ZZeiluge zu Jlr. 93 des „Achmer Anzeiger",
Ostern in der Politik.
Ostern, das größte Fest der Christenheit, welches den unerschütterlichen Grund- und Eckstein der christlichen Religion darstellt, hat an sich mit der Politik gar nichts zu thun, trotzdem glauben wir von einem Ostern in der Politik sprechen zu können. Ostern bedeutet den Triumph über Finsterniß und Tod und die Wiedererweckung zu einem neuen, besseren Leben, und in der politischen Welt, wo so manches Jahr dunkele Mächte zu trtumphtren schienen, wo von gewissen Parteien aus Gründen des Ehrgeizes, des Hasses und der erbärmlichen Eifersucht ein Weltkrieg entfacht werden sollte, ist zweifellos auch österliches Leben erwacht, Vertrauen und Friedenszuversicht im verstärkten Maße zurückgekehrt und der Bann der bösen Befürchtungen, die alles gesunde Cultur- leben zu tödten drohten, gewichen. Wir können hier keine große Untersuchung anstellen, wie diese glückliche Wendung in der politischen Welt entstanden ist, wir haben es aber auch nicht nöthig, denn wir wissen ja Alle, daß die unerschütterliche Friedenspolitik des deutschen Reiches und die Treue seiner hohen Verbündeten den bösen Bann, in welchem sich seit dem Jahre 1885 Europa befand, gelöst und Ruhe und Vertrauen in der großen Politik wieder befestigt hat. Wir wissen aber auch ferner, daß der gute Wille der Frtedensmächte nicht allein den Frieden erhalten hat, sondern daß dazu auch die Macht gehörte, die sich etwa hervorwagenden frivolen Frtedensbrecher gebührend mit dem Schwerte zu strafen- Doch auch im Bewußtsein einer großen Macht freuen wir uns trotzdem vor Allem darüber, daß das Schwert nicht gebraucht wurde, um den Frieden zu schirmen. Haben wir nun auch in dieser Hinsicht der erleuchteten Politik unseres Kaisers und seiner hohen Verbündeten, sowie zumal auch der altbewährten diplomatischen Kunst des Reichskanzlers Fürsten Bismarck viel zu verdanken, so glauben wir auch darauf aufmerksam machen zu muffen, daß trotz mancher schlimmen Befürchtung die friedlichen Anschauungen bei allen Culturvölkern doch im Wachsen begriffen sind und daß darin in den meisten Ländern eine gewisse Uebereinstimmung besteht, daß Christen- thum und Cultur sich decken, daß aber beide edele Begriffe jede kriegerische Neigung aus Eroberungslust ausschlteßen. Deshalb glauben wir eben auch von einem Ostern in der Politck sprechen zu können, denn durch den veredelnden Einfluß des Christen- thums ist es dahin gekommen, daß heutzutage die Völker friedlicher gesinnt sind, als in früheren Zeiten, und daß zumal die Fürsten und Staatsmänner mit höchstem Pflichtgefühle über die Erhaltung des Friedens wachen. Von einem ewigen Frieden tann in dieser Welt der Jrrthümer und Prüfungen natürlich nie die Rede sein, und wir wissen ja auch, daß Staaten nur von solchen Völkern fest gegründet und erhalten werden können, die Gut und Blut für ihre nationale Ehre, wenn es sein muß, auch einsetzen; auch kann es keinem Zweifel unterliegen, daß nur durch Kämpfe und Mühen neue Fortschritte für die Culturmenschheit erreicht werden können. Immerhin wollen wir uns aber der friedlichen Periode, die neues Leben in der Culturwelt erweckt, von Herzen freuen, und sie wahrnehmen als eine Zeit fröhlichen Schaffens und Gedeihens, damit das Dichterwort wahr werde:
„Nur wer sich recht des Lebens freut, ____________Trägt leichter, was es Schlimmes beut!" —
Vermischte-.
Biedenkopf. Herr Hüttenbesitzer Ehr. Klein zu Karlshütte ist vor einigen Tagen eines plötzlichen Todes gestorben. Derselbe war bei einem Kaufmann dahier anwesend und wollte sich eben auf der Treppe verabschieden, als er plötzlich wankte und die Treppe hinabstürzte. Bewußtlos lebte er noch fünf Tage und am Montag erfolgte der Tod. Man nimmt an, daß ihn auf der Treppe ein plötzlicher Herzschlag betroffen. Herr Klein war Mitglied des Kreistages, und dieser, wie auch das Hüttenwerk, dessen eigentlicher Leiter der Verblichene war, erleiden einen schweren Verlust. Besonders zu bedauern ist aber die in letzter Zeit so schwer heimgesuchte Familie, aus deren Mitte der Verblichene so schnell abgefordert wurde.
