Nr. 245 Zweites Blatt. Sonntag den 20. October 1889
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Dnrearrr S^ulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.
vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit B'ringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeil.
v. Ga gern.
Er wird hiermit zur Kenntmß der Interessenten gebracht, daß
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2? terrnn^°r.ß„anbr beE Straßenbahn-Berufsg-noffenschaft zu Cha'rlottenburg dem Herrn Behringer zu Bockenheim, Director der frankfurter der frankfurt-Offenba^« den Bezirk des Großherzogthums Hessen und den Herrn Prins zu Oberrad^ Director
oer Frankfurt Offenbacher Trambahngesellfchast, zu dessen Stellvertreter ernannt hat.
en en, am 15. October 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Betreffend: Wie oben. Gießen, am 15. Dc.oberW------
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
°" ®nXbTflI<?e* *Ol<ä±mt ®ie6,n die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises, die Benachl^chtig^n^üb^erEie^Einleümibg^eimr^nt^su^u^a^Uberb^e^e^Mil^l d^^ ®tunfb §?4 Unf°ll°°rflcherung-gesetzes vom 6.JM 1884 Vertrauensmann, bezw. dessen ©tellS 6 b ber Mitgliedern der genannten Berufsgenossenschaft emgetretenen Unfälle an den genannten
lokale-.
A(>rr Stober. sSttzung der Stadtverordneten vom 17. Octbr.j Anwesend •
Ä 25 ter ^auth, Herr Beigeordneter Keller, Seitens der Stadtverordneten die Herren Georgt, Grüneberg, Dr. Gutfleisch Haustein food) Merger, Jughardt, Petri, Dr. Koch, Wei,
Stadtoerorbneten-Versammlung ist von der Gießener freiw. Feuerwehr eine S^ußüdu-U/8a"^n- ~"®«‘hat"tn- Einladung^'!
5a t * ° 1 ter <" Rittergasse übernommen. Das dieserhalb etnaereiwle Gesuch um l^rthellurig der Concession soll befürwortet werden. — Ebenso sollen befürwortet werden die Gesuche von Gustav Sonntag (Seeger'scher LabeninbenÄn /?U0’r?°11 n* (’ruocr Seibel'scher Laden an der Bahnhofstraße) um Er- lyetlung der Concession zum Verkauf von Branntwein über die Straße. 93dDe (Sefudi; Br^nntt^an "undung i^rer Gesuche geltend, daß ein Verbot des Verkaufs von Branntwein sie in Ausübung ihrer Specereigeschäfte gegenüber anderen Gesck>ättü-
^ädtge, da die Kundschaft ihren Bedarf an Waa?en da beziehe woselbst sie f^?b^rfntsse, d. h. auch den Bedarf au Branntwein für häusliche Zwecke decken foniK. Da die Versammlung in Befürwortung früherer derartiger Gesuche von Specereihandlern von demselben Gesichtspunkte ausgegangen, so erfolgte auch hier die ?rÄrtUn0< "7 ?5ni0e Rechnungen über ausgeführte SauarbeK
^wie über angefertigte Meßbriefe bet Erwerb von Straßengelände erdalten die vorgeschriebene Anweisung. - Herrn PH. Klotz wurde bet der vachtwetsen Ueber
hLr (SnfCmH-h0C? ’^en H°^althe am Ltndenplatz die Bedingung
gestellt, die Hofraithe in baulichem Zustande tu erdalten hnt fi<+i Mn+. ■>» 0
non «Q?to^a9eti 6"°n §8efteat'o Pä»'-r w°HN,.n-rlich^E?nrtchlung°m wie Änlag? snnttErschlagen, Aufstellen von Oefen u. s. w. im Interesse seiner Astermteiher getroffen lvnst aber zur Erhaltung der Hofraithe, wie Instandhaltung der Dächer^ ^Gaiten- !Conn * 1 m* öethan, diese Herstellungen vielmehr mit einem Aufwande von über 200 Jt von «Leiten der Stadt ausgeführt wurden. Herr Klotz batte s 2 nn
