Message zu Jir. 26 des „fließener Anzeiger".
eME* Unregelmäßigkeiten in der Zustellung des Anzeigers bitten wir sofort zu unserer Kenntniß zu bringen, damit wir in der Lage sind. Abhülfe schaffen zu können.
Expedition deS „Gießener Anzeiger."
enthalt$arwWabt' 28> Januar. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beit. Nr. 1)
h.n Grotzh^rzogltchen Ministeriums des Innern und der Justiz,
den Ausschlag der zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse der evangel. Kirche des Großherzogthums im Etatsjahr 1889—90 erforderlichen Steuern betr
iation ber^UnafaUo^i4eruiigtbehe^enb/tCt*UtIlä Innern und der Justiz, die Organ.- des Großh. Amtmanns Freiherrn v. Wedekind ist der Großh. Amt- ae?M?fa jU T?Tnft-ÖJr zum Stellvertreter des Vorsitzenden des Schteds-
^-n-^?k"on II der Hessen-Nassauischen Baugewerks Berufsgenossenschaft rnm St ? .Großh. Amtmanns Nover der Großh. Amtmann Webel zu Gießen Ka^H*,öer®Cter bcÖ -?orsttzenden des Schiedsgerichts für die Sektion IV der Hessen- Ras, autschen Baugewerks-Berufsgenossenschaft ernannt worden. 5
"^?ur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß für das letztgenannte Schiedsgericht ar^Stelle des mit seinen Stellvertretern ausgeschiedenen Maurermeisters
Politische Rundschau.
Gießen, 30. Januar.
Aus allen Theilen des Reiches liegen Meldungen über die freier von Kaiser- Gevirrt-tag vor, die erkennen lassen, daß das 30. Geburtsfest unseres Kaisers allerorten unter lebhafter Betheiltgung weiter Volkskretse glanzvoll und würdig begangen morden ist. Besonders festlich vollzog sich natürlich die Feier des Tages in der Reichs- Hauptstadt selbst und bildete ihren Mittelpunkt die große Gratulationscour beim Katser- paare, welcher auch der Reichskanzler Fürst Bismarck beiwohnte. Am Nachmittag des 27. Januar wurden die Fahnen und Standarten des Gardecorps, welche bislang im historischen Fahnenztmmer des Palais Kaiser Wilhelms aufbewahrt waren, durch eine Compagnie des 2. Garde-Regiments z. F. abgeholt und nach dem königlichen Residenz- schlosse übergeführt. Vor Abholung der Fahnen begab sich der Kaiser nach dem Palais und legte im Fahnenzimmer einen prachtvollen Lorbeerkranz nieder. Zugleich hat der Kaiser, anknüpfend an den erwähnten militärischen Act, einen Tagesbefehl erlassen, in welchem der oberste Kriegsherr in pietätvollster Weise das Gedenken feines Vaters und seines Großvaters feiert.
Im ungarischen «bgeordnelenhause ist am Samstag die Generaldebatte über die neue Wehrvorlage nach mehr als etnwächentlicher Dauer beendigt worden, wobei der LandeSoertheidigungsmintster Baron Fejervary den Entwurf nochmals eingehend begründete. Am Montag folgte der Beginn der Specialberathung über den Entwurf und wenn sich dieselbe im gleichen Tempo und mit denselben Zwischenfällen vollzieht, wie die Generaldtscusston,' können bis zur entscheidenden Abstimmung noch fernere Wochen vergehen. Uebrigens herrscht unter der ungarischen Studentenschaft wegen der Mhroorlage eine starke Erregung, die am Sonntag in Pest zu einer von 3000 Studirenden besuchten Proteftversammlung führte, an welcher auch die oppositionellen Abgeordneten Jrany und Kaas theilnahmen. Rach dreistündigen lebhaften Verhandlungen genehmigte die Versammlung einstimmig eine aus 6 Punkten bestehende Resolution, welche sich gegen die Erhöhung der Dienstzeit der Einjährig-Freiwilligen und gegen die Ablegung der Offiziersprüfung in deutscher Sprache ausspricht und für Ungarn die Errichtung einer nationalen Armee wünscht.
