Ausgabe 
22.12.1889 Zweites Blatt
 
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anderen, die beurlaubt waren und waren alle vier geheilt. Es besteht begründete Hoffnung, daß Keiner von ihnen noch einmal die Influenza bekommt.

Ein Londoner Telephon-Abonnent verlangt am Cen- tralbureau mit seinem Arzte in Verbindung gesetzt zu werden. Der Abonnent:Meine Frau klagt über heftige Schmerzen im Nacken und über Schwere im Magen." Der Arzt: Da hat sie offenbar Fieber!" Der Abonnent:Was ist zu thun?" (In diesem Augenblick schaltet der Beamte die Verbindung um, und der unglückliche Gatte empfängt die Antwort eines Maschinenfabrikanten, der dem Besitzer einer Dampfmühle seinen Rath ertheilt.) Der Fabrikant:Sie ist wahrscheinlich im Innern mit Aufschärsungen von mehreren Millimetern Dicke bedeckt. Lassen Sie sie während der Nacht erkalten und beklopfen Sie sie des Morgens, ehe Sie dieselbe erwärmen, kräftig mit einem Hammer. Sodann waschen Sie sie tüchtig mittels eines Wasserstrahls von starkem Drucke." Zu seiner Verwunderung hat der Arzt seinen Patienten nie wiedergesehen.

Wie muß eine bäuerliche Buchführung eingerichtet sein?

Die erste Anforderung an eine Buchführung für den kleineren Landwirth ist ihre Einfachheit.

Einfach und leicht zu führen muß sie also sein!

Doch das ist nicht die einzige Anforderung- denn sonst käme man zu dem Schluffe, gleich gar nicht Buch zu führen: das wäre gewiß das Allereinfachste.

Die Buchführung soll auch einen Zweck erfüllen- sie steckt sich ein bestimmtes Ziel. Dieses Ziel kann weit und nah gesteckt sein. Das nächstliegende und allerniedrigste, was wir zum Ziele nehmen können, ist der fortlaufende Nachweis über Geldeinnahme und Geldausgabe.

Am Einfachsten und ohne jede Denkarbeit wird dieser Nachweis schon geführt, indem man sich ein paar Bogen liniirtes Papier, wie man es bei jedem Buchbinder bekommt, zusammenheftet und nun die Geld-Ereignisse so untereinander anschreibt, wie sie der Zeit nach erfolgen- man nimmt dabei die linke Seite des Buches zur Anschreibung der Ein­

nahmen, die rechte Seite zur Anschreibung der Ausgaben. Summirt man dann jede Seite für sich, so muß der sich ergebende Unterschied mit der Kasse stimmen, wenn bei Beginn der Kassenbestand als Einnahme angeschrieben worden war.

Doch ein derartiges bloßes Anschreiben verdient kaum noch den Namen einer Buchführung- sie ist auch ziemlich werthlos und kein Landwirth wird soviel Anregung daraus gewinnen, daß er selbst die geringe Mühe dauernd auf­wenden mag.

Da kommen wir denn erst aus den wahren Zweck der Buchführung- sie soll lehrreich sein und zum Nachdenken an­regen, soll auf gewisse Anfragen schnelle Auskunft geben.

Lehrreich und anregend sängt die Buchführung aber erst dann zu werden an, wenn man die Einnahmen und die Ausgaben von den verschiedenen Wirthschastszweigen getrennt anschreibt. Zum attermindesten sollen Einnahmen und Ausgaben aus der Feldwirthschaft, aus der Viehwirth- schaft und für allgemeine Wirthschaftszwecke und selbstver­ständlich auch die Einnahmen aus Privatquellen getrennt werden.

Auch dieses getrennte Anschreiben bedars keiner Kunst und keiner Lehre, sondern nur ein wenig Lust und Liebe und gesunden Menschenverstand. Viele versuchen es in der Weise, daß sie in dem einfach liniirten Geldbuch verschiedene Abtheilungen einrichten: eine Abtheilung für die äußere Wirthschaft, eine für die innere Wirthschaft u. s. w. und dann noch eine für die Privatwirthschast.

Sehr leicht verständlich ist das zwar- doch leider auch etwas umständlich, indem man bei jeder Anschreibung erst die betreffende Abtheilung aussuchen muß, was bei mehreren Abtheilungen fast noch umständlicher ist, als ob man jedesmal ein anderes Buch aufzuschlagen hat.

