komme das einem Verbot des Fernsprechverkehrs fast gleich. Würden auch durch vermehrte Telephonanlagen hin und wieder vielleicht die Einnahmen aus dem Telegraphenverkehr geschmälert, so dürfe das eine Verzögerung des Ausbaues des Fernsprechnetzes nicht herbeiführen, es würde sich sonst das sonderbare Bild zeigen, daß aus rein fiscalischen Gründen, aus reinen Rücksichten aus die Verzinsung des Anlagekapitals
neue Verbesserungen des Verkehrs bekämpft würden. — Ue&er die Bier Production am hiesigen Platz sagt der Bericht: 17 Brauereien producirten 627271 Hectoliter gegen 606135 Hectoliter in 1888 und 419263 Hectoliter in 1880.
Von diesen 17 Brauereien befinden sich 11 in Aktienbesitz. Braugehülfen wurden in allen Brauereien zusammen durchschnittlich 750 beschäftigt. Die Bezahlung schwankte zwischen lgi/2_35 Mk. Die Bierausfuhr stieg in Folge der Pariser Weltausstellung von 16886 Hectoliter im Jahre 1888 auf 18248 Hectoliter im Berichtsjahre. 1883 betrug die Bierausfuhr noch 40606 Hectoliter, dieselbe zeigt daher, vom Berichtsjahre abgesehen, eine stetige Abnahme. Ebenso verhält es sich mit der Einfuhr bayrischen Bieres. Im Jahre 1886 wurden noch 27326 Hectoliter eingesührt, 1888 nur noch 12618 Hectoliter, 1889 dagegen 14077 Hectoliter, es war also im abgelaufenen Jahre wieder eine kleine Steigerung zu verzeichnen. Da sich die Aus- und Einfuhr von Bier verringert, während sich die Production stetig hebt, ergibt sich von selbst, daß sich der Consnm einheimischen Bieres beträchtlich steigert.
* Berlin, 1. Mai. Die Entführung eines zweijährigen Mädchens wird durch folgenden Anschlag an
den Säulen bekannt gemacht: Am Bußtag, den 30. April, zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags, ist mein Töchterchen Alma, blondhaarig, schwarze Augen, volles Gesicht, 2 Jahre alt, durch eine Frau mit angeblich rothem Kleide und solchem
Tuche entführt worden. Das Kind war bekleidet mit grau
buntem Wollenkleid, weißer Schürze, schwarzem Halstuch, grau-rotheu Strümpfen und Lederschuhen. Mittheilungen über den Verbleib des Kindes bitten die bekümmerten Eltern an sie direct oder jedes Polizei-Bürcau gelangen zu lassen.
Friedr. Heno, Bergmannstraße 13.
Eingesandt.
Betr.: Die Verwendung von Rinderblut zur Wurstbereitung.
Gießen, 5. Mat.
In der Stadtverordneten-Verlammluna vom 1. Mai ist die
Blutfrage und die hiermit im Zusammenhang stehende Wurstbereitung
in der ausgiebigsten Weise verhandelt worden. Obgleich es für jeden reinlichen Schweinemetzger einerlei sein kann, wenn seine Waare in der Oeffentlichkeit besprochen wird, entstehen doch sehr nachtheiltge Folgen für ihn, wenn einzelne unentbehrliche Theile der Zusammensetzung durch allzu schwarze Ausmalung Mißtrauen im consumirenden Publikum erwecken. Zum Auffangen von Blut von dem nach Israel. Ritus geschlachteten Vieh möge Nachstehendes dienen: Rinderblut wird nur dann vom Schweinemetzger verwandt, wenn Schweineblut nicht ausreicht, oder solches in heißer Jahreszeit schwarz mithin unbrauchbar geworden ist. Diesen Standpunkt haben beide in der Schlachthaus-Commissionssitzung anwesende Metzger vertreten. Ein Unterschied des Nährwerthes, sowie der Güte ist bis jetzt von keinem Gelehrten seftgestellt worden; mithin kann beides Verwendung finden. Es gibt sogar Gegenden, wo Rinderblut dem Schweineblut vorgezogen wird. Das Verbot des Auffangens von Blut nach oben angeführtem Schlacht-Ritus würde dem gänzlichen Verbot von Blutauffangen gleichstehen, da im Gießener Schlachthaus fast alles Großvieh geschachtet wird. Eine Einschränkung des Schlacht- Ritus ist hierdurch nicht zu erzielen; kein Ochsen- oder Rinder- Metzger wird den Fleischoerkauf