1890
Kr. 58
Sonntag den 9. März
Erstes Blatt
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt fßr den Nreis Gietzen.
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vollendeten Meisterschaft im Flötenspiel ab.
„Ja," sagte
Friedrich zu Quantz,
ich sehe jetzt, daß Er mich vernach-
kurz, es schienen
alle Laternen Unter den Linden ein,
1880.
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laaahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den sengenden Tag erscheinenden Nummer bi- Sonn. 10 Uhr.
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1892
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Die Gießener pernmenirtüti »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegl.
erhalten per Äg U iJkutnmeßx
Der
tUftenet Anzeiger irscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.
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die Note verlesen worden war, begann die eigentliche Sitzung mit einer Interpellation des Abgeordneten Laur (Boulangist), welcher heftige Angriffe gegen das Ministerium Tirard richtete, weil es die Eonserenzeinladung Deutschlands angenommen habe. Weit sachlicher sprachen die socialistischen Abgeordneten Antide und Beyer, nur forderten sie, daß Frankreich auf 5er Conferenz durch Arbeiter vertreten sei. Spuller antwortete hierauf mit einer Darlegung im Sinne seiner Note an den Berliner Botschafter und führte weiter ans, es sei nothwendig, Männer als Delegirte nach Berlin zu entsenden, die mit der Arbeiterfrage vertraut seien und sich mit dem schwierigen soeialpolitischen Problem eingehend beschäftigt hätten. Dann betonte der Minister, der Rahmen der Conserenz dürfe nicht allzusehr erweitert werden und schloß er mit der Versicherung, das wieder groß und stark gewordene Frankreich werde in Berlin die Stimmen der Vernunft, der Menschlichkeit, der Civilisation und des Fortschrittes zur Geltung zu bringen suchen. Die Debatte endete, wie erwähnt, mit einem glänzenden Vertrauensvotum für die Regierung und das Ministerium Tirard ist demnach vorläufig wenigstens gerettet.
Die colonialpolitische Debatte, welche sich in der Donnerstagssitzung der italienischen Deputirtenkammer an die Vorlegung des Grünbuches über Massauah knüpfte, hat mit einem Vertrauensvotum für die italienische Regierung in Bezug auf ihre afrikanische Politik geendet.
Soldrevtl
Conservativen, die Abgeordneten Dr. North und Dr. Höffel den Nationalliberalen hinzugezählt worden sind, ebenso sind die als „Wilde" gewählten Abgeordneten den ihnen zunächst stehenden Fraktionen hinzugerechnet worden, mit Ausnahme des Prinzen Schönaich-Carolath. Vergleicht man die nunmehrigen Stärkeverhältnisse der einzelnen Reichstagsfractionen mit der Mitgliederzahl, welche dieselben nach den Wahlen von 1887 aufwiesen, so ergiebt sich, daß die Freisinnigen jetzt im Ganzen um 37 Abgeordnete, die Socialdernokraten um 24, die süddeutschen Demokraten um 10 Abgeordnete (1887 wurde bekanntlich kein „Demokrat" oder „Volksparteiler" in den Reichstag entsendet), die Welfen um 9, das Centrum um 7, die Polen um 3 und die Antisemiten ebenfalls um 3 Abgeordnete stärker geworden sind. Dagegen haben die Nationalliberalen 53, die Freiconservativen 22. und die Conservativen 8 Mandate verloren.
In nächster Zeit werden authentische Veröffentlichungen über die Ergebnisse der soeialpolitischen Verhandlungen des preußischen Staatsrathes erwartet. Die gefaßten Beschlüsse sind zunächst in einem Gutachten des Staatssecretärs genannter Körperschaft zusammengefaßt und in dieser Form dem Kaiser vorgelegt worden, welcher seine besondere Befriedigung üh,er das Gutachten ausgesprochen haben soll.