Die von der Stadt Wien eingesetzte Eommission zur Prüfung der für die österreichische Refidenzstadt hochwichtigen Fragen der Aufhebung der Ltntenwälle und der Reform der Wiener Verzehrungssteuer hat jetzt das von der Regierung gesammelte und in dem Entwürfe des kaiserlichen Rathes Benda niedergelegte Material hierüber entgegengenommen. Es würde hiernach die Steuerpflicht in Wien durch Aufhebung der Verzehrungssteuer auf die wichtigsten Lebens- und Jndustriemittel gegen jetzt um 35 o/o ermäßigt werden, dagegen die Steuerletstung der Vororte um 1,700,000 fl. wachsen. Das Opfer des Staates infolge Wegfalles der Wegmauth und Verzichtes auf die erwähnten Verzehrungssteuern würde 1,400,000 fl. betragen, welcher Ausfall thetlweise durch Erhöhung einzelner Verbrauchssteuern, namentlich der Luxussteuern, gedeckt werden soll.
Die „Neue Freie Presse" legt der Erklärung des Fürstm Bismarck in seiner Reichstagsrede vom Samstag betreffs des Einverltändniffes Deutschlands mit England einen großen Werth bei und gesteht zu, daß der Widerstand der deutschen Opposition in der Colonialpolitik keinen großen Rückhalt im Volke habe. Die „Deutsche Zeitung" mahnt das deutsche Volk, des Satzes „Adel verpflichtet" (noblesse oblige) eingedenk zu bleiben und führe Deutschland nicht unklarer Thatcndrang, sondern reife Ueberleguna auf die Bahn colonisatortscher Arbeit.
Der Wahlsieg Banlanger'S in Paris beherrscht jenseits der Vogesen vollständig das Tagesinteresse und hat auch außerhalb der Grenzen Frankreichs Bewegung hervorgerufen. Schon die Thatsache allein, daß Boulanger, der Vorkämpfer des Eae- sarismus, oder auch der Dictatur, in dem weit überwiegend als entschieden republikanischen Paris zum Deputirten gewählt worden ist, kennzeichnet die Bedeutung seines Wahlsieges, sie wird aber noch wesentlich erhöht durch den Umstand, daß Boulanger mit gewaltiger Mehrheit, mit mehr als 80,000 Stimmen, über seinen republikanischen Gegner Jacques siegte, während es der socialistische Candidat Boule in der Millionenstadt Parts gar nur auf kaum 16,000 Stimmen brachte. Die leitenden Pariser Kreise sind denn auch nicht wenig bestürzt ob des Boulanger'schen Wahlsieges und ein Mi- nisterrath jagt den andern, indeß schon Gerüchte über eine Cabinetscrisis umgehen. Einstweilen soll das Eabinet Floquet beabsichtigen, die Kammer aufzulösen und das Wahlgesetz schleunigst zu ändern, worauf im April Neuwahlen stattfinden sollen. Es wurde hiernach die Vorlage von Gesetzentwürfen zu erwarten sein, von denen der eine die Wiedereinführung von Arrondissementswahlen an Stelle des jetzigen Listenwahlsystems der andere die Unterdrückung von Umtrieben zur Herbeiführung eines Plebiscits vor-
^tgenannter Entwurf will, daß gewisse Handlungen und Manöver, wie sie zetzt Boulanger zur -ast gelegt werden, dem Senate zur Aburtheilung überwiesen werden und konnte die Strafbefugniß des Senats sogar das Aussprechen der Strafe der Deportation tu sich schließen. Also dieser nämliche Senat, den die radicalen Republikaner als „verrottete Institution" abgeschafst wissen wollen, soll jetzt denselben 5,?r.m °?..Schutz «-«en Boulanger dienen - wie lächerlich! Dem Vernehmen nach wärden beide Vorlagen der Kammer gemacht werden, um hierdurch der vom Deputaten Jouvencel beantragten Resolution betreffs Ergreisung krästiger Maßnahmen gegen den Boulangismus zuvorzukommen. Ucberhaupt kann sich jetzt die Reateruna vor Vorschlägen der republikanischen Gruppen, wie dem Boulangismus am besten de? Garaus ru machen sei kaum retten und Alles beweist doch nur di- groß- Rathl°sigk-it welche durch den Pariser Triumph Boulangers aus Seiten der Republikaner hervor- gerusen worden ist. Da «ndeffen die Monarchisten und die Boulangtsten beschlossen haben die weitere Entwickelung der Ding- noch ruhig abzuwarten, so sind entscheidende Ereignisse in Paris bis aus Weiteres wohl nicht zu erwarten. Uebrigens dementtrt ''"E Parier Depesche vom Morgen des 29. Januar, daß der Ministerpräsident Floaue, beabsichtige, die oben genannte Vorlage etnzubrtngen, die sich aus scharse Maßregeln gegen den Boulangismus bezieht und ebensowenig soll es ihm mit einer Kammer- auflosung Ernst sein. Lediglich würde Floquet der Kammer die Wiederetnsührung der Arrondiisementswahlen vorschlagen und am Donnerstag seine allgemeine Politik darlegen
Philipp Größer zu Gießen der Weißbindcrmetstcr Louis Petri III. daselbst zum Beisitzer, der Maurermeister Heinrich Mootz zu Großen-Buseck zu deffen erstem Strll^- d-ss-lben g-wähtt 3aE°b iU fflar6utfl »weiten Stellvertreter
betreffend Bekanntmachung, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen
W«ium8 des Innern und der Justiz.