Bedeutend einfacher gestaltet sich die Arbeit abgesehen von noch anderen Vortheilen wenn man blos zwei Ab- theilungen macht, eine für die Geldeinnahme und eine für die Geldausgave und dann die Einrichtung trifft, daß z. B. bei derGeldausgabe" alle Ausgaben, so wie sie Vorkommen, unter einander mit Worten vermerkt werden, während für die Einschreibung der Zahlen (Mk. und Pf.) eine beliebige Anzahl Spalten (Rubriken) benutzt wird, welche die vorher­gedachten Abtheilungen ersetzen. Die Einrichtung wird dann wie folgt aussehen:

Linke Buchs eite.

Geld-

Datum

An wen und wofür

März

//

//

//

//

//

//

ff

1.

1.

10.

12.

12.

15.

18.

20.

Rohkrämer für Guano . . . An Brandau Kapitalzinsen An Lindig für Saathafer . . Für Oelkuchen.....

An Jobst für Schmiederechnung Für Schulbücher.....

An Roltsch für Kleesamen . Dachdeckerrechnung . . . .

u. s. w.

Summen der Ausgaben . Aus allen Abtheilungen zusammen

Es ist leicht einzusehen, daß diese Art der Anschreibung bedeutende Vortheile bietet. Diese Vortheile sind folgende:

1) Die Anschreibung macht eben so wenig Mühe wie jenes obenerwähnte geistlose Untereinanderschreiben, bietet aber Belehrung und Anregung, weil trotzdem die Ausgaben (und ebenso die Einnahmen) in den gewünschten Abtheilungen getrennt erscheinen.

2) Die Abtheilungen stehen gleichzeitig vor dem Auge, sind mit einem Blick zu übersehen - man braucht wegen verschiedenartiger Auskunft nicht erst zu suchen oder ein neues Buch aufzuschlagen.

Die Herren Brüder sind, namentlich wenn sie die bunte Mütze oder die Uniform tragen, recht anspruchsvoll und üben schneidige Kritik. Die gütige Nachsicht eines Vaters, die freundlich über Fehler und Mängel hinwegsieht, trifft das junge Mädchen auch nur sehr selten bei ihrem Bräutigam an. Denn dieser ist gar eifersüchtig darauf, daß sich in Allem, was die Geliebte denkt, spricht und thut, die unver­kennbare Uebereinstimmung mit seinem Geschmack offenbare. Sich seinem Bräutigam gegenüber im Weihnachtsgeschenk zu -vergreisen, wäre ein kaum gutzumachendes Versehen! Und doch geschieht das öfter als man denkt, und schließlich darf man sich darüber nicht einmal so sehr wundern, wenn man in Erwägung zieht, daß so ein Brautpaar über nicht viel Anderes sich unterhält, als über seine Liebe, und in seiner himmelstürmenden Seligkeit Alles bei Seite setzt, was die Prosa des Daseins streift. Was weiß sie von den kleinen Gewohnheiten und Liebhabereien, die ihm die Jahre und sein Beruf anerzogen haben?! Wie wenig ist er, trotzdem er in die geheimsten Falten ihres Herzens zu schauen glaubt, vertraut mit den Neigungen, die sich bei ihr herausgebildet haben, ehe er in den Kreis ihres Daseins trat?!

Noch höre ich meine jüngere Schwester Thekla, wie sie sich in den drei Jahren ihres Brautstandes um die Weih­nachtszeit immer an mich mit der Frage wandte:Was, um Himmelswillen, gebe ich nur Karl?! Was kann man einem jungen Juristen schenken, der nicht raucht, an Firlefanzereien, wie die jeunesee doree sie liebt, kein Gefallen findet, zum Lesen von Romanen und zum Concert- und Theaterbesuch keine Zeit hat wegen der bevorstehenden Staatsprüfung, wo­mit kann man denn einen solchen Menschen zu Weihnachten erfreuen?" (Schluß folgt.)

Rechte B 'n ch s e i t e.

Ausgabe

Ackerbau

76

50

50

Viehhaltung

20

20

75

75

22

15

25

50

Privatkasse

50

50

50

3) Man kann, ohne Mühe und Umstände im geringsten

Allgemeine Wirth schafts- kosten

45

22

zu vermehren, so viele Abtheilungen machen wie man will - besser gesagt: wie man braucht, was bei jeder anderen Einrichtung die Schwierigkeiten sehr vermehren würde.

