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Mittwoch den 3. September. Gietzerrer Anzergev.

Beilage zu Rr. 204. - 1890.

Vermischtes.

*nn. Darmstadt, 31. August. Ein vor zwei Tagen statt- gesundener Selbstmord zweier Dienstmädchen aus dem benachbarten Traisa in dem in der Nähe unserer Stadt im Walde befindlichen Waltersteich läßt die Gemüther unserer Einwohner noch immer nicht zur Ruhe kommen. Die beiden Mädchen, Schwestern, waren das eine in Frankfurt a. M., das andere hier bedienstet und erfreuten sich des besten Leu­mundes. Was die beiden Mädchen veranlaßt hat, in dem einsamen Teich den Tod zu suchen, ist noch nicht völlig auf­geklärt, es wird vielmehr vermuthet, daß die ältere Schwester die jüngere mit in das nasse Grab hineingezogen hat. Die Untersuchung über diesen traurigen Selbstmord ist im vollsten Gange.

Der Vorstand der internationalen electrotechnischen Ausstellung zu Frankfurt a. M. hat sich nunmehr an die größeren Gewerbe-Vereine in Hessen mit dem Ersuchen ge­wendet, dahin wirken zu wollen, daß Seitens des Klein­gewerbes eine Betheiligung an den gelegentlich der Ausstellung zu errichtenden Werkstätten mit electrischem Betrieb herbeigeführt werde. Es sollen hierdurch dem Kleingewerbe die Errungenschaften und Fortschritte der letzten Jahre aus dem Gebiete der electrischen Kraftübertragung und Kräste-Ver- theilung zur Anschauung gebracht werden. Es soll zugleich der Beweis damit geführt werden, daß der heutige Stand dieses Zweiges der Electrotechnik es gestattet, die electrische Kraft im großen Maßstabe an irgend einer Stelle äußerst billig zu produciren, um sie an beliebig viele und beliebig kleine Betriebe einer Stadt oder eines kleinen Jndustrieortes zur Verwendung zu bringen. In unserer Stadt haben sich bereits eine Anzahl von Gewerbetreibenden bereit erklärt, Werkstätten mit electrischem Betrieb einzurichten. Eine Com­mission, aus den angesehensten Fachleuten bestehend, hat die Sache in die Hand genommen.

* Erledigte Stellen für Milit'äranw'ärter im Bezirk des 11. Armeecorps: Dornberg-Groß-Gerau, Specialdirection der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft in Mainz, Central­weichenwärter in der nördlichen Stellwerkbude in Station Dornberg-Groß-Gerau, auf monatliche Kündigung, 700 Mk. Gehalt und ca. 50 Mk. Vergütung für Nachtdienst jährlich. Mainz, Postamt 1, Postschaffner, aus vierwöchentliche Kündigung, 900 Mk. Gehalt und 180 Mk. Wohnungsgeldzuschuß.

Koebelens Iamilien-Buttcrmaschine.

Eine billige Familten-Buttermaschine für den Haushalt! Viele werden es nicht glauben, und doch ist es so. Es ist in der That eine großartige Errungenschaft für die Familien, welche eine völlige volkswirthschaftliche Umwälzung heroorzubringen im Stande ist. Man denke: Tag für Tag kann man sich binnen 5 Minuten ganz frische, köstlich schmeckende Butter höchst billig, ja beinahe kostenlos Herstellen! Ist das nicht ein unschätzbares Ersparnißmittel für jede Familie? Aber auch zugleich ein kostbarer Apparat zur Befriedigung des Ge­schmackes! Mit dem Rahm der täglich nothwendigen Milch, die für den Kaffee rc. gebraucht wird, läßt sich durch die Famtlien-Butter-

maschine soviel Butler Herstellen, als man für einen Tag nöthig hat, | in diesem Falle kostet also die erhaltene Butter keinen Pfennig; braucht man mehr, nun so kauft man sich fertigen Rahm oder man lasse mehr Milch stehen; man kommt immer noch bedeutend billiger weg, als wenn man die theure Butter fertig kauft. Die abgerahmte Milch kann man zum Kaffee, auch zum Trinken noch sehr gut ver­wenden, sie ist noch nahrhaft genug. Die gewonnene Buttermilch ist völlig fettfrei, daher besonders Kranken, Reconvalescenten und Säug-

