Ausgabe 
24.12.1889 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 300. Erstes Blatt. Dienstag den 24. Dcccmbcr

1889.

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aamikieuvtalter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Generat-Mnzeiger.

Vierteljähriger Adonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schntstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

2lints- und Anzeigeblatt für den ttrei- Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Aamitienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Abonnements Einladung.

Zum Abonnement auf denGietzcner Anzeiger" für das 1. Quartal 1890 laden wir hiermit freundlichst ein. Trotz des vergrößerten Formats wird der Bezugspreis der alte bleiben: Mk. S.2O incl. Trägerlohn innerhalb der Stadt Gießen, Mk. 2. auf der Post excl. Postgebühr.

Getreu ihrem bewährten Princip wird die Redaction es sich stets angelegen sein lassen, keine Parteipolitik zu treiben, sondern nur stets reserirend die Tagesereignisse zur Kenntniß der Leser zu bringen. Unterstützt von bewährten Correspondenten in allen Theilen des engeren Vaterlandes, wird derAnzeiger" auch für die Folge bestrebt sein, in knapper Mrze alles das zu bieten, was seinen zahlreichen Lesern von Interesse und von Nutzen sein dürste. Auswärtige Leser bitten wir bei der Post ihre Bestellung vor dem 28. d. M. aufgcben zu wollen, damit die Nachgebühr von 10 Pfg. weg­fällt, welche die Post für alle die Bestellungen erhebt, welche nach obigem Datum ausgegeben werden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, falls keine ausdrückliche Ab­bestellung erfolgt, denAnzeiger" auch für die Folge weiter senden und den Betrag hierfür durch Quittung erheben lassen. Neuhinzutretende Leser erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung bis Ende dieses Monats umsonst zugestellt.

Hochachtend

Derlag desKießener Anzeiger"

Brühl'sche Druckerei, Schulstr. 7.

Gießen, den 21. December 1889. Betr.: Wahl der Vertreter der goren,en.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreise-.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 25. September l. I. Anzeiger Nr. 233 noch nicht nachgekommen sind, er­innern wir Sie wiederholt an Erledigung mit acht Tagen Frist.

v. Gagern.

Gießen, den 20. December 1889.

Betr.: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Allevdorf a. d. Lahn, Beller-Heim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Großen Linden, Grünin- gen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-GönS,Lang-dorf, Leihgestern, Lich, Mufchenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, TraiS- Horloff und Utphe.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 23. August 1880 (Anzeiger Nr. 201) beauftragen wir Sie, die vorge- schriebenen Tabellen über die im letzten Halbjahr krepirten Thiere nach dem unten abgedruckten Muster in den ersten Tagen des nächsten Monats und vorzulegen. Wir müssen auf pünktlicher Vorlage besonders deshalb bestehen, weil die Ta­bellen diesmal Großh. Ministerium vorzulegen sind.

v. Gagern.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Amtlicher Theil.

Gießen, den 21. December 1889.

Betr.: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen der Einsendung der Verzeichnisse der von

Ihnen ausgestellten Bedeckscheine binnen 8 Tagen entgegen, v. Gagern.

Tabelle

über die in der Gemeinde......vom ... 18 ... Hs

......18 ... krepirten ober getödteten Thiere.

Namen der

Besitzer

Der krepirten oder getödteten Thiere

Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thier- arzt festgestellt ist, so­wie über die Art der Beseitigung der Ka­daver.

Feuilleton.

Was soll ich schenken?

Weihnachtsplauderet von vr. E ... M ..

III. (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

So gieb ihm doch ein gutes Buch, ein Werk, das er bei seinen Studien brauchen kann," schlug ich vor.

Ach, dazu verstehe ich von diesen Dingen zu wenig."

Ja, ja, es wäre gar nicht so übel, wenn die Frauen im Jnteressenkreise ihrer Männer besser Bescheid wüßten," erlaubte ich mir zu murmeln.

