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Freitag den 5. December
1890
Dcr fritierter Anzeiger erscheint täglich, utt Ausnahme des Montags.
Die Gießener
M»«itte«Vtä1ter »erden dem Anzeiger »z-chentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Htnzeiger.
BierteNSHrtger AVonnementspreiAz 2 Mark 20 Pfg. mW Bringerlohn.
Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
Rcdaction, Expeditisv und Druckerei:
-chukgraße Ar.^, Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den fokqendm Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
chratisöeikage: chießener Kamilienökätter.
Alle Annoncm-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtliche» TheU.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß Balthaser Melchior zu Gießen von uns als Heilgehülfe concessionirt worden ist.
Gießen, den 29. November 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen-
v. G a g e r n.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 3. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Obersten Perthes, Commandeur des 2. Großh. Infanterie - Regiments (Großherzog) Nr. 116, den Hauptmann v. Kurnatowski von demselben Regiment, den Pfarrer Strack aus Leihgestern, den Pfarrer Jaudt aus Maulbach. —
Darmstadt, 1. December. Das heute ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 28) enthält u. A.:
Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Schiffsknecht Jacob Pfeiffer aus Rüdesheim, in Diensten der Firma Arnold van Metern in Duisburg, wohnhaft in Mainz, in Anerkennung der von demselben am 23. August l. I. zu Gernsheim mit Muth und Entschlossenheit und unter eigener Lebensgefahr vollzogenen Rettung des fünfjährigen Philipp Fell aus Nackenheim vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie zu bewilligen. In Gemäßheit Allerhöchster Entschließung wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Organisation dec Unfallversicherung betreffend.
Ti..' schlichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 17. October dem Pfarrverwalter Wilhelm Dittmar zu Walldorf die evangel. Pfarrstelle daselbst, am 20. October dem Pfarrer Ludwig Walz zu Grüningen die evangel. Pfarrstelle zu Lang-Göns, dem Pfarrer Wilhelm Volp zu Rohrbach die evangelische Pfarrstelle zu Allendorf a. d. Lda. und dem Pfarrer Wilhelm Werner zu Lindheim die 2. ev. Pfarrstelle zu Nidda zu übertragen.
Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freienseen mit einem Gehalte von 900 Mk. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ernsthofen mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Landenhausen mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Ofleiden mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hohenstadt mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. An der Volksschule zu Worms: Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1200—2400 Mk. und zwei Lehrerinnenstellen, von denen die eine mit einer evangelischen, die andere mit einer katholischen Lehrerin zu besetzen ist, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von je 1200 bis 1600 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder - Bessingen mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wölfersheim mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Wimpfen a. B. mit einem jährl. Gehalte von 1000 Mk. Die 1. Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Seligenstadt mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1300—1600 Mk. Dem Kreisrathe zu Offenbach, sowie dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstande zu Seligenstadt steht das Präsentationsrecht zai derselben zu. Dem betr. Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an gen. Schule Übertragen werden. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Ge- «icindeschule zu Fehlheim mit einem jährlichen Gehalte von 1*90 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienp verbunden.
Dem kathol. Pfarrer zu Bensheim und dem Ortsvorstand zu Fehlheim steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rembrücken mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
Deutscher Reichstag.
34. Plenarsitzung. Mittwoch, 3. December 1890, 1 Uhr.
Der Abg. Müller-Marienwerder (Reichsp.) zeigt seine Ernennung zum Reichsbank-Justitiar an. Das Schreiben geht vor die Wahlprüfungscommission, um zu untersuchen, ob das Mandat des genannten Abgeordneten durch diese Ernennung erloschen ist.
In Erledigung der Tagesordnung wird an Stelle des Abg. Dr. Bürklin (nail), welcher sein Amt als Schriftführer niedergelegt bat, der Abg. Schneider-Hamm (natl.) durch Acclamation gewählt. Die Etatsübersicht pro 1889/90 wird debattelos der Rechnungscommisston überwiesen.
Es folgen Wahlprüfungen. Die Commission beantragt, die Wahl des Abg. v. Reden (natL) für giltig zu erklären, dem Reichskanzler aber die Wahlacten zu übersenden, um einige behauptete Unregelmäßigkeiten zu prüfen.
Abg. Rickert (dfr.) verlangt eine weitergehende Untersuchung namentlich auch über die Wahlagitation tn den Kciegecoeretnen; ferner soll der Bergrath v. Detten über das von ihm verbreitete Flugblatt vernommen werden. Rickert beantragt: 1) die Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl auszusetzen, 2) die Beweisaufnahme im erweiterten Umfange zu veranlassen.