Mengen von Kalisalzen bestreut, d. h. wenn der Boden genügend feucht ist, um die Salze schnell lösen zu können. Es sinkt der Er­starrungspunkt durch diese Manipulation auf mehrere Grad unter Null, oder mit anderen Worten, der Boden bleibt wett länger locker, so daß mit dem Ausgraben der Kartoffeln fortgefahren werden kann. Da die Kartoffeln dem Boden große Mengen von Kalisalzen entzoaen haben, wird sich ein Ersatz derselben ohnehin für viele Verhältnisse empfehlen.

lingen zu empfehlen.

Besonders hervorzuheben ist, daß den Forderungen der Rein­lichkeit in denkbar höchstem Grade entsprochen wird; die zu bereitende Butter bleibt nämlich im verschlossenen Glase fern von allen Ein­flüssen fremder Körper, bis sie zum sofortigen Genüsse mittelst eines Löffels herausgenommen wird. Das Glas selbst kann auf die leichteste Weise gereinigt werden. Auswaschen und Salzen der Butter sind überflüssig. Eine bestimmte Temperatur ist nicht erforderlich, um Butter erzeugen zu können, es ist bei jeder beliebigen möglich. Natürlich je besser Vie MUch und der Rahm, desto besser auch die Butter und desto mehr; daher kaufe man nur beste Vollmilch.

Die Bauern brauchen übrigens dieses Maschinchen nicht zu fürchten. Wenn es allgemein eingeführt ist, werden sie ihre Milch bester verkaufen können; zugleich aber ist es ihnen bet eigenem Ge­brauche der Familien-Buttermaschine möglich, eine vorzügliche Waare zu einem billigeren Preise auf den Markt zu bringen.

Der Preis ist so gering (nur 15 Mk.), daß jede Familie sich den Apparat anschaffen kann; kein Anderer macht sich so schnell bezahlt. Der Erfinder und Alleinfabrtkant, Albert Röbelen in Stutt­gart, erthetlt bereitwillig jede weitere Auskunft.

Gerichtliche Entscheidungen.

* Nachfitzende Schulkinder sindGefangene" im Sinne

des Gesetzes! Das ist das Neueste aus dem reichen Capitel der Gesetzesauslegung durch die deutschen Gerichte. Nach 8 120 des Retchsstrafgesetzes wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft, wereinen Gefangenen aus der Gefangenen-Anstalt oder aus der Gewalt der bewaffneten Macht, der Beamten oder desjenigen, unter dessen Beaufsichtigung, Begleitung oder Bewachung er sich befindet, vorsätzlich befreit oder ihm zur Selbstbefreiung behilflich ist." Dieser Bestimmung hat das Ober-Landesgericht in München die Auslegung gegeben, daß ein im Schularrest befindlicher KnabeGefangener" im Sinne des § 120 sei. Ein Mann hatte seinen sechsjährigen Sohn, welcher nachsitzen mußte, aus dem nicht verschlossenen Schulzimmer ohne Erlaubniß des Lehrers abgeholt und war deshalb unter Anklage gestellt worden. Das Landgericht zu Bayreuth lehnte die Verfolgung ab; auf die Beschwerde des Staatsanwalts ordnete aber das Ober- Landesgericht in München die Erhebung der Anklage an, weil der Schularrest sich als eine in gesetzlich gebilligter Form aus Gründen des öffentlichen Interesses verfügte Entziehung der persönlichen Freiheit darftelle, der Schüler also als Gefangener im Sinne des § 120 des St.-G.-B. zu betrachten sei! In der darauf stattgehabten Verhand­lung blieb das Landgericht Bayreuth bei feiner Ansicht, daß das Zurückbehalten fauler Schulkinder zum Zweck der Nachholung ihrer mangelhaften Schularbeiten nicht als Gefangenschaft im Sinne des Strafgesetzbuches angesehen werden könnte. Da der Staatsanwalt, welcher eine Gefängnißstrafe von einem Tag beantragt hatte, wohl Revision einlegen wird, so wird sich demnächst das Reichsgericht mit der Frage zu beschäftigen haben.

