Stande gekommen ist. Solche Aufsätze werden als gut bezeichnet: das war der lateinische Aussatz. Aber wenn wir auf dem Gymnasium einen Aussatz über „Minna von Barnhelm" schreiben sollten, bekamen wir „kaum befriedigend". Deswegen sage ich: weg mit dem lateinischen Aussatz- er stört uns und wir verlieren unsere Zeit für das Deutsche darüber.
Ebenso möchte ich das Nationale bei uns weiter gefördert sehen in Fragen der Geschichte, Geographie und der Sage. Fangen wir erst einmal bei uns zu Hause an. Erst wenn wir in den verschiedenen Kammern und Stuben Bescheid wissen, dann können wir m's Museum gehen und uns auch dort umsehen. Aber vor allen Dingen müssen wir in der vaterländischen Geschichte Bescheid wissen. Der Große Kursürst war zu meiner Schulzeit nur eine nebelhafte Erscheinung- der siebenjährige Krieg lag bereits außerhalb aller Betrachtung und die Geschichte schloß mit dem Ende des vorigen Jahrhunderts, mit der sranzösischen Revolution. Die Freiheitskriege, die das Wichtigste sind für den jungen Staatsbürger, wurden nicht durchgenommen und nur durch ergänzende, sehr interessante Vorträge des Herrn Geh. Raths Hinzpeter bin ich, Gott sei Dank, in der Lage gewesen, diese Dinge zu erfahren. Das ist aber gerade das punctum saliens. Warum werden denn unsere jungen Leute verführt? Warum tauchen denn so viele unklare consuse Weltverbesserer aus? Warum wird immer an unserer Regierung herumgenörgelt und auf das Ausland verwiesen? Weil die jungen Leute nicht wissen, wie unsere Zustände sich entwickelt haben, und daß die Wurzeln in dem Zeitalter der sranzösischen Revolution liegen. Und darum bin ich gerade der festen Ueber- zeugung, daß, wenn wir diesen Uebergang aus der sranzösischen Revolution in das 19. Jahrhundert in einfacher, objec- liver Weise in den Grundzügen den jungen Leuten klar machen, so bekommen sie ein ganz anderes Verständniß für Lie heutigen Fragen, wie sie es bisher hatten. Sie sind Dann im Stande, auf der Universität durch die ergänzenden ^Vorlesungen, die sie dann hören, ihr Wissen weiter zu verbessern und zu vergrößern.
Komme ich nun auf die Beschäftigung unserer jungen Leute, so ist absolut nothwendig, daß wir mit der Anzahl Der Stunden heruntergehen. Herr Geh. Rath Hinzpeter wird sich erinnern, daß zur Zeit, wie ich aus dem Gymnasium in Cassel war, der erste Nothschrei der Eltern und Familien laut wurde, daß es nicht so weiter gehen könne - es wurden infolge dessen Erhebungen von der Regierung angestellt ; wir waren verpflichtet, alle Morgen unserem Director einen Zettel abzugeben mit der Stundenzahl der häuslichen Stunden, die wir nöthig gehabt hatten, um das für den nächsten Tag ausgegebene Pensum zu bewältigen. Es sind blos die Zahlen aus der Prima speciell, die ich jetzt hier berühre. Nun, meine Herren, es kamen bei ganz ehrlichen Angaben — bei mir konnte sie noch Herr Geheime Rath Hinzpeter controliren — für jeden Einzelnen 5*/2, 6*/z bis 7 Stunden auf die häuslichen Arbeiten heraus. Das waren die Abiturienten. Rechnen Sie noch dazu die 6 Stunden Schule, 2 Stunden Essen, dann können Sie ausrechnen, was von dem Tag übrig geblieben ist. Wenn ich nicht Gelegenheit gehabt hätte, hinaus- und hineinzureiten und noch sonst etwas mich in der Freiheit zu bewegen, dann hätte ich überhaupt nicht gewußt, wie es in der Welt aussieht. Das sind doch immerhin Leistungen, die man jungen Leuten auf die Dauer nicht aufbürden kann. Nach meinem Erachten muß auch nach unten entschieden nachgeholfen und nachgelassen werden. Meine Herren, es geht nicht, man darf diesen Bogen nicht weiter spannen und nicht so gespannt lassen, wir müssen hier herunter- wir haben die äußerste Grenze bereits überschritten.
