Schloß Loo, 16. Januar. Das Befinden des König» war während deS ganze« Taget verhälmitzmäßig günstig; er brachte längere Zett außerhalb des Bettes zu.
Lov-o«, 16^ Januar. Das Bureau Reuter erhielt den Text eines Briefes Stanleys an den Scheik Ben Mohamed. In dem Briefe, welcher aus Boma of Banalya d.n 17. August datirt ist, zeigt Stanley seine Ankunft daselbst mit 200 Leuten Emins an.
— Eine ausführlichere Meldung über den letzten bekannt gewordenen Brief Stanley's besagt, der von Stanley am 17. August aus Boma of Banalya geschriebene Brief ist an Ttppu Ttpp gerichtet. Stanley thetlt darin mit, er habe Emin-Pascha vor 82 Tagen am Nyanza See verlasse». Auf dem ganzen Wege habe er nur drei Leute verlohn und schließlich den Weißen, welchen er suchte, gefunden. Emin befände fich ganz u ohl; ebenso der italienische Reisende Casatt. Emin habe Elfenbein in Üeberflutz, uud) zahlreiches Vieh. Emins Freigebigkeit sei unübertrefflich. Er (Stanley) habe Emirs Soldaten ersucht, stch einige Monate zu gedulden, bis er (Stanley) zurückkäme und seinen anderen Leuten, welche er in Uambunga zurückgelassen, Waaren gebracht habe. Alsdann erkundigt sich Stanley nach Ttppu Tipp's Befinden und überläßt es demselben, ihn auf dem Marsch nach Aambunga, wohin er sich am 28. August begebe, zu begleiten oder nicht. Alle seine Weißen befänden sich wohl, er habe sie aber dennoch sämmtlick außer einem Diener zurückgelassen.
Nom, 16. Januar. In Palermo stürzte heute Nachmittag während des Begräbnisses des Marquis Torrearsa eine Tribüne ein. Es wurden 36 Personen mehr »der weniger verletzt.
MoSkav, 16. Januar. Auf die Neujahrswünsche Moskaus erhielt der Teneral- gouverneur Dolgoruckt ein Rescript des Kaisers, welches auf den 17. October bezugnehmend sagt: Gott wollte, daß in dem Entsetzen über den Untergang, der uns gedroht und in der Freude über die Errettung vor uns und der ganzen Welt diejenigen Gefühle unbegrenzter Liebe und Ergebenheit des Volkes offenbart würden, welche die Straft Rußlands bilden und den Zaren und das Volk zur Arbeit und zu Thaten begeistern. In das neue Jahr mit dem erneuten Glauben an das Walten der göttlichen Vorsehung über uns und unserem geliebten Vaterlande tretend, flehe ich zu Gott, er möge unsere Geschicke und Handlungen lenken zu seinem Ruhme und zum Wohle Rußlands.
Ganstbar, 15. Januar. Die katholische Missionsstation bei Pubu wurde am 13. Januar von Rebellen überfallen. Zwei Brüder und eine Schwester wurden ermordet, drei Brüder und eine Schwester gefangen genommen. Einem Bruder ist es gelungen, fich durch die Flucht zu retten.
Washington, 16. Januar. Präsident Cleveland übermittelte dem Congresse eine Botschaft über die Samoafrage. In derselben heißt es, Deutschland erkläre: weder wünsche noch beabsichtige es, die eingeborene samoanische Regierung zu stürzen oder die vertragsmäßigen Rechte der Vereinigten Staaten zu ignoriren. vielmehr lade es die Unionsregierung fortgesetzt ein, gemeinschaftlich den Frieden und die Ruhe auf den Inseln wieder herzustellcn. Der Präsident erklärt, Deutschlands Vorschläge darüber schienen indeß dazu angeth^n zu sein, ein Uebergewicht der deutschen Macht auf Samoa herbeizuführen, wie ein solches die Unionstaaken niemals beabsichtigt hätten. Ein solches sei mit den früheren Vereinbarungen und Verständigungen unvereinbar. Die jüngsten Ereignisse auf Samoa hätten den Argwohn rege gemacht, Deutschland begnüge sich nicht mebr mit einer neutralen Stellung. Der Präsident fügt hinzu, seine Ansichten in Betreff der wegen Samoa einzuschlagenden Politik seien in dem Schriftwechsel und den Dokumenten ausgedrückt, welche dem Congreß mitgetheilt worden seien behufs eingehender Erörterung seitens der Legislatur. Die erwähnten Dokumente sind bis jetzt noch nicht veröffentlicht worden.
