Ausgabe 
7.12.1890 Erstes Blatt
 
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1890

Sonntag den 7. December

Nr. 286

Erstes Blatt

ießener Anzeiger

Kenerat-MnzeHer

»

Aiirts- und Anzeigeblutt fflt* den Ureis Gieren.

HratisSeikage: Gießener Jarmüenökätter

n

Anrtlichev Theil

zu

Vorübergehend Abwesende:

einem

an den Reichskanzler zu

Die heutige Nummer der Ber-

der an den Bürger-

1018»

deutsche Gesandte ein Regierung erhalten, telegraphischer Mel-

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

auf den 9. und 10. December l. I. anberaumten Rindvieh- rnd Schweinemarktes zu Gießen. Gleichzeitig wird für diese

Tanabw» von Anzeigen zu der Nachmittags für dea Agenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Die Gießener

MM«tttenktL1ter «erden dem Anzeiger »Achentlich dreimal beigelegt.

treidezölle eine Petition richten.

Berlin, 5. December.

'r. Lony

Dammjiraße.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme deS MontagS.

Umkreis von 3 Stunden hierdurch verboten. Zuwiderhandlungen werden gesetzlich bestraft. Gießen, den 6. December 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen v. Gagern-

Gefunden: 2 Messer, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 3 einzelne und ein Paar Handschuhe 1 Pack Wäsche, 1 Strick­zeug, 1 Portemonnaie mit Inhalt (im Laden liegen geblieben), 1 Ledertasche, 1 Brosche, 1 Mädchenkappe, 1 Fuchsschwanz, 1 Wagenbrett und 3 Schirme (auf der Post stehen geblieben).

Gießen, am 6. December 1890.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

am, mexstwßt

Marseille, 5. December. Die heute eingetroffene Post aus Hinterindien meldet über kürzlich stattgehabte Schar­mützel in den dortigen Gewässern.

jeib «schelten, Ml, Mager, temonnaies, Alle Arten

linerKlinischen Wochenschrift" enthält einen Bericht des Professors Leyden über seine Erfahrungen mit dem K o ch'schen Heilverfahren.

Köln, 5. December. Noch gesperrt sind die Bahn­strecken Hagen-Schwerte, Messinghausen-Bredelar, Menden- Fröndenberg, Ueberruhr-Steele, Wesel-Haltern, Lippstadt- Warstein, Selm-Lüdinghausen, Jena-Roda und Hüttensteinach- Lauscha.

München, 5. December. Dem Director der Bayerischen Staatsbahnen ist eine Petition der Stadt Lindau zuge­gangen wegen Durchführung der Bodensee-Gürtelbahn.

Augsburg, 5. December. Zahlreiche Bürger erlassen einen Ausruf zu einer Versammlung von Katholiken und Pro­testanten für das Jesuitengesetz.

Hamburg, 5. December. Ein Telegramm desHam­burgischen Correspondenten" aus Berlin meldet: Der deutsche Gesandte in Rio, Dönhoff, erhielt den Auftrag, der brasi­lianischen Regierung mitzutheilen, daß die deutsche Re­gierung bereit sei, die Creditive des brasilianischen Gesandten

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da ab sei blos auf Wissen und Lernen, aber nicht auf die Bildung des Chracters und die Bedürfnisse des jetzigen Lebens Nachdruck gelegt worden. Jetzt gelte es, das Hauptgewicht auf nationale Basis zu legen. Grundlage müsse das Deutsche sein. Nicht Griechen und Römer, sondern nationale junge Deutsche müßten erzogen werden. Der Kaiser betont noch die Ueberproduction an den Gymnasien, die Ursache der Hungercandidaten und Journalisten. Er werde ohne Nach­weis der Existenzberechtigung kein Gymnasium genehmigen. Er sei für klassische Gymnasien und Schulen mit Realbildung, aber für keine Realgymnasien. (Eine ausführlichere Wieder­gabe der Rede des Kaisers veröffentlichen wir an anderer Stelle. Red.)

entgegenzunehmen und solle dann der neues Creditive für die brasilianische Diesen Auftrag führte Dönhoff laut düng aus.

