1889
Nr. 289. Erstes Blatt. Mittwoch den 11. December
Aints- und 2lnzeigeblatt für den Ttreis Gieren
entwickeln.
feit
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Im spanischen Ministerium Laqafta stehen Veränderungen bevor, die indesten an seinem liberalen Charakter nichts ändern dürften. Den Anstoß zu diesen Veränderungen gibt die nicht mehr länger hinauszuschiebende Wiederbesetzung des augenblicklich erledigten Finanzministerpostens und sott im Uebrigen der Plan vorliegen, in das umzubildende Cabinet Elemente aus den verschiedenen liberalen Parteigruppen auszunehmen und hierdurch dem Ministerium Sagasta eine gesicherte parlamentarische Stellung zu ermöglichen. Wenn es gelingt, diese Combination durchzusühren, wäre die Möglichkeit, daß in Spanien die Conservativen unter dem energischen und hoch- befähigten Canovas del Castillo wieder an's Ruder gelangten, vorerst ausgeschlossen.
Der Kaiser in Frankfurt.
Frankfurt, 9. Deeember.
Die von prächtigstem Wetter begünstigten Vorbereitungen zum Empfange des Kaisers, der Schmuck der Straßen und Häuser ist rechtzeitig vollendet worden, und Alles harrte nur des Augenblicks, in welchem der Kaiser seinen Einzug in die Stadt halten sollte. Da endlich schlug die ersehnte Stunde, es war nur wenige Minuten 1 Uhr vorüber und hereindampfte in die Halle des mächtigen Hauptbahnhoss der kaiserliche Sonderzug, mit brausenden Hurrahrufcn der zum Empfange Anwesenden, den schmetternden Klängen des Präsen- tirmarsches der auf dem Perron aufgestellten Ehreneompagnie und dem pünktlich einsetzenden feierlichen Geläute aller Glocken empfangen. Rasch gingen, als der Zug stand, die Herren Oberbürgermeister Dr. Miquel, Polizeipräsident v. Müffling und Stadteommandant Generalmajor v. Stülpnagel auf den bekannten gelben Wagen zu, um dem Kaiser, der aus die Plattsorm trat, sich zu melden und den hohen Gast zu begrüßen. Der Kaiser verließ strammen, elastischen Schrittes den Wagen, erwiderte den Gruß mit einigen freundlichen Worten und schritt, begleitet von seinem Gefolge, unter dem wir den Generallieutenant v. Hahnke, Generallieutenant v. Wittich, Hausminister Graf Wedell-Piesdorf, Hofmarschall Gras Pückler, Generalarzt Prosessor Dr. Leuthold und die Flügeladjutanten v. Scholl und v. Hülsen bemerkten, die Front der Ehrencompagnie ab und ließ dieselbe dann unter den Klängen des Parademarsches an sich vorüberdefiliren. Es währte nicht lange, so trat der Kaiser durch das Fürstenzimmer unter die Vorhalle aus dem Bahnhofsplatz und bestieg seinen bereits gestern von Darmstadt eingetrofsenen Viererzug. Kaum aber hatte die Menge, welche zu vielen Tausenden den Bahnhofsplatz Kops an Kopf umstand, den Kaiser erblickt, da brach ein Hurrah- und Hochrufen so gewaltig los, wie es kaum je zuvor an den Thoren Frankfurts erschallt ist, die Hüte flogen in die Höhe, unzählige Tücher wurden geschwenkt und die Wogen patriotischer Begeisterung wollten sich nicht mehr legen. Jetzt setzte sich der kaiserliche Zug in Bewegung, vorauf fuhr der Polizeipräsident und der commandirende General, dann folgte eine halbe Schwadron Husaren, bann der Wagen des Kaisers, dann wieder eine halbe Schwadron Husaren und dann das Gefolge des Kaisers. Militärisch grüßte.derselbe das Landwehrosfiziercorps und die Ofsiziercorps der benachbarten Garnisonen, welche mit den Truppen der hiesigen Garnison gemeinsam auf dem B.ahnhofs- platze bis zur verlängerten Kaiserstraße Spalier bildeten. In der letzteren hatten die Kriegervereine Ausstellung genommen und zwar auf dem rechten Flügel die des Kriegerverbandes Hessen-Nassau und auf dem linken das unisormirte Veteranencorps. Unter fortgesetzten enthusiastischen Hurrahrusen fuhr der Kaiser in langsamem Trab bis zum Triumphbogen am Anfang der verlängerten Kaiserstraße. Hier wurde der Kaiser von dem Oberbürgermeister Dr, Miquel mit einer Ansprache begrüßt, auf welche der Kaiser erwiderte. In das vom Oberbürgermeister ausgebrachte Hoch stimmte das Publikum enthusiastisch ein. Unter dem Geläute der Glocken bewegte sich der Zug über den Roßmarkt, Zeil, Fahrgasse nach dem Domplatze, wo dem Kaiser von der Metzgcrinnung der Ehrcn- trunk credeuzt wurde.