Mainz, 17. April, lieber die Gesammtprosperität der Hessischen Ludwigsbahn geben nachstehende Angaben aus dem der Generalversammlung erstatteten Vortrag des Verwaltungsrathes Aufschluß. „Auch im verflossenen Jahre haben die Ergebnisse unserer Bahnen sich in aufftetgenoer Linie bewegt, obwohl der vollen Entfaltung ihrer Ertragskraft nach wie vor die in früheren Vorträgen erörterten Verhältnisse entgegen: stehen. Die Betriebseinnahmen sind im Personenverkehr um JL 270000, im Güterverkehr um 748000, einschließlich der übrigen Erträge im Ganzen um JL 1116000 gewachsen und belaufen sich mit dem Uebertrag aus dem Vorjahre auf JL 18105675. Bemerkenswerth ist, daß jeder Monatsabschlutz Mehrerträge brachte, am meisten derjenige vom Februar und Mai mit je JL 139000. Die Mehreinnahme im Personenverkehr ist weniger durch die gleichzeitig vorgenommene Vermehrung der Züge, als durch allgemeine Verhältnisse hervorgerusen. Wir haben schon in unserem letzten Vortrag erwähnt, wie unsere Bahn hinsichtlich der gebotenen Fahrgelegenheiten eine besondere Stellung einnimmt. Das Verkehrsbedürfntß einer Babn wird am sichersten an der Zahl der durchfahrenen sog. Personenkllometer erkannt, beim diese stellen als Summe der von allen Reisenden zurückgelegten Wegktlometer ein Bild der Verkehrsdichtigkeit des Bahngebietes bar. Die Zahl der von den Personenzügen durchlaufenen Wegkilometer hiermit verglichen ergiebt alsdann das Verhältnitz dieser Züge zu dem Bedürsniß. Nach der Statistik des Reichs-Eisenbahnamtes übersteigt das nach diesem Maßstab ermittelte Verhältniß unserer Bahn dasjenige sämrntlicher deutscher Staatsbahnen um 38,5 pEt., der preußischen Staatsbahnen um 46,7 pCt. und der Neckarbahn sogar um60,6pCt., d. h. wir fahren dementsprechend mehr Personenzüge. Wenn wir gleichwohl letztere auch jetzt noch alljährlich vermehren, so geschieht dies,, um einigermaßen berechtigten Wünschen entgegen zu kommen, zugleich aber auch in der Erwartung entsprechender Mehreinnahmen. In der That ist die in den letzten 5 Jahren um 10,7 pEt. gestiegene Zahl der geleisteten PersonenzugkUometer von einem ganz gleichen Prozentsatz Mehreinnahme begleitet gewesen.
— Die heutige Generalversammlung der Hessischen Ludwigsbahn genehmigte nach Anhörung des Vortrags des Verwaltungsrathes und nach Ertheilung der Decharge einstimmig die Vertheilung des Reingewinnes nach folgenden Vorschlägen der Verwaltung: 1) JL 5 035 500 zur Vertheilung einer Dividende von 4Va pCt., 2) JL 700 000 zur Dotation des Erneuerungsfonds der nicht garantlrten Linien, 3) <AL 180 451 zu Tantiemen an den Verwaltungsrath und an die Angestellten, 4) JL 100 000 als Beitrag zu der Pensionskasse der Angestellten, 5) JL 291611 als Uebertrag für neue Rechnung. Ferner nahm die Generalversammlung den wiederaufgenommenen Antrag eines Aktionärs aus Kösen an, die Hessische Regierung mit Rücksicht aus die veränderten Zeitoerhältnisse, nochmals um die Koncession zur Konvertirung der Prioritätenschuld zu ersuchen, an. Die durch Anciennetät aus dem Verwaltungsrath auSschctdenden Mitglieder Schmidt-Pölex-Frankfurt, F. Heinecken-Franksurt und Bank- direklor Heddrich-Darmstadt wurden wieder- und die Herren Kommerzienrath LouiS Lautern-Hattenheim und Preetorius-Mainz neu zu Verwaltungsrathsmitgliedern gewählt.
Frankfurt, 14. April. Die „Nachrichten" erzählen: „Am 28. August 1888 wurde ein Pferd mit dem Vorbehalt, daß es „zugfest" sei, gekauft und mit 200 JL bezahlt. Es stellte sich aber bald heraus, daß es nichts weniger als „zugfest" war. Es kam nun zum Proceß, in welchem Zeugen und Sachverständige vernommen wurden. Nachdem bas Thier 7^2 Monat gefüttert worben, kam es zur Versteigerung, wobei 100 JL gelöst wurden. Drei Tage später verendete der Proceßgaul. Die Futterkosten betrugen an 600 JL, die Kosten für die Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen ca. 200 je und ungefähr ebenso viel die Gerichts- und Anwaltskosten."