Wien, 5. December. Anläßlich

Sa. 20812 Zählung in 1885: 19002, also Vermehrung 1810 Seelen.

Im Oberhesfischen Geschichts-Verein hielt gestern Abend Herr Dr. Heuser einen Vortrag über eine Episode aus der Gießener Franzosenzeit 1797. Die Episode handelt von unserer Universitätsbibliothek, die von der damaligen franzö­sischen Besatzung, besonders von den französischen Commissären in ihrem Bestände ziemlich gelichtet wurde und wahrscheinlich ihrer gänzlichen Aushebung verfallen wäre, wenn nicht auf besonderen sehr eingehenden Bericht des damaligen Universitäts- Bibliothekars Schmidt der Rector Crome besonders bei dem französischen General en chef bezw. dessen Unterbefehlshaber im Hauptquartier zu Friedberg vorstellig geworden wäre. Die reichhaltige May'sche Münzensammlung, werthvolle In­kunabeln und Manuscripte gingen während der Franzosen­zeit der hiesigen Bibliothek verloren. Wir müssen für heute darauf verzichten, eingehender über den interessanten Vortrag und die sich an denselben anschließende Besprechung über ver­schiedene andere damit in Zusammenhang stehende Ereignisse aus dieser Zeit zu berichten. Wir werden dies in einer der nächsten Nummern des Anzeigers thun. Bemerkt sei nur noch, daß die Sitzung des Geschichtsvereins gut besucht war und daß Herr Prof. Dr. Buchner sowohl dem seitherigen Vorsitzen­den, Herrn Prof. Dr. von der Roop, als auch Herrn stucL Ebel (beide jetzt in Breslau) wegen ihrer Wirksamkeit im Vereine ehrende Worte der Anerkennung zollte.

Theater. Die Rolle, in welcher der berühmte Gast unseres Theaters, Adalbert Brümmer, Kaiserlich russi­scher Hosschauspieler, zuerst auftreten wird, ist die des Reif in dem erfolggekrönten LustspieleReif-Reiflingen". Schon voriges Jahr war wiederholt die Bitte an die Direction ge­richtet worden, das vorzügliche Lustspiel aufzustihren, ohne daß sie damals diesen Bitten nachkommen konnte.

Bekanntmachung,

Maul- und Klauenseuche zu Wieseck, hier Verbot des Gießener Viehmarktes betreffend.

Wegen des Fortbestehens der Maul- und Klauenseuche Wieseck untersagen wir hierdurch auch die Abhaltung des

sucht

mar ein braves Rädchen Msarbeit in einen kleine irres M Maße Nr. 5,2. Stock.

Vermischte».

A Mainz, 5. December. In dem hohen Alter von 84 Jahren ist gestern die Wittwe des berühmten Malers und Galleriedirectors Philipp Veit, geb. Polini, gestorben. Die Verschiedene war am 7. April 1807 in Rom geboren und vermählte sich in ihrem 13. Jahre, am 15. August 1820 mit Philipp Veit.

Die Hessische Ludwigsbahn hat bei einer Anzahl höherer Beamten Gehaltserhöhung en von 200 400 Mk. eintreten lassen. Berücksichtigt sind Bezirks-Ingenieure, Haupt- rechnungsrevisoreu, Hauptcassirer, Secretäre und Bureau- Vorsteher.

* Marburg, 5. December. Das Haus des Privat- docenten Dr. Kohl vor dem Renthofe ist heute mit einer mar­mornen Gedenktafel für den 1885 daselbst verstorbenen Geh. Bergrath Professor Dunker geschmückt worden. Schüler und Zuhörer des letzteren, welche schon früher sein Oelbild der hiesigen Universität übergeben ließen, haben das schöne Erinnerungszeichen anfertigen lassen.