Die Schulen — ich will einmal von den Gymnasien sprechen — haben das Uebermenschliche geleistet und haben meiner Ansicht nach eine allzustarke Ueberproduction der Gebildeten zu Wege gebracht, mehr wie die Nation vertragen kann, und mehr wie die Leute selbst vertragen können. Da ist das Wort, das vom Fürsten Bismarck herrührt, richtig, das Wort von dem Abiturienten-Proletariat, welches wir haben, die sämmtlichen sogenannten Hungercandidaten, namentlich die Herren Journalisten, das sind vielfach verkommene Gymnasiasten, das ist eine Gefahr für uns. Dieses Ueber- maß, das jetzt schon zu viel ist, gleichsam ein Rieselfeld, das nichts mehr aufnehmen kann, muß beseitigt werden. Ich werde daher kein Gymnasium mehr genehmigen, das nicht absolut seine Existenzberechtigung und Nothwendigkeit nachweifen kann. Wir haben schon genug. Nun aber handelt es sich darum, wie kann man den Wünschen in Bezug auf klassische Bildung und in Bezug aus Realbildung und in Bezug aus die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst am besten beikommen? Ich halte dafür, daß die Sache ganz einfach dadurch zu erledigen ist, daß man mit einem radicalen Schritt die bisherigen Anschauungen zur Klärung bringt, daß man sagt: klassische Gymnasien mit klassischer Bildung, eine zweite Gattung Schulen mit Realbildung, aber keine Realgymnasien. Die Realgymnasien sind eine Halbheit, man erreicht mit ihnen nur Halbheit der Bildung, und das Ganze gibt Halbheit für das Leben nachher." (Schluß folgt.)
Deutscher Reichstag.
36. Plenarsitzung. Freitag, 5. December 1890, 2 Uhr.
Abg. Singer (Soc) begründet den Antrag Auer auf Einstellung des gegen den Abg. Wurm (Soc ) in Hannover schwebenden Slrasoerfchrentz wahrend der Dauer der Sesion. Das Strafver fahren hätte überhaupt ohne Zustimmung des Reichstags gar nicht eingelettek weiden dürfen, da der Reichstag nur vertagt war. — Der Antrag wird ohne weitere Debatte angenommen.
Es folgt die erste Berathung des Entwurfs eines Gesetzes betr. den Schutz der Geb, auchsmuster.
Ab. Samhammer (dfr.) begrüßt den Entwurf mit Genug- thuung, wünscht aber eine pröcisere Fassung, insbesondere eine bestimmtere T.fiuitton dessen, was geschützt w rden soll. Die Gebühren seien zu doch bemisssn. E>- handle sich namen'ltch hier um den Schutz kleine'er Industrien; da dürfe man kein Geschäft machen wollen DaS Reichsgei icht iei als Berufungsinsta..z ganz ungeeignet; diese Instanz müsse im Putcntamte selbst zu finden situ.
Staatssccretär Dr. v. Bötticher: Auf die Bezeichnung „Gebrauchsmuster" lege er keinen Werth; finde der Vorredner eine präctsere, so acceptire er sie. Dem Gebrauchsmusterschutz sollen auch patentfähige Gegenstände von geringerem Werth unterliegen. Die Gebühren würden sich bei näherer Prüfung als nicht zu hoch erweisen. Eine internationale Verständigung werde schwierig sein, da nur in wenigen Ländern ein Schutz von Gebrauchsmustern bestehe.
Abg. Scipio (natl.) hält gleichfalls eine billigere Bemessung der Gebühren für geboten, desgl. Abg. Hultzsch (cons.), der die Vorlage sebr sympathisch begrüßt.
Die Vorlaae geht an die Patentcommiffion.
Es folgt die erste Berathung der Novelle zum K rank en - kassengesetz.
Staatssecretar Dr. v. Bötticher: Man wird beute, nach siebenjährigem Bestehen deS Krankenkassengesetzes, an dessen segensreicher Wirksamkeit nicht mehr zweifeln. An den Grundlagen des Gesetzes solle deshalb durch diese Vorlage nichts geändert werden, Vor Allem sei es unrichtig, daß die Regierung beabsichtige, den freien Htlfskassen zu Leibe zu gehen und es liege dazu keine Veranlassung vor. Wollten die Regierungen die freien Htlfskassen aus der Welt schaffen, so würden sie dies einfad) beantragen. Die Vorlage stehe auf der Grundlage der ausgleichenden Gerechtigkeit; ihr Ziel sei ausreichende Fürsorge für die Arbeiter. (Beifall.)