Die am Donnerstag in der französischen Deputirtenkammer stattgesundene hochpolitische Debatte über die Berliner Conferenz hat wider alles Verrnuthen zu einem glänzenden Vertrauensvotum für das Ministerium Tirard oder eigentlich für den Minister des Aeußern, Spuller, geführt. Denn nach einer mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Rede des Herrn Spuller nahm die Kammer die von letzterem geforderte einfache Tagesordnung mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit, mit 480 gegen 4 Stimmen, an und das bedeutet einen der Regierung günstigen Ausgang der Debatte, wie er auf keiner Seite erwartet worden war. Der Pariser offi- ciöse Telegraph berichtet über den Verlaus der Sitzung in sehr ausführlicher Weise und lag hiernach der Verhandlung die Note Spullers an den französischen Botschafter in Berlin über die Frankreich zugegangene Einladung zur Theilnahme an der Berliner Conferenz zu Grunde. Die Note entwickelt die Gründe, weshalb sich Frankreich von der Conferenz nicht ausschließen könne, wobei vielfach Bezug auf die aufgegebene Berner Arbeiterschutzgesetzgebung genommen wird. Alsdann entwickel^ die Note die Anschauungen der französischen Regierung über die Ausgaben der Berliner Conferenz und betont hierbei speeiell, daß von einer Begrenzung des Arbeitstages keine Rede sein könne. Schließlich wird erklärt, daß die französische Regierung unter den von ihr gemachten Voraussetzungen der Berliner Conferenz im Princip beitrete, sich aber selbstverständlich die letzte Entscheidung unb die Verhaltungsmaßregeln für ihre Vertreter Vorbehalte. Nachdem
Aushülse wird auf l'der, tüchtiger TE )t-
erfragen in der HM
uitb auch die verschiedenen falsch gemeldeten Stichwahlen- refultate durch die amtliche Feststellung ihre Berichtigung er- ' fahren haben, ergiebt sich als Gesammtresultat der Reichstags-
ivahlen folgendes Bild: 108 Centrumsabgeordnete, 71 ConferDative , 69 Freisinnige, 42 Nationalüberale, 35 Social- demokraten, 19 Freieonservative, 16 Polen, 11 Welsen, lO süddeutsche Demokraten, 10 Elsässer, 4 Antisemiten, 1 Däne und 1 „Wilder" (Prinz Schönaich-Carolath), zn- fammen also 397 Abgeordnete. Hierbei muß bemerkt werden, daß von den Elsässern Abg. Baron Zorn v. Bulach den
Wir lassen noch einige Proben aus der „Bibliothek deS Humors" folgen:
Der bekannte Lehrer Friedrich des Großen, Quantz, stellte dem König eines Tages einen seiner Schüler, einen jungen Flötenspieler, vor. Der Schüler legte Proben seiner
abhängigkeitssinn der Berliner. Man schoß der Polizei zum Aerger, man verhöhnte die Polizei, genug, es mußten Verhaftungen vorgenommen werden, und als es immer ärger wurde, holte man Militär, dem es gelang, die Krawallmacher in die Stadt hineinzutreiben imt) sie zur Ruhe zu bringen. Dabei floß freilich Blut und neue Verhaftungen wurden ausgeführt — sogar die eines an beiden Beinen gelähmten Färbergesellen, von dem der Polizeibericht am nächsten Tage behauptete, „er habe eine Rotte von Aufrührern geführt". Am Nachmittag und Abend des nächsten Tages wiederholte sich der Aufruhr in noch weit stärkerem Maße. Zur Nachfeier des Königsgeburtstags warf der holde Pöbel unter Anderm die Fensterscheiben in dem Prinzessinnen-Palais und
ruher Zeitung" : „Wir sind ermächtigt auszusprechen, daß der Großherzog schon zu der Zeit, als die'Fragen der Arbeiter- ^schutzgesetzgcbung sich in den ersten Stadien der Besprechung befanden und erstmals den Reichstag bescktzistigten, die Inangriffnahme dieser Fragen durch die fKeg'ftrung lebhaft befürwortete. Es ergiebt sich hieraus, mit welchen Gesinnungen tbcr Großherzog damals die energische Initiative des Kaisers ^begrüßte- und wie er gern Mitwirken wird, oiese seine eigenen Absichten zu verwirklichen. Diese Fragen sind zu ernst, als
Bekannwiachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bafc Großherzoglichc Ministerium des Innern und der Justiz be« Localgewerbverein zu Heppenheim die Erlaubniß ertheilt hat, mit der bei Gelegenheit der Generalversammlung des Lcmdesgewerbverems daselbst im August dieses Jahres statt- rnibenben Gewerbeausstellung eine Verloosung von ausgestellten Haus- und landwirthfchastlichen Geräthschaslen unter _ Der Bedingung zu verbinden, daß nicht mehr als 25 000 Loose i -1 Mk. ausgegeben werden dürfen und mindestens 60pCt. Des» Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzoglhum gestattet worden.
