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Samstag den 8. November

Nr. 261

1890

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger

Älertetjähriger -vonnementspreisi 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch dir Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Styulstratze Ar.I«

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Die Gießener M«mikien5tLtter «erden dem Anzeiger «Schentlich dreimal beigekegt.

Der

^ieHeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Beater, * Ad«1» Reinere). « Liebschaft. Neu! 3 Acten von Malachow und Msener.

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[pnjier Heinrich AVinolt. öohn Georg Fritzschler.

£ant Richard Goullon.

nar Karl Schreiner, crg Adelheid Martin, lochtet Anni Reiners, e Nichte Elisabeth Bischoff, Diener Rudolf Biebrach.

Ida Unger.

i? 7Vi Uhr. Anfang 8 Uhr, den 9. November 1890:

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opf & Sarkel in Leipzig» ÄMMS -Lmmelshch Atllhk Slabtirtcn. NüUer von der Werra, kung von Sind. M. R. neu ausgegeben von hn und Carl Reinecke, .chte Auflage )tint Auswahl aus Scheffels )em Engem'. M einem >on Anton von Werner.

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Zlints» und Anzeigeblutt für den Urei» Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer dir Borm. 10 Uhr. ''NNMUII'»-' !i I MHKMtMWWJWä

chraLisöeikage: Gießener Jamikienökäiier

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Akte Annonceu-Vurcanr des In- und Auslandes nehu.-^-, Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen

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AnrLlichep Shell.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz derErsten Deutschen Cantionsversicherungsanstalt Fides" in Mannheim die Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Groß- herzogthum unter Bedingungen auf Widerruf crtheilt hat.

Gießen, den 6. November 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Nr. 3 t des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben am 3. d. M., enthält:

(Nr. 1920.) Verordnung, betreffend die Consulargerichts- barkeit in Samoa. Vom 29. October 1890.

Gießen, den 6. November 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

AenesLe Nachrichten.

MolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Berlin, 6. November. Gutem Vernehmen nach ist an Stelle des von seinem Commando entbundenen Generals^ v. Heu duck der Gouverneur von Straßburg, General Lewinski zum commandirenden General des 15. Armee­corps/ der Commaudcur der ersten Garde-Jnfanterie-Division Generallientenant Sobbe zuni Gouverneur von Straßburg und der Oberquartiermeister Generallieutenant v. Holleben zum Commandeur der ersten Garde-Jnfanterie-Division ernannt worden.

DerReichsanzeiger" kann gegenüber dem Gerücht, daß die englische Regierung durch Nichtzulassung des schleswig-holsteinischen Viehs zur Einfuhr ihr Mißfallen darüber auszudrücken beabsichtige, daß Schleswig- Holstein deutsch geworden sei, auf Grund amtlicher Infor­mationen in London constatiren, daß für die fragliche Ent­schließung der englischen Regierung keinerlei derartige politischen Motive, sondern lediglich veterinäre Rücksichten bestimmend waren.

Die Stadtverordneten genehmigten debattelos den Antrag Materone, den Magistrat auszufordern, darauf hinzuwirken, daß an den Sonntagen wahrend des Weihnachts­monats der ununterbrochene Verkauf in den Läden gestattet werde.

Den BerlinerPolitischen Nachrichten" zufolge sind im Nc i ch s h ansh a lts et at pro 1891/92 die Einnahmen aus den Steuern um Mk. 45,600,000 höher veranschlagt, als im laufenden Jahre und zwar bei den Einnahmen aus Zöllen und Verbranchsstenery nm Mk. 41,400,000, bei den Reichsstemp llabgaben um Mk. 4,200,000, höher. Von Reichs- stempelabgaben entfallen auf Spielkartenstempel Mk. 1,200,000, auf Wechselstempelsteuer Mk. 6,700,000, auf Stempel von Actien, Renten und Schuldverschreibungen Mk. 7,300,000, von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäften Mk. 11,500,000, Stempel von Lotterien Mk. 7,300,000, statistische Gebühren Mk. 600,000. An Ucberweisungen an die Bundesstaaten sind vorgesehen Mk. 331,400,000, also Mk. 32,800,000 mehr als im laufenden Jahre, und zwar ergeben hierbei Zölle, Tabaksteuern, Reichsstempelabgaben Mk. 32,200,000 mehr, Branntweinsteuer Mk. 400,000 weniger. Die Ueber- weisungcn reichen, trotz ihres Mehrbetrages gleichwohl nicht zur Deckung derjenigen 37 Millionen Matrikularumlagen, um welche der nächstjährige Bedarf gegen den Hau'ptetat des laufenden Jahres sich erhöht.