an seine israelitische Kundschaft entbehren wollen. Ob ein derartiges Verbot gerechtfertigt erscheint dem Gewerbe gegenüber, dem man außer den dtrecten Abgaben jährlich noch 50—60 000 AL indirecte auferlegt — hierüber wollen wir uns kein Urtheil erlauben. Einwendungen, die für das Verbot sprechen, wie solche von allen zuständigen Behörden ausgestellt und denen auch ein verehrlicher Stadtoorstand beigetreten, können nicht stichhaltig erscheinen, so lange die geehrten Herren Gesetzgeber nicht ihren theoretischen Standpunkt aufgeben und fick practisch von der Verunreinigung überzeugen. Bei sorgfältigem Auffangen wird Ihnen dies nie gelingen. Es sei noch bemerkt, daß jeder reinliche Schweinemetzger sein bester Schutzmann selbst ist und kein Blut verarbeitet, welches Unreinlichketten enthält. Selbstverständlich bleibt den hiesigen Metzgern nichts übrig als weiter zu petttioniren; es ist kaum anzunehmen, daß die zuständige Behörde ein Gesetz genehmigen wird, das nicht allein einen Angriff in das Gewerbe gestattet, sondern zeitweise einen Theil desselben verbietet.
Verkehr, Land- rind Volkswirtschaft.
Grünberg, 3. Mai. (Fruchtpreise). Weizen AL 20,30, Korn AL 18,40, Gerste AL 18,00, Hafer AL 17,50, Erbsen AL 20,00, Wicken AL 23,00, Lein AL 00,00, Kartoffeln AL 3,00, Linsen AL 00.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 3. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Lahn, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23. April von Bremen und am 25. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 3. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Fulda, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. >Aprtl von Bremen und am 23. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
Der Postdampfer' „Rhynland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 2. Mat wohlbehalten in Newyork angekommen.
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Temperatur in Gießen.
April 1890.
Niederste —
Mittlere 4-
Mittel früherer Jahre +
Höchste +
Niederschlag an 13 Tagen
„ im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen
2,5 *B.
6,82 „
6,79 „
14,8 „
1,65 Par. Zoll.
1,39 „ „
Temperatur der Kahn und der Lust am 4. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser IO1 /2, Luft 144/z Gr.
Rübs amen.
Spielplan der vereinigten IranKfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 6. Mai: Hamlet. (Oper.) Gewöhnliche Preise.
Mittwoch den 7. Mai: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Dorfbarbter. Hierauf: Die Puppenfee. Zum Schluß: Flotte Bursche. Außer Abonnement.
Donnerstag den 8. Mai: Zauberflöte. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 9. Mai geschlossen.
Samstag den 10. Mai: Don Juan. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 11. Mai: Die Meistersinger. (Walter Stoltzing: Herr Oberländer als'Gast.) Große Preise.
Schauspielhaus.
Dienstag den 6. Mai: Zum ersten Male wiederholt: Die Kreuzelschreiber. Gewöhnliche Preise.
Mittwoch den 7. Mai: Minna von Barnhelm. Gewöhnliche Preise.
Donnerstag den 8. Mai: Ehre. Gewöhnliche Preise. Außer Abonnement.^ ,
Freitag den 9. Mai: Julius Cäsar. Gewöhnliche Preise.
Samstag den 10. Mai: Der arme Jonathan. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 11. Mai: Zum ersten Male: Die Hochzeitsreisenden. Eine Gasthossplauderei in einem Auszug von E. Pirazzi. Hierauf zum ersten Male: Comvromittirt. Schwank in 1 Akt von A. Hill. Zum Schluß: Zum ersten Male: Durch den Kaufmännischen Verein. Gewöhnliche Preise.
Montag den 12. April: Die Kreuzelschreiber. Gewöhnliche Preise.
Fortsetzung und Schluß
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