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H Expedition des „Giessener Anzeiger“. ||
Ein braves tüchtiges Mädchen mit guten Zeugnissen wird auf 1. Juli für die Küche gesucht.
Frau Marie von Köder, 4683] Wilhelmstratze 16.
Ein tüchtiger Hau-bursche auf sofort gesucht.
Ferd. DrebeS, 4918 Marktplatz 21.
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Donnerstag den 12. Juni. Gietzenev AnzeiAev. Beilage zu Nr. 133. - 1890.
Feuilleton.
Wie ich Director wurde.
Aus den Erinnerungen eines fahrenden Mimen.
Von Fritz Brentano.
(Fortsetzung.)
Der Herr Bürgermeister hatte sich feierlichst niedergelassen und schickte sich an, ein Protoll über den schweren Fall aufzunehmen. Er that dies etwas zögernd und unter so eigentümlichen Vorbereitungen, daß wir sofort daraus entnahmen, daß das Schreiben nicht zu denjenigen Beschäftigungen gehörte, welche er mit Leidenschaft betrieb.
Allein er sollte gar nicht zum Schreiben kommen, denn kaum hatte er aus der Beantwortung der uns vorgelegten Generalfragen entnommen, daß wir Schauspieler seien, als er schleunigst die Feder wegwars und sich ein sichtlich freudiges „Ach nee!" seinen Lippen entrang.
Der wackere Ortstyrann war ein s Kunstenthusiast, und dieser unerwartete Umstand sollte uns retten. Er hatte in seiner Jugend in einer größeren Provinzialstadt als Soldat in Garnison gestanden und als solcher einige Male selbst als ausübender Künstler, d. h. als Statist, im Theater mitgewirkt. Nie wieder hatte er eine Bühne zu sehen bekommen, allein die Erinnerung an den Glanz derselben war so unvergänglich in ihm wach geblieben, daß er förmlich entzückt war, als wir ihm, ermuthigt durch seine Mittheilungen, unseren Wunsch vortrugen, hier im Orte einige Aufführungen zu veranstalten.
Selbstverständlich wurde der Apfelraub alsbald in das Meer der Vergessenheit gesenkt, die gepfändeten Hüte kehrten kostenlos in unseren Besitz zurück und eine Viertelstunde später saßen wir bei einem Berg von Schinken und Würsten
in der Wohnung des Gefürchteten und aßen mit einem Eifer, < als gälte es, zwei Verhungernde vom Tode zu erretten. 1 Dabei kreiste ein mächtiger steinerner Weinkrug, dessen Inhalt gar lieblich Körper und Seele erquickte, und wir besprachen die bevorstehende Kunstcampagne, für welche uns bereitwilligst von unserem „nahrhaften" Wirth der Rathhaussaal zur Verfügung gestellt wurde.
Ich bitte den geneigten Leser, hier nicht etwa gleich an den Berliner, Breslauer oder sonst einen ihm zufällig bekannten Nathhaussaal zu denken. Der dortige war in der That etwas kleiner, konnte aber immerhin, wenn wir ein „ausverkaustes Haus" erzielten, zehn bis elf Thaler einbringen. Und so zögerten wir keinen Augenblick, unseren zurückgebliebenen Damen die Mittheilung machen zu lassen, daß alles in Ordnung sei und sie sofort mit dem „gesammten" Inventar nach B. kommen könnten. Ihre Uebersiedelung übernahm der Herr Bürgermeister, indem er als galanter Kunstenthusiast seinen Leiterwagen zur Verfügung stellte, und am anderen Morgen bereits rückte die zartere Hälfte unserer Künstlerrepublik im Orte ein.
Und nun galt es, eine Bühne zu beschaffen und das Repertoir sestzustcllen. Wir hatten, gottlob, die dreizehn Rollen Tapete und der Bürgermeister lieferte eine Anzahl Bohnenstangen für ein Gerüst gratis. Mutter Huppmiller, die komische Alte, kochte einen riesigen Topf Kleister und nun ging es rüstig an die Arbeit. Mein Mitdirector und ich gönnten uns keine Viertelstunde Ruhe- wir hämmerten und klebten b[s tief in die Nacht, und am Morgen des nächsten Tages strahlte dem erstaunten Dorfgebieter eine Zimmerdecoration entgegen, die zwar nicht gerade an die Ausstattungen der „Meininger" erinnerte, für B. aber immer prachtvoll zu nennen war.