Posen, 6. 9ZoDember. Die landwirthschaftlichen Vereine der Provinz Posen beschlossen heute in einer stattgehabten Berathung, im Anschlüsse an die Resolution des General- comites der bayerischen landwirthschaftlichen Vereine, eine Petition an den Reichskanzler gegen die Aufhebung oder- weitere Milderung des Vieheinsuhrverbots an der Ost­grenze des Reiches zu richten.

Breslau, 6. November. Zu der am 4. Deccmbcr in Berlin beginnenden Schulreform-Konferenz ist nach derSchlesischen Volkszeitung" auch Fürstbischofs Kopp ein­geladen.

München, 6. November. Der Reichskanzler reiste nm 11 Uhr 25 Minuten Vormittags nach Mailand. Er hatte gestern Nachmittag mit Minister Crailsheim eine längere Unterredung. Der Soire beim Ministerpräsidenten wohnten die Gesandten der Bundesstaaten, Oesterreichs und Italiens bei. Bei der Abfahrt des Reichskanzlers waren

Crailsheim, der preußische Gesandte, der Gesandte Lerchenfeld und der italienische Gesandte am Bahnhofe.

München, 6. November. Sämmtliche Abendblätter con­statiren, daß die maßgebenden politischen Kreise vom Verlause des Besuches des Reichskanzlers im höchsten Grade befriedigt seien.

Luxemburg, 6. November. Der Herzog Adolf von Nassau hat heute in der Kammer den Eid als Regent geleistet. In seiner Ansprache an die Kammer sagte der Herzog:Ich bin neuerdings hierher gerufen, um, neben dem Thron stehend, die Fahne Luxemburgs zu ergreifen, die man nicht sinken lassen darf. Die Krankheit des Königs und die Gesetze erheischen das Zusammenwirken beider gesetz­gebender Factoren. Das Pflichtgefühl ließ mich nicht säumen, in Ihrer Mitte zu erscheinen. Ich leiste den von der Ver­fassung vorgeschriebenen Eid der Treue und werde die Ver­fassung und die Gesetze des Landes beobachten. Weitere Er­klärungen sind überflüssig, ich beziehe mich auf die von mir vor achtzehn Monaten abgegebenen. Ich habe mich damals überzeugt, daß Ihre theuersten Hoffnungen mit meinen innigsten Wünschen vollständig übereinstimmen, daß die Herzen der Luxemburger und des Regenten in gemeinsamen Gefühlen schlagen. Flehen wir den Himmel an, die Leiden des Königs zu lindern und Kraft und Ausdauer jenem Engel der Auf­opferung und Mildthätigkeit zu verleihen, welcher unermüdlich am Krankenlager des Königs wacht." Der Herzog schloß mit Segenswünschen für das Wohl des Vaterlandes und erklärte die Kammer für eröffnet.

Wien, 6. November. Der Großfürst Thronfolger ist heute Nachmittag um 2 Uhr eingetroffeu. Er wurde vom Kaiser und den Erzherzögen am Bahnhofe empfangen. Die Begrüßung war äußerst herzlich.

Paris, 6. November. Die Delegirteu der Vereine, die in den großen industriellen Centren sich gebildet haben, um die Erhöhung der Eingangszölle zu bekämpfen, sind heute hier zusammengetreten. Es wurde beschlossen, ein Central-Comite zu bilden unter dem Titel:Verein für Zollsreiheit der Rohstoffe und Schutz der Ausfuhr". Zweck des Comitss ist es, die öffentliche Meinung über die Gefähr­der Einführung von Eingangszöllen, welche den Verkehr mit dem Auslande unmöglich machen, aufzuklären. Der Depu- tirte Berger (Paris) wurde zum Präsidenten des Comites gewählt.

