Ausgabe 
31.12.1889
 
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Dienstag den 31. December.

Gieszenev Anzeiger.

Beilage zu Nr. 303. -1889.

/ Deutsches Reich.

Darmstadt, 27. December. Ausschüsse der zweiten Kammer. Zu Anfang des nächsten Jahres werden nicht weniger als drei Ausschüsse der zweiten Kammer zusammen­treten. Am 3. Januar beginnt der Gesetzgebungsausschutz seine Sitzungen mit folgender Tagesordnkmg: Gesetzentwurf, die Einführung des Verwaltungsstrafbescheids betr. - Antrag Schröder, Herabsetzung des Stempels auf Immobilien und Hypotheken; Antrag Schade und Genoffen zum Faselvieh­gesetz- Antrag Gutfleisch zur Feuerlöschordnung, insbesondere Versicherung der Feuerwehrleute betr.- Gesetzentwürfe der Regierung zur Jagdgesetzgebung. Am 4. n. M. folgt sodann der vierte Ausschuß, auf dessen Tagesordnung stehen: Antrag Kugler aus Abgabe von Waldstreu aus den Domanial- und Communalwaldungen - Antrag Arnold, zur wirthschaft lichen Lage des Odenwaldes - Antrag Wolfskehl und Gen., den Fortbestand des Noten - Emissionsrechts der Bank für Süddeutschland- Antrag Osann und Genosien wegen Ver­staatlichung der Hessischen Ludwigsbahn. Am 6. und 7. n. M. verhandelt der besondere landwirthschaftliche Aus­schuß zum Antrag Haas aus Prüfung der regierungsseitig vorgenommenen landwirthschastlichen Enquete.

Bekanntlich erfolgt die Einstellung von Einjahrig- Freiwilligen am 1. April jeden Jahres nur bei einzelnen, näher bezeichneten Regimentern. Von den innerhalb des preußischen Heeresverbandes (also ausschließlich Bayern, Sachsen und Württemberg) in Universitätsstädten garnisoniren- den Truppentheilen stellen am 1. April Einjährig-Freiwillige ein: In Berlin das 2. Garde-Regiment z. F., das Kaiser Alerander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, das Kaiser Franz- Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2, das Garde-Füsilier-Regi- ment und das 3. Garde-Regiment z. F. - in Königsberg das zweite imi) Füsilier-Bataillon des Grenadier-Regiments König Friedrich III. Nr. 1 und das zweite und Füsilier-Bataillon des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm I. Nr. 3 - in Greifswald das Infanterie-Regiment Prinz Moritz von Anhalt Nr. 42 - in Halle das erste Bataillon Grenadier-Regi­ments König Friedrich Wilhelm II. Nr. 10; in Bonn das zweite Bataillon Infanterie-Regiments v. Goeben 9Zr. 28; in Kiel das dritte Bataillon Infanterie-Regiments Herzog von Holstein Nr. 85 - in Rostock das erste und dritte Batail­lon Füsilier Regiments Nr. 90 - in Göttingen das erste Bat. Infanterie-Regiments Nr. 82- in Jena das dritte Bataillon Infanterie-Regiments Nr. 94- in Gießen das Infanterie- Regiment Nr. 116- in Heidelberg das zweite Bataillon Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm I. Nr. 110- in Frei­burg das Infanterie Regiment Nr. 113 und in Straßburg das Infanterie-Regiment Nr. 138, sowie das königl. sächsische Infanterie-Regiment Nr. 105. In Marburg werden am 1. April Einjährige in das 11. Jäger-Bataillon nicht einge­stellt.

Vermischter.

Frankfurt a. M., 27. December. Unser Nachbarort Eschershe i m war gestern, am zweiten Weihnachtsseiertagc, Abends zwischen 9 und 10 Uhr, der Schauplatz einer ruch losen Thal. Zwei unbekannte Personen begehrten in der Abends immer stark belebten Frankfurter Straße in der Wohnung des 76jährigen Gemeinderechncrs Petry, der allein zu Hause war, Einlaß und begaben sich, als ihnen dieser unvorsichtiger Weise gewährt war, mit Petry in das im ersten Stock gelegene Wohnzimmer, um ihrem Wunsche gemäß dort eine Unterredung mit dem Rechner zu führen. Der­selbe war kaum in das Zimmer eingetreten, als er sich am Halse gepackt, niedergeworfen und den Mund mit einem Schwamme zugestopft fühlte. Was weiter mit ihm geschehen, vermochte er nicht anzugeben, da ihn die Besinnung sofort verlassen. Als aber seine Frau nach 10 Uhr nach Hause kam, sand sie ihn aus einer tiefen Stichwunde in der rechten Brust blutend am Boden liegen, die Eommode erbrochen und die Gemeindekasse mit etwa 2000 Mk. entwendet. Letztere eine kleine Cassette sowie das Mordinstrument ein gewöhnliches Küchcnmesser wurde am anderen Morgen im Garten aufgefunden- ebenso fand sich der keilförmig zu­geschnittene Schwamm vor. Diese wenigen Anhaltspunkte dürften kaum zur Entdeckung der Thäter führen. Die Aerzre hosien, den Schwerverletzten am Leben zu erhalten. Der Raubmordanfall erscheint um so frecher, als er in unmittel­barer Nähe der Eisenbahn-Einsteigestellc verübt wurde.

Ein Wittwer mit mehreren Kindern heirathete eine Wittwe, die ebenfalls Kinder mit in die Ehe brachte. Die Ehe blieb nicht kinderlos. Eines Tages war ein großer Scandal in der Kinderstube. Der Mann schickte seine Frau, nach der Ursache des großen Lärms auszuschauen. Bestürzt kommt die zärtliche Mutter zurück und erklärt dem Gatten: Deine Kinder und meine Kinder haben unsere Kinder geschlagen."