München, 17. April. Die „Allg.Ztg." meldet aus Stuttgart die Vereinigung der Verlagsgeschäfte von Gebr. Kröner und W. Spemann zu einer Actiengesellschaft mit einem Actienkapital von fünf Millionen Mark, womit auch die Betheiligung bei anderen Verlags^eschäften verbunden ist. Nach der Vereinbarung verbleibt der Actien- besitz für lange Zeit in festen Händen. Selbstständig verbleiben die Colta'sche Buchhandlung, die „Allgem. Ztg." in München, Spemann in Berlin und Keil in Leipzig, jedoch ist ein Vertragsabfchluß über deren finanzielle Gemeinschaft bald nach der Con- ftituirung der Actiengesellschaft vorgesehen. Der Centralvorstand der neuen Actiengesellschaft ist Commercienrath Kröner.
— [(5lne Unschuld vom Lande.] Unter dieser Spitzmarke weiß der „Franks- Gen.-Anz." seinen Lesern folgendes zu erzählen: Ein braves Bauernmädel aus der Gegend von Gießen hatte gestern unsere Stabt besucht unb gebuchte sich am Abenb wieber mit bem Dampfroß nach ber Heimath befördern zu lassen. Aber o weh! bas Mäbel hatte ben Weg vergessen und in dem Stiaßenlabyrinth mit seinem hastenden Getriebe ward es der Kleinen angst unb bange. Fragen wollte sie Niemanb von ben vielen Menschen, bie alle so theilnahmlos an ihr öorübereilten und so irrte sie durch die Straßen weiter, hoffend, doch noch durch Zufall an ihr Ziel zu gelangen. Und richtig! Ein Seufzer ber Erleichterung entstieg der Brust des Mädchens, endlich war sie da angekommen, wo sie, ihrer Meinung nach, das Dampfroß abgesetzt hatte. Derselbe stolze Bau, dasselbe Eilen und Drängen nach dem Eingang, hier mußte sie am Ziele sein. Beherzt trat unsere Heldin in die weite Eingangshalle. Sie sah, wie die Meute nach der Kasse strömten und Billete erhielten; kein Zweifel mehr, sie war am richtigen Ort. Nun kommt auch sie an die Reihe und sie fordert ein Billet nach Gießen. Der Billeteur glaubt nicht recht verstanden zu haben, die Umstehenden, welche das Wort gehört, sehen die Kleine lächelnd an. Was ist denn da so sonderbar? Das Mädchen wiederholt nochmals seine Bitte nach einem Billet nach Gießen; da aber antwortet eine wahre Lachsalve. „Wissen Sie denn nicht, wo Sie sind?" fragt es der Billeteur freundlich, „Sie sind ja nicht auf dem Bahnbof, sondern im — Opernhaus! — Das Kind aus der Fremde steht sprachlos — Opernhaus? Das Wort hat sie noch nie gehört. „Das kann nicht sein", meint sie bann in unverfälschtem Gießener Deutsch, „ba oben steht boch ber Gaul unb ber Wagen." Erst längere Auseinanbersetzungen ber freundlichen Schalterbeamten klärten bie Kleine auf unb bantbar folgte sie bem ihr angegeben Wege nach dem Hauptbahnhof, von wo aus sie hoffentlich glücklich wieber nach Hause beförbert würbe.
— Der Monat April hat seines wankelmüthigen Wetters wegen eine reiche Anzahl von Wetter- und Bauernregeln, trifft die eine nicht ein, wird's vielleicht die andre sein. Ist der April schön und rein, wird der Mai desto wilder sein. — Heller Mondschein im April schabet ber Baumblüthe. — Sei ber April auch noch so gut, er schickt bem Schäfer Schnee auf ben Hut. — So lange bie Frösche quaken vor Markus- tag, so lange schweigen sie barnach. — Ein nasser April verspricht der Früchte viel. — Wenn sich ein Rabe am Georgi im Korn ober eine Krähe in dem Weizenfeld verbergen kann, so folgt ein gutes Getreidejahr. — Was ber April nicht mag, bas steckt der Mai in'n Sack. — Je zeitiger im April bie Schlehe blüht, um so früher um Jakobi bie Ernte glüht. — Wenn am Oeorgentage bie Roggensaat grünt, ißt man zu Jakobi frisches Brob. — Wenn ber April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu unb Korn. — Charfreitag- und Osterregen soll einen trockenen Sommer geben. — Herrengunst, Aprilenwetter, Frauenlieb' und Rosenblätter, Würfel- unb auch Kartenspiel wenben sich oft, wer's glauben will. — Der März am Schwanz, ber April ganz, ber Mai neu, halten selten treu. — Aprilflöcklein bringen Maienglöcklein. — Warmer Aprilregen, großer Segen. — Der Eggenstaub unb Winterfrost macht bie Bauern wohlgetrost. — St. Georg unb St. Marcs brohen viel Args. — Aprilschnee büngt, Märzenschnee frißt. — Wenn's in ber Markusnacht nicht friert, wirb bas Sommerkorn vor ben Herbstfrösten reifen. — Vom Regen im April zeugt ber Mai seine Blumen. — Baid trüb unb rauh, bald bicht unb milb, ist er bes Menschenlebens Bild.
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