Nach längerem Verweilen im Römer, von welchem aus sich der Kaiser mehrfach dem jubelnden Volke zeigte, fuhr er nach der Post und von da nach kurzem Aufenthalt über die Zeil und Kaiserstraße nach dem Hafen.
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Die Gießener Is«milienvtL1ler werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
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— An sämmtliche Theilnehmer des Fackclzuges und der Serenade wurde folgende Bekanntmachung erlassen: Se. Majestät der Kaiser, von der Allerhöchsten Ihm am 7. d. M. dargebrachten Ovation hocherfreut, haben die Unter- ! zeichneten beauftragt, sämmtlichen Thcilnebmcrn Seinen Kaiserlichen Dank auszudrücken. Wir verfehlen nicht, diesen ehrenvollen, Allerhöchsten Auftrag hiermit zur Kenntniß der Betreffenden zu bringen. Darmstadt, am 8. December 1889. Daub, Secretür. Senfs, Musikdirector. Meyer, Kanzlei- Jnspector.
— Der Andrang zur Kasse im Hvstheater schien gestern seinen Höhepunkt erreicht zu haben, da selbst die eisernen Barrieren vor der Kasse keinen Widerstand mehr zu leisten vermochten und zusammenbrachen. Die Eingangs- thüren mußten daher gesperrt werden, bis sich der erste Sturm etwas gelegt hatte. Man hörte Stimmen im Publikum, welche für Plätze' den doppelten, ja dreifachen Platz zahlen wollten.
Eine ojfieielle Meldung aus Schwerin über das Befinden des Großherzogs von Mecklenburg besagt, daß in demselben seit einigen Tagen keine wesentliche Aenderung eingetreten sei. Fieber ist nicht vorhanden, die asthmatischen Beschwerden haben sich vermindert, dagegen sind die neuralgischen Schmerzen stark. Der hohe Herr sicht sich deßhalb genöthigt, das Bett zu hüten; am Sonntag sand eine Consultation von drei Aerzten statt.
Die stürmischen Verhandlungen der belgischen Deputirten- fammer über den „Fall de Larosse" sind auch am Freitag, und Samstag fortgesetzt worden. Die specielle Angelegenheit des von der Regierung gemaßregelten obersten belgischen Polizeibeamten, „Gauthier de la Rosse" trat dabei mehr und mehr zurück und gestalten sich die Debatten dafür zu hinein scharfen Zusammenstöße zwischen der Opposition und dem clericaleu Cabinet Baernaert. Die liberalen Wortführer hielten der Regierung ein förmliches Sündenregister vor, während die Regierungsvertreter sich in heftigen Ausfällen auf die liberalen Parteien ergingen. In der Hitze des Wortkampfes nannte der frühere Justizminister Devolder, gegen welchen sich die Angriffe der Linken ebenfalls richteten, den Abg. Janfon einen Lügner und trotz der stürmischen Proteste der Linken und der Vermittelungsversuche des Kammerpräsidenten hielt Devolder seine Aeußerung aufrecht. Jedenfalls dürfte das Ministerium Baernaert nicht fonderlich gestärkt aus. diesen Debatten.hervorgehen. p
Prinz Louis Napoleon, welcher bislang in einem italienischen Infanterie-Regiment diente, hat bekanntlich diesen Dienst quittirt und ist in die russische Armee eingetreten. Der „Russische Invalide" meldet jetzt, daß der Prinz vom Czaren zum Oberstlieutenant im Dragonerregiment „König von Württemberg" ernannt worden sei; das genannte Regiment garni- sonirt in Nischnei-Nowgorod. Der Prinz soll seinen Austritt aus italienischen Diensten damit begründet haben, daß er als Franzose nicht mehr in einer Armee des Dreibundes dienen könne,- nach Frankreich aber darf der Prinz infolge des Ver- Lannungsdecretes gegen die Mitglieder der srüheren Herrscherhäuser nicht zurückkehren.
pottNsche Nebersicht.