* Berlin, 2. December. Ueber deutsche Techniker im Auslande schreibt man derVoss. Ztg." Folgendes: Gegenwärtig weilt in Berlin Regierungsbaumeister Carl Plock, welcher mit der Bauausführung mehrerer Eisenbahnen in Venezuela beauftragt ist, deren Gesammtlänge 500 Kilometer betragen wird. Die Bedeutung derartiger Ausführungen durch deutsche Techniker statt wie früher in Amerika meist durch englische Ingenieure, läßt sich darnach bemeffen, daß nun­mehr auch alle Ausrüstungsgegenstände, deren Werth jetzt schon 10 Millionen übersteigt, aus Deutschland bezogen werden.

beiden Tage auch das Fellbieten von Rindvieh und Schweinen ' trch Händler in Gießen und dessen Umgebung in

meister gelangten Verständigung, daß der deutsche Geo­grap heütag am 1., 2. und 3. April 1891 in Wien tagen wird, bewilligte der Gemeinderath dem Bürgermeister einen Credit zur Begrüßung des Congresses.

Der oberste Sanitätsrath verständigte, heute die Kliniken und Abtheilungen der Staatskrankenhäuser davon, daß Koch'sche Lymphe in genügender Quantität anoelangt sei, um mit dem Heilverfahren allgemein beginnen zu können. Nachmittags hat in einigen Abtheilungen bereits die neue Behandlung begonnen.

Paris, 5. December. Heute Vormittag sand eine Trauerseier für den General Seliverftow in der russischen Kirche statt. Vertreten waren Carnot, Ribot und der Commandant von Paris. Anwesend waren ferner das gesammte Personal der russischen Botschaft, mehrere Generäle und Vertreter der Stadtbehörde. Nach der Ceremonie wurde der Sarg nach dem Nordbahnhof überführt. Die Polizei war stark aufgeboten, weil die russische Botschaft benachrich­tigt worden war, daß die Kirche während der Ceremonie in die Luft gesprengt werden solle. Jedoch trat kein Zwischen­fall ein.

Paris, 5. December. Die gemäßigten republikanischen Blätter drücken ihre Befriedigung über den gestern in der Kammer errungenen Erfolg der Regierung aus. Auch der royalistischeSoleil" anerkennt, daß der Sieg ein Sieg der Klugheit und Billigkeit war. DasJourn. de Debats" meint jedoch, man könne angesichts der in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen nicht ohne Beunruhigung der Debatte über das Anlehen und die Steuern entgegensetzen.

Das Syndikat der Mehl- und Getreidehändler faßte bezüglich der Verproviantirung fester Plätze eine Resolution, dahingehend, die Verproviantirung möge nicht zu schnell ersolgen und womöglich auf zwei Campagnen ver- l theilt werden - ferner möge sie halb in Getreide, halb in I Mehl bestehen.

Gießen, 6. December.

Vorläufiges Crgebuiß der Volkszählung in Gieße«. Zahl derAnwesenden: Männlich 10719, weiblich 9909 zus. 20628

Heuefte Nachrichten.

WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 5. December. Dem Anträge der Stadtverord­neten entsprechend, beschloß der Magistrat, wegen Eröffnung der österreichischen Grenze für die Einfuhr von Rindvieh, der Oeffnung der russischen Grenze für die Einfuhr von Schweinen und Rindvieh und wegen Herabsetzung der Ge-

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>rte Glace), hie « W lkroolle

Vierteljähriger AVonnementspreiSd 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redactton, Expedition und Druckerei:

Kchutstratze Jt.K Fernsprecher 51.

Deutsche» Aeich.