Gießen, den 6. März 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
alle „Bande frommer Scheu" gerissen unb bas Militär mußte am späten Abcnb mit bem Säbel die Ruhe Herstellen . . . Das war die sogen. Feuerwerksrevolution bes Jahres 1835, ein an unb für sich läppischer Krawall. Vorläufig herrschte nun Ruhe, aber überall in Berlin war man überzeugt, baß ber Tag bes Stralauer Fischzugs, ber 24. August, den Sturm von Neuem unb weit heftiger entfesseln würbe. Jebermann war daraus vorbereitet, unb alle Welt zog am 24. August 1835, früher als sonst, burch bas Schlesische Thor nach Stralau hinaus, um sich die zu erwartenbe Revolution hübsch in ber Nähe ansehen zu können. . . . Aber es blieb alles ruhig, unb woran lag bas? ... An nichts Anberem, als an einem wirksamen Witz. Als die Tausenbe burch bas Schlesische Thor strömten, sahen sie an dem Thor ein ellenlanges Plakat kleben, auf bem mit Riesenbuchstaben geschrieben war: „Wegen plötzlichen Unwohlseins des Herrn Fritz Schulze, Schusterjungen, kann heute die große Berliner Revolution nicht stattfinden." Ganz Berlin lachte unb ber Stralauer Fischzug verlies ruhiger denn je.
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lässigt hat, ber junge Mensch spielt besser als ich." — „Majestät," erwiderte Quantz, „bei dem konnte ich auch stärkere Mittel autoenben." — „Nun, welche denn?" — Quantz machte eine unzweideutige Bewegung mit ber Hand nach bem Ohr. — „Hör' Er," meinte barauf ber König lachenb, „da wollen wir es lieber bei ber alten Methode belasten."
General Seyblitz erstattete einst Friedrich II. Bericht über eines jener kleineren Gefechte, wie sie fast täglich im 7jährigen Kriege vorfielen, unb erwähnte dabei eines Lieutenants, ber sich burch gute Aufführung unb musterhafte Tapferkeit ausgezeichnet unb dabei wohl einen Orden verdient habe. Der König ließ den jungen Offizier zu sich bescheiden und sagte freundlich zu ihm: „Er hat sich, wie ich gehört, bra» gehalten. Ich will ihn dafür belohnen. Hier liegen hundert Friedrichsdors und hier der Verdienstorden, wähle Er." Ohne sich einen Augenblck zu bedenken, griff der Offizier nach dem Gelde. „Ehre scheint er doch nicht im Leibe zu haben," sagte der König unwillig. „Verzeihen Ew. Majestät," erwiderte der Offizier sreimüthig, „ich habe Schulden und die Ehre verlangt, daß ich sie zunächst bezahle. Den Orden werde ich mir schon in einigen Tagen nachholen." „Brav, mein Sohn," sagte Friedrich, dem Lieutenant auf die Schulter klopfend, „nehme Er den Orden auch nur gleich mit, Er verdient ihn!"
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politifdte
Gießen, 8. März.
