Nr. Zweites Blatt. Sonntag den 17. Februar 1889.
Kießmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Amtlicher Hßeil.
Betreffend: Ermittelungen b?r den Vergütungen für Fourage und Landlieferungen der Gemeinden zu Grunde zu legenden Durchschnittspreise.
Bekanntmachung.
< ®Lroir?. ^ieEm.Uc rur öffentlichen Kmntniß gebracht daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im ^neden ermittelten Durch;chnittsmarktprerse, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Januar 1889 für den Lteferungsverband Gießen für 100 kg betragen: Hafer 15 30 Heu 8 70 Stroh 7 JL 80 X
Gießen, am 13. Februar 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
_ „ Nach Beschluß der General. Versammlung der landwirthschaftlichen BezirkSvereinr des Kreiser Gießen soll in diesem Frühjahr der Bquq von outen Saatkartoffeln durch den landwirthschaftlichen Bezrrksverern vermittelt werden. 9 9
m rx Nach Beschluß des Ausschusses soll die Kartoffelsorte »Magnum bonum“ bestellt werden. Bestellungen aus andere Kartoffelsorten sollen jedoch auf Wunsch der Landwnthe auch dann aurgesührt werden, wenn ein Waggon Kartoffeln von den verschiedenen Landwitthen bestellt werden sollte. Er wird die» unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht:
1) daß Anmeldungen bis zum 5. März l. I. bei dem Unterzeichneten einzureichen sind;
2) daß die Kartoffeln so billig als möglich angekaust und pro Malter 5 bis 6 im Ankauf kosten werden;
3) daß bei Bestellungen von Vereinsmitgliedern, welche den Betrag von 3d .X nicht übersteigen, die Kosten der Transports der Saatfrucht bis zur Ersenbahnstatron Gießen, Grunberg oder Hungen auf die Bezirkroerelnskafle übernommen werden; bei größeren Bestellungen haben die Vereint- Mitglieder die Kosten der Transports der Saatfrucht insoweit zu übernehmen, als die Bestellung den Betrag von 30 .X. übersteigt. Bei Bestellung der Saatfrucht au« Pommern oder Schlesien werden bei Bestellung eines Waggon» Kartoffeln die Kosten der Transports sich auf circa 2 “ pro Malter berechnen; r 1 * * "
4) daß Bestellungen von Landwirthen, welche nicht Mitglieder der landwirthschaftlichen Bezirksvereins sind, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins werden und sich zu diesem Behuse bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer BestÄllungen zu vergüten; 4 S * * "
5) daß zu Mitgliedern der Commission zum Empfang und zur Vertheilung der Kartoffeln gewählt worden sind ■
a) für Gießen: Herr Gutsbesitzer Schlenke, Herr Rentner Georgi und Herr Rentner Güngerich zu Gießen;
7 Juc Pacher von Oven und Herr Bürgermeister Bender von Hungen und Herr Bürgermeister Köhler zu Langsdorf'
o).fus Grunberg: Herr Bürgermeister Pracht von Grünberg, Herr Bürgermeister Feldmann und Herr Müller Zimmer von Lautet
6) daß die Zahlung bei Empfang der Saatkartoffeln an die Commission alsbald zu erfolgen hat und daß falls die Kartoffel-Empfänger keine Säcke mrtbrrngen sollten, für den Sack noch 30 H pro Stiick zu vergüten sind. c
Die Herren Bürgermeister werden hierdurch ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen, Anmeldungen eMaeaen- zunehmen und umgehend an den Unterzerchneten einzusenden. 9 i
©iefeen, den 15. Februar 1889. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksverein- Gießen.
- Soft, Regierungsrath.
Lokales.
Gießen, 15. Februar. sSitzung der Stadtverordneten vom 14. Februar. 1 Anwesend: Herr Beigeordneter Kelter, Seitens der Stadtverordneten die Herren Daist, Georgi, Grüneberg, Honstein, Homberger, Jughardt, Ad. on° rr' ^rua0‘ ^1° 1 ?r' Ploch, Petri, Scheel, Schopbach, Simon und Wallenfels. Herr Beigeordneter Keller führt den Vorsitz.
