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9.3.1890 Zweites Blatt
 
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1890

Nr. 58

Zweites Blatt

Sonntag den 9. März

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Mischung der wirksamen Bestandtheile ermöglicht werde, während sonst die Hälfte des Stickstoffes und fast die Gesammt- menge der Phosphorsäure im festen Dünger, die andere Hälfte des Stickstoffs und das Kali in den flüssigen Theilen

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alle Nähr- so kämen

enthalten seien und bei getrennter Verwerthung unrichtige Düngung zu Stande kommen könne.

Ein Hauptgrundsatz bei der Düngung sei, stoffe im Ueberschusse zuzusühren, fehle einer,

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Alle AnnonceN'Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

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Gießen, am 5. März 1890.

Betr.: Die Errichtung von Ortsbauplänen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme der Großh. Bürgermeisterei Gießen).

Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, ob in Ihren Gemeinden seit Erlaß dec neuen Bauordnung Ortsbaupläne an'sgestellt wurden und welche Kosten dadurch erwachsen sind, v. Gagern.

auch die übrigen nicht zur Ausnahme. Ein gemischter Dünger, der alle Nährstoffe enthalte, sei daher immer der beste und deswegen der Stalldünger durch künstliche Dungmittel nur- schwer zu ersetzen, während als Ergänzungs- und Beidünger jene Stoffe von der größten Bedeutung für die Landwirth- schast wären.

Beim Lagern des Stalldüngers bilden sich gassörmige Zersetzungsproducte. Dieselben müsse man, um sie nicht zu verlieren, entweder auffangen, was man durch Bedecken der auf dem Felde errichteten Düngerhaufen mit Erde oder durch Einstreuen von Superphosphatgyps, wobei das Ammoniak ganz erhalten bleibt, erreiche, oder man müsse die Fäulniß durch Zusatz fäulnißnehmender Stoffe, z. B. Kainit, ver­hindern. Bei Zusatz von Superphosphatgyps erhält man auf diese Weise einen Dünger für schweren, humusarmen Boden- durch Zusatz von Kainit einen solchen für leichteren, namentlich Sandboden.

Die Kosten der Einstreu seien dabei für die Viehhaltung nicht zu rechnen, da ja die betreffenden Zusatzstoffe mit in den Boden kämen und als Düngercapital Zinsen trügen.

Es frage sich nun, ob die im Stalldünger dem Boden zugeführten Pflanzennährstoffe ausreichten. Dabei komme es auf die pro Morgen gehaltene Stückzahl Vieh an. In den meisten Fällen halte für unsere jetzige Productionsweise, wo­bei die Erträge möglichst gesteigert werden müßten, um Rente zu erzielen, die Zufuhr von Nährstoffen der Ausfuhr nicht die Waage.

Der Boden enthalte zwar ungefähr 100mal so viel Phosphorsäure, als ihm in einer mittleren Ernte entzogen werde, aber die Phosphorsäure des Bodens sei zu langsam löslich; es müsse daher ein Ueberschuß von schnell zur Ver­fügung stehender Phosphorsäure vorhanden sein. Der Stick­stoff gehe im Boden am leichtesten verloren in den Unter­grund- der Gehalt an Kali sei ein sehr verschiedener in verschiedenen Böden, je nach ihrem Ursprung. Namentlich leichte Böden wären meist ärmer an Kali und dankbarer für Kalidüngung.

Phosphorsäure könne man nun in Superphosphat oder Thonmsschlacke geben. Letztere wäre, wenn sie halb so viel koste, wie Superphosphat, anzuwendcn auf sauren, humus­reichen Böden, ferner, wo schon viel lösliche Phosphorsäure früher gedüngt sei, zu Früchten mit langer Vegetationsdauer, z. B. Kartoffeln, Rüben, Hülsenfrüchten, Futtergewächsen, Winterraps, Wintcrhalmsrüchten, bei Anlage mehrjähriger Futterfelder überall aber solle sie so zeitig wie möglich ansgebracht werden, da sie lange zur Zersetzung brauche.