Darmstadt, 17. Januar. Die Fürsten von Nsenburg-Büdingen und Lich, sowie hie Grafen von Laubach und Erbach sind zur Thetlnahme an der Hofjagd im Groß- Gerauer Park heute hier eingetroffen.
Lokales»
Gieße«, 17. Januar. Indem wir auf die betreffende Annonce in unserer heutigen Nummer verweisen, wollen wir nicht verfehlen, nochmals in empfehlender Weise auf den Kalligraphen Herrn O. Gottlieb, v Z. hier, aufmerksam zu machen. Eine schöne Handschrift ist, wie ein liebenswürdiges offenes Menschenantlitz, einer der besten Empfehlungsbriefe. Und Herr Gottlieb versteht die Kunst meisterlich, seine Schüler — ob alt ober jung — mit solchen „Empfehlungsbriefen" auszustatten. Spielend erlernt man bei ihm, was man mit Mühe in Jahren vergeblich zu erreichen versucht hat. Der wackere Meister in seinem Fache scheert eben nicht, so zu sagen, alle seine Schüler über einen Kamm, nein, er individualisirt — und darin mag ein Theil des großen Erfolges seines Unterrichts liegen! Lasse doch Niemand, der an einer schlechten Handschrift laborirt und seine hingekritzelten „Krähenfüße" gewiß schon tausend Mal verwünscht hat, die sich jetzt — und zwar nur noch auf kurze Zeit — darbietende Gelegenheit vorübergehen, um sich später nicht wiederum tausend Mal über sich selbst ärgern zu müssen.
Vermischtes.
Darmstadt, 16. Januar. In Ruhestand wurde versetzt am 12. Januar der Verwalter am Gefängnisse zu Darmstadt Heinrich Schneider auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste.
- △ Mainz, 16. Januar. In dem vergangene Woche vor der hiesigen Strafkammer gegen die Eheleute Wtttmann von hier verhandelten großen Hehlerei-Proceß wurde heute das Urthetl publicirt. Während der Ehemann Wtttmann freigesprochen wurde, erhielt feine Frau wegen gewerbsmäßiger Hehlerei ein Jahr Zuchthaus. Außerdem wurde gegen die Frau die Polizeiaufsicht verhängt.
— Um die Ausführung der Nebenbahnen nach verschiedenen Ortschaften um Mainz herum streiten fich jetzt zwei Gesellschaften. Das Consortium „Darmstädter Bank" und die Firma H. Bachstein in Berlin und die Mainzer Straßenbahnactien- gesellschaft. Ersterem Consortium stehen bei der Ausführung dadurch Hindernisse im Weg, daß letztere Gesellschaft in Folge ihrer Concession es in der Hand hat, das Ein- münven der Nebenbahnen in die Stadt zu verhindern. Verhandlungen um Beseitigung der Schwierigkeiten zwischen den beiderseitigen Gesellschaften haben keinen Erfolg gehabt und ist nunmehr die Straßenbahngesellschaft mit der Absicht heroorgetreten, die Reben- bahnen selbst zu bauen.
— Der Sparkassmrechner Zerban von Oppenheim hat das Geständniß abgelegt, das Geld, welches nachträglich durch seine Verwandten wieder in die Kasse gelegt worden ist, unterschlagen zu haben.
— Seitens der hiesigen Bürgermeisterei wird beabsichtigt, nach dem Vorbilde größerer Städte demnächst eine Polizekverordnung zur Vorlage zu bringen, durch welche hauptsächlich der Verkehr in den Straßen geregelt werden soll.
△ Aus Rheinhessen, 16. Januar. In Nackenheim ist heute ein lOjähriger Junge beim Schlittschuhlaufen im Rhein ertrunken.
