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Donnerstag den 26. September

1889

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bureaur Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlob».

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf«

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Nr. 22£. Erstes Blatt.

Setreffenb: DieGesammt^mpfung des Jahres 1889. Gießen, am 24. September 1889.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

r suchen S.e tue kostenfreie Einsendung der aus einigen Gemeinden noch rückständigen Jmpfgebühren demnächst zu veranlassen.

---;___ __________________ Dr, Köhler.

Wintersursus der Ackerbauschule des lundwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhefsen 1881 8«

erwXbenllMeXdä M untere früher bereits besucht, ober sich anderweitig die in derselben zu

Anstaltsvorsteher Landwirthschaftslebrer Dr obirlf eineJebe ^r derben Klaffen 20 «A Anmeldungen nimmt schriftlich ober mündlich der

8 »i e b b e t , im September 1889 Der Aussicht-rach der Ackerbauschule zu Friedberg:

°- Kreisrath. Dr. Wallau, Amtmann. Schmidt, Schulrach, vr. Tobisch, Landwirthschastrlehrer.

Politische Stundschau

Gießen, 25. September.

h ^"^nem hochbedeutsamen Worte Kaiser Wilhelms haben die großen £ruppen= B im M 0£frunöcn' raic nod> nachträglich bekannt wird.

Bctm Verlasfen des Manooerfeldes bei Elze am vorigen Samstag richtete der Kaiser ?r?e9rletnbe? MtlitarattachöZ eine Ansprache, in welcher er bemerkte, er habe Thetle seiner Armee in vorzüglicher Verfassung oorgeführt und sehe in der Kraftentwtckelung überaU mei9h^inCh Friedensbürgschaft. Hoffentlich wird man auch qU®

51 1 b bitlcn ®tnDrutf von den deutschen Kaisermanöoern empfangen

t?ie akm»TiflCn£^amfia0 Quf bcm Schlachtfeld- von Oeversee stattgefundene Einweihung des den gefallenen Dänen gesetzten Denkmales weist eine besondere politische -öebeulung auf, denn zum ersten Male gelangte in der Feier, an welcher sich Deutsche und Danen einträchtig bethetligten, die sich zwischen den beiden Nationalitäten ooll- -tehende Aussöhnung zum offenen Ausdrucke. Zum ersten Male seit den Ereignissen des wahres 1864 betrat eine offtcielle Deputation dänischer Offiziere den so heiß um­strittenen Boden der Elbherzogthümer, zum ersten Mule seit einem Vterteljahrhundert I?» nimIL .unb bamJ.4e Offiziere in guter Kameradschaftlichkeit vereint, und honentltch wird die deutsch-dänische Verbrüderungsfeter von Oeversee von bester Vor­bedeutung für die Weiterentwickelung der Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark sein, trotz der maßlosen, wuthschäumenden Angriffe, welche von Seiten des verbissenen DänenthumS gegen die Feier von Oeversee gerichtet worden sind. Die Verbrüderung zwischen t-en deutschen und den dänischen Offizieren trat indessen nicht nur bet dem eigentlichen Festacte hervor, sondern gab sich auch im weiteren Verlause des festlichen Tages kund, indem die dänische Offiziersdeputatton nach der Denkmalsfeier einer Ein- QDiered-r Flensburger Garnison in das dortig- Osfiji-rscasino folgte. Jllö die dänischen Offiziere am Abend von Flensburg aus die Rückreise nach Kopen- hagen antraten, wurden sie von ihren deutschen Kameraden nach dem Bahnhof geleitet, woselbst die herzlichste Verabschiedung zwischen beiden Theilen stattfand.

