Nr. 198.
1889.
Bureau r Schulstraße 7.
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Politische Rundschau
Gießen, 26. August.
_frtr . ?lnen ^ltisertage in den Reichslanden haben mit dem am Freitag a “n[crc® Katserpa-r-s in Metz ihren würdigen Abschluß erhallen.
Auch in der Hauptstadt Lothringens war die Aufnahme der Majestäten -ine glllNjende y ®« >e l- bic jubelnden Kundgebungen der Metzer Bevölkerung anläßlich
tr .lU?eSi.l8benmBc.wlefcn' weli>t erfreulichen Fortschritte der deutsche Gedanke auch auf lothringischem Boden gemacht hat.
^och während des «aiserbesncheS in den Reichslanden sind über die poli- ttschen folgen und Ergebnisse des Ereignisses allerhand Betrachtungen in der Tages- Presse angestellt worden. Wenn indessen manche Blätter hierbei zu dem Schlüsse gelangten, die Wirkungen des Kaiserbesuches auf die eingeborene Bevölkerung der Retchs- wurden sich bei den nächsten Reichstags-Wahlen durch die Wahl deutsch-freundlicher Abgeordneten äußern, so dürfte man mit dieser Ansicht doch über das Ziel hmausschießen. Gewiß kamen die begeisterten Ovationen, welche die Elsässer und spectell Ur0er?ein K^ser und seiner erlauchten Gemahlin bereiteten, aus wahrem Bolkesherzen und war hierbei nichts Gekünsteltes und Gemachtes, wie die französischen ^en Lesern weis machen wollen. Aber hiermit ist noch lange nicht gesagt, daß diese Leute trotz ihrer persönlichen Begeisterung für den Schirmherrn des Reiches !™n c. o i deutsch-nationalen Sinne wählen werden, dazu sind die Verhältnisse in v>lsaß-Lothringen doch noch nicht angethan und wird man sich in Altdeutschland vorerst mit der ia immerhin hoherfreulichen Thatfache begnügen müssen, daß der Kaiser- besuch im Elsaß ein neues Band zwischen dem schönen Vogesenlande und dem übrigen Reiche gewoben hat. Auch die Annahme, der Besuch des Kaisers werde für die Retchs- lande die Aufhebung oder wenigstens Milderung der Paßzwangmaßregeln zur Folge daben, dürfte sich nicht bewahrheiten und Kaiser Wilhelm selbst hat ja bet seinem Aufenthalte in Straßburg bezügliche Anspielungen mit dem deutlichen Hinweise darauf beantwortet, daß eine Aufhebung der Paßzwangmaßregeln zur Zett nicht opportun sei. x D^ser Tage liefen abermals eine Menge Nachrichten über den Czarenbesuch in Deutschland durch die Blätter, die merkwürdiger Weise diesmal darin Übereim stimmten, daß dieser Besuch tn allernächster Zeit zu erwarten sei. Diese Annahme hat insofern etwas für sich, als der Besuch des russischen Kaisers in Berlin oder Potsdam September erfolgen müßte, denn an letzterem Tage tritt Kaiser Wilhelm seine heurigen Mannoverreisen an und an diese reiht sich unmittelbar die Reise unseres Kaiserpaares nach Italien und Griechenland an, von welcher dasselbe vielleicht auch erst Anfang November, nach Berlin zurückkehren wird. Es wird sich also in der That in nächster Zeit entscheiden müssen, ob der ^.zar kommt oder nicht kommt.
In Ostafrika rüstet sich Reichscommissar Wißmann zu neuen Unternehmungen. Der von ihm gecharterte Dampfer „Neära", bekannt durch seine Schicksale im Dienste der Emin-Expedition des Dr. Peters, ist in Zanzibar mit 300 neuangeworbenen Zulus für Hauptmann Wißmann angekommen und soll letzterer diese Verstärkungen nur abgewartet haben, um wieder kräftig gegen den Rebellenführer Buschirt vorzugehen
von P-rfien ist in Wien und hiermit auf einer der letzten Sta- ia xJSSF gegenwärtigen europäischen Rundreise eingetrosten. Die Ankunst in der Hauptstadt erfolgte Freitag Nachmittag 3 Uhr und wurde der Schah M litär ?ran* 3ofcf' Erzherzögen und den Spitzen der
^fangen. Nach dem Abschreiten der Ehrencompagnie Dorstellm« des Gefolges, worauf der Kaiser mit seinem Gaste nach der Hofburg 91m 'nMAen Sbcr$°rn « Theresia den Schah Namens der Kaiserin begrüßte^
Ä Cm^n® d? Kaiser Franz Josef noch den König Milan sowie den aus Berlin in Wien eingetroffenen Prinzen Sat Sonitwongse von Siam.