Man wird zugeben müssen, daß die launische Glücksgöttin sich uns bis dahin außerordentlich wohlwollend gezeigt I hatte. Nach aller menschlichen Voraussicht waren rnun alle
Hindernisse beseitigt und wir konnten, Dank dem Wohlwollen, das uns der Dorfmäcen und selbstverständlich in Folge dessen auch die sonstigen Honorationen des Ortes entgegenbrachten, glänzenden Einnahmen entgegensetzen.
Allein „was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe, die der Mensch, der flüchtige Sohn der Stunde, aufbaut auf betrüglichem Grunde?" fragte Cajetau oder sonst ein biederer Rittersmann in der „Braut von Messina", und ich antwortete darauf, daß sie „Nichts! Absolut nichts!" sind. Dies zeigte sich wieder bei unserem so verheißungsvoll ins Leben getretenen Unternehmen, welches schon vor der ersten Vorstellung kläglich scheiterte.
Der Leser, welcher die Entwickelung desselben bis jetzt mit einiger Aufmerksamkeit verfolgte, wird von dieser Mittheilung etwas überrascht sein, und ich sühle mich verpflichtet, ihm die nöthige Aufklärung zu geben.
Der Neid ist eine schlimme Leidenschaft. Eine der galligsten, gelblichsten Sorten von Neid aber ist der Rollenneid, ein so niederträchtiger, ungeberdiger Geselle, daß selbst der Gedanke an unsere Misere ihn nicht bändigen konnte und ein Ausbruch desselben unsere junge Direction geräuschvoll in die Lust sprengte.
Wir wollten den guten Kunstkennern von B. von vornherein etwas Gediegenes bieten und wählten deßhalb als Eröffnungsstückchen Görners Lustspiel: „Schwarzer Peter", dessen ehrwürdiges Alter uns dafür bürgte, daß es keine unwürdige dramatische Eintagsfliege war. In dem Stücke agiren drei Personen, ein alter Förster, ein jüngerer Jägerbursche und ein noch jüngeres Mädchen. Die Rolle des letzteren fiel anstandslos unserer „Naiven" zu, während die Alte sich diesmal mit dem Amte der Souffleuse begnügen mußte, aber wir, die Herren Directoren, einer spielwüthender als der andere, konnten uns absolut nicht darüber einigen, wer die ältere, wer die jüngere Rolle spielen sollte.
I (Schluß folgt.)
der Nachtruhe die Lebensgeister sich ins Innere zurückgezogen und-das Hauptorgan tatsächlich geschlafen, den Tageslauf je nach gebotener Möglichkeit, persönlicher Neigung und Gewöhnung sowie nach Beschaffenheit der Jahreszeit mit dem das Hautleben wieder erweckenden Baden beginnen, wozu uns. jetzt bei der bevorstehenden warmen Jahreszeit in den hiesigen Bade- und Schwimmanstalten wieder so schöne Gelegenheit geboten ist. Zum Schluß wird noch der Merkspruch zur Beherzigung empfohlen:
„Das Neugeborene soll nicht blos die ersten zwei Wochen, sondern so lange gebadet werden, bis es das 60. Jahr erreicht hat, wo's dann Anwartschaft erworben haben wird, auch noch das 80. zu erreichen."
Werth des Badens.
Die Gesundheitslehre rechnet mit der gewaltigen Schleuse der Wärmeregelung und Sästemischung in der Art, daß sie geflissentliche Reinhaltung und Kräftigung des Hautorgans, kürzer gesagt: Uebung der Hautpflege für gesundheitsförderlich, Unterlassung dieser Uebung für krankheitserzeugend erklärt. Die völlige, Unterdrückung der Hautausdünstung ist von tödt- licher Wirkung, aber habituell getriebene Vernachlässigung der Hautpflege ist als Quelle von allerhand schleichenden Nebeln zu betrachten. Diese habituelle Unterlassung ist die Wasserscheu, Zwillingsschwester der Lustscheu. Gesunde Wirkung der Hautpflege ist die Abhärtung, ungesunde Wirkung der Wasserscheu ist die Verweichlichung.
