Hannover, 1. 5lpri(. Der Magistrat sandle Namens der Residenzstadt ein Glückwunsch-Telegramm an den Fürsten Bismarck, in welchem der Wunsch ausgesprochen wurde, daß der Fürst dem dankbaren deutschen Volke noch viele Jahre erhalten bleiben möge.
Rostock, 1. April. Die ganze Stadt und die Schisse des HasenS prangten zur Feier des heutigen Geburtstages des Fürsten Bismarck in reichem Flaggenschmuck.
Karlsruhe, 1. April. Der Großherzog von Baden verlieh dem Staatsseeretär von Marschall bei seinem Ausscheiden aus dem badischen Dienste den Stern zum Com- mandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen.
— Die in der Festhalle abgehaltene Bismarckfeier war aus allen Schichten der Bevölkerung sehr zahlreich besucht. Oberkirchenrath Frantz brachte 8en Toast auf den Kaiser aus, Professor Boethingk schloß seine Festrede mit einem Hoch auf Bismarck. Ein Glückwünschtelegramm wurde an den Fürsten abgesandt.
Metz, 1. April. Der commandirende General des sechszehnten Armeecorvs, Graf Hasel er, hielt Vormittags bei Fraseaty eine Parade über die hier garnisonirenden Truppen des sechszehnten Armeeeorps ab.
— Zur Feier des Geburtstags des Fürsten Bismarck findet Abends eine Volksversammlung statt.
Mörchingen i. Lothr., 1. April. Heute Morgen 10 Uhr rückte die 65. Infanterie-Brigade, bestehend aus dem Infanterie-Regiment Gras Barfuß (4. Wests. Nr. 17) und dem neuerrichteten Infanterie - Regiment Nr. 144 , unter- klingendem Spiel in die festlich geschmückte Stadt ein. Der Bürgermeister Schoppmann an der Spitze des Gemeinderaths begrüßte die Truppen in längerer Ansprache. Mittags wird den Offizieren von der Stadt ein Ehrentrunk und Abends den Mannschaften festliche Bewirthung gegeben.
Bern, 1. April. Mittels Note vom 24. März meldete die deutsche Regierung dem Bundesrath den Beitritt 1. des Schutzgebiets von Kamerun zum Pariser Ueberein- kommen vom 1. Juni 1878, betreffend Werthbriesaustausch, sowie zum Lissaboner Zusatzvertrag vom 21. März 1885; 2. der Schutzgebiete von Kamerun, Togo und Neu-Guinea zum Pariser Vertrag vom 4. Juni 1878, betreffend Geldanweisungsaustausch, sowie zum bezüglichen Lissaboner Zusatzvertrag vom 21. März 1885. Der Bundesrath bringt dies den beseitigten Ländern zur Kenntniß.
— In Folge des Geschäftsberichts des BundeSraths mußte von der Einberufung einer diplomatischen Schluß- Coufereuz für ein internationales Uebereinkommen über Eisenbahnfrachtverkehr auch im Jahre 1889 abgesehen werden, da seitens der etwaigen Conferenzstaaten eine end- giltige Aeußernng über die Stellungnahme zu dem vereinbarten Entwurf vom 17. Juli 1886 trotz wiederholter Einladungen noch aussteht.
Temesvar, 1. April. Der Lotto sä l scher Farkas und dessen Complieen, die Lottobeamten Szobovirs und Puespocky, wurden zu achtjährigem Zuchthause, Frau Telkesy zu zweijährigem Kerker, der Lottocollectant H e r g a t t zu dreijährigem Gefängniß verurtheilt.
Paris, 1. April. Nach eingehender Kenntnißnahme des Standes der Verhandlungen mit Egypten und England bezüglich der Conversion der egyptisch en Schuld stellte Ribot neue Anträge, welche er dem heutigen Ministerrathe kundgab. Es heißt, die Verhandlungen seien in gutem Zuge und werden hoffentlich bald beendet sein. — Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Regierung, Bihourd zum Gesandten in Liffabon zu ernennen.
London, 1. April. Englands Staatseinkünfte im verflossenen Fiscaljahre betrugen 89,304,316 Lstr. oder 831,504 Lstr. gegen das Vorjahr mehr. Den Voranschlag überstiegen die Einnahmen um 3,154,277 Lstr.
