Nr. 247. Mittwoch oea 23 Octoder 1889«
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis
ließen.
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Amtlicher Hheit.
Betreffend: Maul- uni) Klauenseuche zu Gießen.
Bekanntmachung. -
Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh des Karl Rinn und des Heinrich Noll Gießen, Große Mühlaasse Nr. 35, 37 und 39, festgestellt worden ist, ordnen wir bis auf Weiteres die Sperre über die fraglichen Gehöfte hierdurch an. Gleichzeitig verfügen wir die Sperre ifför den außer diesen Gehöften diejenigen des Wilhelm Linden st ruth und Heinrich Konrad Krarling, Nr. 31 und 33, umfassenden hinteren Theil der Großen Mühlgasse.
Gießen, am 21. October 1889 Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. G a g e r n. ___________
Betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Gießen.
Bekanntmachung.
Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh des Heinrich Noll VII. und des Karl Rinn zu Gießen, Große Müblaasie, festaestellt worden ist, ordnen wir im Anschluß an unsere gestrige Verfügung auf Grund des § 28 des Reichsviehfeuchengeietzes weiter an, daß der auf 28 und 30. Öclober L I. anberaumte Gießener Rindvi^hmarkt zu unterbleiben hat.
Gießen, am 22. October 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.__
Betreffend: Die Abhaltung lanbwtrthschaftlicher Vorträge betreffend.
Bekanntmachung.
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ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß , nr, c,, . m
1) Sonntag den 3 November L 3*, Nichm ttags 3 Uhr, Herr Landwirthschaftslehcer Lertbiger zu Alsfeld einen Vortrag „über künstliche Düngmittel für Aecker und Wiesen und deren Anwendung", auf dem Lenz'schen Felsenkeller in Gießen^;
2) Sonntag den 10. November l. I., Nachmittag- 3 Uhr, Herr Landwirthschaftslehrer Spieß von Alsftld einen Vortrag „über Steigerung der Wiesenerträge durch rationelle Ent- und Bewässerung" im Gasthaus zum Schwanen in LoUar;
Sonntag den 1*7. November I. I., Nachmittags 3 Uhr, Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld emen Ertrag „über Bcdenbereitung und Bodenbestellung" oder „über Samenwechsel, Saatgutzucht und Saatmethode" in dem Saale des Herrn Gast- wirths Guntrum zu NeiSkirchenz r m 4 ...
Sonntag den 24 November l I., Nachmittags 3 Uhr, Herr Landwirthschastslehrer Spieß zu Alsfeld emen Vortrag „über Aufzucht und Fütterung von Zucht-, Milch- und Mastvieh" in dem Saale des Herrn Gastwirths Karl bliebe zu LondorfZ Sonntag den 1. Decewber l. I., Nachmittags 3 Uhr, Herr Land wirths Hastslehrer Leithiger m Alsfeld emen Vortrag „über Schweinezucht" in dem Saale des Herrn Gastwirths Christian Wagner in Grünberg
abhalten werden. , c . , A,rx .. .
Alle Mitglieder des landwirthschastlichen Vereins und der landwirthschaftlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen. . x f f
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen die Vorträge abgehalten werden, sowie die der benachbarten Orte werden hierdurch ersucht, aus möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Gießen, den 19. October 1889.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen.
Jost, Negierungsrath.
Politische Nundfchsu
Gießen, 22. October.
Gegen den Prinzen Wilhelm von Württemberg, den präsumtiven Thronfolger, wurde am Sonntag Vormittag in Ludwigsburg em glücklicher Welse ohne jede Folgen gebliebenes Attentat verübt. Als der Prinz zu genannter Zett zur Kirche fuhr, feuerte ein junger Mensch einen Revoloerschuß auf ihn ab, welcher jedoch fehlgtng. Der sofort festgenommene Verbrecher heißt Klaiber und ist ein aus Ulm gebürtiger Sattlergehülfe, zur Zeit ohne Stellung. Bei seiner ersten Vernehmung sagte der augenscheinlich geistesgestörte Thäter, es sei die höchste Zeit, daß Wüttemberg einen katholischen König bekomme, eine Bemerkung, die sich daraus erklärt, daß Prinz Wilhelm, der künftige Herrscher Württembergs, bis jetzt föhnelos ist, so daß bei seinem Ableben die Thronfolge in diesem Königreiche an die katholische Linie des Hauses Württemberg übergehen würde. Prinz Wilhelm selbst ließ sich durch den Vorgang nicht abhalten, dem Gottesdienste beizuwohnen und begab sich dann nach seiner Vllla in Martenwahl bei Ludwigsburg zurück, woselbst ihm von einer großen Menschenmenge alsbald Ovationen bereitet wurden. Anläßlich seiner glücklichen Rettung gingen dem Prinzen zahlreiche Glückwunsch-Telegramme zu.
