Ausgabe 
9.3.1890 Erstes Blatt
 
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für den Neubau und die Mobiliarausstattung eines Hast- locals in Langen, und wird diese Vorlage ohne Debatte genehmigt.

Desgleichen die Uebertragung eines Theilbetrages von 4300 Mk. aus dem Creditrest von der unter Cap. 106 pos. 7 des Hauptvoranschlags von 188285 für das Landes­zuchthaus Marienschloß verwilligten Gesammtsumme bon 35,000 Mk. in Rechnung für 188891.

Bezüglich des Gesuchs des Stadtvorstandes zu Butzbach um Erhebung der höheren Bürgerschule daselbst zu einer staatlichen Realschule unter den üblichen Voraussetzungen be­schließt das Haus einstimmig, der Großh. Regierung das Gesuch zur Berücksichtigung bei Ausstellung des Voranschlags für die nächste Finanzperiode zu empfehlen.

In rascher Folge erledigt dann die Kammer noch die Vorlagen:Verwilligung von 2500 Mk. zur Herstellung eines Fußwegs nach dem Johannisberg bei Nauheim zu Lasten des Kurfonds,' Verwilligung von 30,000 Mk. behufs Er­weiterung der Haltestelle zu Wienhausen für den Güterverkehr; ferner Verwilligung von 53,000 Mk. für Herstellung einer Winterhaltestelle am Langenwörth bei Neckarsteinach."

Ein Antrag des Abg. Heinzerling auf Außerkraft­setzung des von Großh. Erbschastssteueramt dem Elisabethen- stift zu Darmstadt wegen der an dasselbe von Ihrer Königl. Hoheit Prinzessin Karl im Betrage von 20,000 Thlr. er­folgten Zuwendung gemachten Steueransatzes, wird nach leb­hafter Debatte und warmer Fürsprache des Finanzministers Weber trotzdem mit 20 gegen 18 Stimmen abgelehnt.

Der von dem Abg. Kugler gestellte Antrag aus reichere Abgabe von Waldstreu aus Domanialwaldungen und Com- munalwaldungen ruft eine heftige Debatte zwischen den Ver­tretern der Regierung, Oberforstrath Milbrand und Ministerialrath Draudt, und den Abgeordneten Friedrich, Osann, Westernacher u. A. hervor.

Wegen vorgerückter Stunde wird die Debatte ab­gebrochen.

Morgen früh Sitzung.

Darmstadt, 7. März. In eingeweihten juristischen Kreisen erzählt man, daß der Landgerichtsrath und Landtags­abgeordnete Arnold als Nachfolger des vor einigen Tagen verstorbenen Ersten Staatsanwalts Zimmermann in Aussicht genommen sei.

Neueste Nachrichten.

WolfiS telegraphisches Correspondenz-Lureau.

Berlin, 7. März. Im Abgeordneten Hause wurde heute in zweiter Lesung der Gesetzentwurf betreffend die Zu- theilung der Bergabtheilung an das Handelsministerium an­genommen. Beim Justizetat wurde der Antrag Heeremann, betreffend die Verlegung des Oberlandesgerichts von Hamm nach Münster abgelehnt, der Etat bewilligt, ebenso die Staats­schuldenverwaltung und das Gesetz betreffend die Verbesserung der Oder und Spree. Nächste Sitzung Samstag 12 Uhr. Fortsetzung der Etatberathung.

Berlin, 7. März. Im Mausoleum zu Charlottenburg findet am 9. März (am Todestage Kaiser Wilhelm I.) eine Gedächtnißfeier für weiland Kaiser Wilhelm statt, woran die Allerhöchsten Herrschaften mit Gefolge theilnehmen. Um 103/4 Uhr versammeln sich die Militärpersonen im Paradeanzuge, die Civilisten in Gala, die Damen in tiefer Trauer.