o ^r^//n .^önig Humbert wird auf seiner Reise durch Apulien, die südöstlichste Sbd^Unt^ cin begeisterter Empfang seitens der Beoölkerung^zu
Un?nx.9L°^ I1 0en °Dationen der Einwohner war der König, in dessen Bealeituna sich bekanntlich der Kronprinz und der Ministerpräsident Crtspi befinden, am Donnerstag Mittag von Tarent abgereist und Nachmittags 5 Uhr in Brindisi angekommen wos-lbst er eine enthusiastische Astlfnahme fand. Der König reiste alsbald nach^ Lecce weiter- auch hier begrüßte ihn die Bevölkerung sehr sympathisch. In Lecce fand am mnr- welckembActe ^^llung des Denkmales für den König Victor Emanml ftatt' «em Slde König Humbert, umgeben von einer glänzenden Versammlung, beiwohnte
Sn finnbon nimmt die Arbeitseinstellung der Docks- und Hafenarbeiter immer au§Iaber$) mefAr°rtCn “"k ,?cit ^veitag haben sich den Strtkenden auch 4000 Schiffs- suslader angeschlossen und können infolge dessen Tausende von Fahrzeugen nicht abfahren, ist hL n ?t0^en ^cr Strtkenden, die nach den niedrigsten Schätzungen 15000 beträgt ist die Ordnung bislang noch nicht gestört worden, wozu freilich der Umstand das meiste ft?rfe Trupps berittener Polizei wie auch von PoltM-n zu Fuß fortwährmd die Umgebungen der Docks durchziehen. 6 « u B
I Deutschland.
er h ^VMstadt, 24. August. Se. König!. Hoheit der Großherzog emvfinaen am au^Gießen 2lu0u^t JU Büdingen in Büdingen u. A. den Lehrer Curschmann ! Ä Darmstadt, 25. August. Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzoa ist hdtte Nachmittag in Begleitung des Obersthofmarschalls Westerweller von Artthont . 7bkustkttm° nbflcrcift' Bm f£iner Königlichen Gr°bmll.t°r einen längeren $ „T. S-'n- Königlich- Hoheit her Großherzog tritt seine militärische Jnspections- .^^^"^lnorgen früh an. Im Gefolge des Großherzogs befinden sich
W^vher, beauftragt mit den Functionen des Generaladjutanten s^^or Freiherr von Grancy, Major von Perbandt, Generalstabsosfizier der 3. Armeetnspectton, und Hofftallmeister Freiherr Riedesel zu Eisenbach. 3
S)er Ludwigs tag wurde von der Grobherzoglichen Familie im theüna^men @ce^im mit dncm Diner begangen, an welchem auch die Hofstaaten Berlin, 24 August. Der „Reichsanzeiger" veröffentttcht eine kaiserliche Der- geregelt^wird^ 151 2lu0uft' roobur(^ das Bergwesen im südwestafrtkanischen Schutzgebiet ~ Die „Post" erwähnt die Meldung der „Times", nach welcher die ebrifb von Kreta beabsichtigt hätten, anläßlich des Besuches des Kaisers dnrA eine Deputation dessen Schutz zu erflehen, und bemerkt daru' Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so wäre es unerfindlich, wie die Christen Kretas 0Cn ^^anken verfallen konnten. Die Deputation würde sich jedenfalls 5$ ,^v^n Anliegen an eine ganz falsche Adresse wenden, da der deutsche Kaiser keine Schutzpfltchten innerhalb des türkischen Reiches übernommen hat.