Das Gesuch des Herrn Ehr. Ludwig Tüomas um Erlaubnitz zum Verkauf von Branntwein über die Straße wurde in vor. Sitzung an die Commission verwiesen, m .derselben feststellen zu lassen, inwieweit der Stadtoertretung das Recht zusteht, der Gesuchen um Verkauf von Branntwein über die Straße sich gutächtltch über die Bedurfnißfrage zu äußern. Auf Grund der Gewerbeordnung ist die Gemeindevertretung berechtigt, in bieferi Fallen ebenso wie bei Concessionsertheilung zum Ausschank von Branntwein ihr Gutachten über die Bedürfnißfrage abzugeben. Herr Haustein empfiehlt nun in vorliegendem Falle Genehmigung des Gesuches. Wolle man den Specereigeschaften die Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein, Arrac, Punsch :c. über die Straße oorenthalten, so werde das Publikum, waches beim Einkauf von Spccerei- waaren seinen Bedarf an Spirituosen zu decken gewohnt sei, gezwungen, in die Wirth- schaflen zu gehen: dies sei aber mit vielen Unzutiaglichkeiten verknüpft. Es wird beschlossen, das Gesuch zu befürworten. — Dem Gesuche des Herrn A. Saame um Rückvergütung von Octrot für Wein wird, nachdem die Berechtigung des Anspruches daraus durch Herrn Octroi-Controleur Jost bescheinigt, entsprochen. — Mildem von Großtz. Kreisbauamt vorgelegten Revers, betr. die Anbringung einer Thür im westlichen Thorhause am Seltersweg, ist die Versammlung einverstanden. — Der von der landwirthschaftlichen Commission unter Hinzuziehung weiterer Sachverständiger und Vertreter des landwirthschaftlichen Vereins oorgelegte Entwurf eines Reglements, betr.
polizeiliche Mtlchcontrole in der Stadt Gießen, soll vorerst vervielfältigt und den Mitgliedern der Stadtverordneten - Versammlung mttgetheilt werden. Der Zn/wurf enthalt Vorschrfften über die Beschaffenheit der Vollmilch, der abgerahmten äJJtld), das Verbot des Verkaufs schlechter oder von krankem Vieh herrührender oder mit fremden Bestandthetlen vermischter Milch, schreibt bestimmte Arten von Gefäßen, in welchen Milch transportirt und verkauft werden soll, vor, verpflichtet Diejenigen, welche den Milchverkaus gewerbsmäßig betreiben, zur Anmeldung ihres Gewerbes bei
öe^orde, und schreibt den hiesigen Milchviehbesitzern vor, ihr Vieh durch den Kr-islhI-raczt öfter untersuchen ,u lassen. Außerachtlassung der Vorschriften, Entziehung J°.n oer ^ontrole u. s. w. wird unter entsprechende Strafe, in besonderen Fällen Cou- fiscatton der Milch, gestellt. Herr Simon empfiehlt Annahme des Entwurfs, derselbe scheine ihm der beste , welcher während einer nunmehr achtjährigen Behandlung der Frage nach einer Mtlchcontrole geschaffen worden sei. Herr Scheel wünscht die Be- cn<0!r Bestimmungen, die, wie z. B. das Untersuchen des in der Stadt befindlichen Viehes durch den Thterarzt, gewisse Härten enthielten. Auch Herr Hanstein verschiedene Bestimmungen im Entwurf als zu streng und spricht sich für Ver- vielfalttgung desielben aus, damit man sich ganz präcis über diese Bestimmungen Klarheit verschaffen könne. Herr Petri wünscht die die Aufbewahrungsräume der Milch betreffenden Bestimmungen des Entwurfs besonders im Auge zu behalten, da es bet e ? wichtigen und allgemein verbreiteten Nahrungsmittel nicht einerlei sei, wo Und | wie dasselbe aufbewahrt werde. — Die Rechnung über eine im September 1888 vorgenommene Wehrreparatur an der Burk'schen Mühle wird zur Decretur überwiesen. ■