Brüssel, 1. April. Die maritime Commission der Anti-Se laverei-Conserenz hat gestern ihren Bericht über die bisher vollendeten Arbeiten verlesen. Der Bericht ist von den Delegirten Martens und Bouric versaßt; er betont, daß Dank dem guten Willen der verschiedenen Regierungen alle Schwierigkeiten glücklich überwunden seien und in allen Punkten ein Einvernehmen erzielt wurde. Wenn die Conserenz den mit dem Berichte vorgelegten Entwurs annimmt, wird die Unterdrückung des Selavenhandels zur See künftig durch ein vollständiges Gesetzbuch geregelt, das die Gesichtspunkte der verschiedenen Mächte wahrt und dessen Wirksamkeit zweisellos sich fühlbar machen wird.
Rom, 1. April. Crispi und andere politische Persönlichkeiten sandten Glückwunsch Telegramme nach Friedrichsruh.
Liffabon, 1. April. Die Kammer ist jetzt, wie aus den nun vollständig vorliegenden Resulaten zu ersehen ist, zusammengesetzt aus 114 Conservativen, 10 Progressisten, 10 Monarchisten und 3 Republikanern. Verschiedene Progressisten protestiren gegen das Zusammengehen von Progressisten und Republikanern bei der Wahl in Lissabon.
Petersburg, 1. April. Nach einer amtlichen Bekanntmachung besuchte das Kaiserpaar dieser Tage das Mili- lärgefängniß, wo der Kaiser befahl, die Strafzeit scimmt- licher Gefangenen um einen Monat herabzusetzen und bereits am folgenden Tage 61 Soldaten aus dem Gefängniß zu entlassen.
Zanzibar, 2. April. Emin Pascha trat in deutsche Dienste, er reist am 20. April mit einer Carawane nach Nyanza. Banaheri schloß Frieden und kehrte nach Saadani zurück. Major Wißmann verbot den Carawanen das Betreten deutschen Gebiets ohne seine Erlaubniß. Michahelles geht morgen mit zwei Kanonenbooten nach Lamu, um den Sultan von Witu zu besuchen..
totales and prooinsteiles*
Gießen, 2. April.
— Auf die Vorstellung des Herrn Fabrikbesitzers A. Stein in Wetzlar, worin derselbe um die frühere Beorderung des um 6 Uhr 56 Min. Vormittags von Wetzlar in Gießen eintreffenden Personenzuges nachsuchte, ist demselben, lt. „W. A.", dieser Tage der Bescheid zu Theil geworden, daß der gemachte Zug vom 1. Juni ab 15 Minuten früher, also um 6 Uhr 41 Min. Vormittags in Gießen eintreffen wird.
— Die diesjährige Hauptversammlung des Vogelsberger HöheN'Clubs findet am Donnerstag den 29. Mai in Hungen tatt.
— Zur Anzeige gebracht wurden gestern drei Diebstähle und drei Fälle von Unterschlagungen. Zweien bei einer Herr- chast an der Frankfurter Straße bediensteten Mädchen wurden aus ihren in unverschlossenen Zimmern stehenden Koffern Portemonnaies, sowie goldene Ringe gestohlen. In einem der Koffer befanden sich noch Brochen, Armbänder u. s. w., die aber von dem Dieb unbeachtet blieben. — Eine Bauernfrau entwendete in einem Spenglergeschäfte eine kleine Lampe; die Diebin konnte, obwohl der Verlust der Lampe von dem Ladeninhaber bald bemerkt wurde, indeß nicht erwischt werden. — Ein mit Ucberbringung der Lohnbeutelchen an seine Mitarbeiter beauftragter Mann steht im Verdachte, den Inhalt eines solchen Beutels unterschlagen zu haben; er behauptet, das Geld gar nicht erhalten zu haben. — Ein in einem Verein als Rechner, in einem anderen Verein als Vorsitzender ungirenber Mann verschwand unter Mitnahme von 100 <X aus der Kasse des ersten, von 104 Jt. aus der Kasse des zweiten Vereins.
— Gestern Mittag verunglückte der Raugirer Ludwig Spengler von Lützellinden auf dem Güterbahnhofe der Köln- Gießener Bahn dadurch, daß er beim Rangiren von einem Wagen fiel und unter die Räder desselben gerieth. Dem Verunglückten wurde hierbei der rechte Fuß oberhalb des Knöchels abgefahren.
— Heute Morgen 6 Uhr fand eine Alarmirung des 116. Regiments statt.
