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Der Vorstand.
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Mittwoch den 9. Juli
1890
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener A««ttte»SlLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
KießenerAnzeiger
Keneral-Mnz^er.
Bieneljährtger Aöonnementsprets. 2 Mark 20 Pfg. Mr Bringerlohn. Durch die Post bezog«?
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Nedaction, Lxpeditio» und Druckerei:
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Amts- Und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Corrn. 10 Uhr.
Gratisbeilage: Gießmer Iamrüenökatter.
Alle Annoncm-Bureaux de- In- und Au-landeS nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. SMSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSWM.--
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch den Fuhrwerksbesitzern zur Kenntniß, daß sich auf der Kreisstraße Gießen—Daabringen von heute ab eine Dampsstraßenwalze in Thätigkeit befiÄet.
Gießen, am 7. Juli 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, am 5. Juli 1890. Betr.: Die Verpflegung hülfsbedürftiger bulgarischer Staatsangehöriger in deutschen Anstalten.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
<m die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Nachstehendes Ausschreiben Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 25. Juni 1890 theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme und zum Bemessen hiernach mit-
v. Gagern-
Darmstadt, am 25. Juni 1890. Betr.: Wie vorstehend.
Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz an die Großherzoglichen KreiSäwter.
Da nach einer Mittheilung des Herrn Reichskanzlers Seitens der bulgarischen Behörden die Erstattung der durch Verpflegung mittelloser Reichsangehöriger in bulgarischen Krankenanstalten erwachsenden Kosten in Anspruch genommen wird, so empfiehlt es sich behufs Wahrung der Reciprocität, in gleicher Weise bezüglich der Kosten der Verpflegung bulgarischer Staatsangehöriger in deutschen Anstalten zu verfahren.
Wir beauftragen Sie daher unter Bezugnahme auf unsere lithographirte Verfügung vom 29. Juli 1885, zu Nr. M. I. 18198, die Verpflegung hülfsbedürftiger Serbischer Staatsangehöriger in Deutschen Anstalten betreffend, die Kostenrechnungen für die Verpflegung unvermögender bulgarischer Staatsangehöriger in Deutschen Anstalten ebenfalls, wie dort vorgeschrieben, dem Grobherzoglichen Staatsministerium vorzulegen und die Großherzoglichen Bürgermeistereien zu diesem Zweck mit geeigneter Weisung zu versehen.
Finger- Linst.
Das Gr. Steuer-Commiffariat Gießen an die Großh. OrtsgerichtS - Vorsteher von Ullendorf a. d. Lahn, Annerod, Daubringen, Garbenteich, Haus n, Heuchelheim, Klein- Linden , Lang - GönS , Leihgestern , Rödgen, Rutter-hausen, Staufenberg und Watzenborn-
Steinberg.
Wir erinnern Sie an die umgehende Einsendung der Bau- und Cultur-Veränderungsverzeichnisse, auch für den Fall Meßbriefe roch rückständig bleiben sollten.
Gießen, den 7. Juli 1890.
Süsfert.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 7. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 6. Juli den Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Starkenburg August Baur zum Director bei diesem Gericht mit Wirkung vom 15. Juli l. I. an, an demselben Tage den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Darmstadt I Hermann Sch äser zum Landgerichtsrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg mit Wirkung vom gleichen Tage an, an demselben Tage den Staatsanwalt bei dem Großherzogl. Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Gustav Güngerich zum Amtsrichter beim Großh. Amtsgericht Darmstadt I. mit Wirkung vom 15. d. M. — zu ernennen.
Darmstadt, 6. Juli. Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst ge- »ruht: Am 22. Juni dem Gemeinde - Einnehmer Jacob Kipp er zu Seligenstadt das Silberne Kreuz, am 26. Juni dem Bademeister Theodor Meister zu Bad Nauheim die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps H Großmüthigen, am 28. Juni dem Herrn Grasen Fried- itd) zu Solms-Laubach in Laubach und dem Herrn (Grafen Maximilian zu Solms-Rödelheim in Assen- . heim das Großkreuz des Ludewigsordens, am 1. Juli dem Schullehrer Georg Roth zu Michelstadt das Silberne
Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen — zu verleihen.
Arr-lanv.
Paris, 6. Juli. Wie die Abendblätter melden, übersteigen die Einnahmen aus den indirecten Steuern und Monopolen im Monat Juni ds. Js. den Voranschlag um 8500000 Francs und die Einnahmen des Monats Juni v. Js. um 14470 000 Francs. Es ergaben gegen den Voranschlag die Posteintragungsgebühren 7796OOO mehr, die indirectenSteuern 3 715 000 mehr, die Zuckersteuer aber 3 000000 weniger.