Gießen, 10. December.
Das überaus tragische Geschick, welches (hnin Pascha gerade am Ende seiner gefahrvollen afrikanischen Abenteuer in Bagamoyo ereilte, indem er hier infolge seiner Kurzsichtigkeit Nachts von einem hohen Balkon stürzte und sich dadurch lebensgefährliche Verletzungen zuzog, hat in der ganzen gebildeten Welt die schmerzlichste Theilnahme für den so viel geprüstcn Helden deS Sudan hervorgerufen. Emin Pascha wird von mehreren Aerzten, darunter auch von vr. Parke, welcher Stanley begleitete, behandelt und haben dieselben schwere innere Verletzungen festgestellt, welche das Leben des Verunglückten in Frage stellen. Zunächst kann natürlich von einem Weitertransport Emins nicht die Rede sein und mußte sich daher der durch den tragischen Vorfall aus's Tiefste erschütterte Stanley entschließen, die Weiterreise von Bagamoyo nach Zanzibar ohn'e Emin fortzusetzcn. Dieselbe erfolgte auf -dem deutschen Kriegsschiffe „Sperber", welches auf Befehl der deutschen Regierung eigens Stanley und seinen Begleitern zur Verfügung gestellt worden war und traf der „«Sperber" am Freitag früh in Zanzibar ein.
Die in Westfalen aus's neue drohende Gefahr eines Bergarbeiter-Ausstandes kann nach den neuesten Meldungen hierüber wohl als glücklich beschworen betrachtet werden, falls nicht in zwölfter Stunde noch eine abermalige schlimme Wendung eintritt. Besonders hat zur Beruhigung der Arbeiter die Aufhebung der „Arbeitersperre" im Essener Reviere beige tragen nnb von den Zechenverwaltungen des Dortmunder Revieres wird der gleiche Schritt erwartet. Daß aber die Arbeiter entschlossen sind, sich nicht mit leeren Versprechungen abspeisen zu lassen- beweist der Beschluß der am Samstag in Dortmund abgehaltenen allgemeinen Bergarbeiter-Versammlung, bis zum 15. December abzuwarteti, ob bis dahin eine Antwort der Grubenbesitzer über die überall erfolgte Aufhebung der Sperre erfolgt sei - menu demnach diese Antwort nicht bcsric digend ausfällt, ist die Möglichkeit eines Strikes noch immer vorhanden. Den gleichen Beschluß faßten zwei andere Berg- arbeitcr-Versammlungeii, die am Sonntag in Effert und in Gelsenkirchen tagten, indessen steht zu erwarten, daß die Antwort der Grubenbesitzer den Erwartungen der Bergleute entsprechen wird, zumal da die Oberpräsidenten von Rheinland und von Westfalen, ferner die Präsidenten der Regierungen in Dortmund und Arnsberg, die Landräthe von Essen und Dortmund sowie der Oberberghauptmann des Dortmunder Bezirkes in dieser Beziehung eine eifrige vermittelnde Thätig-
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Deutsches Reich.
nn. Darmstadt, 9. December. Ein großartiges militärisches Schauspiel wurde uns vor der Abreise Kaiser Wilhelms II. dadurch bereitet, daß derselbe heute Morgen vor 8 Uhr die gesammteGarnison alarmiren ließ. Kurz vor 6 Uhr eilten Trompeter und Signalisiert durch die Straßen und ließen Alarmsignale ertönen. Sofort wurde es überall lebendig; Hauptleute und Adjutanten sprengten in die verschiedenen Kasernen, ebenso eilten die in der Stadt liegenden Einjährigen und Soldaten dorthin. Aber auch Darmstadts Bürger litt es nicht mehr, trotz der grimmen Kälte, in den warmen Betten. Fast Alle wollten unseren Kaiser-auch als Soldaten kennen lernen. Man eilte dem Exereierplatz zu.