— Ende Februar wurde in einem hiesigen Hotel einem fremden Herrn der Ueberzieher im Werthe von ca. 1OO Mk. nebst einem Hute entwendet. Der Thäter wurde gestern in Bremen, woselbst auch der Bestohlene zu Hause ist, ermittelt und verhaftet; er war noch im Besitze des Pfandscheines, wonach das gestohlene Objeet in Köln versetzt wurde.
Steinheim, 31. März. Bei der heute stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde Herr Otto Nicklas mit 59 gegen 52 Stimmen gewählt, welch letztere Herr Beigeordneter Stoll erhielt.
Nidda, 1. April. Der Gemeinderath hat unter dem Heutigen den Beschluß gefaßt, das Schulgeld der erweiterten Volksschule in Nidda auch für die oberen Klassen auf 40 Mk. pro Schüler und Jahr festzusetzen.
Grebenhain, 31. März. Trotzdem wir in den letzten Tagen eine Temperatur von -j- 15° R. hatten, findet sich aus den Höhen des Vogelsberges immer noch etwas Schnee. Die Oberwaldstraße Grebenhain—Ulrichstein ist erst seit einigen Tagen wieder fahrbar. — Die Besucher Grebenhains möchten wir auf die künstliche Fischzuchtanstalt, welche seitens des Fiscus an der Mühle des Herrn Bürgermeisters Jost angelegt ist und seit Jahren sehr schöne Erfolge aufzuweisen hat, aufmerksam machen. Es werden daselbst in diesem Jahre ca. 16 000 Forelleneier zum Ausgehen gebracht, welche in die Flüßchen des Vogelsberges ausgesetzt werden. Dieses Jahr finden die ersten Versuche mit Brut von Vogelsberger Forellen statt, dieselbe ist kleiner als die von auswärts bezogene. Zur Zeit sind schon Fischchen von einigen Tagen da, die meisten aber erst am Ausschlüpfen. L. A.
Friedberg, 1. April. Herr Amtsrichter Will). Herzberger hier wurde zum Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Starkenburg in Darmstadt ernannt.
Vermischtes.
*△ Mainz, 1. April. Bei der bevorstehenden Be- rathung des städtischen Budgets wird der Antrag auf Abschaffung des städtischen Octrois wieder eingebracht werden. Für den Antrag, der für die städtischen Finanzverhältniffe von den weittragendsten Consequenzen ist, sanden sich srüher nur wenig Stimmen, bei der neuen Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung ist es indeß leicht möglich, daß für Beseitigung dieser inbirecten städtischen Lebensmittelsteuer eine größere Anzahl Stadtverordneten eintritt.
— Von heute ab verkehren zwischen hier, Cobleuz und Köln wieder regelmäßig die Schiffe der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft und zwar täglich drei zu Berg und drei zu Thal.
— Hauptmann Salm befindet sich fortwährend auf dem Wege der Besserung. Die Aerzte glauben denselben am Leben zu erhalten.
* Herborn, 31. März. Der 17jährige Steinklopser L. von hier hatte im Verein mit einigen anderen bösen Buben, wie wir hören, in einem benachbarten Steinbruch Dynamit entwendet und damit geschossen, um Frösche in einem Weiher zu töbten. Da ein Schuß nicht gleich los ging, nahm L. die Patrone in die Hand, um nachzusehen; in demselben Augenblick ging der Schuß los und riß ihm die vorderen Glieder von 3 Fingern der linken Hand ab. H. A.
* Bismarck und Schweninger. Wie Schweninger Bismarcks Leibarzt geworden, darüber gibt folgende Reminiscenz, die jetzt anläßlich des Rücktritts des Kanzlers wiedererzählt wird, Aufschluß. „Eine große Plage war für den alternden Kanzler das Zipperlein und Nervenreißen, das noch dadurch befördert wurde, daß er viel arbeitete, gut und viel aß und trank und sehr stark rauchte. Kein Arzt konnte ihm helfen, bis der Bayer Dr. Schweninger kam. Dieser fand ihn im elendesten, beinahe hoffnungslosen Zustande. Er fragte den
Patienten, der fürchterlich stöhnte, nach seinem Vorleben aus. Diese Fragerei ward Bismark zu dumm und er verbat sich das. „Dann", erwiderte der Arzt, „müssen Sie sich fd)on einen Thierarzt kommen lassen, der braucht seine Patienten nicht zu fragen/7 — BiSmarck war über diese schlagende Grobheit zuerst ganz verdutzt, dann lachte er trotz der Schmerzen und behielt den groben Bayer bis zum heutigen Tage. Schweninger war der einzige Mann, der Gewalt über BiSmarck hatte.
