bei dem uns so schwer
betroffenen Verluste saut Namens der Hinterbliebenen den
herzlichsten Dank
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Gemmerich
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„Das Beste ist stets das Billigste.1
erkannt hatte, daß die Wiener Börse den Rückhalt bildete, an welchem in Itfofft Linie die Baisseangriffe scheiterten, ging man daran, dieses Bollwerk zu brechm Es war keine allzuschwere Aufgabe. Ein btrecter Angriff auf die Wiener Local- Werthe genügte und rief, weil er unverhofft kam, eine förmliche Panik in Wien hervor. Mittelbanken fielen 10—15 fl. in wenigen Stunden, und nicht allein bitje Jndustriewerthe, Bahnen, selbst Renten wurden in sinnloser Angst zu jedem Cours! auf den Markt geworfen. Der gleichzeitige Angriff auf deutsche Werthe hatte hiernach den gewünschten Erfolg.
Dann kamen die ersten Nachrichten über die glänzende Bilanz der Discont- gesellschaft, die Tendenz besserte sich zusehends, besonders Disconto stiegen wieder bis 233, nachdem sie bereits einen Cours von 224 gesehen hatten. Ader Berlin war nicht gewillt, eine Besserung der Tendenz aufkommen zu lassen. Mit inäd» tigem Vorstoß wandte man sich gegen die schwachen Punkte des Marktes, namentlich Dresdner Handelsgesellschaft und einige Wiener Banken, und wiederum war der Erfolg vollkommen. Der günstige Eindruck der Bilanzztffern verschwand unter der Beängstigung, welche ein neuer Eoursrückgang der Dresdner Bank um mehr als 10%, und eine Unzahl falscher Gerüchte verursachten. Militäroorlagen, politische Nachrichten, Insolvenzen uvd Wassereinbrüche in Kohlengruben, alles dies mußte dazu dienen, die Baisse zu verschärfen. Seitdem hat sich die Haltung wieder verbessert, aber die Tendenz bleibt schwankend und besonders an den Nach- und Abendbörsen, an welchen mit verhältnißmäßig geringen Mitteln ein großer Eindruck hervorgebracht werden kann, wiederholen sich die Angriffe der Contremine und lassen eine dauernde Beruhigung nicht aufkommen. Die heftigen Auf- und Niederschwankungen beweisen am besten, daß es sich hier nicht mehr um Executionen ober freiwillige Verkäufe des Publikums handelt, sondern daß sie lediglich fpeculattvm Interessen ihr Dasein verdanken. Ob hiermit noch weitere Erfolge erzielt werden können, wird gänzlich von der Haltung des Publikums abhängen. Meine Meinung geht dahin, daß, nachdem die Engagements zweifellos eine ganz außerordentliche Herabminderung erfahren haben und die Course bis auf den gegenwärtigen Stand zurückgegangen sind, ernstliche Befürchtungen nicht mehr gehegt zu werden brauchen. Aber auch von einem Rückschlag nach oben, zu welchem Deckungen der Contremine die Veranlassung geben könnten, wird man sich nicht zuviel versprechen dürfen, denn zweifellos sind die bisherigen Verluste groß genug, um in der nächsten Zeit vor Uebertreibungen gänzlich zu bewahren.
Geld war ziemlich knapp die ganze Woche hindurch. Der letzte Reichtzbanl- ausweis brachte ein ganz ungemein großes Anwachsen der Wechsel'und Lombardbestände, jedenfalls in Zusammenbang mit der kurz zuvor erfolgten Herabsetzung der Bankrate und dem plötzlichen Geldbedarf bei der letzten Ultimoregulirung. dieser Woche ist nunmehr der Satz der Bank von England zum zweiten Mal ermäßigt worden, sodaß er gegenwärtig 4% % beträgt, und man hofft nach diesem Vorgang auf ein baldiges Sinken des Zinsfußes auch im deutschen Markt. Dai Coursntveau stellt sich trotz der zeitweilig ganz enormen Rückgänge nicht sehr erheblich unter dasjenige der Vorwoche. Disconto haben den vorwöchentlichen Stand zurückerobert, Darmstädter schließen noch mit 2% Verlust, Deutsche Bank verloren 4 %, Handelsgesellschaft 5%. Am bedeutendsten erscheint der Verlust der Dresdner Bank-Äctien mit 10 %, besonders wenn man in Betracht zieht, daß der heutige Schlußcours bereits um 7 % über den niedrigsten Stand der Woche binausgeht.
Ebenso zeigen die Course der Wiener Werthe noch verhältnißmäßig große Verluste, was zum Theil mit der ungarischen Mtnisterkrisis zusammenhängt. Es notiren Eredit 4% fl, Ungar. Credit 6 ff., Länderbank 10% fl., Bankverein 4 fl. niedriger.
Bahnen wurden bereits als scharf rückgängig angeführt. Die Courseinbuße beträgt 6% fl. bet Böhmische Westbahn, 3% fl- bei Nordbahn, bei Buschtherabss 7 fl., Dux« 5 fl., Graz-Köflacher 5 fl., Lombarden 4 fl., Elbethal 3 fl. M deutschen Werthen zeichnen sich Bexbacher und Lübeck-Büchner aus.