San Francisco. Gut bezahlte Prügel. Hier hält sich gegenwärtig vorübergehend ein Herr James Magv aus Guatemala auf. Dieser Herr ist mehrfacher Millionär und einer der reichsten Leute in der kleinen Republik. Interessant ist die Geschichte, wie der Grund zu seinem Reichthum gelegt wurde. Vor fünfzehn Jahren noch war Mago ein armer Jnsectensammlcr und zugleich englischer Vice-Consul in San Jose, Guatemala. Ein Tages ließ ihn der Commandant Gonzales vor sich rufen. Da er aber nicht alsbald erschien, geriet!) derselbe in Wuth und ließ ihm zunächst 75 Ruthen- streiche auf den nackten Rücken verabfolgen- als eine Art Dreingabe folgten dann noch weitere 25. Mago wurde in Folge der Mißhandlungen schwer krank, genas aber unter sorgfältiger Pflege schließlich wieder und erhob dann Be­schwerde bei der britischen Regierung. Diese verlangte als Genugthuung für die ihrem Vice-Consul angethane Schmach zunächst strenge Bestrafung des Commandanten Gonzales-

außerdem sollten an Mago 500 Dollars für jeden erlittenen Streich ausbezahlt werden. Gegen die letztere Forderung sträubte sich Guatemala lauge; eS half jedoch nichts und der Mammon mußte schließlich bezahlt werden. Mago aber sing dann einen einträglichen Kaffeehandel an und besitzt jetzt mindestens 5 Millionen.

Unter dem TitelEin Semester in Berlin" liefert derTempS" eine drollige Federzeichnung der Berliner Studenten. Die Skizze stammt von einem jungen Franzosen, der sich, nicht immer aber mit Erfolg, bemüht, objeetiv zu schildern. Zunächst kann er den Begriff eines Studenten sich nicht ohne Bierseidel denken. Sodann hat ihm die lang wierige Ccremonie der Jmmatriculation den Geschmack ver­dorben. Im Uebrigen zollt er dem Reetor Prof. HinschiuS viele Anerkennung. In jedem Commilitonen sieht der Ver­fasser einStück Barbar", freilich einensehr inftruirten Barbaren", der im Umgang sehr höflich und zuvorkommend sein kann, aber unter dieser äußeren Form doch eine gciviffc Härte und Schärfe verbirgt, die den Gallier nicht anmuthet. Interessanteren Gesichtern begegnet dieser unter den deutschen Commilitonen sehr oft, allein keinemfeinen, geistvollen". Seine Bewunderung aber weckt ihr Magen, ihr unver­wüstlicher estomac, dem sie alles bieten dürfen, was andere Leute nicht vertragen. Hinsichtlich der Schmisse, mit denen sie prunken, vergleicht er sie mit bett . . . Rothhäuten. Sehr imponirt ihm die militärische Haltung der Studenten, die den Ossizieren nacheifern und in ihnen ein Muster erblicken. Unsere Studenten sollen aus diesem Grunde auch die Omnibusse verschmähen! Jeder deutsche Musensohn erscheint dem Verfasser als Chauvin nnb Franzosenfresser - bas Treiben in den Corps besonbers erinnert ihn an die Patriotenliga.

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Universität» > Nachrichten.

An der Universität Halle hat sich Dr. P. Eisler für Anatomie habilitirt.

Prloatdocent Dr. Erwin Herter von der Berliner Uni­versität ist nach Neapel übergefiebeh.

Prof. Dr. Flafch in Erlangen ist als Nachfolger des ver­storbenen Prof. Dr. o. Ulrichs in Würzburg ausettehen.

Prof. Dierauer in St. Gallen hat einen Nuf an die Universität Bafel als Nachfolger o. Pflug-Hartungs abgelehnt.

Greifswald, 20. December. Heute feierte Professor Karl Eichstedt sein fünfzigjähriges Doctor-Jubiläum. Berühmt ist er durch feine fefcon im Jahre 1846 gemachte Entdeckung des Pilzes von Pityriasis versicolor. Damit hat er die jetzige, die ganze Medicin beherrschende Richtung anbahnen helfen.

O c f f e ntliche Zustellung.

Der Friedrich Klein von Klein-Linden, vertreten durch Rechtsanwalt Grünewald, bean­tragt gegen seine Ehefrau Glisa- berha, geborene Büttner, mit unbekanntem Aufenthalt, Sühnetermin aus Wiederherstellung des ehelichen Lebens und ladet sie zu diesem Zwecke vor Gr. Amtsgericht zu Gießen aus Donnerstag den 30. Januar 1890,

Vormittags 9 Uhr.

Gießen, den 4. December 1889. Großherzogliches Amtsgericht.

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Die Lieferung von rund 138 Tausend Berblendbacksteinen für den Neubau einer städtischen Knabenschule mit Turnhalle in Gießen soll öffentlich verdungen werden. Lieferzeit Mai bis October 1890.

Bedingungen und Maffenverzeich- niffe sind im Geschäftszimmer Nr. 3 Großherzoglicher Bürgermeisterei zu entnehmen und werden daselbst kosten­frei verabfolgt. Die Angebote sind versiegelt und postfrei bis zum

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an unterzeichnete Stelle einzureichen.

Gießen, am 20. December 1889. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen

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Bekanntmachung.

Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Commerzienraths Georg Karl Gail sind für das Jahr 1890 an zwei bedürftige, dahier wohnende Familien oder alleinstehende Personen Unterstützungen von je 200 «X zu vergeben. Bewerbungen haben bis zum 11. Januar 1890 bei der unter­zeichneten Behörde zu geschehen.

Gießen, am 27. December 1889.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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