Barmen, 7. März. Die Riemendrehereibesitzer von Barmen und Elberfeld befchloffen in Anbetracht des Um­standes, daß der Strike sich als ein willkürlicher herausstellt, die allgemeine Betriebssperre zu verhängen und zwar so lange, bis die Riemendrehergesellen erklären, die Arbeit gemäß den bekannten Beschlüssen der Riemendrehereibesitzer wieder aus­nehmen zu wollen. Demgemäß verpflichteten sich die Riemen- drehereibesitzer, ihre Riemendreherei vom 21. März ab so lange außer Betrieb zu setzen, bis der gegenwärtige Beschluß mit absoluter Majorität von einer ihrer Zeit einzuberufenden Versammlung wieder aufgehoben ist. In sofortiger Aus­führung dieses Beschlusses verpflichteten sich die vereinigten

Der sächsische Gesandte am preußischen Hose, v. Globig, war nach Dresden gereist und traf bei seiner Rückkehr des Nachts spät in Berlin ein. Beim Einfahren in das Thor mußte der Wagen halten und der aus Wache befindliche Unteroffizier trat an den Wagenschlag und srug:Um Ver­zeihung, wer sind Sie?"Ich bin der königlich sächsische Gesandte am Berliner Hose Globig."Ja", sagte der Unteroffizier,das kann mir nichts Helsen, was Sie globen (glauben)- ich muß wiffen, wer und was Sie wirklich sind!"

Im Jahre 1853 las man intHamburger Correspon- denten" unter Berlin vom 6. December:Heute ist der auch als Ingenieur, Geograph und vortrefflicher Kartcn- zeichuer sehr rühmlich bekannte Oberstlieuteuant Vogel von Falkenstein zum Chef des Generalstabs des Generals v. Wrangel ernannt worden." Am dem Tage, wo die be­treffende Nummer jener Zeitung in Berlin angekommen war, fuhr der König, von Charlottenburg kommend, durch die Linden nach dem Schlosse. Da sah er zufällig den frag­lichen Oberstlieutenant vorübergehen. Er ließ sogleich halten und denselben zu sich rufen.Sie sind Chef vom General­stabe des Generals von Wrangel geworden," sagte der König,ich gratulire!"Majestät," antwortete

Vogel von Falkenstein,jetzt, nachdem ich es von dieser Stelle erfahren, kann ich nicht mehr an der vollständigen Wahrheit der Nachricht zweifeln- bisher wußte ich diese Ernennung nur durch denHamburger Correspondenten". Vortrefflich," sagte lächelnd Friedrich Wilhelm,da haben wir sie aus ein und derselben Quelle." Einige Tage später erschien die officielle Ernennung imMilitär-Wochen­blatt" unterm 6. December.

Arbeitgeber, morgen ihren sämmtlichen Riemendrehergescllen per 21. März zu kündigen. Die Wirkung dieser Kündigung fällt selbstredend fort, wenn der Strike bis zum 21. März beendigt ist. Wer der eingegangenen Verpflichtung zuwider handelt, verfällt in eine Conventionalstrafe von 100 Mk. für jeden seiner Tische.

Wien, 7. März. Uebereinstimmcnden Meldungen der Neuen Freien Presse" und derPresse" aus Pest zufolge sind im ungarischen Ministerrathe Meinungsverschiedenheiten betreffs des Jnco la tsg e setzes entstanden. Der gestern Nachmittag unter Vorsitz des Kaisers abgehaltene Minister­rath hat resultatslos geendet, indem der Ministerpräsident Tisza auf feinem Standpunkte verharrte. DerNeuen Freien Presse" zufolge liegen zwei abweichende Entwürfe des Jn- colatsgesetzes vor, einer von Tisza, der andere von Szilagyi. Die anderen Minister standen auf dem Standpunkte Szilagyis. Falls der Entwurf Tiszas abgelehnt wird, wird Szapary als Nachfolger Tiszas genannt. Nach derPresse" werde Tisza heute vom Kaiser empfangen, worauf die Entscheidung erfolgen werde. Man spreche von der Eventualität einer Cabinetsbildung durch Czaki, in welchem Falle ein Theil der gemäßigten Opposition in den liberalen Club eintreten und alsdann die Fusion beider Parteien erfolgen würde.