45 Ctr. pro Morgen Thomasschlacke sei eine hohe, 114/4 Ctr. eine schwache Düngung.

Superphosphat brauche man nur die Hälft? zu geben.

Bedauerlicher Weise sei der Preis der Thomasschlacke durch einseitigen Vertrag der Fabrikanten in die Höhe ge­trieben worden. Die deutsche Landwirthschaftsgesellschast und der Verband der Consumvereine ermahne daher die Land-

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man die Vorfrüchte vor Kartoffeln mit Kali- Gerste liebe viel leichlösliches Kali.

Redner schloß mit den Worten: Das Thema sei so umfangreich, daß eingehend die einzelnen Punkte nicht be­sprochen werden könnten- auch lasse sich in einem Vortrage nicht alles lernen. Der Einzelne müsse eben mehr Selbst­studien machen, indem er landwirthschastliche Zeitschriften und Bücher lese. Vor Allem aber gebe man der Jugend Gelegenheit, in den Ackcrbauschulen sich für ihren künftigen Beruf so vorzubereitcn, wie es die neuere Betriebsweise erfordert.

An einer kurzen an diesen Vortrag anschließenden DiS- cussion betheiligten sich außer dem Vorsitzenden die Herren Sch lenke und Oeconomierath Müller.

Der zweite Gegenstand der Tagesordnung betraf d?n Vortrag des Herrn Prof. Dr. Thaer aus Gießen über das ThemaUntersuchungen über Grundsteuer-Rein­ertrag, Pachtzins und Pächtercapital".

Prof. Thaer theilte Untersuchungen mit, welche er über das Verhältniß von Grundsteuer-Reinertrag, Pachtzins und Pächtercapital in Bezug auf die im Jahre 1891 pacht­frei werdenden Königlich Preußischen Domainen, 28 an der Zahl angestellt hat. Einige besondere Punkte aus denselben sind hervorzüheben. Bei den betreffenden Domainen betrage der feststehende Grundsteuer-Reinertrag 20.8 Mk., der Pacht­zins 42.2 Mk., das Pächtercapital 206.4 Mk. pro Hectar. Die Schwankungen für die einzelnen Domainen aber seien sehr erheblich. Einige Vorwerke wiesen nur 8 Mk. an Grundsteuer-Reinertrag auf, andere 62, der Pachtzins schwanke von 12 Mk. bis" 109 Mk. pro Hectar, das Pächter­capital von 91 Mk. bis 387 Mk. - letzteres noch mehr. Wenn man die absoluten Zahlen zu Grunde legt, nämlich von 6000 Mk. bis 210 000 Mk., also um das 35fache. Diese Zahlen bewiesen, daß wenn auch für die Gesammtheit der Domainen ein gewisses Verhältniß von Grundsteuer- Reinertrag zu Pachtzins und Pächtercapital sestzustehen scheine, doch für den einzelnen Fall die Grundsteuer keinen Maßstab abgebe. Noch mehr trete dies hervor, wenn man die früheren und die jetzt erzielten Pachtpreise zu Grunde lege. Referent wähle die Verpachtungen der preußischen Domainen vom Jahre 1871 und 1889. Während das Gesammtergebniß aller in diesen Jahren neu verpachteten Vorwerke eine kleine Steigerung nachweise von im Ganzen 22 000Mk. und sonach auch eine Aenderung zum Grundsteuer-Reinertrag wie 1.65 zu 1.75, so setze sich diese Mehreinnahme für den Staat doch aus sehr großen Extremen zusammen, nämlich aus 67 000 Mk. Mehrerlös und 43 000 Mk. Mindererlös. Manche Domainen seien in ihrem Verhältniß zum Grundsteuer-Reinertrag um das Doppelte gestiegen, andere seien um das Vierfache ge­sunken. Auch das Pächtercapital habe dafür keinen allgemeinen Ausschlag gegeben nur das eine Resultat habe sich fest­gestellt, daß Domainen, welche mit hohem Betriebscapitak bewirthschaftet wurden, auch die Höhe des Pachtzinses fest­halten konnten. Referent knüpfte daran eine Betrachtung über die Verzinsung des umlaufenden Betriebscapitales in der Landwirthschaft und über die Nothwendigkeit einer schnelleren Circulation desselben, wenn die Landwirthschaft mit den übrigen Gewerben concurriren wolle. Das Jnsolventwerden einer- größeren Anzahl gut situirter und tüchtiger Domainen- pächte.r beweise die andauernde Krise im landwirthschastlichen Betrieb.