— Bezüglich der Erbauung einer stehenden Rheinbrücke bei Worms hat das Ministerium in Darmstadt bei Handelskammer von Worms auf eine diesbezügliche Eingabe mitgetheilt, daß die Regierung die Brückenfrage einer eingehenden Prüfung unterziehen und nunmehr vollständige Pr ojecte über die verschiedenen Möglichkeiten der Anlage hat ausarbeiten lassen. Alle diese Arbeiten, deren endgültige Fertigstellung übrigens von der Vollendung des Stromprosils bet Worms abhängig sei, bekunden, daß die nothwendigm Verhandlungen mit der Ludwigsbahn in aller Kürze wieder ausgenommen werden könnten.
Aus Rheinhessen. Ein gukmüthiges Bäuerlein hielt in den letzten Tagen nächtlicherweile vor einem Wirthshause in einer Ortschaft, um sich etwas zu reftaurtren. Gr hgtte vergessen, die nöthige Laterne an den Wagen zu hängen. Da kam der Wächter der Nacht, der die zehnte Stunde ausrief, des Wegs daher, bemerkte die Unterlassungssünde unseres Bäuerleins und stellte ihn zur Rede. Der war aber keineswegs um eine Antwort verlegen und platzte im gutmüthigsten Tone heraus: „Mächt nix, der Gaul 16 io blind!"
Kassel, 13. Januar. Auf eine traurige Weise kam in vergangener Nacht auf dem hiesigen Central - Rangierbahnhos ein Eisenbahnunterbeamter um's Leben. Der Rangirer Schneider, ein junger, pflichtgetreuer Beamter, blieb beim Rangiren eines
Zuge», als er die Geleise überschritt, mit dem Absatz seines Stiefels an der Schiene i hangen, fiel auf die Schienen und wurde Überfahren. Beide Beine wurden ihm ab- l gefahren, auch erlitt er schwere Verletzungen am Kopfe, so daß er auf dem Transport nach Hause verstarb.
! ^m Nachlasse eines Berliner Schuldirectors liegt der
» „Deutschen Lehrerzeitung" eine Sammlung origineller sogenannter Entschuldigungs- zettel vor, von denen folgende besonders interessant sind' Ein Vater schreibt, er habe
I mit seinem Sohne die schöne Eisbahn nach Saatwinkel benutzen wollen und deßhalb seinen Jungen aus der Schule behalten. Während sich dieser also als ein sehr zärt- "Ar Vater erweist, ist ein anderer strenger, indem er schreibt: „Hier ist keine entfchuldiaung, er hat die Schule durch Loderei verseimt", und eine Mutter geht sogar so wett, daß sie den Lehrer bittet, ihren „Fritze" noch einmal zu entschuldigen, ihn aber wenn er roteber unartig, auszuhauen, ibn noch nachzubehallen, worauf sie ihn selbst noch mal durchhauen will. Sehr merkwürdig begründet sind die Entschuldigungen Augusts, „der eine verlorene Schwester suchen mußte", Reinhold's, „der sich das Haar schneiden ließ , sowie Adolph's, „welchem seine kleine Schwester ein Blatt aus dem Hefte gerissen und die Reinschrift mib einem Tintenklex verunziert hat", während ein Sohn deßhalb die Schule versäumte, „wert er versetzen gewesen ist", und ein anderer, weil „der Kleine bald sterben wird und er ihn wiegen muß". Mebrere Mütter und Väter suchen ihre Kinder „wegen Heislichkeit", wegen „Dütes wohl" (Todesfall), „wegen Krankheitshalber" wegen „heisliches Abholt", „weil das Kind Angst vor Prügel oder auch einfach „feine Zeit" hatte, zu entschuldigen. Eine Mutter schreibt kurz und bündig: „Ich brauche iehm", und eine andere übertrifft sie in lakonischer Kurze, indem sie einfach schreibt: „Koppkrank".
ArriverstLLts - LyroviL.
_ .. — Hofrath P fitz er, Professor der Botanik zu Heidelberg, wurde in der letzten Sonntag abgehaltenen Sitzung des großen Senats zum Prorector der dortigen Hochschule für die Zeit von Ostern 1889 bis Ostern 1890 gewählt.
— Der Ausschuß der Studentenschaft an der Universität zu Berlin hat sich neu gebildet und beschlossen, den Rector zu ersuchen, das den Vertretern des Studentenausschusses kürzlich abgenommene Ehrenwort, wonach bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten in den Versammlungen des Ausschusses eine Forderung nicht gestellt werden darf, ihnen zurückzugeben, weil das nicht mit ihrer Auffassung der studentischen Ehre vereinbar sei.