Abg. Auer (Soc.) beklagt sich über die ungesetzliche Behandlung socialdemokratischer Wahlversammlungen und tritt den Anträgen des Abg. Rickert bet. Insbesondere verurthetit er scharf das Verhallen des Oberbergrath Detten, das er als Wahlbeetnflussung bezeichnet.
Abg. Baumbach-Altenburg (Reichsp.) sucht das Verhalten der Kriegeroeretne zu rechtfertigen, sie haben feine öffentliche Agitation getrieben; die Unterhaltung im geselligen Verktnskreise ist nicht ungesetzlich.
Abg. Dr. Mehncrt (cons.): Das V-rhalten des Oberbergrath Detten wäre ganz corrcct, wenn er als Privatmann und nicht als Vorgesetzter gehandelt hätte. Von Einfluß auf den Ausfall der Wahl ist dies Verfahren aber nicht gewesen. Was die Krieger vereine anbelangt, so kann man die gedienten Soldaten nicht ungünstiger stellen, als andere Staatsbürger.
Abg. Strombeck (Elr.) spricht für den Antrag Rickert.
Abg. Rickert (Dfr.): Den Mitgliedern der Krtegeroeretne sollen ihre politischen Rechte nicht verkümmert werden. Aber es ist ein Ueb^rgriff, wenn die Vorsitzenden der Krtegeroereine als solche einen Einfluß auf ihre Mitglieder zu gewinnen suchen, um das Wahlresultat nach einer bestimmten Richtung zu gestalten.
Abg. Auer (Soc.) verwahrt sich gegen Andeutungen des Abg» Mehnert, als ob die Soctaldemokraten ihrem. Vaterlande gegenüber nicht ebenso ihre Schuldigkeit gethan hätten, ‘ wie die Angehörigen anderer Parteien. Sind die Socialdemokralen für die Armee brauchtar, so liegt kein Grund vor, sie aus den Kriegervereinen aus- zuschltetzen.
Abg. Mehnert (cons.): Die Socialdemoktaten haben sich öffentlich als Republikaner bekannt und damit die dem Könige gelobte Treue gebrochen. (Beifall rechts.) Das rechtfertigt ihren Ausschluß aus den Krtegeroeretnen.
Der Antrag Rickert wird hierauf angenommen, womit der Eommtfsionsantlag erledigt ist.
Es folgt die Prüfung der Wahl des Abg. v. Henk (cons).
Der Referent, Abg. Dr. Dohra (dfr.), ist behindert und hat den Vorsitzenden der Commission, Abg. Schmieder (dfr.), um Uebernahme des Referats gebeten.
Die Abgg. Rickert (dfr.), Richter (dfr.) und Dr. Wind t- horst (Ctr.) sind dec Meinung daß solche Uebertragung nur dann zulässig ist, wenn aus dem Hause kein Widerspruch ei folgt; dieser Widerspruch wird von dem Abg. Rickert erhoben.
Der Abg. Hahn (cons.) und der P.äsidenl halten die Uebertragung des Referats für zulässig.
Hierauf erklärt der Abg. Schmieder (dfr.), daß er unter den obwaltenden Umständen das Referat nicht Üoernehmen könnte. Die Sache wird nunmehr von bet Tagesordnung abgesetzt.
Die Wahl des Abg. Schütte (dfr.) wird für gültig erklärt und werden die Wahlac.en dem Reichskanzler überwiesen, um einige angebliche Unregelmäßigkeiten ftstzustellen.
Es folgt die Prüfung der Wahl des Abg. Frhr. v. Münch (V)lksp.).
Abg. Frhr. v. Münch versichert in längerer Rede, daß er durchaus nicht on sucht habe, auf illegalem Wege Stimmen zu fangen, ev beantragt zu den Commissionsanträgen einen Zusatz, um die beantragten Erhebungen noch weiter auszudehnen.
Das Haus beschließt Annahme des Commisstons Antrages, wonach die Beschlußfassung über die Wahl ausgesetzt wird und zunächst Erhebungen über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl beschlossen werden. Der wettergehende Antrag des Abg. Frhrn. v. Münch (VolkSp) wird adgelehnt.
Nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr. Tages-Ordnung: Helgoland-Vorlage in zweiter Lesung. Palentgesetz-Nooelle und Gebrauchsmuster-Gesetz tn erster Lesung. — Schluß 4 Uhr.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.
Berlin, 3. December. Der „Reichsanzeiger" meldet die Versetzung des Regierungspräsidenten Putt kam er (Koblenz) nach Frankfurt a. d. Oder und Heppe (Danzig) nach Trier.
Berlin, 3, December. Die Aeltesten der Berliner Kauffftannschaft beschlossen, die Berathnng der Gewerbeordnungsnovelle im Plenum des Handelstages bei dem Stande der Vorlage im Reichstage als nicht zweckmäßig zu begutachten und sprachen ferner aus, daß die Veröffentlichung der Personen, welche den Offenbarungseid geleistet haben, nicht wünschens- werth sei.
