Einzelbild herunterladen

Beilage zu Jfr. 160 desMchener Anzeiger"

Hauswirthschast in der Volksschule.

In Cassel macht man seit Ostern dieses Jahres einen recht beachtenswerthen Versuch: man läßt hauswtrthichaftlichen Unterricht in einer Volksmädchenschule er- thetlen. Gelingt dieser Versuch, so wird er vermutlich eine große Reform des ge- sammten deutschen Mädchenschulwesens nach sich ziehen; gelingt er nicht, so wird eine (Streitfrage entschieden, die jetzt noch unter jenen besteht, welche die Unbildung unserer Arbeiterinnen in hauswirthschastllchen Dingen beklagen und an ihrer Beseitigung arbeiten. Die Einen sagen, in der Schule würden die Mädchen in manchen Dingen unterrichtet, die zwar nützlich xu wissen seien, aber doch nicht jo nützlich, so unentbehr­lich im praktischen Leben wie die Kenntnisse und Fertigkeiten, welche die Führung eines Haushalts verlangt; man solle darum den größeren Mädchen Stunden im Kochen, Waschen, Bügeln, Reinmachen geben, statt z. B. in der Geographie oder Geschichte. Die andere Partei aber ist der Meinung, daß die Hauswirthschast in die Schule nicht hineinpaßt, daß sic die Dtsciplin verdirbt, daß keine Zeit dafür übrig ist, und daß sie viel bester reiferen Mädchen in Fortbildungsschulen oder besonderen Hauswtrthschafts- schulen zu lehren ist. Wenn auch in Kassel noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt lind, daß dadurch die Frage beantwortet würde, so ist doch interessant zu sehen, wie man dort die Sache anfängt.

Wir halten uns nur an das Kochen, denn das ist derjenige Gegenstand, der ' am schwierigsten in der Schule behandelt werden kann. Man Hal 40 Unterrichts­

morgen dafür übrig, und für jeden derselben ist ein festes Programm entworfen. Am ersten Morgen lautet dasselbe:Zweck des Unterrichts, Besprechung des Feuers, Brennmaterial, Einrichtung des HerdeS, Behandlung von Herd und Feuer, Anmachen des letzteren (Sparsamkeit), das Kochgeschirr, Eigenschaften und Behandlung der oer- fchiedenen Arten der Töpfe, Pfannen u. s. w., das Wasser, Nutzen und Gebrauch 1. des kalten Wassers, 2. des erhitzten und 3. des kochenden Wassers." Am 2. Tage wird die Milch behandelt, in den folgenden die Getreidearten, sodann die Fleischsorten, die thierischen und Pflanzenfette, die Kartoffel, Mehl, das Et, Hülsenfrüchte, Kuchen­backen u. s. w.

'Schon jetzt läßt sich sagen, daß die Kinder meist dreizehnjährige große ! Lust zu dem neuen Unterrtchtsgegenstande haben. Sie sind in Gruppen von je sechs getheilt, eine jede erhält ihr besonderes Amt, die eine holt Kohlen, die andere macht vas Feuer an, die dritte unterhält es, die vierte macht sauber u. s. w. So weiß immer jedes Kind, was es zu thun hat, und wird jede Unordnung vermieden. Die größte Reinlichkeit wird streng beobachtet, ein besonderes Gewicht wird auf die Spar­samkeit gelegt, bet jeder Gelegenheit wird gezeigt, wie man möglichst viel mit möglichst \ geringen Mitteln erreichen kann. Das Gekochte wandert gegen Entschädigung in den - Kinderhort. Die Kosten werden vorläufig von gemeinnützigen Vereinen gedeckt.

Diejenigen, die nähere Auskunft über dieses wichtige Unternehmen haben möchten, ' mögen sich an den eifrigsten Förderer desselben, Herrn Dr. jur Rudolf Osius in Kassel, wenden, von dem auch eine kleine Abhandlung über den Gegenstand zu I beziehen ist.

