. Den Laien können die einzelnen behandeltem Themen nur wenig interessiren, er versteht zu wenig davon. Wir wollen deshalb aus dem reichen Materiale auch nur zwei Hauptpunkte herausgreifen, einmal daß Robert Koch die Mittheilnng machte, er hoffe in nicht allzu ferner Zeit seine Studien über die Bekämpfung der Lungenschwindsucht abzuschließen und der Welt bessere Mittel zur Vernichtung dieser Geisel der Menschheit an die Hand geben zu können- sodann mag hervorgehoben sein, daß die Verhandlungen über syphilitische Erkrankungen vielleicht practische gesetzgeberische Maßregeln zur Folge haben könnten. An die wissenschaftlichen Sitzungen schlossen sich eine Reihe von Sectionsbällen in verschiedenen glänzenden Etablissements- dabei sollen über 400 Verlobungen vorgekommen sein, indem viele der jungen Aerzte eine nur durch das Standesamt
heilbare Verletzung ihres Herzens bei dieser Gelegenheit erlitten hätten.
Vermischte».
* Witzenhausen, 12. August. Einen humoristischen Anstrich hatte die letzte Schöffengerichtssitzung dahier. Ein Bauer in Kleinalmerode.hatte einem Händler eine Kuh verkauft, welche dieser, ohne dieselbe aus dem Stalle zu nehmen, wieder an einen anderen Bauer verkaufte. Bevor der letztere das Thier nun von dem ersten Eigenthümer in Kleinalmerode holen wollte, wurde er gewahr, daß dasselbe eines „edlen Schmuckes" — des Schwanzes — entbehrte, wovon er dem Zwischenhändler Mittheilung mit dem Bemerken machte, daß er unter solchen Umständen von dem Kauf abstehe. Der Händler, welcher den beschriebenen Fehler bei seinem Kauf nicht bemerkt hatte, geht nach Kleinalmerode und findet bei seiner Untersuchung, daß die Kuh allerdings einen Schwanz hat, der aber nur künstlich befestigt war. Vor Gericht gab ein Sachverständiger den durch diesen Fehler verursachten Minderwerth der Kuh auf 30 Mk. an. Dieser „Handel mit Hindernissen" brachte dem Bauer fünf Tage Gefängniß ein und mit dem Loswerden der schwanzlosen Kuh war es leider nichts.
* „An meine liebe Mutter im Himmel!" Man berichtet aus Eineinnati vom 1. d. M.: Eine Postkarte, adressirt an „Meine liebe Mutter im Himmel", wurde dieser Tage im hiesigen Postamte unter den Briefen gesunden und dem Postmeister übergeben. Folgendes ist der wahrhaft rührende Inhalt der Karte: „Zu Haufe. Liebe Mama! Ich bin so vereinsamt, seitdem Du in den Himmel gegangen bist und ich will zu Dir kommen. Die Zeit scheint mir so lange. Du hast mir ja gesagt, ich könne zu Dir kommen. Frau Elark ist freundlich zu mir, doch ist sie nicht wie Du. Zeige dies dem lieben Gott und schicke nach mir, da mein Arm mir sehr- wehe thut und Du mir gesagt hast, daß ich im Himmel keine Schmerzen haben werde. Ich sende Dir einen Kuß. Deine Dora." Postmeister Riley war durch das Lesen dieser, von einem unglücklichen und wahrscheinlich kränklichen Waisenkind geschriebenen Postkarte auf das Tiefste bewegt und versuchte es, die kleine Schreiberin ausfindig zu machen. Sollte ihm dies gelingen, so werden sich auch Mittel finden, für das arme Wesen etwas zu thun.
Citeratnr uttfc Knnft.