VerOehr, Canb« ttttö Volk-wirth schäft.

Bei verspätetem Kartoffelernte kommt es oft vor, daß Nachtfröste den Landwtrth derart überraschen, daß die Erntearbeiten dadurch gestört werden, weil die Erdkruste erstarrt ist. Diesem kann aber dadurch vorgebeugt werden, daß man das Feld mit geringen

Weiße Seidenstoffe von 95 Pfge. bis 18.20 p. Met. glatt gestreift und gemustert (ca. 150 ver­schied. Qual.) vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-Dspöt G. Henneberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Porto. 564

Die Bewegung zu Gunsten der Errichtung von Volks- Heilstätten für Lungenkranke, welche seit einiger Zeit int Gange ist, hat einen neuen Aufschwung erhalten dadurch, daß nun auch die ^Gartenlaube^ in ihrer Nr. 34 dieses Jahrgangs ihre gewichtige und weitgehörte Stimme zur Förderung dieses Gedankens erhebt. Dr. med. Driver, einer der ersten Sachverständigen auf dem Gebiete der Lungenheilkunde, weist in Uebereinstimmung mit anderen hervorragenden Aerzten nach, daß die Behandlung der Lungenkranken in gesonderten Anstalten eine dringende Forderung der Wiffenschaft ist und daß andererseits die Sorge für das allgemeine Volkswohl es gebieterisch erheischt, auch dem minder Bemittelten einen reichlich bemessenen Aufenthalt in solchen Anstalten zu ermöglichen, d. h. aus Staats-, Gemeinde-, Vereins- oder endlich Schenkungsmitteln Volks­heilstätten für Lungenkranke in der Nähe der großen Städte zu errichten. Es ist zu hoffen, daß dieser warm geschriebene Weckruf die Sache einen guten Schritt vorwärts bringt. Denn das zu be­kämpfende Nebel ist ein fürchterlicher Feind der Menschen, insbesondere der großstädtischen Bevölkerungen. Waren doch in Berlin im Jahre 1885 von 1000 Gestorbenen 283, im Ganzen 4472 Personen der Schwindsucht zum Opfer gefallen! Und das vorgeschlagene Mittel verspricht große Erfolge.

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Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 3. September: Lohengrin. Große Preise. Außer Abonnement.

Donnerstag den 4. September: Hamlet (Oper). Große Preise.

Freitag den 5. September: Mikado. Puppenfee. Große Preise. Außer Abonnement.

Samstag den 6. September: Robert der Teufel. Große Preise.

Sonntag den 7. Sevtember: Fidelio. Große Preise.

Schauspielhaus.

Mittwoch den 3. September: Fallissement. Gewöhnliche Preise.

Donnerstag den 4. September: Abonnement-Vorstellung für einen ausgefallenen Montag. Der Geizige. Hierauf: Tartuffe. Gewöhnliche Preise.

Freitag den5.September: Die berühmte Frau. Gewöhn­liche Preise.

Samstag den 6. September: Zum ersten Male: Die arme Löwin. Schauspiel in 5 Aufzügen von E. Augier. Deutsch von Paul Lindau. Gewöhnliche Preise.

Sonntag den 7. September: Zum [ersten Male wiederholt: Die arme Löwin. Gewöhnliche Preise.

Feuilleton.

Die verlorene Perle.

Novelle von I. Dedekind, Verf. derAchten-Lini".

(Schluß.)