Unter den westfälisch-rheinischen Bergarbeitern machen sich die Anfänge £nct Lohnbewegung bemerklich. Am Sonntag waren in St. Johann an der Saar loOOO Bergarbeiter versammelt, welche einmüthig beschlossen, da ihre srüheren Forderungen noch nicht ersüllt seien, erneut aus deren Erfüllung hinzuwirken. Verlangt wird ein Accordlohn von 4 M, cm Schichtiohn von 3,40 3L, eine 8 stündige Schtcht- bauer samstags und Montags, eine s stündig- Schichtdauer an den übrigen Tagen, ÄuS- und Einsahrtszett mit gerechnet. Außerdem sollen in Bezug aas das Knavp- schastsw-Ien 15 Aendcrungen beim Oberbergamt in Bonn beantragt weiden. Bergmann Schroder-Dortmund empfahl tebhast die Gründung eines Vereins und sestes Zusammen­halten. Die Verhandlungen, denen mehrere Directionsmstglieder der Staatskohlettwerke an öei enar beiwohnten, nahmen einen musterhaften Verlauf.

. kaiserliche Entschließung auf das Gesuch einer Anzahl Herren des elsaß- lothnngischeu Landesausschusses um Aufhebung, refp. Milderung ves PntzzwangeS er a 0 ünb 5roar im ablehnenden Sinne. Jedenfalls ist die allerhöchste ^!lm bUn49 nacbk eingehender Prüfung der hierbei in Betracht kommenden Ver- ro0\ben21?? mu6 man annehmen, daß gewichtige politische Gründe ' b c,? ^Haltung der bisherigen Paßoorschriften gegen Frankreich sprechen.

An der Spitze der politischen Tagesereignisse steht der WahlauSsall in Krank- reich, der sich nunmehr fast vollständig übersehen läßt. Bis Montag waren 560 Wahlen 560 9UnM,n ft JE*"* 16 Wahlkreisen die Nachrichten fehlten. Von diesen

^publ kanischen und 159 im oppositionellen Sinne ausgefallen, . Xd> r1l7i?7 ^roabkn vv^wendig. Von den 224 republikanischen indetz 57nChCn beknn.en 3Ur opportunistischen oder gemäßtgt-radici len Richtung, ler LJnmin ^n0*Cn; bic 159 bis jetzt gewählten Abgeordneten

u^te? Är, Oval sten, 51 Bonapartisten und 22 Boulangisten -

XerftM S°Ul?"0Cr fck,ft 7 3ufQmmc^ eigentliche Entscheidung werden also erst die am nächsten Sonntag oorzunehmenden 177 Stichwahlen bringen die dürften. Tl in ft Pnä nimm! In bnw cy> .-1C nx . P b bu nur bestätigen I

Sttomabl^ "L" mar,Jn £Cn $rifer R-gi-rungskr-is-n an, daß von b-n Stichwahlen etwa 140 im republikanischen Sinne ausfallen werden, wozu nach den

vorliegenden Berichten auch alle Aussicht vorhanden ist. Im Ganzen rechnet die Re­gierung in der neuen Kammer auf 369 Republikaner und 201 Oppositionelle und wenn sich diese Ziffern vielleicht auch noch etwas zu Gunsten der Oppositionsparteien ver­schieben r-^en, so kann doch schwerlich bezweifelt werden, daß auch in der neuen französischen Volksvertretung eine entschiedene republikanische Mehrheit vorhanden sein wird. Daß ein derartiges Resultat trotz der so grell heroorgetretenen Fehler und Schwachen der dritten französischen Republik, trotz der Eifersucht zwischen den gemäßigten Republikanern und den Radicalen und ungeachtet der wüthenden Vorstöße der anti- republikanischen Parteien erreicht werden konnte, beweist nur, welche tiefe Wurzeln der republikanische Gedanke doch schon im französischen Volke geschlagen hat und an den leitenden Mannern der Republik wird es nun sein, in Zukunft weitere gefährliche Krisen zu vermeiden- Nicht gering ist die Enttäuschung natürlich im Lager der Bou- langisten, die auf eine weit größere Mehrheit für sich gehofft halten, als sie ihnen im ersten Wahlgange thalsächlich zu Thetl geworden ist und Boulanger, der sich schon an die Spitze der erträumten revisionistischen Mehrheit zu stellen gedachte, wird auch ferner­hin nicht mehr als der Führer eines Häufleins Unzufriedener sein. Bemerkenswerth ist auch, daß von den feststehenden republikanischen Wahlen der weitaus größte Theil im gemäßigten Sinne ausgefallen ist - freilich unterlag dafür Ferry, das eigentliche Haupt der Opportunisten was eine Gesundung der gesummten Partei-Verhältnisse Frankreichs erhoffen läßt. "