Aus dem neuen ReichSetat sind noch unmittelbar vor dem Zusammentcitte des Reichstages von officiöser Sette endlich die hauptsächlichsten Angaben veröffentlicht worden. Hiernach stellt sich die Gefammtausgabe auf 1206 664 739 X, mehr gegen den vorherigen Etat um 240610853 x. Hiervon charaktertsiren sich 277 700307 X, als außerordentlicher Etat der einmaligen Ausgaben mit besonderen Deckungsmttteln, darunter 266 789307 X aus der Anleihe; von jenen ca. 277 Mill, entfallen 139V, Mill, auf bas Retchsheer und etwas über 31 Mill, auf die Marine. Im ordentlichen Etat stellt sich der Mehrbedarf an fortdauernden Ausgaben auf 21845 273 X, wovon ca. 6,6 Mill. X auf das Reichsheer und ca. 2,5 Mill. X auf die Marine entfallen. Im Ganzen stellt sich aber der Mehrbedarf des ordentlichen Etats auf 42 188953 Mill. X, wovon der allergrößte Theil, nämlich 41553140 Mill. X durch Erhöhung der Matricular- beiträge aufzubringen ist.
In Brüssel sind neuerliche Meldungen vom Congo eingetroffm, welche die Lage des Eongostaates als sehr befriedigend schildern. Der Generalgouoerneur desselben, Janssen, hat wiederholte Unterredungen mit einer großen Anzahl von Häuptlingen gehabt, darunter mit den sehr einflußreichen Häuptlingen Makite und Lutele und in allen diesen Unterredungen ist von den Häuptlingen versichert worden, daß sie dem
Covgostaate mit allrn ihren Kräften zur Sette stehen würden. Wie viel von diesen Verjpiechungen zu halten ist, muß freilich erst die Zukunft lehren.
Die serbische Skupschtina ist am Sonntag mit einer vom Regenten Ristics verlesenen Bolfchast, refp. Thlvnrede officiell eröffnet worden. Die Rede wirft in ihrem Eingänge über die in Serbien seit der letzten Skupschtinasession eingetretenen wichtigen Ereignisse einen Rückblick und constatirt die von der serbischen Nation bethattgte Anhänglichkeit an die nationale Dynastie und Liebe für den jungen König. Dann weist die Thronrede auf die der Skupschtina harrenden zahlreichen und zum Theil schwierigen Aufgaben hin und kündigt in Anknüpfung hieran auch die durch die Verfassung vorgesehenen Gesetzentwürfe an. Weiter drückt die Rede die Ueberzeugung aus, daß die Reformarbetten Friede im Innern wie nach Außen heischten und hebt die fteundschaftl^en normalen Beziehungen Serbiens zu seinen Nachbarstaaten und zu den übrigen Machten hervor Zum Schlüsse drückt die Rede den festen Willen der Regentschaft und der Regierung aus, den Frieden und die Eintracht auf der Balkanhalbinsel zu pflegen und die selbstständige Entwickelung der Balkanvölker zu fördern.
Die Blättermeldungen von einer angeblichen Meuterei türkischer Regimenter auf Kreta werden jetzt von Constantinopel aus amtlich dementirt. Die betreffenben Gerüchie sollen dadurch entstanden sein, daß einige Soldaten des kürzlich nach Kreta entsandten Smvrnaer Regiments um ihre Beurlaubung in die Heimath wegen dringlicher Erntearbetten nachgesucht und dieses Gesuch auch bewilligt erholten> habem Die türkische Regierung erklärt sich von der Sachlage auf Kreta und der Haltung Schakir Paschas für vollkommen befriedigt.
Auf den javanischen Minister des Auswärtigen, Grafen Okuma Sigeuobu, wurde ein Mordanfall gemacht, der für den Minister jedoch nur eine leichte Verwundung zur Folge hatte; der Attentäter nahm sich sofort das Leben. Bemerkenswert ist, daß der Vorgänger des Grafen Okuma Sigenobu unter den Händen ^nes politischen Fana- tikers fiel und offenbar spielen auch bet dem Attentat auf Okuma Sigenobu politische Bewegaründe die Hauptrolle. —
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureau.
Berlin, 21. Cctober. Den „B-rl. Polit. Nachr." infolge wird d«e Nachricht, ber Retckstanrler werde am 25. b. Mts. in Berlin etnlreffen, als irrig bezeichnet. Semieiben Blatte zufolge wirb dem $mlbe8tott)c bemnJ^„ci^ die Einrichtung einer subventtonirten Dampferlinie nach Ostafrika zugeyen, wetcpe