— Neues Leben blüht! — aber nicht nur auf den Ruinen, sondern auch bei einem uns lanpft lieb und vertraut gewordenen Unternehmen, das als „Jllustrikte Welt" (hcrausgegeden von Prof. Joseph Kürschner, redrgtrtvonWllhelm Wetter, Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) in nunmehr 38 Jahren einen Leserkreis erworben hat, der die ganze Erde umspannt und das im letzten Jahre
geradezu verblüffende Anstrengungen nach jeder Richtung hin gemacht hat, so daß es heute all und jede in Betracht kommende Concurrenz weit hinter sich zurück läßt. Den besten Thetl seines Erfolgs verdankt das Blatt der sittlichen Idee, die es vertritt, der Gewissenhaftigkeit, mit der es geleitet wird und dem musterhaft durchgeführten Prtncip, überall vom Guten bas Beste zu geben. Wie kein anderes tragt dieses Journal das Gepräge des echten Familienbuches und Sttim glaublich ist der Retchthum, den gleich Heft 1 des eben beginnenden Jahrgangs enthält. An Erzählungen bringt Heft 1 dm Anfang von „Unter dem Bundschuh", historischer Roman von A. Oskar Klaußmann, eine packend geschriebene Geschichte, welche den Leser in die unruhoollen Zeiten des Bauernkrieges zurückversetzt, dann: „Wer war es?" Kriminalroman von Friedrich Jacobsen, dem trefflichen Erzähler spannender Polizeigeschichten. Höchst originell dürfte sich die Welturnfeglung der „Jllustrirten Welt" gestalten, ebenfalls dem belehrenden Genre angehörig ist „Ein Ausflug auf die Sonne". Kildenbauers „Wittwe" ist eine humoristische Erzählung, wie wir selten eine bessere gelesen, „Auf dem Kasirnenhof" eine prächtige Arbeit mit prächtigen Illustrationen. Die „Anleitung zur Weiß- stickerei" wird mit den erläuternden Bilderzugaben manch fleißigem Töchterlein gar wohl gefallen und der Artikel „Ein Triumph deutscher Technik" das größte Aufsehm erregen, überall wo in der Eisenindustrie die hohen Schornsteine rauchen. Von dem reichen Bllder- schmuck des Heftes erwähnen wir vor Allem das heitere, echt dem Leben abgelauschte „Jagdfrühstück", die belebte Rauchscene aus dem „Trompeter von Säkktngen", das liebliche „Rehe im Waldes das überaus humoristische „Der sprechende Kopf". Alles anzuführen, was uns an Bild und Text angesprochen, mangelt der Raum; wir können schließlich, indem wir den Eindruck, den das schöne Heft auf uns gemacht, in ein paar Worte zusammendrängen, nur sagen: Behaglich, herzerfrischend, gediegen — und billig, denn für 30 Pfg. solchen Reichthum zu erhalten ist ein wahres Wunder. Darum ratben wir unseren Lesern aus bester Ueberzeugung: abonnirt! Besseres könnt ihr bei billigerem Preise überhaupt nicht erhalten. Das erste Heft ist in jeder Buchhandlung und bei jedem Zeitungs- träger zu erhalten.
Vrodpreise
vom 17. bis 31. August 1890.
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. .....50
bei K. Lenz Wwe. 48
(6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
bei L. Keil, I. Lein, K. Haas 75
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4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte Schwarzbrod 2. Sorte '
Bei den Bäckern.
Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod „ (4 Pfd.) Weißbrod
Bei de« Brodverkäuser«.
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod 29
2 „ (4 „ ) „ 58
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte f 27
2 , (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 54
3 N (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte —
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte ........ 25
2 „ (4 , ) Schwarzbrod 2. Sorte 50
3 - (6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte • • —
Gießen, den 14. August 1890. Grosch. Polizeiamt Gießen.
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Zwischenhändler sind ausgeschloffen und bleiben unberücksichtigt.
Bedingungen liegen auf Stube Nr. 71 der Kaserne I zur Einsicht offen.
Bewerbungen unter der Adresse des Batls. bis zum 26. August 1890.
Gießen. [6669
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Die Lieferung von 330 cbm Pflastersteinen aus Basalt oder Granit soll öffentlich vergeben werden-
Der Verdingung liegen die durch die Regierungsamtsblatter bekannt gegebenen Bedingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen vom 17. Juli 1885 zu Grunde-
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Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 88. August d. I., Vormittags 11 Uhr, an uns einzureichen, zu welcher Zeit die Eröffnung der eingegangenen Angebote stattfindet. Zuschlagsfrist 3 Wochen.
Erfurt, den 10. August 1890. [6749 «öniglichesEisenbahn.Betriebsamt.
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