Üniversttiit-'Ghronik.

Professor Dr. Carl v. Nägeli, der berühmte Botaniker in München, hat sein akademisches Lehramt an der dortigen Universität niedergelegt. Er hat dasselbe Z2 Jahre lang innegehabt und in dieser Zelt die große Mehrzahl der jüngeren deutschen Botaniker heranzebildet. Die Berliner Akademie der Wissenschaften ehrte seine Ver­dienste schon vor Jahren durch Ernennung zum correspondirenden Mitgliede, der König Ludwig II. durch Verleihung des Adelstandes. Nägeli ist Schweizer von Ge­burt ; er stammt aus Ktlchsberg bei Zürich und steht gegenwärtig im 72. Lebensjahre. 1 Einen Nachfolger für seine Stelle hat, derWeser-Ztg." zufolge, die Münchener Uni­versität trotz lebhafter Bemühungen noch nicht gefunden; sie begegnet benfelben Schwierigkeiten in der Wahl eines hervorragenden Botanikers wie die Berliner Uni­versität nach dem Tode Eichler's.

Vermischtes.

Aachen, 6. Juli. Bel der Anwesenheit des Weihbtschofs Dr. Fischer auf

Schloß Elsum bei Waffenberg ist nach demRh. M." ein Unglück passirt. Die Be­

wohner der umliegenden Ortschaften hatten dem Bischof einen Fackelzug gebracht und viele Zuschauer sich bei dem Schlosse eingefunden. Plötzlich ertönte ein Schreckensruf, die zum Schlosse führende Brücke war mit ca. 150 Personen eingestürzt. Vierzig davon waren so schwer verletzt, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Die Uebrtgen erlitten zum Theil kleine Quetschungen rc.

Münster, 8. Juli. Psychologisches Interesse bietet eine Verhandlung des hiesigen Schwurgerichts, durch welche die Dienstmagd Gertrud van Luchtern aus Barlo wegen Tödtung ihres Brodherrn, desLandwirths Kaselbrink, zu 2V, Jahren Gefängniß verurtheilt wurde. Kaselbrink war ein roher Trunkenbold, der sich ein besonderes Vergnügen daraus machte, seine Wirthschaftsthiere entsetzlich zu mißhandeln. Kürzlich schlug er wieder einmal ohne allen Grund und ungeachtet der Bitten der anwesenden van Luchtern unbarmherzig auf sein Pferd los, so daß das Blut in Strömen von dem Körper des gequälten Thleres floß. Im höchsten Zorn nahm sich da die Magd vor,ihren Herrn auch einmal fühlen zu lassen, wie weh Schläge thun". Nachmittags lag er betrunken in der Scheune. Das Mädchen stürzte mit einer Bohnenstange auf ihn zu und schlug ihn wiederholt auf den Kopf. Der Schwerberaufchte erwachte nicht. Da warf die Magd einen schweren Holzklotz auf seinen Schädel. An den Gehirn- verletzungen, die er dadurch erlitt, starb der Mann nächsten Tages. Mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagte nuraus Mitleid mit dem armen Pferde" die Rachethat beging, betrachtete der Gerichtshof ihr Verbrechen in mildem Lichte.

sWas ist eine So mm erfrisch e?j Thörlchte Frage, wirst Du, reizende Leserin, und Du, wohlwollender Leser, murmeln, in unserer Zeit, wo es zum guten Tone gehört, die heißesten, also unbequemsten Wochen des Jahres außerhalb aller heimischen Ordnung und Bequemlichkeit zu verbringen, weiß jedes Kind, was eine Sommerfrische ist. Echymologisch möchte man das Ding ja wohl als eine Erfrischung

während der Sommerhitze deftniren. Nun gehen wir einmal von dieser Erklärung

aus. Der Sommer pflegt heiß zu sein (wenigstens der Sommer, wie er fein soll, und

wir haben dieses Jahr einen solchen), das ist zuzugestehen, wo aber findet das hitze-