Zu dem weiteren Gegenstand der Tagesordnung, Antrag des Herrn Oeconomen I. Güugerich auf Ausbildung junger Grobschmiede in der Reparatur und dem Schärfen der Pflüge neuerer Construction auf Kosten des Vereins wurde beschlossen, nach Anfrage bei verschiedenen Schmiedemeistern einen Betrag für den genannten Zweck in das Budget ein­zustellen.

In Erledigung des letzten Punktes der Tagesordnung, den Bezug von Saathafer betreffend, wurde eine Commission, bestehend aus den Herren Georgi, Schlenke und Schuchard gewählt und dieselbe mit dem Einkauf von Saathafer auf dem Frankfurter Saalmarkte beauftragt.

Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.

Gießen, am 4. März 1890.

Jost, Regierungsrath.

dem gegenüber geltend, daß Rohmaterial, Arbeitslöhne und Arbeitsmaschinen im Preise gestiegen seien und sie aufschlagen müßten. Es sei zu wünschen, daß die Differenz recht bald gehoben werde, denn es lasse sich nicht leugnen, daß für ge­wisse Fälle die Thomasschlacke durch keinen anderen Phos­phorsäuredünger ersetzt werden könne. Bei Stickstoffdünger handle es sich um Ammoniaksalz, Chilisalpeter und Anbau Stickstoff sammelnder Pflanzen. Ammoniaksalz könne nur auf kalkreichen, gut bearbeiteten Boden zur Anwendung kommen, Chilisalpeter dürfe nie zu. frühzeitig, theilweise so­gar erst als Kopfdünger verwendet werden, weil er im Boden frei beweglich bleibe und leicht ausgewaschen werde. Der Anbau von Leguminosen sei das billigste Mittel, Stick­stoff durch Unterpflügen oder, wenn dieselben verfüttert würden, indirect in den Boden 'zu bringen. Die Kleearten, Bohnen, Wicken, Erbsen, könnten nämlich den Stickstoff der Lust auf­nehmen, der nichts koste- nur müßte Ueberschuß von Phos­phorsäure und Kali zuerst im Boden sein, um diese Eigen­schaft der Pflanzen möglichst zu steigern.

Kali kommt durch Düngung mit Kalisalzen (Kainit, Carnallit) in den Boden. Bei starker Kainitdüngung müsse der Boden auch kalkhaltig sein. Aus leichteren Boden dünge

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenben Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Mtbet Besihvertheilung, MeicommißverlMtniffe, Pachtverhältnisse 2c. im Großherzogthum Hessen sind folgende dem Bericht des Sonderausschusses über die landwirthschastlichen Enqueteergebnisse entnommenen, in denN. Hess. Volksbl." veröffentlichten Mittheilungen von Interesse. 85 Procent aller Grundbesitzer inHessen haben nurGrund- stücke im Umfange von unter 20 Morgen. Die En-

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Von den hieraus folgenden geschäftlichen Mittheilungen I ist das Folgende zu erwähnen:

1. Zur Ausführung der Vichpreisvertheilung zu Vilbel 11 turn von Seiten des Staates der Betrag von 1600 Mk. | b «willigt worden. Von diesem Betrage sind 720 Mk. übrig geblieben. Es wurde nun nach längerer Debatte beschlossen, i bei l hiervon dem Verein voraussichtlich bewilligt werdenden A trag zur Prämiirung von Zuchtvieh Vogelsberger und Dinmcmhaler Rasse auf dem Hungener Markt zu verwenden.