H } ba§ ®^ud)en öertchtet, ihm die aufgewendeten 136 ^zurückzuersmtten ober zu genehmigen, daß er die gemachten Einrichtungen als sein Etaentdum könne. Diese Forderung hatte die Baudeputation anerkannt in der Voraussetzung, daß Gesuchsteller sich zum Ersatz der Kosten für die von der totabt veranlaßten Herstellungsarbeiten verstehe, bie Stadtverordneten- DerlQmnilung halte sich für Bezeichnung ber gegenseitigen ftorberungenal8 au8aeand£i Et' Da an den Verhältnissen der gegenseitigen A..sp?üche sich seither ntch ^ e^n dert, so wird Beharren auf dem früheren Beschlüsse beschlossen. - Dem vor äb?ia^ Gesuche des Gießener Eisoereins um unentgeltliche Uederlassung der Wiesen bnn ?!d)Cn ^ccks Herrichtung einer Eisbahn wurde z. Z. aus dem Grunde nicht entsprochen, weil vom Etsoeretn die vom Stadtvorstand gestellte Bedinauna den Zutritt zur Eisbahn an schulfreien Nachmittagen den Schülern der Stadtschulen'frei- zugeben, nicht angenommen worden; es wurde jedoch beschlossen die jährliche Dacht von 200 auf 100 herabzusetzen. In einer neuerliche Etngabe des E^ sucht 2^0 Tageskarten^ur Bsügung^zu^E, "bk 'attDebkfI©^^ÜIe?lr'
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M 8.50 pro Quadralmelec verkauft werden. - Die Genehmigung des Gesuches des
Herrn Jo h. G g. Pfaff um Erlaubntß zum Bauen an der Rodheimer- und Schützenstraße macht die Festsetzung der Baufluchtlmte für die Nodhetmerstraße nöthtg. Die vom Stadtbaumeister vorgeschlagene Fluchtlinie, nach welcher außer der Fahrstraße und "r0! Fußsteige 4,50 Meter breite Vorgärten vorgesehen sind, wird angenommen. — Das Gesuch des Herrn H. Schön um Erlaubntß zum Bauen eines Gartenhauses am hinteren Abhang des Nahrungsberges wird auf Grund des § 5 des Ortsoaustatuts, nach welchem außerhalb der durch den Stadtbauplan festgestellten Bauquartiere in der Regel keine Bauerlaubniß ertheilt wird, beanstandet.
™ -r $?!?! bereits genehmigten Gesuche des Herrn W. Seuling um Erlaubntß zur Wasierabsuhrung in der Gartenstraße hat Gesuchsteller den Vorschlag angefügt, die Gartenstraße in der Nähe von Steins Garten und dem Hause des Gesuchstellers entsprechend abzuheben, um einen gefahrloseren und bequemeren Fuhrwerksverkehr dortselbst zu ermöglichen. Es wird beschlossen, von einer Aenderung im Sinne des Gesuchstellers vorerst abzusehen, da, abgesehen von sonstigen Schwierigkeiten, die in der erwähnten Erhöhung liegenden Gas- und Wasserlettungsröhren verlegt werden müßten. — Wirtb Ehr. Haubach hat zur Erleichterung des Verkehrs mit dem den Schweinemarkt besuchenden Publikum einen Steg über den Lohmühlbach gelegt. Da nach polizeilicher- setts erfolgter Anzeige dieser Steg auch dazu benutzt werde, Vieh über denselben zu schassen, wodurch letzteres der Standgeld-Controle entzogen werden könne, so soll Herrn Hauvach bie Entfernung bes Steges aufgegeben werben. — Von den 27 Volksschul- 'lassen sind 17 mit definitiv angestellten Lehrern und 10 mit Schulverwaltern besetzt von welch letzteren drei seit dem Schuljahre 1883/84 oikariren. Es sollen deshalb auf Antrag der Schuldeputation zwei neuere Stellen mit definitiv angestellten Lehrern besetzt und diese Stellen, für welche ein Anfangsgehalt von 1200 nebst entsprechendem Wohnungsgeldzuschuß angesetzt ist, ausgeschrieben werden. Wie Herr Bürgermeister Gnauth bemerkt, würde es dem Confessionsverhältniß der hiesigen Einwobnerschast entsprechen und eine Erleichterung im Ertheilen des katholischen Religionsunterrichts herbeiführen, wenn eine dieser Lehrerftellen mit einem katholischen Lehrer besetzt würde. Die Versammlung ist mit dem Anträge einverstanden.