Berlin, 3. December. Der Grundsteinlegung der katholischen Sebastiankirche am Gartenplatze wohnte in Vertretung des Kaisers General Wittich bei, für die Kaiserin Hosmarschall Mirbach, ferner der Cultusminister, der Polizeipräsident und zahlreiche Vertreter staatlicher, städtischer und kirchlicher Behörden. Fürstbischof Kopp hielt die Weihrede und besprengte den Grundstein mit Weihwasser. Nach den üblichen Hammerschlägen der Vertreter des Kaisers, der Kaiserin, sowie der kirchlichen und staatlichen Würdenträger schloß eine nochmalige Ansprache des Fürstbischofs und Ertheilung des Segens die Feier.
Berlin, 3. December. Die Gewerbeschutz-Con- ferenz erledigte heute die Berathung über den Schutz der Geschmacksmuster und nahm deren Anmeldung bei dem Reichsmusteramt an. Gegen die Eintragung soll während 6 Wochen Einspruch zulässig sein. Gegen das Reichsmusteramt kann Berufung an eine richterliche Abtheilung, bestehend aus Juristen und Sachverständigen, erfolgen, und gegen diese Instanz eine Berufung an das Reichsgericht. Bezüglich der Gebrauchsmuster wurde eine analoge Resolution beschlossen, welche das englische Gesetz empfiehlt.
Berlin, 3. December. Die morgige Nummer der „Deutschen Medicinischen Wochenschrift" bringt einen Artikel aus dem hygienischen Institut Geheimrath Kochs über das Zustandekommen der Unempfänglichkeit für Diphtherie und Tetanus (Starrkrampf) von dem Stabsarzt Behring und dem Dr. Kitasato,- ferner weitere Mittheilungen über das Koch'sche Heilverfahren gegen Tuberkulose von Professor Rosenbach (Breslau) und Noorden (Berlin) und aus den Kliniken von Gerhardt, Kromeyer (Hülle) und Oppenheimer (Heidelberg).
Braunschweig, 3. December. Aus dem Boden des Herzoglichen Museums platzte heute ein Ablaßrohr der Dampfheizung, so daß das Wasser sich durch die Decken und Wände ergoß und eine Partie alterthümlicher Stickereien beschädigte. Durch rechtzeitiges Eingreifen gelang es, das Wasser vom Eindringen in die Decke und in die Gemälde- gallerie fernzuhalten.
Hamburg, 3. December. Heute Nachmittag stürzte in Barmbeck ein Neubau ein, wobei 5 Personen verletzt wurden, darunter vier schwer.
Wien, 3. December. Von den Delegirten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns wurde, wie die „N. Wiener Presse" meldet, zu Beginn der heutigen Conferenz im Auswärtigen Amte ein St aaatsv ertrag unterzeichnet, wodurch die voralbergische Gemeinde Mittelberg aus dem österreichisch- MMrischen Zollgebiete ausgeschieden und dem deutschen Zollgebiete eiuverleibt wird. Der bezügliche Staatsvertrag würde demnächst den Parlamenten der betheiligten Staaten vorgelegt werden. Hieraus wurden die Verhandlungen über den österreichisch-deutschen Tarifvertrag fortgesetzt.
Haag, 3. December. Die Königin-Wittwe empfing heute die osficiellen Besuche Sr. K. H. des Prinzregenten von Braunschweig, des Großfürsten Alexis von Rußland, des Erzherzogs Friedrich von Oesterreich und des Prinzen Victor von Italien. Von den Vertretern der auswärtigen Monarchen und der französischen Republik wurden am Sarge des Königs Kränze niedergelegt.
Paris, 3. December. Der „France" zufolge läßt General Saussier ein Verzeichmß der von Ausländern gehaltenen Restaurants und Cafes anfertigen, deren Besuch durch Erlaß des Kriegsministers den Offizieren und Mannschaften der Armee verboten werden soll.
— Der Minister ordnete wegen der Cholera in Syrien an, daß alle Provenienzen aus den Häfen zwischen Messina und syrisch Tripolis nach dem Sanitätsreglement über die Cholera zu behandeln seien.
Paris, 3. December. Berichte aus Santiago de Chile bezeichnen die politische Lage als sehr gespannt. Wahrscheinlich werde entweder der Sturz des Ministeriums oder ein Staatsstreich erfolgen.
London, 3. December. Nach einer Meldung des Bureau Reuter aus Pernambuco vom 3. December ist die Meinungsverschiedenheit zwischen den brasilianischen Ministern beigelegt.
London, 3. December. Das Unterhaus nahm nach zweitägiger Debatte die irische Bodenankausbill mit 268