Dort hatte sich der Kaiier, der Großherzog und der Erb großherzog zu Pferde, umgeben von Generälen und Adjutanten, bereits eingefunden und erwartete mit scharf prüfendem Blick das Anrücken der verschiedenen Truppenabtheilungep. Ein freundliches Lächeln glitt über fein Gesicht, als ihm nach etwa !/4 Stunde gemeldet wurde, daß auch die letzte Abtheilnng, . der Train, zur Stelle sei. Hierauf begab sich Sr. Majestät zu den verschiedenen Regimentern, jeder Compagnie einen „Guten Morgen, Soldaten" zurusend, was sofort mit einem „Guten Morgen, Majestät" kräftig erwidert wurde. Kaiser Wilhelm sprach hierauf den verschiedenen Regiments-Com mandeuren seine Anerkennung aus über die rasche und schlag- fortige Aufstellung der Truppen, gab hierauf eine Gefechts- Idee und sofort rückten die einzelnen Regimenter zur Gefechtssormation gegen Griesheim ab. Dort entwickelte sich bald cm sehr lebhaftes Feuergefecht, das mit einer Attaque auf Griesheim endete. Hierauf ließ der Kaiser die Truppen an sich im Parademarsch vorbeipassiren und setzte sich nach dem Ende desselben mit dem Großherzog an die, Spitze des Infanterie-Regiments Nr. 115, wo er gegen 1/2H Uhr unter dem Jubel und Hurrahrufen der Bevölkerung in die Stadt einrückte.
Darmstadt, 9. December. Unter den zahlreichen Auszeichnungen, welche gelegentlich der Anwesenheit des Kaisers in Darmstadt verliehen wurden, sind die folgenden besonders erwähnenswerth: Se. Kgl. Hoh. der Erbgroßherzog wurde zum Prem.-Lieutenant befördert. Se. Hoh. Prinz Albert Victor von Schleswig-Holstein erhielt den Rothen Adlerorden 1. Klasse, welche Auszeichnung Sc. Majestät dem Prinzen auf der Fahrt nach Groß-Gerau mittheilte. Der persönliche Adjutant Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm, Oberst von Zangen, wurde zum Generalmajor, der persönliche Adjutant Sr. Großh. Hoh. des Prinzen Heinrich, Rittmeister Freiherr Schenk zu Schweinsberg, zum Major, Rittmeister Wittich gen. v. Pöllmtz, z. Z. Adjutant bei dem comman- direnden General des 11. Armeecorps, zum Major befördert. Erbmarschall Freiherr Riedesel zu Eisenbach wurde zum Rittmeister ä la suite befördert.
Darmstadt, 9. December. Se. Maj. der K a i s e r haben u. A. noch folgende Ordensauszeichnungen verliehen: Sr. Exc. Hin. Staatsminister Finger die Brillanten zum Kronenorden 1. Klasse, Hrn. Oberstattmeister v. Rabenau die Brillanten zum Stern des Kronenordens 2. Klasse, den Herren Provinzialdirector v. Marquard, Geheimerath Lichthammer, Oberbürgermeister Ohly den Kronenorden 2. Klasse, Hrn. Polizeirath Morneweg den Rothen Adlerorden 2. Klasse, Hrn. Jägermeister Muhl den Kronenorden 3. Klaffe, den Herren Beigeordneten Riedlinger, Baurath Braden, Polizeiinspector Becht, Eisenbahnbetriebsinspector Dittmar und Stationsvorstand Reinhardt den Kronenorden 4. Klasse. Die Herren Hofmarschall v. Westerwetter Exc. und Hofceremonienmeister v. Werner erhielten Brillantdosen.
— Nach den Aenßerungen einer Persönlichkeit, welche im (befolge Sr. Majestät des Kaisers sämmtliche Reisen in Deutschland mitmachte, wäre die Ausschmückung unserer Stadt nächst Hannover die glänzendste und wirksamste unter allen deutschen Städten, welche Se. Majestät seit seinem Regierungsantritt besuchte.
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Kenerat-Anzeiger
1 Leihkaffe-Verein» vom e vom L November
Jen Schulhäusern in der Herrn Raufmann Emil
'en genannten Zeitpunkte
WaÜthorstraße Nr. 45, straße Nr. 2, zerstra-e Nr. 29, Neustadt Nr. 8, ItnW Ar 5b, rorferstrch Ar- 2, Nr. 2, irnplaj Nr. 5, über, Neuen MeNr. 17, chlihofrstraße Nr. U. elterSweg Nr. 24, ksurterstraße Nr 39, SelterSweg Nr. 46, folger,Ludchsplatz 4, lusmann und Wirth,
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