Paris, 6. November. Der Generalrath des Seine- Departements nahm eine Resolution zu Gunsten einer all­gemeinen Amnestie für alle Strike-, Preß- und Ver­sammlungsvergehen, ausgenommen diejenigen, welche gegen die Republik conspirirten, an.

Paris, 6. November. Die hiesigen Blätter äußern sich über den Ausgang der amerikanischen Wahlen über­einstimmend befriedigt. Es sei für die Mac Kinley-Bill ein vernichtender Schlag. DieLiberte" meint, jedenfalls seien ernsthafte Milderungen insbesondere in der Anwendung des Gesetzes zu erwarten.

Paris, 6. November. Der Unterstaatssecretär Etienne berichtete im Ministerrathe, daß er zur Deckung der Aus­gaben für Tonking eine besondere Anleihe nicht benöthigen werde, die Erfordernisse seien bei Vertagung verschiedener Arbeiten aus dem Budget für Tonking zu bestreiten. Freycinet theilte mit, dem Entwürfe der Militärcommission zufolge, würde aus der Colonialtruppe eine Specialtruppe gebildet werden, behufs Formirung eines zwanzigsten Armee­corps.

London, 6. November. Der Schwiegersohn der Königin, Marquis Lorne,.trat dem Empsangscomite der nächstjährigen hiesigen deutschen Ausstellung bei.

Rom, 6. November. DieNiforma" begrüßt Caprivi, dessen hervorragende Eigenschaften Italien seit seiner kurzen Amtsführung bereits würdigen konnte und fügt hinzu, in dem Höflichkeitsact, als welcher der Besuch bei Crispi zunächst an­zusehen sei, drücke sich eine politische Idee aus, welche alle Italiener, nur die Anhänger der systematischen Opposition ausgenommen, entsprechend schätzen würden.

New-York, 6. November. Stanley nebst Gemahlin ist nach einer stürmischen Ueberfahrt an Bord desTeutonic" gestern Abend hier eingetroffen.

Ncwyork, 6. November. Die Demokraten gewannen Congreßsitze in Wisconsin, Michigan, Pennsylvanien, Kansas, Nebraska und Minnesota- sie wählten ferner die Gouver­neure von Wisconsin und Pennsylvanien, sowie angeblich die­jenigen von Michigan, Nebraska und Minnesota. Die Repu­blikaner wählten den Gouverneur von Californieu und den Vicegouverneur von Pennsylvanien, ein Congreßmitgticd für Nordcarolina und zwei für Tennessee.

Rewyork, 6. November. Bis jetzt haben die Demo­kraten eine Majorität von über 100. DieNewyork- Times" schätzt die demokratische Majorität aus 151,Sun" sogar auf 160.

Rewyork, 6. November. Mac Kinley gibt selbst zu, daß er mit 300 Stimmen in der Minorität geblieben ist.

Ein großer Welscher Getreideelevator im Werthe von 300 000 Doll., mit Getreide im Werthe von 225 000 Doll., ist in Buffalo abgebrannt.

Gießen, 7. November.