rS0U^ Der „Retchsanzeiger" veröffentlicht die anläßlich des Shrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in Münster erfolgten Ordens- Verleihungen. Davon find folgende hervorzuheben: Erhalten haben den rothen Adler- Sttrn Vm* Stern der Vorsitzende des Provinztallandtageä Ohetmb, den
kÄ^/ot^n Adlerorden mit Eichenlaub der Oberprafident der Provinz West- KCr Generalsupertntendent D. Rebe, den rothen Adlerorden dritte c Je Domprobst Parmot, den rothen Adlerorden vierter Klasse der ^ürftpÄnbSCp e ^^dt, den Kronenorden erster Klasse -der Erbtruchseß Graf x?060' beo Kronenorden zweiter Klasse der Vorsitzende des Provtnztal- ^"dsberg - Steinfurth. Ferner hat Seine Majestät der Am!skette^er§ettt?^^E^btjter Windthorst die Befugniß zum Tragen der golberat
August. Wenn mehrfach in der Presse die Behauptung aufaestellt bsV preußischen Staatsregierung eine Beschlußfassung über in K^o^dürtte^diÄ^bä^äp^Lb? -u machende gesetzgeberische Vorschläge noch nicht erfolgt fei, io durste dies höchstens insoweit zutreffen, als es sich um die endgtttige Feststelluna ?ormulirung derselben handelt, lieber ihren sachlichen Inhalt aber besteht wie la nach Lage der Dinge auch zu erwarten ist, bereits Etnverständniß innerhalb der Staatsregterung. Selbstverständlich entzieht sich der Inhalt der Beschlüsse der Kenntntß Unbetheiltgter, und es darf als sicher angenommen werd n daß w?s imme^ WÄÄ °uf bloßer Vermuthung und nicht'au?ficherer,^L
3^; August. Der Statthalter Fürst Hohenlohe veröffentttcht nachstehenden Allerhöchsten Erlaß: „Der Empfang, welcher Ihrer Majestät der Kaiserin
Uxnb r-bet Besuche der Reichslande Elsaß-Lothringen Ä ^glänzender gewesen, daß er Unsere Erwartung weit über- troffen hat. Der reiche Schmuck, in welchem besonders die Städte Sttaßbura und enthalten did'pn WsÄ1 Deranstaltungen,, die getroffen waren, um Uns de/sluf- Sa“rtlnnb^fe.n Städten so angenehm wre möglich zu machen, die Huldigungen, welche vlmer Wir erschienen, aus allen Schichten der Bevölkerung jubelnd ento 0;^?0bb^cHt wurden, haben Ihre Majestät, die Kaiserin, Meine Gemahlin und MicL beSfttatUrb?6thMeUbefUnnb ^elrikbi9iT9 sondern auch in Uns die Ueberzeugung nnrrfnß^nbrF? bP^"vsprünglich deutschen Landesthetle von einem biederen und einsichts-
Hx k b/Avhnt werden, welches, je langer je fester, an das deutsche Vaterland ^schließen nstrd. In diesem wohlthuenden Gefühle können Ihre Majestät die Reichslanden scheiden, ohne ihrer Bevölkerung für
auftrage 3>ant “«^ufpre^en. Ich L
Metz, den 23. August 1889. ' aex Wilbelm
fürjl." ^einen Statthalter in Elsaß-Lothringen, Fürsten von Hohenlohe-Schillings- trafen ^U0U^ Majestäten der Kaiser und die Kaiserin
vomO?ervrälldenten^sÄ^^ “f1 2BcflfMif^Cn Bahnhöfe ein und wurden daselbst vom -^oerprasldenten Studt, dem kommandirenden Gmeral von Albedyll. dem Chers A!?b^orst in dem prächtig geschmückten Empfangssalon begrüßt. ^Se- Majestät der Kaiser trug Generalsuniform. Nach Abschrettung der aufaesteüten Ehren- b°s"eg S- Maj-stät mit Jhr-r SDiajlftät Ter sätferta bÄeiÄbm ^pän^0en Wagen und fuhr durch die retchgefchnmckte Stadt zum köniattchen
■3u0C °^uf ritt eine halbe Eskadron M 11. Husaren-Regtments" w\ni?li^rra|e:x* xDeJae<Jer *^U0 p^sssvte, bildeten 200 KTiegerveretne, gegen 11000
n, \b \P??ern’e^eii!' ba8 H^sige Bürger-Schützenkorps, d?e Schulen und die Deputation^ der hiesigen L>tudentenschaft Spalter, hinter demselben fianb eine
Volksmenge, welche die Majestäten mit ununterbrochenen ,T)er Oberbürgermeister Windthorst hatte mit den Ntttgltedern
S e uns an einem zu diesem Zwecke erbauten Ehren bog m Aufstellung genommen und richtete eine Ansprache an Ihre Majestäten. Se. Majestät dankte und
Dienstag den 27. August ----
Wchmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Gleßen, am 23. August 1889. @ro6§er3o9ti^eö Kreisamt Gießen
v. Gagern. ________