Wien, 7. März. Uebereinstimmende Pester Meldungen stellen die Entscheidung der schwebenden Krise in nahe Aussicht. Die Beseitigung des Grnndes der Krise gilt nicht als un­möglich, doch ist die G e sa m m t d e m issi o n des Cabiuets wahrscheinlicher.

Wien, 7. Mürz. Das k. k. Correspondenzbureau läßt seiner Mitta-gsdepesche aus Pest von der Demission Tiszas und der Ersetzung desselben durch Szapary eine zweite Depesche vom Nachmittag folgen, welche lautet: Gegen­über den bisherigen Meldungen wird bestimmt versichert, daß die Demission Tiszas nicht angenommen und weitere Ent­schlüsse der definitiven Entscheidung der schwebenden Frage Vorbehalten sind.

Pest, 7. März. Die Demission Tiszas ist ange­nommen und Szapary zum Nachfolger ernannt. In das neue Cabinet treten alle bisherigen Mitglieder. Tisza tritt an die Spitze der liberalen Partei.

Pest, 7. März. Der seitherige Ackerbauminister Sza­pary wurde Nachmittags vom Kaiser in Privataudienz em­pfangen. Eine Ministerconserenz hat heute nicht stattgefunden.

Prag, 7. März. Heute fand eine Sitzung des Aetions- comites der allgemeinen Landesausstellung statt, welcher zum ersten Mgle sämmtliche deutschen Vertreter beiwohnten. Der Obmann Graf Zedtwitz begrüßte dieselben herzlichst und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß durch daS gemeinsame Zusammenwirken das größte Werk glänzend gelingen werde.

Paris, 7. März. Die meisten Morgenblätter besprechen das gestrige Votum der Deputirtenkammer und bezeichnen dasselbe als einen Beweis patriotischer Uebereinstimnuuig der Parteien in den Fragen der auswärtigen Politik. Das I. des Debats" sagt, der gestrige Tag habe sich durch eine gehobene Stimmung ausgezeichnet - fortan bilde für die Bvu- langisten der Krieg ihre einzige Hoffnung. DieRepublique Frantzaise" meint, die gestrige Sitzung habe eine Stunde lang den traurigen Streit der Parteien vergessen lassen - der cynischen Ausbeutung des Patriotismus durch die Boulangisten habe sich die einmüthige Beobachtung der höheren Interessen des Landes, seiner Ehre und Würde entgegengestellt.Figaro" ist erfreut, daß die Rechte ihre patriotische Pflicht ihren theo­retischen Sympathien und ihrer begründeten Unzufriedenheit vorgezogen habe. Auch die radiealen Organe nennen den gestrigen Tag einen Ehrentag für die Regierung der Republik.

- Privatnachrichten zufolge sind die in Wyddah über faUenen Europäer Agenten von Marseiller Handelshäusern. Der hier tagende Colonial-Congreß fordert die Annee- tirung von Dahomey. Das Urtheil gegen den General Hubert-Cast ex ist bestätigt worden.

Rom, 7. März. Der König dankte bei Ueberreichung des Kaiserbildes durch Oberstlieutenant Bissing (Bockenheimer Husaren), indem er besonders betonte, die Reise nach Deutsch­land werde ihm in stetiger freudiger Erinnerung bleiben. Morgen findet Hoftafel statt, wozu Oberst Bissing, Crispi und der deutsche Botschafter Solms geladen sind.

Rom, 7. März. Der Großherzog von Hessen und seine Tochter Irene sind heute hier eingetroffen- die­selben speisten in der deutschen Botschaft. Zur Tafel waren geladen das Personal der deutschen und englischen Botschaft, Botschafter Schlözer, Oberstlientenant Bissing. Die Herr­schaften reifen morgen nach Florenz.

Petersburg, 7. März. DasJournal de St. Petersbourg" dementirt neuerdings die Nachricht desStandard" über einen rnsf i scheu General, welcher nach Bulgarien gehen sollte, nm dort den Befehl zu übernehmen. Ferner dementirt das Blatt die Meldung über eine ernstliche Meinungs­verschiedenheit zwischen Wjshnegradski und Werchowski, tetr, die Emmission von Loosen der Landmannsbank (Bauern- Agrarbant)- Werchowski sei schon seit zwei Jahren nicht mehr Direetor der Creditkanzlei. Auch die politischen Conjeeturen, die an eine demnächstige Reise des Fürsten von Montenegro nach Petersburg geknüpft würden, seien falsch, eine solche Reise sei gar nicht in Frage gekommen.