Sie fühlte sich peinlich berührt und wollte weitergehen, über der Fürst hielt sie zurück und sagte galant:Dir wird es leichter werden als mir, Tonina, den Meister zu über­reden. Was dem Diplomaten, dem Kunstfreunde nicht ge­lingt, wird die Schülerin, die Jugendfreundin eher erreichen - ich habe mir in den Kops gesetzt, den Herrn auch bei uns zu sehen. Er muß Dich hören, Tonina, es liegt mir zu viel daran. Aber er weicht aus und führt Gründe an, die"

Verehrteste Durchlaucht, nicht Gründe, die leidige Notwendigkeit, noch Ende der Woche in Petersburg ein­treffen zu müssen, zwingt mich, alles, was mir hier Ver­lockendes geboten wird, bis zu meiner Rückkehr aufzuschieben. Ich reise noch in dieser Nacht- irre ich nicht, so wartet schon jetzt der Wagen auf mich - nur unter dieser Bedingung durfte ich heute der beglückenden Aufforderung der Hoheiten folgen. Aber noch bleibt mir eine halbe Stunde- könnte Ihre Durch­laucht", mit einem unbeschreiblichen Blick aus Antonie,sich nicht entschließen und uns gleich heute den Genuß gewähren?"

Nein, o nein," sagte Toni bestürzt und so entschieden abwehrend, daß selbst ihr Gatte verstummen mußte.

Wie könnte ich nach Ihnen spielen," fügte sie, um die Absage zu mildern, hinzu,das hieße doch, den Altar ent­weihen, aber sehen Sie, noch steht er de, mit anderen Worten: der Flügel ist offen, und . . ."

Georg folgte ihrem Wink - hätte der Fürst nicht zwischen ihnen gestanden, sie würden sich noch viel gesagt haben. Nun wurde die Musik die beste Zuflucht für beide bedrängte Herzen.

Es bedurfte kaum der Anfrage bei der Herzogin. Freudenlaute wurden von allen Seiten vernehmbar, als Georg noch einmal sein Füllhorn voll goldener Töne über die glück­lichen Zuhörer ausgießen wollte.

Seine Phantasie führte ihn auf unbetretene Pfade - durch Waldesdunkel mußte man ihm folgen, das schwankende Boot mit ihm besteigen und sich vom feuchten Element wiegen lassen. Die Wogen rauschten, Wasserlilien rankten sich und blühten von allen Seiten- traumhafte Weisen ertönten aus der Ferne, sie kamen näher und weckten ein melodisches Echo. Und hoch und höher hob sich aus der Fluth, in Blüthen und Wohllaut ruhend, die von Palmen beschattete Insel des

Friedens- sie grüßte und winkte und zog uns hinüber und das Sehnen unseres Herzens und unser sagenreicher Fähr­mann lenkten den leichten Kahn dorthin. Geliebte Arme hoben uns ans Ufer und wir ruhten geborgen im grünen Eiland der Seligen, der letzte Ton erstarb, wie der Seufzer eines Glücklichen. Die Dämonen waren gebannt.

Feiernde Andacht lag aus dem Kreise. Alle hatten sich erhoben und still wurde es wie in der Kirche.

Endlich sand der Dank seinen Ausdruck- erst vereinzelt und leise, dann laut geworden, einstimmig, der Dank für das neue, das größte Wunder, mit dem der Zauberer seine hohe Begnadigung gezeigt hatte.

Er ging, selbst bewegt, blaß, ergriffen, kindlich sein Lob annehmend oder ablehnend und zugleich Lebewohl sagend durch die Reihen. Ganz zuletzt blieb er vor Antonie stehen- ihr Auge war umflort, als ob sie geweint oder geträumt hätte und in ihrer Stimme zitterte das Klopfen ihres Herzens nach.

Dank, o Dank," sagte sie beseligt,das war das hohe Lied der Versöhnung."

Eine Abbitte und mein Abschied, süße Toni," sagte er mit tiefsinnigen, traurigen Augen.

Ich wußte, Georg, Du kehrst nicht zu uns zurück und sollen wir uns nie wiederfinden?"

Im Reiche der Töne, mein Lieb, da dürsen sich die abgeschiedenen Seelen begegnen."