Barcelona, 6. Juli. Auf die Nachricht von der Bildung eines neuen Cabi nets unter Canovas fanden vor dem Locale des conservativen Clubs Zusammenrottungen und Kund«, gebungen gegen die Conservativen statt. Die Polizei trieb schließlich die Ruhestörer auseinander und stellte die Ordnung wieder her.
Belgrad, 6. Juli. Heute hat hier auf Staatskosten und unter sehr großer Theilnahme der Bevölkerung die Beerdigung des in Prisch tina ermordeten Con suls Marincovic stattgefunden. Ein Beamter des Auswärtigen Amtes hielt die Gedächtnißrede für den Verstorbenen und gab dabei dem Wunsch aus Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zur Türkei Ausdruck. — Ein Kommunique des amtlichen Blattes betont, daß der Aufenthalt des Exkönigs Milan in Belgrad lediglich die Ausübung der Rechte bezwecke, welche demselben in Bezug auf die Überwachung der Ausbildung seines Sohnes, welcher dermalen die Jahresprüfungen ablege, verfassungsmäßig zuständen.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 7. Juli. Der „Reichsanzeiger" meldet: In Folge des Vertrags Deutschlands mit der Actiengesellschaft „Deutsch-Ostafrika-Linie" wird die erste vorläufige Fahrt auf der Hauptlinie Hamburg-Delagoabay am 23. ds. ab Hamburg angetreten werden. Die Hafenorte Rotterdam, Lissabon, Neapel, Port-Said, Suez, Aden, Zanzibar, Dar-es- Salaam, Lindi und Mozambique werden angelaufen.
Berlin, 7. Juli. Dem Festmah le im Schützenbankettsaale wohnten etwas über 5000 Menschen bei. Der Oberbürgermeister brachte das Hoch auf den Kaiser aus, den er als Friedensfürsten feierte. Der Festpräsident Diersch toastete auf das Bundesschießen als ein Verbrüderungsfest. Der Bürgermeister Borschke-Wien entbot den Gruß der Wiener Kaiserstadt an die neue deutsche Kaiserstadt Berlin. Der Deputirte Ad am oli überbrachte den Gruß der Italiener. Wanieb e ck-Wien sprach als Vertreter der österreichischen, Wanosch als Vertreter der ungarischen Schützen. Stadtrath Schreiner dankte als Vertreter der Stadt für die überbrachten Grüße.
Hamburg, 7. Juli. Der „Hamb. Corresp." dementirt aufs Entschiedenste die Nachricht der „Freisinnigen Zeitung", daß der Kaiser aus seiner Reise nach Kiel auf der Station Schwarzenbeck eine Zusammkunft mit dem Fürsten Bismarck gehabt habe und fügt hinzu: Der Friedrichsruher Korrespondent des „Hamb. Korr." war am Bahnhof in Schwarzenbeck, Fürst Bismarck aber nicht.
Paris, 7. Juli. Dem „Temps" zufolge votirte der höhere Handelsrath den Zolltarif in Betreff der Erzeugnisse der Wollindustrie und ließ Zollbefreiung nur für Rohproducte zu.
London, 7. Juli. Heute Morgen verweigerten die Mannschaften des zweiten Bataillons der Garde in der Wellingtonkaferne bei dem Sammelsignal zur Revision der Tornister den Gehorsam. Die Soldaten schlossen sich in ihre Stuben ein. Nach einer Berathung der Generalstabs- Offiziere mit dem Regimentsoberst wurde die Revision der Tornister aufgegeben. Der Oberst ließ die Mannschaften in Reihe und Glied antreten und machte ihnen Vorstellungen wegen ihres Verhaltens, dieselben wurden aber mit Pfeifen und Schreien beantwortet. Es geht das Gerücht, das Regiment werde zum Dienste außerhalb Englands verwendet werden.
Loudon, 7. Juli. Einer Meldung des „Bureau Reuter" aus Shanghai von vorgestern zufolge beabsichtigt die chinesische Regierung zum Bau strategischer Eisenbahnen in der Mandschurei eine Anleihe von 30 Millionen Taels amerikanischen Silbers aufzunehmen.
Loudon, 7. Juli Der Polizeichef hat heute Nachmittag diejenigen Polizeimann schäften entlassen, welche in der Samstagnacht den Dienst verweigerten.