^Literarisches.
n In dem 12. Heft der »Jllustrirte« SBelt* (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt), das uns jetzt oorliegt, finden wir eine ganz merkwürdige Schilderung aus dem intimen Bergleben der Georgier, „Petre und Nato", die in hohem Grade das Interesse der Leser erregen wird, denn sie gestattet tiefe Einblicke in bisher ganz Unbekanntes. Ueberhaupt ist dieses Heft in Bildern wie an Text sehr reich. Der Roman „Ein Hagarssohn" zeigt, je weiter er fortschreitet, um so ergreifendere ©eenen, die Novelle aus Zanzibar, „Lola", ist ein Cabinetstück. Der große Roman „Am Belt", von Gregor Samarow, rollt ein zeitgeschichtliches Bild aus der jüngsten Vergangenheit auf, das den Leser nach manchen Richtungen hin ungemein anregt. An kleinen Artikeln bietet dieses wahre Familienjournal eine Fülle fein ausgewätzlten Materials aus allen Gebieten, von allen Welttheilen, Praktisches, Nützliches, so daß man immer wieder von Neuem staunen muß, wie die Verlags-Anstalt es möglich macht, für den fabelhaft geringen Preis von nur 30 H pro Heft das liefern zu können.
Hande! und Verkehr.
Farbig, schwarz und wriß Seiden-Moiree von Mk. 2.65 bis Mk. 10.30 per Met. (antique und franyais) versendet roben und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-DSpöt €r. Henneberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 537
Lrmburg, 16. Januar. (Fruchtmarkt). Rother Weizen JC. 1625, weißer Weizen JL 16.00, Korn <X 1205, Gerste «X 8.85, Hafer JL 6 55, Erbsen 00.00. Kartoffeln JL 0.00.
' r ?ora”rf“rt' ,^6. Januar. Erbsen ganze pr. Pfd. 12-18 H, do. grschalie 14-18H, Linsen 18—28 H, weiße Bohnen 16—18 L, Kartoffeln 100 Ko. A 0,00—0,00, do- per Gescheid"10-12 H, Butter per Pfd- JL 0,90-1,10, Eier das Stück 8-9 Blumenkohl per Stück 30—60 H, Wirsing per Stück 10—15 Zwiebeln per Pfd- 7-9 H, t Weißkraut per Stück 10—20 Gelberüben per Portion 15—20 3».
Gottesdienst der israelitischen Keligionsgeseüschast.
Freitag Abend 410 Uhr, Samstag Vormittag 83° Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 516 Uhr.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forst- wirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen.
Das in rubricirtem Betreff in Nr- 5 des Gießener Anzeigers zweite» Blatt veröffentlichte Kreisstatut tritt am 1. Februar d. I. in Wirksamkeit.
Wir bringen dies unter Hinweis auf das in dem nämlichen Blatt enthaltene Ausschreiben Gr. Kreisamts Gießen vom 2. dieses Monats für die in Gießen wohnenden unständigen gewerblichen, sowie die in land- und forst- wirthschastlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter mit der Aufforderung zur Kenntniß, daß sie sich vom 1. Februar d. I. an zur hiesigen Ottskrankenkasse anzumelden haben.
Gießen, den 14. Januar 1889.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 539
Holzversteigerung
in der Fürstlichen Oberförstern Mch.
Montag den 28. 1. M., von Vormittags 10 Uhr an, sollen im District Höler, Albacherhosseite (Dchpelöcher) versteigert werden:
428 rm Buchen-Scheiter, | 7 rm Eichen-Prügelholz,
96 „ Buchen-Prügel, I 8 „ EichemStöcke,
266 „ Buchen-Stöcke, i 260 Wellen Eichen-Reisholz,
3100 Wellen Buchen-Reifer, !
18 Stück Eichen-Stammholz von 21 bis 52 cm mittlerem Durchm. bei 5,6 bis 13,6 m Länge und 13,38 km.
Der Anfang, auch die Zusammenkunft, ist auf der oberhalb der Heegen herziehenden Schneiße bei Holz Nr. 74.
Ltch, am 9. Januar 1889.
476 Dr. Dieffenbach.