Berlin, 4. December. DerReichsanzeiger" meldet: Die Conserenz für die Berathung der das höhere Schul­wesen betreffenden Fragen wurde heute Vormittag 11 Uhr in Gegenwart Seiner Majestät des Kaisers durch den Cultus- minister v. Goßler mit einer Ansprache eröffnet. Derselbe dankte Namens der Anwesenden dem Kaiser für seine warme T heilnahuw an den die Erziehung der Jugend betreffenden Fragen, erinnerte alsdann an die stete Fürsorge der Hohen- zollern für die Förderung des Unterrichtswesens und verwies hierauf ans die Ordre des Kaisers vom 1. Mai v. I., in welcher er die Schule als berufen erklärte, an die Erneuerung des Volkes auf den Gebieten mitzuarbeiten, welche durch die Mächte des Umsturzes in Frage gestellt werden. Die Be- rathungen der Conserenz würden durch die volle Freiheit der Discussion ausgezeichnet sein- er hoffe sicheres Gelingen, i Der Kaiser erwiderte, er danke dem Minister, daß er trotz feiner Ueberladung mit anderen Arbeiten den Vorsitz in der Commission übernommen habe,- Niemand sei geschickter, solche Fragen richtig zu leiten und ihrer Förderung zuzusühren, als wie der Cultusminister. Preußen und die anderen deutschen IStaaten hätten seit langen Jahren keinen so tapferen, hin­gebenden, hervorragenden Cultusminister gehabt, als wie er einer sei. Der Minister werde sicher das Werk zum Ab-

jg schluffe bringen. Nach dem Beginne der Verhandlungen B nahm der Kaiser nochmals das Wort zu längerer Rede, um j feine Ansichten betreffs der Frage darzulegen. Es handle sich I nicht um eine politische Schulfrage, sondern lediglich um technisch-pädagogische Maßnahmen, um die Jugend den jetzigen I Anforderungen der Weltstellung des Vaterlandes und des «Lebens entsprechend heranzubildcn. Die Verhandlungen möge man nicht mit dem französischen WorteSchulenquete", son- | beni mit dem deutschen WorteSchulsrage" benennen. Die ber Versammlung vorgelegten 14 Fragen dürften nicht dazu führen, die Sache zu schematisiren. Die Hauptsache sei, daß ber Geist erfaßt werde, nicht die bloße Form. Zu dem Ende habe er einige Fragen aufgestellt, die, wie er hoffe, Berück­sichtigung finden würden: zunächst die Schulhygiene, außer bem Turnen, sodann Verminderung des Lehrstoffes und der Lehrpläne für einzelne Fächer, Lehrmethode für die Organi- faaion, Beseitigung des Hauptballastes aus den Examinas, Verminderung der Ueberbürdung. Ferner: wie denke man 9S! sich die Conrrole und die regelmäßigen, sowie außerordent- Ä iiohen Revisionen durch verschiedene Oberbehörden. Wenn die Schule gerhan hätte, was von ihr zu verlangen ist, so hätte fie von selbst das Gefecht gegen die Socialdemokratie eröffnen mfiiffen. Die Lehrerkollegien hätten die Heranwachsende 20^ Generation so instruiren müssen, daß mit ihm gleichalterige i8lj junge Leute bereits das Material bilden könnten, womit ein arbeiten kann, um der Bewegung schneller Herr zu gzS werden. Das war aber nicht der Fall. Der letzte Moment, too die Schule noch für das vaterländische Leben maßgebend iz^lvar, sei 1864, 1866 und 1870 gewesen. Die Schulen waren Träger des Einheitsgedankens und predigten denselben Lb,krall. Mit 1871, wo da- Reich geeint, wo Elsaß-Loth- riwgen gewonnen war, fei die Sache stehen geblieben. Von

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-g. Klein-Linden, 6. December. Die Volkszählung ergab 1108 Einwohner- seit 1885 ist die Seelenzahl dem­nach um 134 Personen gewachsen.

O Mucke, 5. December. Beim Rangiren von beladenen Eisenbahnwagen aus hiesiger Station stürzte ein vorgespanntes Pferd beim Ueberschreiten der Weiche und brach ein Bein. Das anscheinend werthvolle Pferd gehörte einem Gießener Fuhrunternehmer

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