geplagte Individuum Mensch seine Erfrischung. An drei Stellen. Recht hoch in der Luft in den Bergregionen, beim Bade im Wasser oder in seinem Keller. Welch ein Gedanke, dieser letztere! Im Keller! Nun, und wir behaupten, das ist von allen Erfrischungen die erfrischendste. Zum Bergsteigen gehört viel Schweiß, zum Baden auch noch vorher und nachher Bewegung im Sonnenbrände; der Gang in den Keller (abgesehen davon, daß unter Umständen dort die sehr anständige Gesellschaft von feinsten Herrschaften aus Rheinland, Burgund und Champagne Grüneberg ist weniger fashlonable anzutrrffen ist) machte die wenigste Mühe. fNennt man aber auch nur einen dieser drei Erfrischungsplätze Sommerfrische? I Golt behüte. Das nennt sich Gebirgsreise, Badekur und ja und das Kellerlocal ist überhaupt nur dis­kutable, wenn daran ein großes Schild hangt und darin Austern und Caviar seroirt wird dann heißl's nicht Sommerfrische, sondern Tunnel jo und so! Was bleibt für die berühmten Sommerfrischen übrig? Das sind, um zu des Pudels Kern zu kommen, Marterinstitute, welche alle die Menschen aujsuchen, denen es im übrigen Theile des Jahres zu gut geht. Da haben sie daheim 10 und mehr Zimmer, in der Sommerfrische 2 oder 3; da haben sie daheim dicke Wände und wohlschliehende Jalousien, daß es von einer labenden Kühle drinnen ist, während draußen die Sonne brütet, wogegen in der Sommerfrische die Schwüle durch die Fachwerkswände haucht. Da haben sie daheim ihre gute, abwechslungsreiche Küche, ihre gewohnte Bedienung, ihre bequemen Sophas und Betten, ihren lieben Verkehrskreis, ihre passenden Spiel­plätze und Spielgejährten für die Kinder, in der Sommerfrische ist die Gasthofssauce von einer überwältigenden Geschmackslosigkeit, die Speisekarte nicht nach Bestimmung des Essenden, die Bedienung eine gelegentliche, dann, wenn sie am wichtigsten wäre, durch völlige Abwesenheit glänzende, die Sophas sind nicht nach des Gastes Ordre, sondern nach einer innungsmäßigen Schablone, die Berten zu hart, zu weich, zu warm, zu kalt, zu kurz, zu lang, aber ganz gewiß nicht richtig, wenn nicht ein himmlischer Zufall spielt. Die Kinder sitzen den Herren Eltern fortdauernd auf dem Halse und der Aerger nimmt kein Ende. Nicht wahr, schöne Leserin, gönnerhafter Leser, so sehen 9 Sommerfrischen unter 10 aus und deßhalb gehst Du nächstes Jahr ganz gewiß wieder in eine. Freilich, auch Aerger erfrischt, also gibt's zum Schluß doch noch eine letzte und sogar ethymologische Erklärung für Sommerfrische.

Nachlaß Versteigerung.

Montag den 15. Juli, Nach­mittags um 2 Nhr anfangend, -wird der Nachlaß des Herrn Phil. Lenz, Bahnhofstraße 91 III (Hotel Lenz) meistbietend versteigert

I* 3um Ausgebot kommen:

ein Gopha, großer Spiegel, Stühle, Tisch, Kleiderschrank, Kommode, zwei schöne Bilder, Waschkonsole, Krankenseffel, Nachttisch, titt Revolver mit 100 Patronen, Herrenkleider, seidene Tücher, 10 weiße Teppiche, Koffer «. s. w.

1ÄT Sämmtliche Gegenstände find wenig gebrancht.

Im vormundschaftlichen Auftrag: Louis Rothenberger,

GerichtStaxator. 5734

Aeikgevotenes.