Und Du hast vergeben, Georg?"

Sie reichte ihm ihre bebende Hand, er nahm sie und berührte sie mit seinen Lippen. So verschmolzen sie einen Augenblick ineinander . . . Als sie ihre Hand der seinen entzog, fühlte sie Feuer darauf brennen und daneben das herbe Naß einer Mannesthräne. Dann entschwand er ihr für immer.

Die Unterhaltung wurde nach seinem Abgänge noch ein­mal lebendig um sie her. Sie stellte sich in die Fenster­vertiefung und horchte, ob sie seinen Wagen nicht hörte. Es blieb noch alles still- so weilte er noch in ihrer Nähe. In­dessen zog sich der Hof zurück. Ihr Gatte kam auf sie zu, um ihr mitzutheilen, daß der Herzog ihn zum Spiele zurück behielte und daß er sie zuvor nach dem Wagen geleiten wollte.

Sie zögerte und wollte nicht noch einmal mit Georg in des Fürsten Gegenwart Zusammentreffen.

Jetzt rollte ein Wagen. Das war er gewesen- sie ließ sich nun geduldig zu dem ihrigen führen.

Erschöpft sank sie in die weichen Polster- da lag aus dem Sitz neben ihr etwas Schimmerndes, zwei weiße Rosen waren es, die Stiele in ein festes Blatt Papier gehüllt - sie entrollte eS mit zitternden Fingern und las beim Schein der

Laternen, von seiner Hand geschrieben mit Bleistift er mußte es eben im Vorzimmer gethan haben, das Motiv, das er zuletzt gespielt hatte.

Ein letzter Gruß von der Insel der Seligen," sagte sie und heiße Schmerzensthränen rollten auf das Liebes­zeichen nieder, die ersten, die sie seit langen Jahren geweint hatte. Wie sollte auch ihr ödes, gleichmäßiges Leben, in dem höchstensdie Gespenster des Zwanges, der Vorurtheile und der Langenweile" umgingen, Anlaß zu Freuden- oder Schmerzensthränen geben? Heute flössen sie süß, erleichternd und erlösten die kranke Brust, die sich wie unter einem Banne gefühlt hatte.

Thränen? Durchlaucht haben geweint?" fragte ihre Dienerin, als sie ihr Mantel und Schleier abnahm. Es kam ihr unglaublich vor, sie kannte eigentlich nur Sonnenschein aus dem Angesichte der Gebieterin, wenn es oft auch nur eine Wintersonne war.

Ach, Durchlaucht haben sicher eine von den Perlen verloren?"

Nein," antwortete Antonie rauh und löste mit nervöser Hast das kostbare Geschmeide von Hals und Armen. Hortense wollte ihr behilflich sein, wurde aber zurückgewiesew

Wollen Durchlaucht sich noch nicht auskleiden lassen?"

Nein, ich möchte allein bleiben."

Darf ich in einer Stunde wiederkommen? Oder zu welcher Zeit befehlen Durchlaucht?"

Wozu? Gehen Sie schlafen, ich werde schon allein fertig."

Das Fräulein starrte sie an. Sie kannte die Fürstin nicht mehr.

Antonie wiederholte:Gehen Sie zur Ruhe, ich will es so, ich wünsche es," sagte sie milder.

Dann saß sie lange allein in der stillen Nacht, die Hand, die er in der seinen gehalten, auf das kranke, wildschlagende Herz gepreßt. Verlassen in der Wildniß des Lebens durch eigene Schuld! Um eiteln Götzendienst von der Gottheit ab- gesallen!

Zwischen die anklagenden Gedanken tönte sein Friedens­lied und sie konnte, was sie lange nichts gethan, die Hände falten wie ein hilfesuchendes Kind.

Die Stunden schwanden, die Kerzen brannten trübe, der Mond schien ins Fenster und ließ die umherliegenden Perlen geisterhaft leuchten. Sie aber neigte reuig das Haupt und beweinte mit heißen, brennenden Thränen die eine Perle, die unwiederbringlich verloren war.