Du hast Recht, Bruder, ich werde mich auch bemühen, in Zukunst ernstere Theilnahme für Karls Studien und seinen späteren Berus zu gewinnen, aber für den Augenblick Hilst mir dieser löbliche Vorsatz noch nichts.....Ach!" ries

sie, fröhlich in die Hände klatschend,ich Habs! ich Habs. Ich lasse mich für Karl photographiren, er hat mich zwar schon in verschiedenen Auflagen, sowohl Profil als en face, aber dies Mal will ich mich ihm zeigen in dem Rahmen, in welchem ich ihm, da Du ihn uns zuführtest, zum ersten Male entgegentrat: das Kaffeeservice, welches damals vor uns stand, muß dabei sein, dann die grüne Laube mit dem Papierrouleaux, auf welchem das bayerische Königsschloß mit dem Schwanenritter gar zu possierlich hingepinselt ist o, es wird prächtig werden!"

Das ist in der That ein glücklicher Einfall!" be­stätigte ich.

Meine Schwester hatte mich verlassen und ich konnte jetzt darüber nachdenken, was ich für mein Theil dem Weih- nachtsmanne zu thun geben könnte.

Ueber das Kapitel der Weihnachts-, Neujahrs- und Geburtstagsgeschenke habe ich mir im Laufe der Jahre schon einen netten Schatz von Erfahrungen sammeln dürfen. So viel steht für mich fest: Der Tag der Christbescheerung, der zu Liebesbeweisen und Freude bei Alt und Jung so großen, berechtigten Anlaß gibt, er kann unter Umständen auch Gelegenheiten zu fatalen Taktlosigkeiten aller Art bieten. Der Takt, der im gesellschaftlichen Leben eine so große Rolle spielt, er hat auch bei der Wahl des Weihnachtsgeschenks in erster Linie mitzureden.

Alle Diejenigen, welche in dem Tage des 24. December nichts anderes erblicken als einen Angriff auf ihren Geld­beutel, werden sich freilich der in dieser Zeit an sie gestellten Anforderungen in möglichst äußerlicher und rein geschäfts­mäßiger Weise erledigen. Beim Geber fehlt die rechte Freudigkeit und demzufolge kann sie sich auch bei dem Em­pfänger nicht einstellen.

Wenn wir Präsente an Verwandte, Freunde und Be­kannte austheilen, sollten wir der Individualität des zu Beschenkenden so viel als möglich Rechnung tragen, damit derselbe sieht, wir haben ihm gegenüber nicht nur eine leere Pflicht erfüllt, sondern wir haben wirklich mit liebevoller Um­sicht an sie gedacht.

Alle Weihnachtskataloge, alle Zeitungsannoncen, alle Extrabeilagen, mögen sie nun beginnen mit:In keinem gebildeten Haushalte darf fehlen . . ." oder:Man ver­säume ja nicht zur Weihnachtszeit die Anschaffung . . . ." oder einem anderen verheißungsvollen Anfang bringen uns nicht auf den rechten Weg, wenn wir selbst P h a n ta s i e- träger sind.

Während meiner Studienjahre hatte ich einen Freund, ich glaubte ihn wenigstens zu haben, mit dem ich ein Zimmer theilte, den Mittagstisch gemeinschaftlich hatte, dieselben

Deutsches Ueich.

Berlin, 21. December. Heute Vormittag ist der Unter- staatssecretär im Ministerium deS Innern von Zastrow im 56. Lebensjahre plötzlich gestorben. Das Ministerium widmet demselben einen warmen Nachruf in derNorddeutschen All­gemeinen Zeitung."

Berlin, 16. December. In dem diplomatisch-statistischen Theil des soeben erschienenen Gothaischcn Hofkalenders für 1890 finden sich folgende Angaben über die Stärkeverhält nisse des deutschen, französischen und russischen Heeres:

Friedensstärke des deutschen ReichShceres: 884 Bataillone, 465 Escadrons, 364 Batterien, 1500 be spannte Geschütze, 19457 Offiziere, 468409 Mannschaften; die Kriegsstärke entzieht sich infolge der Erweiterung der Landwehr und des Landsturmes einer nur einigermaßen zu­treffenden Berechnung.