Abg. Schumacher (Soc.) wandte sich gegen die Bestimmung, wonach auch die freien Hilfskassen freie ärztliche Behandlung, Arznei und Heilmittel gewähren sollen, anstatt wie bisher ein höheres Krankengeld. Man müsse auch an die Familien der Kranken denken, denen mit einem erhöhten Krankengeld mehr gedient sei. Das Krankenkassengefttz habe der Socialdemokratie neue Anhänger zugeführt, wobei er dessen segensreiche Wirksamkeit nicht verkenne; aber es bedürfe noch sehr der Verbesserung. Durch die Vorlage sollen die freien Hilfskassen gewissermaßen unter (Suratei der Ortskrankenkassen kommen. Mit der Erweiterung des Kreises der Versicherungs- Pflichtigen sei er einverstanden. Redner geht sodann den Entwurf paragraphenweise kritisch durch und beantragt Verweisung desselben an eine 28er-Eommission.
Abg. Mirbach (Reichsp.): Seine Freunde und er seien mit der Vorlage ganz einverstanden, insbesondere aber damit, idaß auch die freien Hilfskassen freie ärztliche Behandlung, Arznei und Heilmittel den Arbeitern gewähren sollen. Es sei wünschenswerth, daß der Kreis der Versicherungspflichtigen immer mehr erweitert werde. Die Vorlage bringe eine entschiedene Verbesserung des Bestehenden.
Abg. Dr. Hirsch (frf.) kann die Vorlage nicht im Bausch und Bogen accepttren. Sie trage den Geist der Bevormundung und des Zwanges und entspreche nicht dem neuen CurS der socialpolitischen Gesetzgebung. Sie enthalte allerdings daneben eine Anzahl wirklicher Verbesserungen. Die Zeit, da die Bäume der Zwangsverstcherung in den Himmel zu wachsen schienen, sei vorbei, wie die Aufnahme des Jnvaliditätsgesetzes zeige. Ein Bedürfniß zur Erweiterung des Kreises der Versicherungspflichtigen liege, namentlich so weit dabei die Handlungsgehilfen in Frage kommen, nicht vor. Das System des Zwanges werde in der Vorlage durch die Bestimmungen gegen die freien Hilfskassen weiter ausgebaut. Die freien Hilf-kaffen würden damit geradezu an die Wand gedrückt und vernichtet. Einleuchtende Gründe für die Maßnahmen gegen die freien Hilfskassen sind nicht angegeben. Thatsächlich leisten die Jnnungs- und Orts- f aff en weniger als die freien Kassen. Die freien Kassen haben wahrlich ihre zahlreichen Mitglieder nicht wegen ihrer mangelhaften Leistungen und die Aerzte wissen, daß die freien Kassen zu ihren besten Kunden zählen. Man kann dreist behaupten, daß die Mitglieder freier Kassen eine bessere Verpflegung genießen, als andere Kassenmitglieder. Vor allen Dingen hat der Arbeiter, wenn er der freien Kasse angehört, Vertrauen zu feinem Arzte, den er sich selbst wählt, und das ist von höchster Wichtigkeit für die Heilung. Bei den Zwangskassen ist das Meldewefen für den Arbeiter äußerst lästig. Mit chicanösen Maßnahmen gegen die freien Kassen wird man einen schlechten Eindruck bei den Arbeitern machen.
Regierungscommissar Geh. Rath Lohmann: Es handelt sich beider Vorlage nur darum, Unklarheiten des Gesetzes, die sich herausgestsllt haben, zu beseitigen. Die freie Wahl der Kassen durch die Arbeiter soll nicht beschränkt werden.
Abg. Hitze ((Str.) findet ebenfalls die Tendenz der Vorlage darin, heroorgetretene Unklarheiten zu beseitigen.
Abg. Möller (ntl.) erkennt in der Vorlage ebenfalls Verbesserungen des bestehenden Gesetzes.
Abg. Miss er (wild-lib.): Man schädigt durch den Kampf gegen die freien Kassen besonders das Familienleben, denn die Heilungen im Krankenhause haben zur Folge, daß dm FamUim das Krankengeld verloren geht.
Abg. Frhr. v. Manteuffel (cons.) findet es begreiflich, daß Herr Hirsch die Vorlage bekämpft, die allerdings den freien Kassen Nachtheile bringen wird. (Hört, hört!) Bisher haben die freien Kassen den anderen gegenüber Pcivilegim gehabt.
Abg. Geyer (Soc.) spricht im Sinne des Abgeordneten Schuhmacher gegen die Vorlage.
Dieselbe wird einer CommifsionTvontz28 Mitgliedern zur Vor- berathung überwiesen.