, a Berlin, 24. September. Die Frage, ob man die dem deutschen Heere infolae des Februargesetzes von 1888 zugehenden neuen Mannschaften nicht besser vertheilen könne, wird^ lebhaft erörtert unp ein neues Heeresgliederungsgesetz als nothwendia bezeichnet, ^mL>chwabtschen Merkur" wird dieser Gedanke näher ausgeführt. Die ^nelleze Mobilmachung schreibt das Blatt, wird durch die so verschiedenartige Gliederung der 18 deutschen Armeecorps offenbar nicht begünstigt; sicher ist, daß die Franzoien und Russen, diefe jedenfalls mit dem europäischen Theil ihrer Truppen/ uns in Bezug auf Gleichmäßigkeit der Gliederung der Armeecorps im Frieden überholt ? e lfett in ber Zusammensetzung der deutschen Armeecorps ist

nachstehend ersichtlich gemacht: 1

Bataillone

Schwa­

Batteriei

i Pionier-

Train­

Gardecorps:

29

dronen 40

20

compagnien 5

compagnien

1. (oft- und westpreuß.) Corps:

31

35

20

4

3

2. (pommersches)

33

25

20

4

3 A

3. (branbenburg.)

25

30

20

4

4. (Magdeburg.)

25

20

20

4

3

5. (posensches)

28

25

20

4

3

6. (schlesisches)

29

25

20

4

3

7. (westfälisches)

29

20

20

4

3

8. (rheinisches)

26

20

20

4

3

9. (schleswig-holstein.)

10. (hannoversches)

H

26

25

20

20

20

20

4

4

3

3

11. (hessisches)

39

30

27

4

4

12. lsächsisches)

36

30

23

4

3

13. (württembergisches)

II

21

20

18

4

3

14. (badisches)

28

20

18

4

3

15. (elsaß-lothringisches)

49

40

18

8

3

1. bayerisches

II

29

25

20

5

3

2- u

26

20

20

5

3

Von diesen Corps liegen an der russischen Grenze das 1., 2. und 6., an der französischen Grenze das 15., sowie Thetle des 8. und 14. Armeecorps. Hieraus heißt es in dem gekannten Blatte weiter, möchte sich die thetlweise größere Anzahl von Infanteriebataillonen und Caoallerieschwadronen bei diesen Corps erklären, während die Feldartillerie bei den deutschen Armeecorps (ausschließlich 11. und 12. welche 3 Divisionen haben) nahezu dieselbe Stärke hat. Auffallend ist insbesondere das artilleristische Verhältniß beim 15. Armeecorps, wo auf 49 Bataillone Infanterie in 3 Divisionen nur 18 Feldbatterien kommen. Legt man für ein Armeecorps m 2 Divisionen die Übliche Stärke von 25 Bataillonen Infanterie, 20 bis 30 Schwadronen Cavallerie, 20 Feldbatterien, 4 Pionier-Compagnien und 3 Train-Compagnien zu Grunde, so ergibt sich, daß zur Bildung zweier neuer Armeecorps, von deren dem- nächstiger Aufstellung in neuester Zeit vielfach die Rede ist, genügend Infanterie- und Cavallerietruppentheile vorhanden find. Bei der Cavallerie muß dabei die Zusammen-