— Die für heute und morgen im Saale des Cafe Leib stattfindenden Soireen des Illusionisten und Escamoteurs Herrn F. Rooberts scheinen dem Besucher einige genußreiche Stunden zu versprechen. Zahlreiche Berichte auswärtiger Blätter beurtheilen die Experimente des Künstlers außerordentlich günstig und heben besonders die Geschicklichkeit und die große Eleganz hervor, mit welcher derselbe seine Productionen ausführt. Der Besuch dieser Vorstellungen dürfte demnach zu empfehlen sein.
x Friedberg, 7. Mai. Zur Zeit unterliegt die Orgel der hiesigen Burgkirche einer gründlichen Reparatur. Die bisher wenig oder gar nicht brauchbaren Stimmen werden erneuert, neue hinzugefügt. Die Reparaturarbeiten liegen in den bewährten Händen des Orgelbauers Förster aus Lich. Während des Gottesdienstes ist an Stelle der Orgel ein Harmonium in Gebrauch.
S. C. Bad-Nauheim, 7. Mai. Die zwanglosen geselligen Zusammenkünfte der hier und in der Umgegend ansässigen und der zur Cur hier anwesenden alten Corpsstudenten finden auch dieses Jahr wieder während der Dauer der Badesaison jeden Samstag Abends 8 Uhr im „Hotel Kaiserhof" dahier statt. Alle zum Kvsener 8.0.-Verbande gehörenden A. H. A. H., Active und Nichtactive, sind freundlichst und ergebenst eilt- geladen. Die erste Zusammenkunft wird Samstag den 10. Mai abgehalten.
8 Lauterbach, 7. Mai. Heute Nachmittag verletzte sich das ungefähr vierjährige Mädchen eines hiesigen Fabrikarbeiters derartig mit einem Messer an einem Auge, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen und die Verbringung des Kindes ins Krankenhaus angeordnet werden mußte. Dieser Fall sagt eindringlich genug, daß man kleinen Kindern scharfe Gegenstände möglichst unzugänglich machen soll.
□ Groß-Felda, 7. Mai. Ein sehr schweres Gewitter zog in den Nachmittagsstunden des vorgestrigen Tages über unsere und die angrenzenden Gemarkungen und richtete in einzelnen beträchtlichen Schaden an. Die wolkenbruchartig herabstürzenden Wassermassen schwemmten den Ackerboden an abschüssigen Stellen hinweg und rissen tiefe Gräben in das frisch gebaute Land. In dem unweiten Ermenrod wurden gewaltige Pappelstämme von der Wasserfluth ins Dorf geflößt. Der Blitz schlug in die Telephonleitung zwischen hier und Ermenrod und beschädigte vier Leitungsstangen, an denen herab er zur Erde fuhr. Im benachbarten Meiches schlug der Blitz in ein Wohnhaus durch den Schornstein herab, ohne indessen nennenswerthen Schaden anzurichten. In letzter Gemarkung fiel auch starker Hagel. — Die sehr warmen und feuchten Tage des Mai sind stark zur Gewitterbildung geeignet, denn es vergeht fast kein Tag ohne Gewitter. Die Landleute sind im Kartoffellegen, da der Boden ?zu feucht, noch zurück, anderseits erzeugt aber die feuchtwarme Witterung ein üppiges Wachsthum der Vegetation.
Aus Oberheffen, 6 Mai, wird dem „N. Hess. Volksbl." geschrieben: Bei den Kammer-Debatten über die Bahn von Gedern nach Lauterbach ist niemals erwähnt worden, welche Orte die Bahn berühren soll und tragen wir hier nach, daß für dieselben Haltestellen vorgesehen sind: bei Wenigs, Ober- Seemen, Volkartshain, Völsberg, Bermuthshain, Crainfeld, Vaitshain, Nösberts, Ilbeshausen, Herbstein, Eisenbach, Blitzenrod und von da nach Bahnhof Lauterbach , der Oberhessischen Eisenbahn.
* Alzey, 4. Mai. Ein schauerlicher Unglückssall ereignete ich heute Nachmittag in unserer Stadt. Der ca. 6 Jahre alte Sohn der Wittwe Stenerwald lief einer Chaise nach und hängte sich daran, wie es Kinder häufig zu thun pflegen. Der Wagen bog in rascher Fahrt um eine Ecke und dabei gerieth der Junge mit dem rechten Bein in ein Rad — das Bein wurde ihm förmlich vom Knie abgerissen. Der bedauerns- werthe Junge wurde ins hiesige Hospital gebracht, wo eine Amputation regelrecht gemacht wurde.