* Der Cylinder begeht gegenwärtig sein hundertjähriges Jubiläum in Europa. Franklins einfacher Quäkerhut, den er als amerikanischer Deputirter in Paris trug, gab, nach der „Europ. Modenzeitung", Anlaß zur Einführung dieser Hutsorm an Stelle des Dreispitzes. Der Cylinder hatte in seinen ersten Jahren einen demonstrativen Charaeter und galt als Zeichen revolutionärer Gesinnung. In Deutschland duldeten die Behörden diese Tracht nicht pnb in Rußland ging man so weit, ihn bei strenger Strafe zu verbieten. Ende der vierziger Jahre hatte der Cylinder seinen Charaeter vollständig geändert; er galt als Zeichen der Gutgesinnten. Das frühere Schicksal seines Rivalen theilte damals der später zur Einführung gelangte weiche, niedrige Filzhut, mit welchem sich die Polizeiorgane viel zu schaffen machten. Die Zeit und ihr Wechsel hat Alles ausgeglichen. Heute existiren beide Kopfbedeckungen friedlich nebeneinanber und nur noch die Mode nimmt Correeturen an ihnen vor, ohne Rücksicht auf Rang unb Gesinnung ihrer Träger.
* Düsseldorf, 27. März. Daß es noch immer Leute giebt, welche Gelb unb Gelbeswerth unbeclarirten Briefen anvertrauen, sollte man kaum glauben. Der hier in Untersuchung befinbliche Briefsortirer Zeus hat biesen Umftanb auszunutzen verstauben, beim er hat in einem Zeiträume von zwei Jahren an taufenb Briefe unterschlagen, in benen er Gelb vermuthete, unb er scheint kein schlechtes - Geschäft gemacht zu haben, benn er führte in den letzten Jahren ein üppiges Leben, welches in schreiendem Gegensatz zu feinem knapp bemessenen Gehalte stand. Zeus ging bei seinen Unterschlagungen systematisch vor; er beseitigte hauptsächlich Briese an Soldaten und ausländische Briefe. Es ist der Verlust von Briefen angemeldet worden, welche in einem Falle 100 Mk. und in einem andern 200 Mk. enthalten haben sollen. Unbegreiflich ist es aber, wie man trotz der zahlreichen Recla- mationen zwei Jahre Zeit gebraucht hat, um den ungetreuen Beamten zu entlarven.
* Bureauchef: „Gestern stand doch auf Ihrem Tische eine volle Schachtel mit Oblaten und heute ist auch nicht eine einzige mehr drin." — Diurnist: „Herr Bureauches, gegen solche Andeutungen muß ich mich entschieden verwahren. Wenn ich mir etwas zugute thun will, kauf ich mir allein Oblaten!"
Unioerfitäts»Nachrichten.
— Der bisherige ordentliche Professor Dr. Heinrich Dietzel zu Dorpat ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Bonn ernannt worden.
Verkehr, Land» «nv Volkrwirthschast.
— Einträge in daS Musterschutz - Register. Nr. 195. Firma S. Bock & Cie. in Gießen ein verschlossenes Packet, enthaltend Eigarrenkistenausstattungen mit den Nummern 101, 102, 103, 104, Geschäftsnummer 130, Flächenerzeugnisfe, Schutzfrist drei Jahre, angemeldet am 4. März 1890, Vormittags 10 Uhr. — Nr. 106. Buderus'sche Eisenwerke, ein nicht verschlossenes Packet mit Abbildungen von zwei neu construirten und neu modellirten sogenannten Lönholdt'schen Füll-, Regulir- und Luftheizungsöfen (verbessertes amerikanisches System) Nr. 53 und 54. Geschäftsnummern 23 und 24, plastische Erzeugnisse, Schutzfrist zehn Jahre, angemeldet am 23. März 1890, Vormittags 9 Uhr. — Nr. 107. Buderus'sche Eisenwerke, ein nicht verschlossenes Packet mit Abbildung von einem neu construirten und neu modellirten sogenannten Patent- Regulir-Füllofen Nr. 11, Geschäftsnummer 25, plastisches Erzeugnis Schutzfrist zehn Jahre, angemeldet am 23. März 1890, Vormittags 9 Uhr.______________________________________________________
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| Buchner.