Die Kunst des Arbeitens.
Es gibt viele brotlose und sogar schädliche Künste. Die einträglichste und wichtigste aller Künste ist die Kunst des Arbeitens, mit deren Erlernung auch bie Lust zur Arbeit von selbst kommt. Eine de^höchsten Aufgaben ber Volkserziehung ist die Verbreitung der Einsicht und Erfahrung, daß zweckmäßige Arbeit zur Selbsterhaltung, zur Kräftigung ber körperlichen und geistigen Gesunbheit und überhaupt zum Glücke aller Menschen nothwendig ist. Sodann müssen wir die dem Menschen angeborene Trägheit dadurch überwinden, daß wir uns aus Pflichtgefühl an Arbeitsamkeit gewöhnen. Keine menschliche Tugend ist ein gesicherter Besitz, so lange sie nicht zur Gewohnheit geworden ist. Man kann sich aber ebenso gut an die Arbeit, die Mäßigkeit, die Sparsamkeit, die Wahrhaftigkeit, die Freigebigkeit gewöhnen wie an die Faulheit, die Genußsucht, die Verschwendung oder den Geiz. Wer aus Gewohnheit arbeitet, dem wird ein arbeitsames Leden schließlich zum Bedürfniß. Der Weg zur gewohnheitsmäßigen Arbeitsamkeit kann durch verschiedene kleine Kunstgriffe geebnet werden:
1. Das allererste ist anfangen können. Der Entschluß, eine Arbeit auszuführen, seinen Geist und seine Kraft auf eine Sache zu richten, ist im Grunde das allerschwerste. „Hat man erst einmal die Feder oder die Hacke in ber Hanb unb ben ersten Strich ober Schlag gethan, so ist bie Sache schon um Vieles leichter geworben- Es gibt aber Leute, benen immer noch etwas zum Anfängen fehlt unb bie vor lauter Vorbereitungen, hinter benen sich ihre Trägheit verbirgt, nie dazu kommen, bevor sie müssen." — Andere warten auf eine besondere Stimmung und Begeisterung, die aber niemals leichter als eben bei unb während der Arbeit kommt. Ja, es ist eine ErfahrungSlhatsache, daß während der Arbeit dieselbe immer etwas anders wird, als man sie sich zum Äoraus dachte, und daß man in feiner Ruhezeit so viel fruchtbare Ideen hat als eben während des Arbeitens selber. Da kommt es also darauf an, nichts zu verschieben, auch nicht leicht irgend eine körperliche ober geistige Ermattung bei sich als Vorwanb gelten zu lassen, sonbern täglich eine bestimmte wohlabgemessene Zeit ber Arbeit zu widmen. Ferner baif man seine Zeit und Arbeitslust nicht mit ber Eintheilung unb Einleitung verlieren. Fange überhaupt mit bem an, was Dir am leichtesten ist, nur fange an. Der Umweg, ber in ber Anorbnung der Arbeit dadurch verursacht werden kann, daß man nicht ganz systematisch arbeitet, wirb reichlich ersetzt burck ben Zeitgewinn. Hierzu kommt noch zweierlei. Das eine heißt; „Sorge nicht für ben morgigen Tag, ein jeber Tag hat genug seiner eigenen Plage. Die Phantasie des Menschen hat ein viel ausgedehnteres Wirkungsgebiet als seine Kraft. Sie stellt ihm die ganze Arbeit, die er vorhat, als ein zu Leistendes auf einmal vor Augen, während seine Kraft sie bloß nach und nach bewältigen kann und sich immer wieder zu diesem Zwecke völlig erneuern muß." DaS andere heißt: „Man soll, namentlich