London, 7. Juli. Im Unterhaus erklärte Matthews auf eine Anfrage hin die Zeitungsmeldungen über die Un
ruhen innerhalb der Londoner Schutzmannschaft für übertrieben. Nur 39 junge unerfahrene Polizisten hätten am Samstag in der Bowstreet-Station einen Act der Insubordination begangen und seien heute entlassen worden. Die alten erfahrenen Polizisten hätten sich dagegen der Traditionen der Londoner Schutzmannfchaft würdig betragen. Uebrigens habe der Chef der Polizei die umfassendsten Maßregeln getroffen, damit die Polizei der gefammten Stadt die ihr obliegende Pflicht in vollstem Maße erfüllen könne. — Darauf erklärte Smith, die südliche Grenze des Walfischbay- Gebietes sei nicht genau definirt, es seien daher zwischen den Behörden des Kaplandes und den deutschen Behörden im Damaralande Erörterungen darüber entstanden, ob eine gewisse Landstrecke, die als Wasserstation für die Straße von der Küste nach dem Jnlande wichtig erscheine, in die Grenze des Walfischbay-Gebietes einbegriffen wäre. Ein Versuch, die bestehenden Meinungsverschiedenheiten durch eine gemeinsame Commission regeln zu lassen, sei fehlgeschlagen, da sich der englische und der deutsche Commissär nicht hätten einigen können. Es seien aber im englisch-deutschen Abkommen Bestimmungen enthalten, um diese Angelegenheit einem Schiedssprüche unterbreiten zu können.
Christiansund, 7. Juli. Die deutsche Flotte, welche Christiania gestern um 3 Uhr verlassen hatte, ist soeben 1 Uhr 45 Minuten mit dem Kaiser in Christiansund nach einer regnerischen und ziemlich windigen Ueberfahrt angelaufen. Der Kaiser befindet sich im besten Wohlsein.
Christiansund, 7. Juli. Die deutsche Flotte hatte heute zu Ehren des Geburtstages des Prinzen Ettel Fritz die Top-Flagge gehißt. In Gegenwart des Kaisers fanden gestern Turnübungen der Mannschaft des Panzerschiffs „Kaiser" und heute Hebungen im Segeln und Rudern mit sämmtlichen Booten der Flotte statt. — Die „Irene", Commandant Prinz Heinrich, ist Nachmittags 2 Uhr in See gegangen, um den bisherigen Dispositionen gemäß morgen in Kiel einzutreffen.
Christiania, 7. Juli. Kaiser Wilhelm schenkte der Baronesse v. Oertzen für das überreichte Silhouetten-Album, wozu der Vater derselben, der deutsche Generaleonsul, Dichtungen verfaßt hat, eine goldene, mit Brillanten besetzte Brosche in der Form eines Reichsadlers. Der Kaiser schenkte den Stadtarmen 15OO Kronen. Die Königin reiste gestern nach Stockholm, wohin vorgestern bereits der Prinz Eugen gefahren war, weil der Prinz Karl erkrankte. Der König geht morgen in die Ostsee, falls der Prinz besser wird- andernfalls nach Stockholm.
Rom, 7. Juli. Die „Riforma" erklärt die Nachricht von Verhandlungen Englands und Italiens über die Abtretung des Somalilandes an England und die Heber- laffung des Besitzes von Zeilah an Italien für gänzlich unbegründet.
Madrid, 7. Juli. Der Ministerrath beschloß, ein Rundschreiben an die Gouverneure der Provinzen zu senden, um die Politik des neuert Cabmets darzulegen und den Behörden zu empfehlen, die Gesetze liberal zu beobachten.
Valencia, 7. Juli. In der Provinz Valencia ist eine leichte Zunahme der Cholera zu verzeichnen- es wurden drei Erkrankungs- und drei Todesfälle gemeldet, aus Gandia elf Erkrankungen und drei Todesfälle. In Rotowa und anderen Provinzstädten sind vereinzelte Fälle vorgekommen.
Washington, 7. Juli. Der Senat lehnte mit 23 gegen 20 Stimmen eine Resolution ab, wonach behufs Berathung der Tarifbill die Erledigung aller übrigen gesetzgeberischen Vorlagen vertagt werden sollte.
Newyork, 7. Juli. Die Stadt Fargo (in Nord-Dakota) wurde heute von einem heftigen Wirbelsturm heimgesucht. Mehrere Personen wurden getödtet. Der Eisenbahnzug der Nord-Pacificbahn soll infolge des orkanartigen Sturmes entgleist sein. Authentisches darüber fehlt indeß noch.
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Gießen, 8. Juli.
— Zur Landtagswahl. Der Stadtauflage der heutigen Nummer liegt das Verzeichniß der bei der Wahlmännerwahl Stimmberechtigten und Wählbaren bei. Die Namen der zu Wahlmännern wählbaren Stimmberechtigten sind mit einem * bezeichnet.
— Eifenbahnbeirath. Aus dem in diesen Tagen ausgegebenen Protokoll der am 24. April d. I. ftattgehabten Sitzung des EisenbahnbciratheS entnehmen wir, daß die beiden dort gestellten, auf Obcrhessen bezüglichen Anträge seitdem bereits Berücksichtigung gefunden haben. Die in einer Eingabe von Bewohnern des NidderthalcS beantragte, von Ober- consistorialpräfident Dr. Goldmann, Exc. (Vertreter des


