Ausgabe 
25.6.1889
 
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«Vchon von diesem Gesichtspunkt sei die Entwickelung und Kampfbereitschaft der Kriegs­macht nothwendig. Das Heeresbudget in diesem Geiste zu prüfen sei patriotische Pflicht. Redner gab sodann der Hoffnung Ausdruck, die Regierung werde die bisherige, als richtig erwiesene auswärtige Politik fernerhin verfolgen, welche die Erhaltung des Friedens auf jegliche mit den Interessen und dem Ansehen der Monarchie verein- barliche Weise bezwecke, die Handels- und Verkehrsinteressen der Monarchie fördere. Gtne solche auswärtige Politik werde die Völker der Monarchie zur Begeisterung und Opferwilligkett entflammen, um den Thron der Monarchie jederzeit und gegen Jeder­mann erfolgreich zu schützen. Das durch die neue Wehrorganisation entwickelte intime Derhältniß zwischen der Ration und dem Heere werde bet einer hereinbrechenden Ge­fahr die Ration begeistern, daß sie die Armee zu Thaten übermenschlicher Kraft ent­flamme. Der Präsident schloß mit dem Wunsche, Gott möge das nur auf die Be­glückung der Völker bedachte Leben des Kaisers bis zu den äußersten Grenzen des menschlichen Alters erhalten.

Wien, 23. Juni. Der Kaiser hat die Ansprachen der Präsidenten der beiden Delegationen bei dem heutigen Empfange folgendermaßen beantwortet:Mit auf­richtiger Befriedigung nehme ich die Versicherungen treuer Ergebenheit entgegen, welche Sie soeben an mich gerichtet haben, und gedenke gerührten Herzens der zahllosen Kundgebungen unerschütterlicher Treue und Anhänglichkeit an mich, die Kaiserin und mein Haus, die, von allen Völkern der Monarchie ausgehend, uns Trost und Stärkung in unserem tiefen Schmerze gewährten. Weder in unseren Beziehungen zu fremden Mächten noch in der allgemeinen Richtung unserer auswärtigen Politik ist eine Ver­änderung eingetreten. In voller Einigkeit mit unseren Verbündeten steht meine Re­gierung für eine friedliche Entwickelung der fortdauernd unsicheren europäischen Lage ein, sie hält fest an der Hoffnung, daß uns auch ferner die Segnungen des Friedens werden erhalten bleiben können trotz der allerorts fortgesetzten Steigerung der Kriegs­macht, welche auch uns zwingt, in der Vervollkommnung unserer Wehrfähigkeit nicht innezuhalten. Der bedauerliche Entschluß des Königs Milan von Serbien, dem Throne zu entsagen, hat während der Minorennität des Königs Alexander die Macht in die Hände einer Regentschaft gelegt, von welcher mir in förmlichster Weise die Versicherung gegeben wurde, die bisherigen freundschaftlichen Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn fortsetzen und pflegen zu wollen. Von wohlwollenden Gefühlen für das benachbarte Königreich erfüllt wünsche ich dieses auch meinerseits und hoffe, daß die Klugheit und der Patriotismus der Serben das Land vor ernsten Gefahren bewahren werden. In Bulgarien herrscht Ordnung, Ruhe, und es ist erfreulich, die stetigen Fortschritte zu konstatiren, welche dieses Land trotz seiner schwierigen Lage macht. In der vollen Würdigung der finanziellen Verhältnisse der Monarchie war meine Regierung bestrebt, das gesammte Erforderniß für das stehende Heer und die Kriegsmarine auf das Roth- wendigste zu beschränken. In Folge der außergewöhnlichen Anforderungen ist zunächst die gebotene Fortsetzung jener militärischen Vorsichtsmaßregeln nicht zu vermeiden, für welche im verflossenen Jahre außerordentliche Kredite bewilligt wurden, ferner folwe unaufschiebbare Maßnahmen, die zur Kräftigung und Erhöhung der Kri.gstücht'gkett des Heeres unerläßlich sind. Die Einnahmen d<r Herzegowri-a und Bosniens werden auch in diesem Jahre zur Deckung der Kosten der Verwaltung dieser Länder um so gewisser ausreichen, als in Bezug auf die wirthschaftliche Entwicklung ein stetiges Fortschreiten konstatirt werden kann. Indem ich die Ihnen zugehenden Vorlagen Ihrer stets bewährten und patriotischen Einsicht empfehle, rechne ich darauf, daß Sie ntetne Regierung durch Ihre vertrauensvolle Mithilfe unterstützen werden, und heiße Sie herzlich willkommen".