Sonnenschirme, Hommermiihen, Strohhüte und Spazierftöcke

-verkaufen, um damit zu räumen, zu jedem annehmbaren Preise. [5785

Schmidt & Repp, Bahnhofstraße 29.

or«ettew

empfiehlt in bekannter großer Aus­wahl, Extra-Weiten und Fayons, stets am Lager

Robert Haas,

2506] Seltersweg 18.

Allgemeiner Anzeiger.

Grosse Ersparnis an Zeit u.Geld

D^ThompsonsSeifen-Pulver

Anerkannt vorzüglichstes Wasch- und Reinigungs-Mittel. Überall vorrätig ä 15 Pfg. p. Paquet von/a Pfd. Der zahlreichen minderwertigen Nachahm­ungen wegen achte man genau auf die Schutz- MarkeSchwan und den NamenDr. Thompson.

Schutz-Marke. Allein.Fabrikant.! R.THOMPSON & Co., Aachen.

C. Hoffmann, 1 Kalkhof. Gg. Kinkel, Fr. Leo, Ang. NeU II., Emil Orbig,

Zu haben bei:

Carl Petri, C. Roth II., Otto Schaaf, Willi. Schoniber, M. Schulhof,

Rob. Stuhl. [4221

Flafchenbier-Mederlaqen

von unserem vorzüglichen dunkelen Exportbier

bei C. Roth II., Wallthorstraße 5,

I. Georg, Ederstraße,

W. Schomber, Neue Bäue 10, 3084

G. Bötz, Brandgaffe,

F. Kühnhold.

Freiherrlich Riedesel'sche Brauerei-Verwaltung Lauterbach.

Nach Marburg

wird für ein kleineres Hotel ein junger zuverlässiger HauSbursche gesucht.

Nähere Auskunft bei 5811

Wilh. Krämer, Göthestraße 13.

5810] Drei Drescher gesucht.

Carl HaaS, Leihqesternerweg 24.

5633 Einen Lehrling sucht ' JohS. Lein, Wallthorstraße 7.

i 5539] Gesucht ein Mädchen für ! Haus und Küche. Gute Zeugnisse verlangt- ___________ Frankfurterstraße 49.

Petroleum - Msser kauft jedes Quantum mit oder ohne Declaration zu hohen Preisen

Ferd. Faber, DuiSbnrg, Petroleum-Jmport-Geschäft. [4561

Nützlicher Iortschritt in der Behandlung alles Leder- und Schatzwerts durch das gänzlich geruch­lose Malta - Vaselin - Lederfett der Firma Th. Voigt, Würzburg. Ueberraschender Erfolg, große Er- - sparnitz bei Kinderschuhwerk, für Arbeiter, Landleute, Soldaten, Offiziere, Jager, Schiffer, Gutsbesitzer, Fabriken rc. Wegen vieler schlechter Nachahm. genau auf obige Firma zu achten und nur in de« annoncirten Verkaufsstellen zu kau­fen. Prospecte daselbst gratis. Zu haben in Dosen und lose nach Bedarf in Gieße« bei sferd. DrebeS, Eberh. Metzger, Kerd. Seibel, Friedrich Kühne sen. LouiS Wittich II[1766

Le A. Pasteurs Essig-Essenz von Max Elb, Dresden zur augenblicklichen Selbstbereitung des besten Speise-Essigs und zuverläs­sigsten Einmache-Essigs; em­pfohlen von den höchsten medicinischen Autoritäten als 'der gesündeste Essig.

In abgetheilten Original - Flacons zu 10 Weinflaschen Essig 1 Mark, ä lestragon 1 Mark 25 Pf^., auxflnes herbes 1 Mk. 50 Pfg.

Man hüte sich vor Nach­ahmungen ! "QMS

In Giessen echt bei [2581

C. G. Kleinhenn, Carl Schwaab, Emil Fischbach, Ehr. Ludw. Thomas. Aecht. Emmenth.Schwchkrkäte heute in Anschnitt genommen, sowie neue holl. Vollhäringe empfiehlt 5798 ®, Dort, Wallthorstr. 45.