Zum Schlüsse findet noch ein Antrag Auer (Soc.) Annahme, ein gegen den Abgeordneten Stadthagen (Soc.) fchwedmdes Dis- ciplinar-Verfahren für die Dauer der Session auszusetzen.
Nächste Sitzung Dienstag 12 Uhr. — Helgoland-Vorlage (dritte Berathung) und Etat.
Schluß 5 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.
Luxemburg, 7. December. Beim Empfang der zur Beisetzungsfeier im Haag eingetroffenen luxemburgischen Abordnung überreichte die Königin Emma dem luxemburgischen Staatsminister v. Eyschen das Großkreuz des Verdienst- Ordens vom Niederländischen Löwen mit dem Hinzufügen, sie fei überzeugt, der Absicht des Königs gemäß zu handeln.
Petersburg, 7. December. Die hierfelbst tagende Commission zur Begutachtung der russisch finnländischen Zollverhältnisse hat die einstweilige Beibehaltung der Differentialzölle beschlossen, jedoch sollen die finnländischen Zollämter die gleiche Organisation wie die russischen erhalten und russischer Leitung unterstellt werden. Die Commission betonte dabei die Zweckmäßigkeit einer baldigen gänzlichen Aufhebung der russisch finnländischen Zollgrenze. Die andere mit der Berathung der russisch-finnländischen Valutasrage beschäftigte Commission hat sich im Principe dahin ausgesprochen, daß die Prägung betonterer finnländischer Gold- und Silbermünzen aufhören und in Finnland die Circulation von russischen Gold- und Silbermünzen eingesührt werden solle. Nachdem die Annahme russischer Credttbillets durch die finnländischen Staatskassen zum Course bereits angeordnet worden ist, hat die Commission weitere Entschlüsse hinsichtlich dieser-Geldwerthzeichen noch nicht gefaßt.
Sofia, 7. December. Die Regierung hat beschlossen, zwei Aerzte zum Studium des K o ch'jchen Heilverfahrens nach Berlin zu senden.
Newyork, 7. December. Eine Depesche aus Pineridge meldet, der Missionar Pater Julius, welcher sich behufs Unterhandlungen mit den Häuptlingen in das Lager der auf
ständischen Indianer begeben haste, fei nach Ueberw'udung mannigfacher Gefahren nach Pineridge zurückgekehrt. Derselbe berichtet, daß er Berathungen mit den Häuptlingen gepflogen habe- letztere hätten behauptet, bei ihrer Abfindung durch die Unions - Regierung seien Jrrthümer vorgekommen, die sie dem Hunger preisgegeben hätten - jetzt scheuten sie die Unterwerfung, aus Furcht, wegen ihres Ausstandes gezüchtigt zu werden. Er, Pater Julius, habe die Häuptlinge inständigst gebeten, nach der Agentur zu kommen und zu erklären, daß sie die Räubereien einstellen wollten- sie würden sodann sicher Verzeihung erhalten. Die ältesten Häuptlinge ■ hätten dann eingewilligt und würden in nächster Zeit in das Haus des Pater Julius kommen und dort dem General Brooke ihre Klagen vortragen. Pater Julius schätzt die Zahl der indianischen Krieger aus mehr als 2000 - ihr Lager sei wohl, befestigt.
-----kl. II 1.1 H
Der Ortggemrlnmkin Gießen.
Rückblick und Mahnwort am Abschlüsse seiner 50 jährigen Wirksamkeit.
(Fortsetzung.)
Von den Vorträgen, welche der Verein in gewissen Perioden veranstaltet, sind aus der letzten Zeit gewiß vielen Mitgliedern in dankbarer Erinnerung z. B. diejenigen über „Stil und Stilarten", welche der nun verewigte Wart- burgbaumeifter und frühere Vereinsvorsitzende, Herr Geh. Baurath Professor v. Ritgen, in verschiedenen Jahren gehalten, verbunden mit Erläuterung zahlreicher Studienblätter und Modelle seiner kunsthistorischen Sammlung. Herr Professor Dr. Buchner, der immer gern bereite Lehrer, sprach wiederholt über Gegenstände chemischen und technologischen Inhalts, desgleichen die Herren Professor Thiel nnd Dr. Sonne von Darmstadt. Herr Schreinermeister Köhler sprach mehrmals über verbesserte Werkzeuge, Herr Stadtbaumeister Sti ef über Bauschäden, andere über Lehrlingswesen, Innungen, Ventilatoren, Submissionswesen, Herr Hauptlehrer Hug über die Pariser Weltausstellung, der sachkundige Herr Universitätsamtmann Dr. D i e tz in mehreren Vorträgen über die sociale Gesetzgebung und aus den jüngst gehaltenen belehrenden Vorträgen des Physikers Herrn Egts mit seinen zahlreichen glänzenden Experimenten haben viele ihr electrotechnisches Wissen bereichert, nebenbei auch diejenigen, welche es etwa noch nicht wußten, vernommen, daß z. B. eine Versorgung der Stadt Gießen mit electrischem Licht eine recht kostspielige Sache sei.