Gegenüber der Nachricht der „Times", der Großherzog Baden habe dem Kaiser mitgetheilt, daß er nicht völlig seiner Socialpolitik übereinstimme, schreibt die „Karls-
[idje unb schnelle & r Mig- , Unterzeichnete t, -ahtnsttirbS.
erzählt der demnächst erscheinende zweite Band der „Unterhaltenden Bibliothek des Humors" aus den bewegten August- tagen des Jahres 1835 das Folgende: „Der 3. August nmr des Königs Geburtstag, unb der Geburtstag Friedrich Wilhelms III. war für Berlin, die „loyalste Stabt ber Welt", ; ein wahrer Festtag. Man ließ bie guten Berliner dafür ; aber auch an diesem Tage machen, was sie wollten. Vor allen Dingen drückte die Polizei — dieselbe Polizei, welche dis zum Jahre 48 mit aller erdenklichen Strenge darüber machte, daß kein Sterblicher in den Straßen von Berlin eine Zigarre oder Pfeife rauche — beide Augen zu, wenn am Abend des 3. August in den «Ltraßen von Berlin Kanonen- ichläge unb Raketen abgebrannt, Pistolen unb Gewehre ab- ge schaffen würben, wenn man, eine Hauptsreube ber Berliner uon jeher, Hüte eintrieb, unb wenn sonst vielerlei ähnliche anmuthige, aber für bas anftanbige Publikum nicht immer ..... ■ ' ' . Ein altes
Feuilleton.
9oh der wenig bekannten „Stralauer Revolution"
Deutsches Reich.
nn. Darmstadt, 7. März. Zweite Kammer der Stände. Nach Bekanntgabe einer Reihe neuer Einläufe setzt die Kammer die Berathungen über die Vorlage Großh. Regierung wegen des Neubaues eines AmtsgerichtsgebäudeS in Worms fort.
Abg. Berg st räßer hält den Bauplatz für viel zu kostspielig unb die Einfügung einer Dienstwohnung für den Oberamtsrichter für überstüssig.
Staatsminister Finger erwidert, es liege entschieden im Interesse des Dienstes und ber Gerichtsbarkeit, wenn auch bas Haftlocal sich in ber Nähe bes Amtsgerichts be- finbe. Desgleichen sei es aus Gründen ber Consequenz nöthig gewesen, eine Dienstwohnung für den Beamten vorzusehen. Er verweise in dieser Beziehung auf Offenbach.
Nachdem noch die Abgeordneten Jöst, Wasserburg, W olf skehl theils für, theils gegen die Vorlage gesprochen, wird bie Debatte geschloffen.
Das Haus schreitet zur Abstimmung unb ergibt diese die einstimmige Annahme der Vorlage.
Es folgt nunmehr Berathung ber Vorlage Großh. Regierung, Bewilligung eines weiteren Betrages von 3320 Mk.
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mimuujigc, uuu |ui vn-- t--'-........
ganz ungefährliche Scherze getrieben mürben.
Herkommen, welches ber Pöbel von Berlin als sein angestammtes „Menschenrecht" betrachtete. Schließlich aber wurde ber Spectakel an diesem Tage doch gar zu arg. Vor allen Dingen Unter den Linden unb braußen auf dem sandigen E^ercierplatze vor bem Branbenburger Thor heute heißt er Königsplatz — war ber abenbliche Spuk am tollsten. Dort wurden unaufhörlich Schüsse abgefeuert, Raketen losgelassen, unb dort, ebenso wie Unter den Linden, suchte man bei dieser Gelegenheit Händel mit anständig gekleideten Menschen. Da erklärte denn die Polizei noch am Abend desselben Tages, dieses Treiben nicht mehr dulden zu wollen. Tie untersagte kurzer Hand alles Schießen und Abbrennen »an Feuerwerkskörpern. Darob aber empörte sich der Un-
\ Nevenotz U M man dem Jrrthume die Wege zur Verwirrung offen ---- “ lassen dars, wie dies der Berichterstatter beabsichtigte."
9« Nachdem nunmehr sämmtliche Stichwahlen bekannt sind
Junge kam in die
Zom-ttis, Buchbick ireHemnkömeiM per Äg l