Unser Hautorgan hat sich in seiner Eigenschaft als unser natürliches Kleid im Kampfe mit der Außenwelt hauptsächlich mit den Einflüssen dep atmosphärischen Kälte oder Wärme, Nässe oder Trockenheit, oder kurz gesagt mit Wind und Wetter ins Benehmen zu setzen. Zu dem Ende ist es von der Natur außer mit Oberhaut, Schweißdrüsen und Blutgefäßen noch mit Nerven ausgestattet, welche uns als Fühler dienen, wie weit wir uns gegen die von Wind und Wetter drohende Steigerung der Abkühlung oder wie man sie gewöhnlich nennt „Erkältung" in Acht nehmen sollen, indem wir künstliche Bekleidung zur Zurückhaltung unserer natürlichen Strahlwärme zu Hülfe nehmen. Die gemeinsame Function der Nerven und Blutgefäße ist die Hautfederkrast, welche Kraft unter gesunden Verhältnissen die Eigenschaft zeigt, daß sie bei Einwirkung von Wärme erschlafft, um aus dem Körper Wärme reichlicher -sowohl auszustrahlen, als auszudünsten, bei Einwirkung von Kälte dagegen sich zusammenzieht, um die eigene Wärme im Körper zurückzuhalten. Das
Merkmal eines hygienisch gezüchteten Hautorgans nun geht dahin, daß die Federkraft auch bei plötzlichen Temperaturwechseln je nachdem mit Ausdehnung oder Zusammenziehung folgt. Während nun durch übermäßiges oder unzeitiges Warmhalten die Hautfederkraft in der Art verwöhnt wird, daß sie nur Erschaffung zu leisten, zur Zusammenziehung aber sich nur schwer, langsam und unvollkommen aufzuraffen vermag, gälte es vielmehr, sie mit Fleiß so abzuhärten, daß sie laufend einen mittleren Grad der Schonung einhielte, eine Ausgabe, welche durch tägliches Baden sicher erfüllt würde.
Die eingeriffene Wasserscheu übt weiter ihre gesundheitswidrige Wirkung auch auf die Säftemischung, die sich nicht am letzten in Hautkrankheiten äußert und zwar schon beim Heranwachsenden Kinde. Das in der ersten Zeit regelmäßig betriebene Baden des Neugeborenen schlägt bald in Unregelmäßigkeit, unvollkommenes bloßes Waschen, nach und nach sogar in gänzliche Unterlassung um und es greift die Muhmenregel Platz, das Kind dürfe nicht gebadet werden, weil sich's erkälten könne. Mit Bestimmtheit erklärt nun die Gesundheitslehre, daß mit dieser Aera der wasserscheuen Haltung die körperliche Leidensgeschichte des bis dahin gesunden Kindes beginnt. Während man durch habituelles Nichtbaden daheim die Scrophelsucht förmlich züchtet, entschließt man sich erst einmal auswärts, gegen den schlimmen Ausschlag, die schlimmen Augen und das ganze Heer' der sogenannten scrophulöfen Säfteverderbniß und Nachwehen der Influenza Bäder zu gebrauchen. Die wahrhaft wunderbare Heilwirkung des Bades erklärt' sich dann einfach daraus, daß von der daheim beobachteten wasserscheuen Behandlung zur wasserfreundlichen übergegangen wurde. Lasset uns darum als Wasserfreunde das naffe Element als halbes Leben schätzen und nachdem während
Vermischtes.
*— Frankfurt a. M., 10. Juni. Anläßlich der im nächsten Jahre dahier stattfindenden internationalen Ausstellung werden in 1891 in Frankfurt, wie die hiesigen Blätter übereinstimmend zu berichten wissen, mancherlei Congresse abgehalten. In erster Linie der Congreß der Elektrotechniker. Sodann wird der Magistrat unserer Stadt die sämmtlichen deutschen Städteverwaltungen in Hinblick auf die Besichtigung und Prüfung der verschiedenen Systeme electrischer Beleuchtung, Kraftübertragung, electrischer Straßenbahnen rc. zu einem Congresse einladen. Der in diesem Jahre in München tagende Congreß der Gas- und Wassersachmänner wird vom Magistrat der Stadt Frankfurt eine Einladung erhalten, seine nächstjährige Versammlung hier abzuhalten. Endlich wird der in diesem Jahre in Bremen berathenden deutschen Naturforscher-Versammlung eine gleiche Einladung zugehen.
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Herr Schuldirector Brandt aus Lahr, der Jnspector des Nonnen- weier Mutterhauses für Kinderpflege, will am nächsten Mittwoch den 11. d. Mts, Abends 8 Uhr in der Kleinkinderschule einen Vortrag halten über:
„Die Kleinkinderschule und die Kinderstube und ihre hohe Vedeutnng für das Leben."
Der Eintritt ist frei; beim Ausgang wird Gelegenheit geboten zu einer freiwilligen Gabe für das Feierabendhaus, in dem invalide und kranke Nonnenweier Schulschwestern Aufnahme finden.
Zu zahlreicher Betheiligung an dem vorgenannten Vortrag lädt em Namens des Vorstandes der Kleinkinder-Bewahranstalt
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Gießen, den 7. Juni 1890. Pfarrer.
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