Athen, 7. März. Die außerordentliche Session der Deputirtenkammer ist gestern durch Verlesung eines könig­lichen Erlasses eröffnet worden.

Locales tinö Provinzielles.

Lauterbach, 5. März. Gestern hielt die Molkerei- Genofsenfchast Fulda-Lauterbach im Harmoniesaal zu Fulda ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Hauptgegenstände der Tagesordnung waren der Jahres­abschluß pro 1889 und Neuwahl des Vorstandes und Aus- sichtsrathes. Der Jahresabschluß ist zu allseitiger Befriedigung ausgefallen. Die Genossenschaft hat neben einem Reservefonds von 16000 Mk. einen Reingewinn von ca. 14000 Mk.

übrig behalten. Von letzterem soll ein Theil zu einer Nach­zahlung auf die im Jahre 1889 von allen Lieferanten ein- gebrachtc Milch vertheilt werden, die üblichen 5pCt. sollen dem Reservefonds zufließen, während der Rest zu einem zweiten Reservefonds, einerBetriebsrücklage", verwendet werden soll. Der Jahresabschluß muß umsomehr Anerkennung finden, da die Genossenschaft seit Beginn ihres Bestehens bis heute 24000 Mk. abgeschrieben, d. h. Schulden abgetragen hat. Durch diese bedeutende Abschreibung kommt der reelle Werth der beiden Molkereianlagen in Fulda und Lauterbach dem in der Bilanz aufgeführten Buchungswerthe vollkommen gleich, so daß sich die künftigen Jahresabschlüsse event. stets günstiger gestalten können. Der diesjährige günstige Rech­nungsabschluß ist hauptsächlich der Ausdehnung des Geschäfts­betriebes (10 000 Liter Milch täglich) zu danken, denn erfahrungsgemäß sind die allgemeinen Kosten bei einem großen Unternehmen geringere, wie bei einem kleineren.

Lich, 7. März. Soeben 7 Uhr Abends ist in der Hosraithe des Gaftwirths K. Vogt (zumFrankfurter Hof") dahier Feuer ausgebrochen. Dank dem raschen Ein­greifen unserer Feuerwehr wurde es auf feinen Herd be­schränkt - Scheuer und Viehstall ist niebergebrannt, sonst nichts. Wie das Feuer entstanden, ob Unvorsichtigkeit ober Brandstiftung vorliegt, darüber verlautet noch nichts.

Vermißtes»

* Darmstadt, 6. März. Der am 4. d. M. verstorbene Erste Staatsanwalt Emil Zimmermann war als Sohn des Landrichters Zimmermann in Schotten geboren, der nachmals Hofgerichtsrath in Darmstadt wurde. Von 186772 war der Verstorbene Landgerichtsaffessor in Offenbach, bis 1879 Vertreter des Oberstaatsanwalts am vormaligen Hof- gericht, sowie gleichzeitig Staatsanwalt am vormaligen Bezirks­strafgericht in Gießen und von 18791886 Erster Staats­anwalt in Gießen, dann in Darmstadt. Seit vielen Jahren war der durch reiche Kenntnisse und humane Gesinnung aus­gezeichnete Beamte und liebenswürdige Gesellschafter wegen Krankheit beurlaubt. |

* Frankfurt a. M., 7. März. Selbstmordversuch. Im hiesigen Hotel zu den drei Kaisern hatte sich gestern ein aus Gumbinnen (Ostpreußen) stammender Student, stud. vet. K. K., an einem Haken an der Decke ausgehängt. Durch die Energie des betreffenden WirtheS, welcher von seinen Dienst­boten von der Sache benachrichtigt, denselben sofort abschnitt, gelang es, den H. wieder zu beleben. Man fand bei dem H. eine Legitimationskarte der Universität Gießen für das Wintersemester 1889, sowie einen Brief an seinen Vater. H. war völlig mittellos.