Gerade das letztere halten wir für einen Hauptvorzug dieser Art der Anschreibung. Mancher wird zwar sagen: es sind das schon Abtheilungen genug!" Gut, wem es genügt, der führt eben sein Buch vor der Hand nur in diesen vier Geldspalten. Doch folgen wir der practischen Erfahrung, so zeigt sich, daß der Landwirth, welcher erst einmal ange­fangen hat, seine Ausgaben in dieser Weise getrennt anzu­schreiben, stets solchermaßen in das Interesse gezogen und angeregt wird, daß er ganz von selbst bald das Bedürfniß fühlt, noch weitere Trennungen vorzunehmen. Da es ja gar keine besondere Arbeit macht, sondern nur daraus ankommt, die betreffende Zahl an die rechte Stelle zu schreiben, wird er sehr bald wünschen, zu beliebiger Zeit schnell übersehen zu können, wieviel von dem ausgegebenen Gelde fürs Rindvieh, wieviel für die Schweine, wie viel für die Gebäudeunter­haltung, für Geräthe u. s. w. hingegangen ist- ebenso bei der Einnahme. Kurz, je mehr Fragen ihm das anfgeschlagene Buch beantwortet, desto mehr wird er wissen wollen - wo er sich aber sonst die Antwort nur äußerst mühsam oder gar nicht zusammensuchen konnte, hat er sie hier in klaren Zahlen vorliegen, sobald er nur die Ziffern der betreffenden Spalte summirt.

Darum ist denn auch das Geldbuch in der Buchführung für den kleineren Landwirth sogleich mit einer größeren Zahl von Geldspalten eingerichtet worden. Tabellen, den bäuer­lichen Verhältnissen angepaßt, fest gebunden, find zum Preise von 2 Mk. bei Herrn Buchhändler Cellarius in Alsfeld zu haben. Es steht dabei jedem Landwirth frei, so viele Spalten, wie er eben nach seiner Wirthschaft für practisch hält, in Benutzung zu nehmen. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß, wer beim ersten Versuch dieser Anschreibung es für ein­facher hielt, z. B. für die gesammte Viehhaltung nur eine einzige Spalte zu benutzen, in der Regel schon im nächsten Jahre davon nicht mehr befriedigt war und für jede Vieh­gattung eine Spalte nahm. Ein so geführtes Buch liest sich, wenn man es an langen Winterabenden aufschlägt, wie die interessanteste Geschichte und führt nebenbei auf manche gute Idee.

Wenn auch das Geldbuch den Haupt- und wichtigsten Theil einer einfachen Buchführung bildet, so gibt es doch

noch mancherlei Dinge in der Wirthschast, in welchen über­sichtlich geordnete Anschreibungen ebenso lehrreich und nützlich sind. Besonders die Vermögensaufnahme und die Rein ertragsberechnung bringen dem Landwirth Klarheit über seinen Vermögensstand. Es ist deshalb auch eine Tabelle für diese Aufstellung, die jeder Landwirth bei einiger Mühe leicht aus­füllen kann, beigegeben.

Mögen diese Zeilen dazu beitragen, Verständniß und Lust und Liebe zu einer wahrhaft einfachen und dabei lehr­reichen Buchführung immer mehr in das Leben einzuführen zu Nutz und Freude Vieler. Oberh. Landw.

Ueber die Deutsche Reichssechtschule und deren Stif­tungstag schreibt das Berliner Tageblatt vom 16. Oetober 18*9 Nr. 525 u. A.:

Eine unserer volkstümlichsten Wohlthätigkeitseinrich- tungen, dieDeutsche Reichsfechtschule", beging am 13. Oetober ihr zehnjähriges Jubiläum. Am 13. Oetober 1879 war es, daß der Begründer und Leiter dieser Vereinigung, Ver- sicherungsdireetor H. Nadermann, einen Aufruf an mild­herzige Menschen ergehen ließ,sich zum Zwecke der Waisen­pflege in Reichswaisenhäusern in den Dienst freiwilliger Wohl- thätigkeit unter Förderung des Dereinslebens und leichter Besteuerung des Vergnügens zu stellen". Der Aufruf zündete und die Fechtschule hat sich als werthvolle Ergänzung der communalen, oft nur mit sehr dürftigen Mitteln geübten Waisenpflege bewährt. Ein Rückblick auf die Entwickelung der Reichsfechtschule führt zu folgenden Ergebnissen:

Dererfochtene" und aus Vereins-, Eigenschafts­und Wahrzeichen re. .gelöste Ueberschuß beträgt 877 610 Mk., wovon für die Waisenhäuser 626453 Mk. verausgabt und noch ein Kapitalbestand von 251 157 Mk. vorhanden ist.

Daß dieReichsfechtschule" und ihre eigenartige Organi­sation auch im Auslande die gebührende Beachtung findet, zeigte der Besuch, den kürzlich der Kaiserl. russische Collegien- rath Dr. Boris Chapiroff aus Petersburg als Delegirter der russischen menschenliebenden 'Gesellschaft, dem Direetor Nader­mann und dem von der Fechtschule begründeten Waisenhaus Magdeburg abstattete. Er nahm von den Einrichtungen ein­gehend Kenntniß und sprach die Absicht aus, auch für Ruß­land ein ähnliches Institut zu errichten. Ob der Grund­gedanke freiwilliger Wohlthätigkeit sich auf russischem Boden anpflanzen lassen wird, ist zweifelhaft. In Deutschland hat dieser Gedanke längst Wurzel geschlagen und darum dürfen wir hoffen, daß dieReichsfechtschule" ihre wahrhaft menschen­freundliche, duldsame und sittlich belebende Wirksamkeit auch ferner segensreich entfalten wird.