5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz gepBhmigtm Kreises Erbach d-o"l88S^ b" ®ebür,niffc ber israelitischen R-ltgionsgemeinden°deS
6. Promotionen an der Großh. Landes-UnsversttSt Gießen.
7. Ordensverleihungen.
§?beit, der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am S?cr 1M8 Heinrich Wilhelm zu Nieder - Ofleiden das a”
hJm r ”11 « r^nJ<br "??r langjährige treue Dienste", am 29. Decbr.
nJhU?k 'Är Bodenbach zu Gensingen das Silberne Kreuz des Verdienst- Großmuthigen, am 5. Januar der Gemeinde-Hebamme zu Bobstadt Elisabethe Schmitterer die silberne Medaille des Ludewigs Ordens zu verleiben 7 Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens
c <> Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 5. Januar dem Stadtverordneten Eugen Haffner zu Mainz die Erlaubniß zur 21ns und zum Tragen des päpstlichen Silbernen Kreuzes Pro Ecclesia et Pontifice, reipfcpü1 h ordentlichen Professor an der Landesuniversität Dr. Heß zu
K ^RUl,&Ur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Hoheit Ui
n Sachsen-Coburg und Gotha verliehenen Ritterkreuzes 1. Elaste de« $cr3O0hdj Sachsen-Ernestin sich en Hausordens, am 9. Januar dem praktischen Arzte 0r Rouge -u Hungen die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Durchlaucht dem Fürsten von Reuß verliehenen Ehrenkreuzes 3. Elaste, am im »r^m^to1 außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe, wirklichen Geheimerath Dr. Earl Neidhardt die Er- ?,ar(?i^i1*0TOUr -x un^ ^m Tragen des ihm verliehenen Großkreuzes des Herzoglich Braunfchweignchen Ordens Heinrichs des Löwen — zu ertheilen
8. Namensoeränderung.
9. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.
G wurde der Gerichtsasscssor Dr. Salomon Oberndorf in Darm-
’To.£onb8£t‘d,t bcr Pwvinz Stark-nburg zug-l-ss-n.
11. Dienstnachrichten.
®KCC»btCt ^««wurden di-Brems-r bei den Ob-rh-sstschen Ets-nbabn-a S ^o^anne« Sänger zu Schaffnern bei diesen Bahnen, mit Wirkung
vom 1. Januar 1889 an, am 5. Januar wurde der provisorische Lehrer an der höheren zu Heppenheim Dr. Earl Schmidt, unter Verleihung der Rechte eine« 1^nnI?nhpr0i«MtCn Dolksschullehrers, zum Lehrer an dieser Schule, mit Wirkung vom 16. October 1888 an, ernannt; an demselben Tage wurde dem Schullehrer Ludwia Herpel zu Kelsterbach eine Lehrerstelle an der Gemeindefchule zu Bickenbach, an dem- q ?CIlc^n0C rour5c Schulamtsaspiranten Philipp Schmidt aus Eberstadt die hpmCr(K*Cr Gem^ndeschule zu Breungeshain, an demselben Tage wurde
8a8pirranteü Schmidt aus Friedberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alten-Buseck übertragen; am 7. Januar wurde der von dem Fre^ % t^^DrOn unb^»u Steinfurth in Nieder-Florstadt auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Florstadt präsentirte Schulamtsaspirant Johannes Müller Hanie e bestätigt; am 8. Januar wurde dem Schulamtsaspiranten Jakob Blay aus Vendersheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dautenheim, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Jakob Lehr zu Arnshain die ^hrerstelle an der Gememdeschule zu Udenhausen und dem Schullehrer Eonrad Wahl zu Uvenhausen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Arnshain über; ^f^n; am 9. Januar wurde der Schulverwalter an der höheren Mädchenschule zu KnifarT0rrftraub rum Lehrer an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie ber Dolksschul^hrer, ernannt ; am 12. Januar wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Dorn aus Leihgestern eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Ohmen, am 17 Januar wurde der Schummtsaspirantin Maria Kühner aus Viernheim eine h,mreä*ncnflcae c?n bcr Gemeindeschule zu Mühlheim, an demselben Tage wurde M^B^nhe^imEü^ert^gen °^CV iU ^"öesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule
