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Miifle zu Jtr. 162 desffiejjener Anzeiger"

Verwischtes.

nn Darmstadt, 14. Juli. Gestern Mittag gegen 4'/r Uhr entstand in der Strümps- und Tricolwaarensabnk von Ullrich & Cie. in der Schloßgailenstraße im Lagerkellcr ein Schadenfeuer, das leicht hätte verhängnißvoll werden können, da die Fabrik gerade in vollem Betrieb war. Dank dem thatkräftigen und energischen Ein­greifen des Fabrikpersonals, sowie der Feuerwehr konnte man des Feuers nach etwa einer Stunde Herr werden, doch soll der Schaden nicht unbedeutend sein.

Berlin, 14. Juli. Zu einem nachahmenswerthen Jnitiativschritt haben sich dre thüringischen Obstzüchter entschlossen. Dieselben haben die Abhaltung von alljährlichen Odstmärkten in Erfurt zwecks Hebung der thüringischen Obst­kultur ins Auge gefaßt. Die Zulassung zu diesen Obstmärkten ist eine unbeschränkte; nur ist zur Bedingung gemacht, daß die Sorten nach ihren Arten auf den Markt gebracht werden. Weitere Vortheile dieser Obstmärkte, welche als die ersten mittel­deutschen Obstmcssen anzusehen sein werden, sollen in der Regelung des Maßes, sowie in der Förderung der Sortenkenntniß bestehen, die namentlich unter der Landbevöl­kerung noch wenig verbreitet ist. Einen fördernden Einfluß soll die neue Einrichtung auch auf die Reellität des deutschen Obsthandels ausüben, welcher, wie betont wurde, noch lange nicht die Sauberkeit des böhmischen, niederösterreichischen und besonders des tyroler Geschäfts erreicht habe. Die neue Einrichtung, welche auf Kosten des Erfurter Kreis-Obstbauvereins ins Leben gerufen wird, soll für die Mitte des kom- 'menden Oktobers zum ersten Male versuchsweise ins Leben treten. Daß der vater­ländische Obstbau eine Quelle wirthschaftlichen Nutzens in sich birgt, welche noch bei Weitem nicht in dem erreichbaren und wünschenswerthen Maße ausgebeutet wird, darüber besteht unter einsichtigen Land- und Volkswirthen wohl kein Zweifel. An Belehrungen und Ermahnungen hat es ebensowenig gefehlt, dieselben erfüllen aber Ihren Zweck immer nur sehr mangelhaft, wenn sie nicht von der belebenden und befruchtenden Praxis begleitet werden. Gerade unter letzterem Gesichtspunkt ist das Vorgehen der thüringischen Interessenten mit größter Genugthuung zu begrüßen, indem dre Hoffnung gerechtfertigt erscheint, daß das dort gegebene Beispiel bahn­brechend auch in anderen deutschen Gauen wirken werde.