Fügen wir dem noch hinzu, daß dieDeutsche Rcichs- fechtschule" bereits drei Waisenhäuser, das eine in Lahr in Baden, das zweite in Magdeburg in Preußen, das dritte in Schwabach in Bayern, errichtete, in denen bereits 170 Kinder Pflege und Erziehung finden, es sich also nicht hier mehr um ein Zukunstsprojeet, sondern um bereits ins Leben getretene Institute handelt, so dürfen wir hoffen, daß der Verein auch ferner unter den Deutschen im In- und Auslande fräftigfte Unterstützung findet.

Im Uebrigen verweisen wir aus das Inserat.

Schrffrnachrichten.

Antwerpen. In diesen Tagen ist hier der neue Dampfer Friesland von der Red Star Line angekommen. Wie bei allen neuern Dampfern im nordtransailanttschen Verkehr sind die Einrichtungen des Schiffes geradezu luxuriös. Darüber viel zu schreiben, erscheint daher auch überflüssig. Was mir eher interessant scheint, das sind die Auswanderer-Einrichtungen. Während auf den modernen Schiffen die Kajüten - Einrichtungen außerordentliche Fortschritte machten, will es scheinen, als ob die Verbesserungen im Zwischendeck für Auswanderer damit nicht gleichen Schritt gehalten haben. Um so anerkennenswerther ist es, daß die Red Star Line eine Ausnahme von dieser Regel macht, und wie auf allen ihren Schiffen, so insbe­sondere auch auf dem neuesten Friesland, im obern Deck Platz für etwa 600 Auswanderer gelassen hat, trotzdem die für 300 Personen berechneten Kajüten-Einrichtungen, was Comfort und Raum angeht, keinem Dampfer nachstehen dürften. Das Problem, allen Klassen in gleichem Grade gerecht zu werden, scheint auf diesem Dampfer gelöst, und daß die Line nicht zu kurz dabet kommt, dürfte daraus heroorgehen, daß sie dieses System auf allen ihren Schiffen beachtet. Auch die Einrichtung des Zwischendecks auf der Friesland, welche ich auch ähnlich auf der Westernland, Noordland und andern Schiffen der Red Star Line gefunden habe, scheint mir praktisch und den­jenigen Anforderungen entsprechend, welche noch kürzlich von der Bochumer Katholtken-Versammlung sormultrt wurden. Die Ein­richtung der Friesland sei hier kurz beschrieben. Die oben erwähnten etwa 600 Plätze befinden sich auf dem obern Deck, vorn und hinten die Kajüten-Passagtere logtren inier Mitte und in den Deckhäusern und vertheilen sich auf fünf wasserdichte Abtheilungen, jede mit separatem Emgang; jede Abtheilung ist wiederum in Zimmern von 12 bis 24 Betten eingerichtet, der Schistesseite entlang, so daß die Mitte frei bleibt für Bänke und Tische. Diese Einrichtung ermöglicht die Durchführung einer fidelen Trennung der Geschlechter, und gibt dem Passagier auch bet schlechtem Wetter und zum Einnehmen der Mahlzeiten den nöthtgen Raum. Es würde sicher Rümand tadeln, wenn auf den neuen Schüfen der übertriebene Luxus für Kajüten- Passagiere etwas beschnitten würde und dagegen für die Auswanderer etwas mehr geschähe. Die Eigenthümer und Erbauer der Friesland scheinen mir bleie Frage in sehr glücklicher Weise gelöst zu haben. (Kölnische Volkszeitung, 15. December 1889.)

Milde, wohlschmeckend und seit zehn Jahren bewährt ist der

Holländ. Tabak von B. Becker in Seesen a. Harz, 10 Psd.

*o. 8 JL 7265

Verkehr, Land- und Volkrwirthschaft.

Im Jahre 1890 finden in Gießen die Krämer- «nd ViehmLrkte wie folgt statt:

Kram- und Viehmärkte: 18. und 19. März,

1. und 2., 22. und 23. Avril,

13. und 14. Mai,

23. und 24. Juni,

22. und 23 Juli

c. und 6. August,

2. und 3. (September,

21. und 22. October,

18. und 19. November,

9. und 10. December.

Viehmärkte:

14. und 15. Januar,

4. und 5., 18. und 19. Februar,

4. und 5. März,

8. und 9. Juli,

19. August,

23. September.