2. Von den Offerten mehrerer Saatgeschäfte wurde der , Pk rsammlung Kenntniß gegeben.

3. Die wesentlichsten Punkte des Programms der vom 112.22. Juni d. I. zu Berlin stattstndenden allgemeinen ! deutschen Pferdeausstellung sowie der vom 5.12. Juni d. I. zu Straßburg i. E. stattfindenden Ausstellung von Vieh und landwirthschastlichen Productcn wurden zur Kenntniß der i Aewsammlung gebracht.

4. Von dem Anerbieten der Firma Moritz Weil jun. zu Frankfurt a. M., dem Verein eine Nutenwalzendrillmaschine ; probeweise gegen Uebcrnahmc der Gefahr, Transportkosten - iiub Erstattung der Abnutzungskosten zur Verfügung zu stellen, Immrde beschlossen, Abstand zu nehmen.

5. Ueber die Constituirung desZuchtvereins Lauterbach" Ierfolgte eingehende Mittheilung.

6. Seitens folgender Sparkassen sind dem Verein Unter- |iii billigen bewilligt worden: Gießen 500 Mk., Grünberg 350 Mk., Hungen 20 Mk., Lanbach 17.80 Mk.

In Erledigung des ersten Punktes der Tagesordnung iprach Herr Dr. von Peter aus Friedberg überDie Handlungsweise und Verwendung des Stall- biiiit g e und künstlichen Düngers".

Redner führte Folgendes aus:

Der Stalldünger sei die Seele der Landwirthschaft, ein 'siattlicher, gut behandelter Düngerhaufen solle der Stolz des ^'aildwirths sein.

Wie sehe es aber häufig aus? Den theuersten Bestand- Ichcil desselben, das Ammoniak, lasse man gasförmig in die

Vierteljähriger AVonncmeutLpreisr 2 Mark 20 Pfg. mU Bringerlohn.

Durch bie Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Rebaction, Expebitioa unb Druckerei:

Schutstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

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Allein der Verlust an gasförmigen Bestandtheilen betrage bei dieser Behandlungsweise des Stalldüngers pro Stück Großvieh ca. 20 Mk. im Jahr, also den Werth von 2 Ctr. Shilisalpeter. Es bedeute dieses für das Großherzogthum Hessen mit 300,000 Stück Großvieh einen Jahresverlust von 6 Millionen Mk., die dann für künstlichen Stickstoffdünger ausgegeben werden müßten oder im Minderertrag der Felder 'ich geltend machten.

Daher solle man entweder, wenn es die Verhältnisse unid der Boden .gestatten, den Dünger sofort unterbringen, oder, wenn er lagqrn müsse, ihn wenigstens zu conserviren, d. h. in seinen werthvollen Bestandtheilen zu erhalten suchen. Au dem Zwecke sei dafür zu sorgen, daß die flüssigen Bestand- chmle des Düngers nicht verloren gingen, es seien die Fuß­böden der Ställe und Düngerstätten, Jaucherinnen und Zauchegruben wasserdicht herzustellen, ferner sei die Dünger- siaitte vor austrocknend«n Winden und directer Sonnen­bestrahlung möglichst zu schützen.

Um die Umsetzung der Stoffe aus zusammengesetzten in einfache zu beschleunigen und zu erleichtern, müsse der Stall- tihnger feucht gehalten werden. Hierzu verwende man die Zauche aus der Jauchegrube, wodurch auch eine gleichmäßigere

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duft gehen, die löslichen, höchst werthvollen Bestandtheile ^wirthe, sich des Bezugs von Thomasschlacke zu enthalten, bis tiimc man oft genug in den Straßenrinnen lausen sehen. \ 7 ~ 7

des verschiedenen Mitgliedes Bürgermeisters Allcudorf a. d. Lda. in ehrenden Worten

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Bericht über die am 15. Januar d. J. ;u Gießen abgehaltene General-Versammlung des landw. Besirksvereins Gießen.

Der Vorsitzende, Negierungsrath Jost, eröffnete die i Vl rsammlung, indem er die erschienenen Mitglieder und Gäste, \ Von letzteren besonders den Landesöconomierath Müller,