Rom, 23. Juni. Die Prinzessin Lätitia, Gemahlin des Herzogs Amadeus von Aosta, ist von einem Prinzen entbunden worden.

Belgrad, 23. Juni. Die heute erschienene letzte Nummer desVidelo", des Organs der Fortschrittspartei, enthält eine Erklärung des Centralcomite's, nach welcher die fortschrittliche Partei sich vom politischen Schauplatze zurückzieht und das Erscheinen ihres Parteiorgans einstellt.

Lokale-.

Gieße«, 24. Juni. Die Landes-Universität begeht am 1. Juli, 11 Uhr Vor­mittags , in der großen Aula ihre Jahresfeier mit nachstehendem Programm: 1. Instrumentalmusik, 2. Gesang a oapella des akademischen Ge'angvereins: Salvum iao regem von Karl Löwe, 3. Festrede des Rektors, 4. Gesang: Jubilate (Vcspergesang) Ion D. BortnianSky, 5. Instrumentalmusik.

* Gießen, 24. Juni. ^Rit dem heute Morgen um 8 Uhr 3 Min. hier etn- treffenden Schnellzuge der Main-Weser-Bahn passtrten der König von Griechenland und der Großfürst Thronfolger von Rußland auf der Reise nach Homburg bez. Stuttgart die hiesige Station.

Gießen, 24. Juni. (Turne risches, j Bei dem gestern stattgehabten Feld- dergfest erhielten vom hiesigen Turnverein die Turner Friedr. Köhler und Th. Vaubel Preise.

Gießen, 24. Juni. sTurnerisches.j Bet dem gestern auf dem Feldberg stattgehabten 36. Wettturnen, woran sich 290 Turner betheiligten, errang der Männer- rurnoerein Gießm durch sein Mitglied Gustav Ruppel den 12. Preis.

Gießen, 24. Juni. Der Gießener Radfahr-Verein hat wiederum beim gestrigen Eelociped-Wettfahren in Offenbach a. M. drei Preise errungen, und zwar Herr Conr. Hamel beim Erstfahren mit 9 Concurrenten den 1. Preis und beim Eröff- nungsfahren mit 20 Concurrenten den 3. Preis.

Am interessantesten gestaltete sich das Wettfahren um die Meisterschaft von Hessen. Drei gleich ebenbürtige Concurrenten starteten, wobei Herr Wilh. Hamel nach stetem heißem Kampfe den 2. Preis daoontrug, indem derselbe eine halbe Rad- Länge später mit dem ersten Sieger durch's Ziel ging.

Beim Start erhielt Wilh. Hamel aus Gießen leider den letzten Platz.

Nächsten Sonntag, den 30. d. Mts., findet in Kassel gelegentlich der Aus- stellung eine Regatta auf der Fulda statt. Die Gießener RuderGesellschaft hat zu

4 Rennen gemeldet und wird daselbst durch ihre Juniormannschaft, welche kürzlich in Frankfurt siegte, sowie durch die Herren Krailing und Königs im Sciff vertreten sein. Die Juniors werden zweimal starten: im Junior-Vierer-Rennen, sowie um den vom Prinzen Heinrich von Preußen gestifteten Ehrenpreis.

Vermischte s.

Darmstadt, 22. Juni. sMilitärdienstnachrtchten.j Dettweiler I., Seconde- lieutenant von der Reserve des 2. Großh. Hess. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116, Molly, Secondelieutenant von der Infanterie zweiten Aufgebots des Land- wehrbeztrks Gießen, zu Premterlieutenants befördert.

Darmstadt, 22. Juni. In den Haftlokalen und Provinzial - Arresthäusern unseres Großherzogthums betrug im Jahre 188788 die tägliche Durchschnittszahl der sämmtlichen Gefangenen 373, hiervon konnten durchschnittlich nur 139 beschäftigt werden, während 234 wegen Mangels an Arbeit unbeschäftigt bleiben mußten. Die Zahl der Arbeitstage betrug zusammen 41,741, der gesammte Arbeitsverdienst (netto) 13,318 X Den Arbeitsverdienst auf die Gesammtzahl der Gefangenen ausgeschlagen, ergibt pro Kopf 35,61 X, da aber, wie oben erwähnt, nur für etwas über ein Dritt- thetl der Gefangenen Arbeit vorhanden war, so stellt sich der Arbeitsverdienst für jeden beschäftigten Gefangenen auch um dementsprechend höher, nämlich auf 95,71 X pro Kopf.