Der Coursrückgang der Renten ist nicht recht erklärlich, da doch wohl angenommen werden kann, daß bedeutende Beträge, welche aus Banken und Montan- werthen zurückgezogen werden, ihre Zuflucht wieder bet festverzinslichen Werthm suchen müssen. Die Vorgänge auf dem Bankenmarkt spiegeln sich in entsprechend vergrößertem Maßstabe in den Coursen der Berliner Montanwerthe wieder.
Die Coursrückgänge waren an einzelnen Tagen wahrhaft schreckenerregend, namentlich die der neu emittirteu Actien Dannebaum und Schalke. Harpencr sanken bis unter 200, Bochumer auf 175, Hibernia auf 180, daneben zeigten sich auch im Cassamarkt-Differenzeu, welche sich bis zu 20% in einem Tage bezifferten. Auch bei Laura und Gelsenkirchener betrugen die Verluste 10% und mehr- Doch haben sich beide wieder kräftig erholen können und ihr Verlust beträgt gegenwärtig nur wenig mehr als 4%. Alpine Montan-Actten verloren 8%. Großen Schwankungen waren Norddeutsche Lloyd unterworfen. In Berlin wollte man an einem Tage den Cours bis auf 155 herabdrücken und nur der directen Jnter- vention der Börsencommission ist eö zu danken, daß diese Absicht vereitelt wurde.
Für die in so reichem Maasse bewiesene Theilnahme
Börfenwochesbericht
von E« W asserschlehen, Bankgeschäft.
An der Börse wüthet der Parteikampf in wahrhaft erschreckender Weise. Es ist von jeher das traurige Geschick der Börse gewesen, einer langsam fortschreitenden Entwicklung und damit auch des ruhigen Genusses einer befriedigenden Geschäftslage entbehren zu müssen, weil Elemente, die ihre Lebensbedingung nun in ständigen Coursbewegungen finden, diese künstlich Hervorrufen, oder doch bestehende Bewegungen mit allen Mitteln zu vergrößern suchen und dadurch die Börse von einem Extrem in das andere stürzen. Diese Elemente bilden einen äußerst wichtigen ausgleichenden Factor im Geschättsleben, und die Börse bedarf ihrer. Auf der anderen Seite aber liegt das Interesse sämmtlicher Commissionshäuser und der hinter ihnen stehenden Kundschaft, sowie aller soliden Formen so sehr in einer ruhigen Entwicklung des Verkehrs, daß es unbegreiflich erscheint, wie ein derartiges Ueberwuchern der Speculation, wie es in der letzten Woche zweifellos zu Tage getreten ist, hat aufkommen können. Es soll hier nicht bestritten werden, daß das Publicum an den Uebertreibungen der Hausseperiode die größte Schuld trägt, und daß es gegenwärtig, allerdings mit theurem Gelbe, den Leichtsinn bezahlt, mit welchem es vorher alle Mahnungen zur Besonnenheit in den Wind schlug; aber man muß doch bekennen, daß namentlich die Berliner Börse stets eifrig daran war, den Enthusiasmus noch weiter zu schüren, und wenn gegenwärtig von dort aus Tag für Tag die Course beruntergeschrieen werden und mit systematischen Angriffen auf die besten Werthe, mit erlogenen Gerüchten und falschen Depeschen, Angst und Besorgniß in die besitzenden Theile des Publicums getragen werden, so verlangt doch das allgemeine Interesse, daß diesem Verfahren ein stärkerer Widerstand entgegengesetzt wird als bisher geschehen ist. Unser ganzes Geschäftsleben krankt an einem Mangel an Vertrauen und erste Pflicht aller Banken und Prioathäuser sollte sein, dahin zu wirken, daß diesem unseligen Mangel, welcher die Entwicklung jedes geschäftlichen Aufschwungs auf das Schwerste schädigt, nach und nach abgeholfen wird. Ein solches Gebahren aber, wie es der Berliner Platz gegenwärtig bekundet, muß nothwendiger Weise alles, was in-ben letzten Jahren in bieser Beziehung Erfreuliches geleistet würbe, von Grunb aus vernichten. Das wirb jeher Einsichtige erkennen. Berlin hat sich zu einer bominirenben Stellung unter ben deutschen Börsen emporgeschwungen, wird diese Stellung in solcher Weise mißbraucht, so fordern die Interessen, die dabei auf dem Spiele stehen, und der Ruf der deutschen Börsen gebieterisch, daß Abhülfe geschaffen werde. Es wird zunächst Pflicht jeder einzelnen Firma, der gewissenlos ausgestreuten Beunruhigung entgegenzutreten, um wenigstens die Kundschaft soweit als möglich vor Verlusten zu bewahren.
In welcher Weise gegenwärtig an der Börse verfahren wird, mag ein kurzer Ueberbltck über die Bewegung der Woche geben. Nachdem man in dec Vorwoche
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2073] Die Beleidigung, die ich am 28. Februar lfd- Js. gegen Johannes Schlapp von Staufenberg ausgesprochen habe, nehme ich hierdurch als unwahr zurück.
Staufenberg, am 6. März 1890.
________________Ludwig Zecher.
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