[Arme Herrschaften! Beneidenswerthe Dtenstboten!j Nachdem nunmehr die Massenauswanderung in die Bäder und Sommerfrischen begonnen hat, tritt das ganze Elend der armen, geplagten, der Ruhe und Erholung bedürftigen Menschheit in seiner ganzen Größe zu Tage. Es ist sehr leicht gesagt, eine Badereise machen. Aber ehe es dazu kommt! Wie viele Erwägungen gehen voraus, wie viele Punkte müssen berücksichtigt werden, die unter normalen Verhälln.ssen gar nicht in's Gewicht fallen. Das ist zunächst das wohin zu erwägen, was in den meisten Fällen keine Kleinigkeit ist. Der Hausherr, der zur Fettleibigkeit neigt, ist natürlich für einen Ort, der ihm möglichst viel Gelegenheit zur Bewegung bietet; die Madame, welche den schreienden Contrast zu ihrem Gatten bildet, ist für Ruhe, für Bequemlichkeit und Bewegungslosigkeit. Hat schließlich der Arzt in diesem Kampfe der Meinungen den Schiedsipruch abgegeben, so kommt die zweite heikle Frage, das wann? Sind Kinder im Hause, denen eine Erholung nicht minder noth thut, wie den Eltern, so ist man bezüglich dieses Punktes bald im Reinen. Aber bindet solche Rücksicht nicht, dann geht auch hier wieder die eudgiilige Erledigung dieser Frage nicht ohne kleine Kämpfe ab. Der Juni ist zu früh, sagt die Frau. Der Juli ist zu heiß, meint der Mann. Der August ist im vorigen Jahre verregnet, argumentirt die Frau wieder, und der September ist ja zu spät, wirft der Mann in die Diskussion. So geht das Stieiten werter bis zu dem Moment, wo man sich endlich auf dem Bahnhofe befindet, um hier mit erneuter Kra't abermals zu entbrennen. Denn ehe man sich mit dem Koffiriräaer in's Einvernehmen geatzt Hal und über die Wahl des Coupö's einig geworden ist, evt« fließt dem Gehege der Zähne noch manches heftige Slreitwort. Da auf den Bahnen die Einrichtungen Gott sei Dank derartig sind, daß man wegen etwaigen zu lana- amen oder zu geräuschvollen Fahrens nicht in Confiict gerathen kann, so kommt man Mötzlich doch in einem einigermaßen erträglichen Zustande an Ort und Stelle an Aber schon im Hotel wieder konnte man über die schlechten Betten, die dumpfen Rimmer und die mangelhafte Bedienung außer sich gerathen. Und nun erst nach solcher Einsicht

diese Aussicht. Trotzdem man sich imHotel Bellevue" oder imGasthaus zur

j schönen Gegend" befindet, von Bellevue oder schöner Gegend auch keine Spur. Um wie tausendmal besser sind demgegenüber jetzt doch unsere Dienstboten daran. DaS i Stadium der allgemeinen Verreistheil ist für sie die Periode ungetrübter Lebens- 1 freudigkeit. Die Herrschaft ist auf Erholung verreist, aber erholen kann sich vor allen Dingen das zur Ueberwachung der Wohnung zurückgclasfeneMädchen für Alles". Denn es ist ja in Wahrheit vielmals besser daran, als der Herr und die Madame in ihrer Badereise. Die müssen bei ihrem Kissinger oder Karlsbader streng nach ärztlicher i Vorschrift leben. Aber Anna, Marie, Guste, oder wie sie sonst heißt, die lebt nach ihrer Bequemlichkeit. Sie steht auf, wann ihr beliebt, sie trinkt Kaffee, so viel ihr beliebt, sie speist zu Mittag, was ihr beliebt, und sie geht aus, so lange es ihr beliebt. Zudem hat ihrSoldat", trotz strenger Verbote der Hausgesetze, unbeschränkten Zutritt, sobald nur sein Urlaub ein unbeschränkter ist. Und was das Beste ist, sie h^t für diese köstliche Zeit der Aussichtslosigkeit nicht die geringsten Unkosten. Im Gegentheil. Während sich die Herrschaft ihre Erholung auswärts mit schwerem Gelde erkaufen muß, bringt man ihr, um sie in den ersten vierzehn Tagen bei guter Laune zu erhalten, noch ein Reisegeschenk mit und lobt sie, daß sie Alles so schön in Ord­nung gehalten hat. Denkt man über das Alles einmal recht ordentlich nach, dann kann man in der Thal ausrufen:Arme Herrschaften! Beneidenswerthe Dienstboten!"

Handel und Verkehr.