Friedensstärke in Frankreich: 26763 Offiziere, 534100 Mannschaften, 480 Feldbatterien mit 2060 be spannten Geschützen; Kriegsstärke nach ungefähr zutreffender Schätzung: 2 Millionen active Armee mit 10 Altersklassen Reserven, 1022000, 5 Altersklassen Territorialarmee, 6 Altersklassen der Reserve der letzteren mit 762000Mann,, im Ganzen 3 784000 Mann.

Friedensstärke in Rußland: 848 Bataillone Infanterie mit 386 312 Mann, 328 Escadrons Cavallerie mit 57 416 Mann, 344 Bataillone Feldartillerie mit 1542 Geschützen und 61880 Mann, 33y4 Bataillone Jngenicurtruppen mit 18 977 Mann und 35130 Mann Trains, Summa der Feld- truppen 562500 Mann, dazu 72634 Mann Reserve- und 112 850 Local-Truppen, 288 Escadrons Kosaken mit 51944 Mann, Summe der Friedensstärke 799928 Mann. Die Kriegsstärke Rußlands wird aus 994 460 Mann Feldtruppen mit 4030 Geschützen, 280 810 Mann Reservetruppen mit 640 Geschützen, 137 730 Mann Kosaken mit 240 Geschützen, 189500 Mann Ersatz mit 384 Geschützen, abgesehen von den Local-Truppen, geschätzt.

Köln, 21. December. Wie derKöln. Ztg." ans Saar­brücken gemeldet wird, ist bei den Gruben der Berginspectionen 16 eine Bekanntmachung der Bergwerksdirection ange­schlagen, wonach diejenigen Arbeiter, welche bis Montag nicht anfahren, als freiwillig ans dem Grubendienst ausgetreten angesehen werden.

Essen a. R., 21. December. In der heutigen General­versammlung des Vereins für bergbauliche Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund unter Vorsitz des Assessors Strahler wurden, wie dieRheinisch-Westfälische Ztg." meldet, die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt. Der Bericht des Geschäftsführers Dr. Natorp bezeichnet die augenblickliche Lage des westfälischen Bergbaus als eine

Collegien hörte, dieselben Bälle und Gesellschaften besuchte, mit dem ich mich aussprach über alles, was in den Streis des akademischen Lebens trat. Ferdinand wußte so schön, fein und gefühlvoll zu sprechen und noch besser zuzuhören. Ich glaubte, daß er eine tiefere und feinfühligere Natur fei als die anderen, denn allem Häßlichen und Gemeinen ging er mit vornehmer Entschiedenheit aus dem Wege. Wir nannten ihn deßhalb denJdealmenschen". Da verehrte mir der Jdealmensch an einem Christabend zwei Blumenvasen. Er hätte es längst wissen müssen, daß ich aus meinem mit Büchern bedeckten Schreibtisch ebenso wenig wie er auf dem seinen Raum für solche Gegenstände hatte, und es mir auch an Zeit und Luft gebrach, für den nöthigen Inhalt zu sorgen. Was meine Ueberraschung bei diesem Angebinde noch pein­licher machte, war der Umstand, daß ich den zerbrechlichen Dingern an einem kleinen Zeichen anmerken konnte, daß Ferdinand sie nicht einmal eigens für mich ausgesucht, daß sie sich vielmehr schon in feinem Besitz befunden haben mußten und er sich ihrer nur auf gute Manier entäußern wollte; sie ge­hörten also zu den sogenanntenNundreisegeschenken."

Dieses seltsame Weihnachtspräsent gab meinem Glauben an den Character meines Freundes den ersten Stoß, dem dann bald weitere heftigere Erschütterungen folgen sollten. Doch das gehört nicht hierher.

Gehören die Menschen, welche wir durch einen Christ­gruß erfreuen wollen, nicht zu unserem ganz intimen Um- gangskreise, so müssen wir bei der Auswahl unseres Ge­schenkes doppelt taktvoll und vorsichtig zu Werke gehen, damtt wir nicht etwa eine unserer Absicht entgegengesetzte Wirkung erreichen. Ein zu werthvolles Geschenk kann, je nachdem unsere Stellung zu dem Empfänger ist, oft weit weniger freundlich ausgenommen werden als eine bescheidene Gabe. Das Verfahren des jungen Erbprinzen in G. Freytags