Werfen wir nunmehr einen Blick in unsere sehr reichhaltige und werthvolle Bibliothek, so finden wir Lehrbücher, Encyclopädieen, Abhandlungen ?c. aus allen Gebieten der technischen Wissenschaften, der Jndustrieen und der Künste, vor allem der Baukunst, und für die meisten Berufs- arten finden sich einschlägige belehrende Werke, mustergiltiges Vorlagenmaterial, kostbare Jllustrationswerke und werth- voK-Fachzeitschriften. — Schon das Durchblättern vieler dieser Werke bietet Anregung und Genuß allen, welche schöne, stilreine Formen schätzen, bezw. kennen lernen oder sich für ihre Arbeiten aneignen wollen. — Die meisten dieser Werke werden an Vereinsmitglieder geliehen, wie denselben auch die Benutzung der mit allen bedeutenderen Werken ausgestatteten Bibliothek der Hauptstelle des Landes- gewerbvereins jederzeit zur Verfügung steht, indem nach dem Bücherverzeichniß, welches jedem Mitglied überlassen wird, zu wählende Werke den Mitgliedern von Darmstadt aus leihweise zugesandt werden.
Allen Mitgliedern des Gewerbvereins wird Überdies Gelegenheit gegeben, allmälig selbst in den Besitz einer kleinen technischen Bibliothek zu gelangen, indem denselben das allwöchentlich erscheinende „Gewerbeblatt für das Großherzogthm Hessen" kostenfrei überlassen wird. — Das Blatt, zugleich Organ des LandesgewerbvereinS, bringt außer den amtlichen Mittheilungen der Centralstelle Berichte Über die Thütigkeit der Ortsgewerbvereine, Referate über gehaltene Vorträge, zahlreiche Abhandlungen über Gegenstände der speciellen Technik, Berichte über die Fortschritte auf allen Gebieten des Gewerbewefens, über Ausstellungen, Gesetze und Verordnungen, welche sich auf Gewerbe, Handel und Industrie beziehen, Mittheilungen über Versicherungs- und Versorgungswesen, Submissionswesen, Patentwesen, Besprechung einschlägiger literarischer Erscheinungen und vieles andere. — Die zum Verständniß des Textes beigegebenen Abbildungen werden immer zahl- i reicher und gefälliger und dienen insbesondere die Abbilduip gen aus dem Gebiete der Kunstindustrie dieser Zeitschrift i zur Zierde.
Den Mitgliedern des Gewerbvereins dient das Organ außerdem zur Auskunftsertheilung auf Fragen besonderen technischen Interesses.
Die an dem Sitze der Hauptstelle des Landesgewerb- vereins befindliche „Technische Mustersammlung" enthält eine reichhaltige Ausstellung von Gegenständen der Industrie und Kunst, von Werkzeugen, Maschinen und Instrumenten, Modellen, Baumaterialien, Prachtwerken, Alter- thümern und sonstigem, was geeignet ist, insbesondere die Mitglieder des LandesgewerbvereinS zu belehren, wie auch zeitweise eine geeignete Auswahl dieser Gegenstände alS Wanderausstellung die Runde in den Ortsgewerb- vereinen des Landes macht. — So hat die vor einem Jahre hier stattgehabte Ausstellung ganz vorzüglich gearbeiteter schmiedeeiserner kunstindustrieller Gegenstände zahlreiche Besucher erfreut. — Mangels geeigneten Raums mußte man seither solche Wanderausstellungen wiederholt hierorts^ablehnen, doch ist erfreulicher Weise alle Aussicht vorhanden, daß sich die noch überhaupt knappen räumlichen Verhältnisse : des Ortsgewerbvereins bald bessern werden.
Die wesentlichste Wirksamkeit unseres Gewerbvereins liegt indessen in der seit dem Jahre 1878 umgestalteten „Erweiterten Handwerker schule", welche von dem ' Verein unterhalten und geleitet wird. — Nicht ohne
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