Die Verwendung von Postwerthzeichen in Briefen als Zahlungsmittel hat einen derartigen Umfang angenommen, daß zahlreiche Geschäfte dadurch geradezu belästigt werden. Der Empfänger hat für dieselben nämlich ost keine Verwendung, da ihre Menge die für die eigene Correspondenz erforderliche Anzahl weit übersteigt, die Post- anstalten aber die einmal verkauften Marken nicht wieder zurücknehmen. Die kaiserliche Oberpostdirection Karlsruhe äußert sich hierüber gegen die Handelskammer für den Kreis Heidelberg nebst der Stadl Eberbach folgendermaßen:Die Angaben über die aus der Verwendung der Freimarken entstehenden Unzulräglichkeiten sind sicherlich zutreffend und letztere werden von der Postoerwallung leibst wegm der undeklarirten Versendung in gewöhnlichen Briefen als ein schwerer Mißstand empfunden; jeder Schritt aber in der Richtung, den Rückkauf der Freimarken Seitens der Postanstalten zu erlangen, würde veraebliches Bemühen sein. Wenn eine derartige Verpflichtung der Postanstalten durch die zuständigen Behörden eingeführt würde, so würden damit die Freimarken gesetzlich als Zahlungsmittel erklärt und anerkannt; es widerspricht aber durchaus der Munzpolitik des Reiches, derartige kleine Werthzeichen zu schaffen. Die Folge der betreffenden Maßregel würde übrigens sein, daß der Umlauf der Freimarken als Zahlungsmittel sich noch erheblich steigern und eine wahre Calamität entstehen wurde. Zweckmäßig, ja sehr nöthig wurde es sein, die heimliche Versendung von Frei­marken und Werthpapieren in gewöhnlichen Briefen gesetzlich bei Strafe zu verbieten, wie dies in anderen Ländern auch der Fall ist." Dem fugt dieBad. Gew.-Ztg." bei:Die Verwendung der Freimarken als Zahlmitttel entstand ohne Zweifel aus der Bequemlichkeit, bei deklarirten Baarsendungm in Briefen dm Ausgleich statt in kleiner Münze mit Papier oewerkstelligen zu können; hiergegen wird sich wohl auch für die Zukunst mit Erfolg nichts unternehmen lassen. Die Versendung von Werthbriefen ohne Deklarirung mutz jedoch immer als bedenklich angesehen werden, da die Poft bei Ver­lust keinen Ersatz leistet und ein unreeller Adressat den Empfang überhaupt bestreiten kann. Es darf auch bei kleinen Beträgen die Form der Postanweisung als sicherstes und bequemstes Zahlungsmittel nur empfohlen werden, wenn schon das Porto von 20 Psg. mitunter als unoerhältnitzmäßiger Procentsatz des Postens erscheinen mag."

Gestreifte u. karrirte Seidenstoffe v. Mk. 1.35 fci§ 9.80 p. Met.(ca. 450 versch. Dess.) vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei das FabrikDöpöt G. Henne berg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 H Porto. 532

Dienstag den 13. August l A,

Nachmittags 2 Uhr,

sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Georg Dietrich Dörner in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur I Nr- 33 106 Meter Hofraum in der Mühlgasse.

Flur I Nr. 33 b 25 Meter Grabgarten daselbst,

Flur I Nr. 43 62 Meter Hofraithe in der Neustadt, öffentlich meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden-

Gießen, 30 Juni 1889.

Großh. Ortsgericht Gießen.

I A-: ______Vogt, Ortsgerichtsmann. 5482 Donnerstag den 18. Juli, Nachmittags von 2 Uhr an, werden die noch übrigen Mobilien aus dem Nachlaß der Carl Abel Eheleute, Westanlage 45 (Neustadt) versteigert-

Zum Ausgebot kommt: 1 Küchenschrank und anderes Küchenmobiliar, Porzellan, Kaffeeservice, blaues und anderes Küchen- geräthe, Vorhänge für drei Fenster nebst Gallerten und Rouleaux; 1 Damen­mantel u- s- w.

Im vormundschaftlichen Auftrag: LouiS Rothenberger, Gerichtstarator.

Anschließend an obige Versteigerung in demselben Wirthslocal, Westanlage 45 (Neustadt) kommen zum Ausgebot:

7 neue Oelgemälde (Druck), 1 neue große Singer-Schneidermaschine, 2 gewöhn­liche Nähmaschinen, 1 Deloeiped tZwei- rab), 1 große Anrichte und 1 Parthie Damenkleider.

Im Auftrag:

Louis Rothenberger,

5789 Gerichtstaxator.

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