Sitzung der Stadtverordneten am 6. November. An­wesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Georgi, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Frau Oberbürgermeister Bramm Wittwe hat der Stadt das Bildniß des verstorbenen Oberbürgermeisters übermittelt. Herr Oberbürgermeister Gnauth bringt dies mit dem Be­merken zur Kenntniß der Versammlung, daß durch dieses Geschenk es ermöglicht sei, das Andenken an das Wirken und die Verdienste des dahingeschiedenen Oberbürgermeisters Bramm nun auch im Bilde zu bewahren- er bitte um die Ermächtigung, der Frau Oberbürgermeister den Dank der Stadtverordneten besonders auszusprechen. Das Bild wurde im Sitzungssaale der Stadtverordneten,-welchen neben den Bildern und Büsten der früheren Landgrafen, Großherzoge, sowie der deutschen Kaiser bereits das Bild des früheren Bürger­meisters Vogt ziert, angebracht. Weiter theilt der Herr Oberbürgermeister mit, daß Wünsche und Vorschläge Seitens der Herren Stadtverordneten in Betreff des nächstjährigen Voranschlags im Laufe dieses Monats vorgebracht werden möchten, da im December die Aufstellung des Voranschlags erfolge. Die statistische Ermittelung der landwirthschaft­lichen Bodenbenutzuug und des Ernte-Ertrages für das Jahr 1890 hat Folgendes ergeben: Es waren aus­gestellt in der Gemarkung Gießen bei 1668 Hectar land- wirthschaftlich benutzter Fläche: 200 Hectar Winterweizen mit einem Ertrage von 26 Doppelcentner pro Hectar, 10 Hectar Sommerweizen mit 22 Doppelcentner pro Hectar, 250 Hectar Roggen mit ä 22 Doppelcentner, 30 Hectar Gerste mit ä 26 Doppelcentner, 180 Hectar Hafer mit ä 26 Doppel- centncr, 12 Hectar Erbsen mit a 22 Doppelcentner, 9 Hectar Wicken mit ä 21 Doppelcentner, 240 Hectar Kartoffeln mit ä 150 Doppelcentner, 100 Hectar Dickwurz mit ä 300 Doppel­centner, 25 Hectar andere Rüben mit ä 240 Doppelcentner. 4M. der geernteten Kartoffeln können als erkrankt bezeichnet werden. Ferner waren ausgestellt mit Raps 30 Hectar, mit Klee 7 Hectar, mit Luzerne 32 Hectar, an Wiesen vorhanden 450 Hectar, die einen Ertrag von 38 Doppelcentner Heu und Grummet pro Hectar ergaben. Gering ist die Obsternte ausgefallen, ihr Ertrag belief sich auf nur 4100 Mk. Es wurden geerntet 120 Doppelcentner Aepfel, im Werthe von 2500 Mk., auf 4775 Bäumen, 80 Doppelcentner Birnen, im Werthe von 1400 Mk., auf 2698 Bäumen, 12 Doppelcentner Kirschen, im Werthe von 200 Mk., auf 1403 Bäumen, während die 8683 Pflaumen- bezw. Zwetschenbäume einen nennenswerthen Ertrag nicht lieferten. Herr Dr. Gut - fleisch hat sein Fernbleiben aus den Sitzungen während der Verhandlungen des Reichstages entschuldigt. Die beiden aus der Tagesordnung stehenden Gesuche von Herrn Ed. Denker (Heil'sche Wirtschaft in der Schloßgasse resp. Kaplaneigasse) und Frau Karl Pipp Wwe. (Zum deutschen Kaiser an der Grünbergerstraffe) werden befürwortet. Der Spar- und Leihkasse Gießen soll der alte Rathhaus­saal zwecks Abhaltung einer Generalversammlung auch in diesem Jahre in Rücksicht auf den gemeinnützigen Zweck der Kasse unentgeltlich überlassen werden. Herr H. A. Linden- struth hat einen Theil der Lotz'schen Besitzung am Tiefenweg käuflich erworben und beabsichtigt dort ein Wohnhaus zu errichten. Mit der dieserhalb vorgeschlagenen Baufluchtlinie für den Tiesenweg erklärte sich die Stadtverordneten-Ver- sammlung einverstanden Bei der Neuverpachtung des zwischen den Häusern der Herren Ackermann und Wenzel senkrecht aus die Frankfurter Straße stoßenden, für eine später anzulegende Straße bestimmten Geländes ist aus eine Verbreiterung des Fußweges Rücksicht genommen worden, da derselbe die Verbindung zwischen der Frankfurterstraße und der projectirten Fußgänger-Uebersührung nach dem Bahnhose vermitteln soll. Die infolge dieser Verbreiterung nöthig werdende Neueinfriedigung des betreffenden Geländes, für welches anstatt der seither gezahlten 9 Mk. Pacht jähr-