t Wenn der Frühling herannaht, beginnt in unseren Straßen das sogen.Klicker- oder Knickernfpiel" (in Nord­deutschland auch Murmelspiel genannt) beliebte Unterhaltungs­form der Kinder zu werden. Dieses Spiel, welches eines der ältesten ist und viele andere Straßenspiele überdauert hat, sieht jedenfalls mit dem Osterfeste in engster Beziehung, denn in manchen Gegenden Deutschlands und auch in Ober- heffen haben sich ähnliche, zur Osterzeit stattfindende Spielt, bei denen jedoch Eier an Stelle der Thonkugeln zur Ver­wendung kommen, bis auf den heutigen Tag erhalten. Auf dem Lande ist vielfach das Werfen mit Eiern auf den Wiesen Sitte, in Gießen hatte man den nun gänzlich aus der Oeffentlichkeit verschwundenen Brauch desKöpfens", welchem zur Zeit des Osterfestes ganze Schaaren von Kindern und jungen Leuten auf den Straßen, namentlich aber auf Kreuz und Lindenplatze, huldigten, und der darin bestand, daß die Spieler die Spitzen zweier Eier wechselseitig aus­einander schlugen, bis eines der Eier zerbrach - der Besitzer des Eies, das sich am dauerhaftesten erwies, war der Ge Winner und er erhielt als Gewinn das zerbrochene Ei feine» Partners. Der glückliche Besitzer eines rechtstarken" Eie! heimste auf diese Weise oft eine stattliche Zahl von Oster­eiern ein, was nicht selten den Neid der weniger vom Glücke Begünstigten erregte und oft zu drolligen Seenen Anlaß gab. Eine gewisse Verwandtschaft zwischen solchen alt» herkömmlichen Osterspielen und dem noch jetzt in Hebung befindlichen Klickerspiel wird auch durch den Umstand bestätigt, daß der letztere hauptsächlich nur in der ersten Frühlings­zeit, nach Ostern aber selten in den Straßen gespielt wirb.

* Posen, 5. März. Aus Stralkowo, einem Grenz­städtchen gegen Rußland, wirb von einer Vergewaltigung eines Deutschen durch russische Grenzsoldaten berichtet. Der Districtsbote Beyer ging kürzlich gegen Abend der Grenze entlang. Es ist möglich, daß er bei der herrschenden Dunkelheit um1 ein oder zwei Schritte die wenig markirte Grenze überschritten hat. Durch einen russischen Grenz­soldaten Wurde der Mann sofort verhaftet und mit Faust schlügen bearbeitet. Aus die üblichen Signalschüsse eilten mehrere Soldaten herbei, welche den Deutschen trotz seiner Aufklärungen über seine Person und amtliche Stellung unter Kolbenschlägen und Säbelhieben nach dem Nachbarorte brachten. Hier wurden dem Verhafteten Uhr, Geld, die amt­lichen Papiere u. s. w. abgenommen. Man stellte ihn an die Thür - jeder Vorübergehende hieb nun auf den Deutschen ein. Erst nach drei Stunden ging von dem Capitän ein Beseh! ein, welcher dem Manne die Freiheit wiedergab.

* Das eigenartigste Kleid, das wohl je eine Braut ge­tragen, ist soeben in Rußland hergestellt worden. Es ver­dankt so schreibt man derTägl. Rundschau" feinen Ursprung der Liebenswürdigkeit namhafter Petersburger Maler. Die glückliche Besitzerin dieses Gewandes ist Naja, die wunderschöne Tochter des persönlich sehr beliebten Malers Morosem. Ihr Brautkleid ist die gemeinsame Spende der Freunde und Collegen ihres Vaters und wird am Hochzeits­tage eine Art von wandelnder Kunstausstellung bilden. Jeder Künstler hat nämlich einen Theil des Kleides mit einem allegorischen Bilde versehen. Die geschmackvoll aneinander gereihten, auf Seide gemalten Bilder sind alle von hohem künstlerischen Werthe.