*= Offenbach a. M., 7. Mai. Gestern Vormittag ereignete sich auf der Sprendlinger Chaussee Hierselbst, wo man mit dem Bau eines Canals beschäftigt ist, ein schwerer Unglückssall. Aus bisher unbekannter Ursache stürzten die zu beiden Seiten gesprießten Erdmassen zusammen und begruben vier an dem Canal beschäftigte Arbeiter. Einer derselben, ein Familienvater aus Boygern, Namens Bihn, wurde als Leiche ausgegraben, obwohl sofort Hilfe zur Stelle war und man mit aller Anstrengung an der Befreiung der Verschütteten arbeitete. Zwei andere Arbeiter sind verletzt, während der vierte mit dem Schrecken davon kam. Da das zur Sprießung benutzte Holzmaterial von guter Qualität war, glaubt man die Ursache des Unglücks in den starken Regengüssen der letzten Tage, welche den Erdboden sehr durchweicht haben, suchen zu müssen.
*= Frankfurt, 7. Mai. Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge, wird der flüchtig gegangene Director der Frankfurter Sparbank, Theodor Wahlkamps, welcher in Klansenburg sestgenommen wurde, nicht ausgeliefert werden, weil er sein ungarisches Bürgerrecht noch besitzt. W. wird in Klausenburg abgeurtheilt werden.
* Colmar, 4. Mai. Für den Vorpostendienst haben, wie in Frankreich, die hiesigen Jägerbataillone jetzt gut abgerichtete Hunde und leichte Berggeschütze erhalten.
* Aachen. Das Zeitungsmuseum hat in dem ihm von der Stadt überlassenen Saale des Stadt-Theaters einen großartigen Lesesaal eingerichtet, in welchem sämtliche dem Museum regelmäßig zugehenden Zeitungeu und Zeitschriften aufliegen. Es sind deren über hundert und zwar kommen dieselben aus allen Welttheilen- besonders stark ist Amerika vertreten. Neben politischen und Unterhaltungsblättern findet man auch Fachzeitschriften aus den verschiedensten Gebieten. Außer der Zeitungsliteratur enthält der Lesesaal aber auch die neusten Cours- und Reisebücher, die Adreßbücher von 12 großen Städten, Posttarife, Wandkarten von Deutschland und der Colonialgebiete, statistische Tafeln und bequem eingerichtete, mit Papier, Couverts und Depeschensormularen u. f. w. reich versehene Schreibtische. Der Lesesaal sowie die Benutzung seines gesammten Inhalts steht den Bewohnern Aachens sowie den Kurgästen vollständig unentgeltlich zur Verfügung. Da Aachen jährlich von rund 30 000 Fremden besucht wird, dürste die gemeinnützige Einrichtung des Zeitungsmuseums den geplanten Zweck im vollsten Maße erfüllen.
* Petersburg, 4. Mai. Was bei russischen Hof- festen alles verloren wird. Das Kaiserliche Hofmarschallamt in St. Petersburg veröffentlicht alljährlich eine Liste der im Laufe des Winters in den Festsälen des Winterpalais gefundenen Gegenstände. Auch diesmal ist das Ver- zeichniß ein recht stattliches, denn es weißt folgende Einzelheiten auf: Ein Großkreuz des St. Annenordens, zwei Sterne des St. Stanislausordens, fünf kleinere Orden, zwei goldene
Denkmünzen vom Krimkrieg und von der Kaiserkrönung Alexanders III. in Moskau. Ferner verzeichnet die Liste 50 der verschiedensten Damenschmucksachen, die einen Werth von 30 000 Rubeln repräsentiren. Werden diese Gegenstände binnen 3 Monaten nicht reclamirt, so werden diese Fundtücke verkauft und wird der Erlös den öffentlichen Krankenhäusern überwiesen, welchen auf diese Weise jährlich 20 bis 30000 Rubel zufließeu.
Universität». Nachrichten.
£2 Marburg, 8. Mai. Die Zahl der an |ber hiesigen Universität für das laufende Semester bis jetzt neu immatriculirten bezw. inscrtbirten Studirenden beträgt bis heute 353.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 7. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Schnelldampfer Eider, Eapt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd In Bremen, welcher am 26. April von Bremen und am 27. Aprll von Southampton abgegangen war, ist gestern 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
verkehr, Land« ttttö volkrrvirthschaft.
Limburg, 7. Mai- (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 17.55, weißer Weizen JL 00.00, Korn JL 13 75, Gerste JL 12.35, Saat- Gerste JL 00.00, Hafer JL. 8 55, Erbsen JL. 00.00, Kartoffeln JL 0.00.