Mainz, 23. Juni. An den Hütten der militärischen Schießstände bei Gon­senheim brach gestern Nachmittag Feuer aus, das in Folge rascher Hülfe im Keim .erstickt und noch bevor es die nahen Waldbestände erreichte, gelöscht wurde. Mit Rück-e sicht auf die Gefahr für den angrenzenden Wald wurden die Mannschaften der S chieß- stände rasch alarmirt.

Am Rhein hier spielte sich vorgestern gegen Abend eine aufregende Scene ab. Ein dreijähriger Junge fiel von einem Schiffe über Bord. Die Mannschaften der benachbarten Schiffe eilten alsbald zu Hülfe, jedoch erst nach peinlichen Minuten gelang es einem Schiffer, das Kind in dem Momente mit einem Hacken zu ergreifen, als es unter einem Schiffe wieder zum Vorschein kam. Die Wiederbelebungsversuche waren erstaunlicher Weife noch von Erfolg und nach Verlauf von wenigen Stunden lief das Kind wieder munter und wohl auf dem Bord seines elterlichen Schiffes hin und her.

Mainz, 23. Juni. Zu dem in den ersten Tagen des Juli stattftndenden XI. murelrheinischen Musikfeft werden eben die letzten Vorbereitungen getroffen. Dank dem Eifer des Kapellmeisters Lux sind die Chöre ganz vortrefflich einftubirt und lassen eine ausgezeichnete musikalische Aufführung erwarten. Mit Rücksicht auf die Theilnahme des Großherzogs an dem Feste sind von dem KomitS, für die äußere Seite des Festes ganz besondere Vorkehrungen in Aussicht genommen und wird man hauptsächlich auf eine praktische Eintheilung der Plätze bedacht sein, damit der Genuß der musikalischen Aufführungen nicht durch überhohe Temperatur und sonstige Unbe­quemlichkeiten beeiuirächtigt wird. Ungerechnet der in der Mitte der langseitigen (SaHeiie für den Großherzog und Gefolge hergerichteten Sitze sind außer wenigen nummerirten Plätzen und den Stehplätzen in dem ganzen gewaltigen Raum unserer Stadthalle einschließlich der Gallerten nicht ganz zwei Tausend Sitzplätze vorgesehen.

Der wegen eines gegen verschiedene Gebräuche der katholischen Religion eifernden Schristchens jüngster Tage viel genannte protestantische Pfarrer Lyncker von hier, der sich, beiläufig bemerkt, durch diese literarische Arbeit bei allen Konfessionen ohne Ausnahme zahlreiche Feinde und Gegner zugezogen hat, wird nur noch ganz kurze Zeit hier wirken. Das Schrifichen hat ein so peinliches Aufsehen gemacht und die Wirkung desselben war eine derart unangenehme, daß man an maßgebender Stelle das fernere Wirken des Pfarrers Lyncker in Mainz als unihunlich eingesehen und dessen Versetzung, wie von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, bereits beschlossene Sache sei.

Aus Rheinhessen, 23. Juni. In ganz Rheinhessen ist jetzt die Trauben- blüihe beendigt. Im Allgemeinen war der Verlauf gut, die Ansätze haben schön ver­blüht und ist, wenn das Quantum durch den Heuwurm und sonstige Zufälle auch noch verringert wird, immerhin noch ein annehmbarer Herbst zu erhoffen.

Aus dem Rheingau, 23. Juni. In Neudorf (bei Eltville) brannten am Freitag 5 Wohnhäuser und 2 gefüllte Scheunen ab. lieber die Entstehung des Brandes ist bis jetzt noch nichts ermittelt.

Handel und Verkehr.

Grünberg, 22. Juni. (Fruchtpreise). Weizen X , Korn X 15,60, Gerste X 14,50, Hafer X 12,50. Erbsen X 00,00, Samen X 00,00, Wicken X 10,06, Kartoffeln X 5,00, Linsen X 00.00.

Schiff-nachrichten

Bremen, 22. Juni. (Per transatlantischen Telegraph, j Der Schnelldampfer Trave, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 12. Juni von Bremen und am 14. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. -----

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Wärmegrade der Lahn und der Luft

gemessen nach Reaumur am 24. Juni zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 18 Grad, Luft 18 Grad.

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