12. Concurrenzeröffnung.
hpr mit ^nem evangel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerftelle a«
ru Gambach mit einem nach dem Dienstalter sich bemessmden §-batte von 900 bis 1200 JC. Mit der Stelle ist Organiftendienft verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Prasentationsrecht zu derselben zu.
Lokales»
„ c ?0> Januar. (Aus dem Rechenschaftsbericht über das städtische Gas-
und ^^erwerk im Jahre 1887/88.J Der Gesammt-Gasverbrauch des Betriebsiabres nq^on* ?pril el?8/ \ ^pril 1888 betrug 635 625 cbm, gegen das Vorjahr mehr
89.680 D eser Verbrauch vertbeilt sich auf die einzelnen Verbrauchsgnrppen wie !?r0 ^.^d^oatbeleuchtung 401763 obm, Motoren- und Heizgas 32 396 cbm Slraßen- 47 278 Ucbm144^3p Cw“z fra§KUnb Wasserwerk 9735 obm, Condensation und Verlust 1 Avril ?888 ^617 $rer Gasflammen für Privatbeleuchtung betrug am ii TO?r [ Die Anzahl der Gaskraftmaschinen betrug 20 Stück mit
befanhrnbber öffentlichen Gaslaternen betrug 400, hierunter
n^n .^tchtungslaternen; daneben brannten noch 46 Petroleumlaternen Die Straßenbeleuchtung mittelst Gas erforderte einen Kostenaufwand von 18571 12 jl k^Ä0^.^"?lst Petroleum incl. Bedienung 2372.35 JL Die höchste Gasaba^e
24 Stunden betrug 3133 cbm, die geringste 590 cbm. — Nachdem schon in^der ersten, nur halbjährigen städtischen Betriebsperiode die Hauptleitung des Gasrobrneßes in verschiedenen Straßen um die Länge von 820 Meter ausgedehnt wordm ettubr 1887*8x »ne solche umfangreiche Ausdehnung, wie'sie seit neue* o b r e nVrf keinem Jahre statigefunden. Es wurden 2034 Meter
neue ^ohre in oerschiedenen Werten gelegt. — Am 11. August 1887 aina die Ver- Wasserwerkes an die Direction des Gaswerkes über. Bei
Cr<ÄA CäCrn«^me-ü0 bcr öffentlichen Brunnen 23, der Schulbrunnen 3
TO>m^aU^a j™0«? u^e ??2 Stück. Der Gesammtzufluß der Quellen belrua im in 24I(ShinhrJm mU0uft ^87 und Februar 1888 vor genommenen Messungen 519 obm .Gegenwärtig werden diese Messungen allmonatlich Dorgenommen sie iabres 1887/78^?,^^^^"^ °,°" ca. 550 cbm täglich. Am Ende des ^e^^nung^-'
«npn8Q7r«?"fccr öffentlichen Ventilbrunnen 24 Stück, der Schul- die Anzahl der Straßm-Hydranten 83 Stück, die Zahl ber Waffer- U- August 1887 bis 31. März 1888 erfolgte Ausdebnuna
Wn ^“P^°^n^^ber Wasserleitung hatte eine Gesammtlänge von 1910 25 Metern unb rSf nod) 21 Stück vorhanben. — Die Deputation für bas Gas-
uno Wasserwerk breit im genannten Jahre 23 Sitzungen ab.