— Unter „Organisation der Executivpolizei" wird dem Anträge Großh Boltzei- amtes, den seitherigen provisorisch angestellten Schutzmann I. Sch edel mit Wirkung vom 1. Februar l. I. ab definitiv anzustellen, zugestimmt. — Als Beihilfe zur Unterhaltung der Handwerkerschule wurde s. Z. dem Localgewerbverein ein jährlicher Beitrag von 500 Jt. bewilligt. Nach einer Verfügung der Centralstelle für die Landes- aewerbvereine ist in Zukunft die Rechnungsführung der Handwerkerfchulen von derjenigen der Gewerboeretne zu trennen. Der Vorstand des Localgewerbvereins Gießen hat deßbalb an die Stadt das Ersuchen gerichtet, da ihm außer der Hälfte der Mitgliederbeiträge (die andere Halste muß an den Landesgewerboerein abgeltefert werden), zur Befolgung seiner Zwecke andere Mittel nicht zu Gebote stehen, zu gestatten, daß von dem Jahresbeitrag der Stadt bis zum Hochstbetrage von 200 vom Localgewerboerein verwendet werden dürfen. Die Versammlung ist damit einverstanden. — Der Voranschlag des Realgymnasiums und der Realschule für 1889/90 wird genehmigt. Dem Vorstand der Pfennigsparkasse wrrd ein Schullocal im Schulhause in der Neustadt zur Ein- Achtung einer Erbebestelle für Beiträge überlassen. - Auf erlassenes Ausschreiben Großh' Bürgermeisterei in Betreff des Haltens der Fasel ochs en hat sich Herr Oeconom Fr. Heß erboten, zwei Bullen Vogelsberger Rasse für 514 JL jährlich anzuschaffen und zu unterhalten. Dem Wunsche verschiedener Oeconomen, je einen Bullen Voaels-
Simmenthaler Rasse zu halten, will Herr Heß entfprechm, wenn ihm statt
514 550 ^ bewilligt werden. ES wird beschlossen, Herrn Heß auf die Dauer von
b?8 $aUen ^eier Faselochsen zum Preise von 550 zu übertragen —
Sr°J!hArC 8önit Großh. Bürgermeisterei ein Schreiben erlassen, lt. welchem
de Abhaltung von Fasel schauen und -Märkten im Interesse der Viehzucht empfohlen wird. Der landwirthschaftliche Ausschuß hat deshalb beantragt, mit dm am 3. April und 18. September d. I. stattfindenden Viehmärkten Faselschauen mit Prä- Sjtr^nLber besten voraeführten Thiere zu verbinden, und zu diesem Zwecke für leben Markt 60 zur Vertheilung von Prämien zur Verfügung zu stellen, mit der Be-
stimmung, daß bei; beste Stier mit 20 Jt, zwei weitere mit je 10 JL und vier weitere mit je 5 zu pramiiren sind. Dieser Antrag wird zum Beschluß erhoben. — Der Eisverein hat an Großh. Bürgermeisterei unter Berufung auf die schon in früheren Eingaben geltend gemachten Gründe das Gesuch gerichtet, in Anbetracht des gemeinnützigen Zweckes, welchen der Verein durch Schaffung und Unterhaltung einer Schlittschuh- verfolgt, das für die betr. Grundstücke seither entrichtete Pachtgeld von 200 auf 100 JL zu ermäßigen, event. ganz zu erlassen. Der Verein habe im Laufe des Winters an besonderen schulfreien Nachmittagen den Schulkindern die Benutzung der Babn gegen ein Eintrittsgeld von nur 3 ermöglicht und somit die Bahn auch den Minder- b c iAAtcn sanglich gemacht. Die Baudf.putation hat Ermäßigung des Pachtaeldes
öbantragt. Dieser Antrag wird allgemein befürwortet und anerkannt, daß die Eisbahn sich einer sehr starken Frequenz aus allen Bevölkerungsschichten erfreut b.af' wie Herr Batst bemerkt, es sich empfehlen würde, die Eisfläche nach dem Philosophenwalde hin zu vergrößern, und dann einen abgegrenzten Theil der all- gemeinen Benutzung für die Schulkinder zu bestimmen. Nachtheile für die Grasnutzung auf den betr. Wiesen haben sich nicht herausgestellt, der Ertrag ist seither ein gute? gewesen, so daß die Versammlung dem Antrag der Baudeputation zustimmt — Der Voranschlag über Umpflasterung der Neuen Baue im Betrage von 5100 at wird genehmigt — Der die Wodestraße betreffende Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt. — In Ausführung eines früheren Beschlusses ist das Verzeichnis berjeniflen Straßen angefertigt worden, die in den nächsten Jahren erhöhte Trottoirs