- Ungedroschener Hafer als Pserdesutter. (Nachdruck verboten.) Zn vielen Gegenden schneidet man für Pferde Hafer- und Bohnengarben zu Häcksel, ohne sie vorher zu dreschen (früher geschah dies auch vielfacy für Rindvieh, jetzt seltener; für Kälber bis zum Alter von IVa Jahren ist es auch noch vielfach üblich), aber diese Methode hat nur das Gute, daß sie an Arbeit spart, ist aber in einem rationellen und intensiven Betrieb nicht zu billigen. Sie gestattet:
1. keine gleichmäßige Ernährung der Thiere, denn diese muß verschieden ausfallen, je nachdem, ob viel oder wenig Korn in den Garben enthalten, ob das Stroh kurz oder lang gewachsen ist u. s. w. —
2. enthält solcher Häcksel häufig Schmutz in Form von Erd-, Brand-, Rost- und Mehlthausporen u. s. w., auch finden sich nicht selten kleine Steine zwischen den Garben, wodurch die Maschine beschädigt wird. Durch Dreschen werden diese ungesunden Siaubtheile beseitigt, welche die Pferde zum Schnauben und Prusten veranlassen, wenn Garbenhäcksel vorgelegt wird, bei Strohhäcksel bemerkt man nie Husten;
3. wird durch das Dreschen der Samen mancher Unkrautpflanzen unschädlich gemacht, ebenso auch mancher giftigen Pflanzen. Das Futtern von Garbenhäcksel ist dagegen dte ärgste,Quelle für die Verunkrautung der Felder, indem der Unkrautsame den Darmcanal der Thiere unverdaut verläßt oder beim Reinigen der Krippen fammt den Erbstücken, kleinen Steinen in den Dünger geworfen wird;
4. Beim Zerschneiden der Garben ist man gezwungen, das Stroh derselben auch dann zu füttern, wenn dasselbe schlecht geerntet, von Pilzen befallen, überhaupt ungesund ist, so daß dte Gesundheit der Pferde beim Füttern von Garbenhäcksel weit mehr gefährdet ist. Weniger nachtheilig ist das Schneiden von sogen, geklappten Garben, d. h. Garben, welche ohne geöffnet zu sein, eben dreiviertel ausgedroschen sind.
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.
Freitag Abend 7™ Uhr, Samstag Vormittag 8°° Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend 8« Uhr.
Temperatur der Lahn und der Lust am 8. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Luft 17r/2 Gr.
Rübs amen.
Neubau von Kliniken zu Gießen.
Vergebung von Bauarbeiten
Zur Herstellung von Einfriedigungen sind ca. 460 Ifb. m hölzerne Schriegel- zäune und 950 Stück Holzpfosten zu Drahteinfriedigungen, sowie ein eiserner Stacketenzaun von ca. 192 Ifb.m Länge zu vergeben. Bedingungen und Voranschläge können auf unserem Baubureau der Kliniken eingesehen werden, und sind die Offerten unter Couverts bis zum 14. Mai, Vormittags 10 Uhr, ebendaselbst einzureichen.
Gießen, den 7. Mai 1890.
Großherzogliches Kreisbauamt.
I. V.: 4161
Zimmer, Kreisbau-Assessor.
Ausgebot.
Die Lieferung des Bedarfs an Kartoffeln, frischen Gemüsen (Weißkohl, Wirsing, Kohlrabi, gelbe Rüben), eingemachten Gemüsen (Sauerkraut, eingemachte Bohnen) und Suppengrünes für das III. Bataillon Jnf.-Regts. Nr. 116 vom 1. November 1890 bis Ende October 1891 soll im Wege des öffentlichen Ausgebots vergeben werden.
Die Lieferungs-Bedingungen können im Zimmer Nr. 68 Kaserne II eingesehen werden und Abschriften gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden.
Angebote mit der Aufschrift: „Angebot auf Lieferung von Menage- Bedürfnissen" sind verschlossen und portofrei bis spätestens 1. October d. Js. an den Unterzeichneten einzureichen.
Clausius, [4158 Hauptmann und Präses der Menage- Commission III/116.
Versteigerung.
Samstag de« 10. Mai dS. IS., Nachmittags 2 Uhr,
im Gasthaus „zum Adler" dahier, Marktplatz 20, versteigere ich:
1) 1 Sopha mit 6 Sesseln in Plüsch, 3 Verticows, 1 Schreibsecretär, 5 Betten, 3 Sophas und viele andere Hausmobilien;
2) Capotten, Umhängetücher, Kinderhüte, goldene und silberne Uhren rc.
Die Versteigerung bezüglich einer silbernen Damenuhr mit silberner Kette findet bestimmt statt.
Born,
4170 Gerichtsvollzieher in Gießen-
Aeilgeöotenes.
Hauptniederlagen der ächten Friedrichsdorfer Zwiebacke.
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