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Nr» Samstag den 9. Februar 1889«

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Vrrreaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Vf. mit Bringerloh».

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hßeil.

Bekanntmachung.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß zum Vertrauensmann bezw. Beauftragten der Tiefbau>Berufsgenoffenschaft Herr Bauratb Wiessel m Darmstadt und als Stellvertreter Herr Kreisingenieur Gnauth in Gießen für die Provinz Oberhessen ernannt worden sind 9

Gießen, am 6. Februar 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Die Samoafrage verspricht trotz der seltsamen Erregung gewisser amerikanischer Politiker einen befriedigenden Ausgang zu nehmen. Die Unionsregierung hat den deutscherseits gemachten Vorschlag, durch eine in Berlin abzuhaltende Conferenz die Samoa-Angelegenheit definitiv zu regeln, angenommen und sieht mau in Bälde auch der zustimmenden Antwort Englands entgegen.

,.fl , DieSpecialberathungder Etats im preußische« «l-geordnete«hause verläuft ots jetzt ohne sonderlich hervorragendes Interesse und mußte sie außerdem bruchstück- weise erledigt werden, da die preußische Volksvertretung bislang auS Rücksicht auf den Reichstag immer einen Tag um den andern pausirte. Die voraussichtliche Vertagung des Reichstages wird dem Abgeordnetenhause indessen von nun an eine zusammenhängende Erledigung des Etats ermöglichen. Am Mittwoch überwies das Haus vor Fortsetzung der Etatsberathung die Vorlage, betr. die Erhöhung der preußischen Krondotation, ohne jede Debatte an die Budgetcommtssion und den Entwurf, betr. den Erlaß oder die Ermäßigung der Grundsteuer infolge von Ueberschwemmungen nach längerer Dis- cussion an die sogenannte Agrarcommission. Am Freitag steht neben dem Etat die erstmalige Berathung der neuen Eisenbahn-Vorlage auf der Tagesordnung des Ab­geordnetenhauses.

3" »tlflien spukt abermals der alte revolutionäre Geist unter der Arbeiter- $le Steinbrucharbeiter von Quenast. strtken thellwetse und verlangen Lohn­erhöhung; zwischen den Strikenden und der Gensdarmerie kam es bereits zu einem vluligen Zusammenstöße, bei welchem mehrere der ersteren verwundet wurden und erlagen von denselben zwei den erhaltenen Verwundungen.

Politische Stundscha«

Gießen, 8. Februar.

Die welterschütterndeKatastrophe in Oesterrelch's Kaiserhause hat mit der Beisetzung der irdischen Ueberreste des unglücklichen Kronprinzen Rudolf in der Fürstengruft der Wiener Kapuzinerkirche ihr ergreifendes Finale gefundm und wenngleich die Er­örterungen und Gerüchte über das tieftragtsche Drama von Meyerltng noch immer nicht verstummen wollen, so wendet sich doch das Jnteresie allmälig wieder den lausenden Angelegenheiten der Tagespolitik zu. Ein bedeutsamer und von ungewöhn­lichem äußeren Glanze umrahmter Staatsact spielte sich in dieser Woche am Berliner Hofe durch den Empfang der außerordentlichen marokkanischen Gesandt­schaft seitens des Kaisers am Mittwoch Mittag ab. Der Empfang der marok­kanischen Gäste am kaiserlichen Hofe bot ein ungemein farbenprächtiges Bild dar, von der Auffahrt der Marokkaner an, als der Einleitung des glanzvollen Schauspieles, bis zur Vorführung der unserem Kaiser vom Sultan von Marokko zum Geschenk gemachten prachtvollen Pferde und Ueberretchung der sonstigen Geschenke, als kostbare Waffen, marrokkanische Industrie-Erzeugnisse u. s. w. Den Mittelpunkt des Ganzen bildete natürlich die feierliche Audienz der Marokkaner beim Kaiser, die im historischen Weißen Saale des Berliner Residenzschlosses vor sich ging und bei welcher all' der Glanz und Pomp entfaltet wurde, welchen der Berliner Hof bei besonderen Gelegenheiten heraus- kehrt. Die Audienz selbst war nur von kurzer Dauer und bestand im Wesentlichen aus der in arabischer Sprache gehaltenen Anrede des außerordentlichen marokkanischen Botschafters Std Abdessalam ben Rtchtd ei Härtst, die von dessen Dolmetscher Mansur Melhamehl sofort in's Französische übersetzt wurde, und der deutschen Erwiderung des Kaisers, welche Mansur Melhamehl nach der ihm schon vorher übergebenen französischen Uebersetzung in's Arabische übertrug und somit dem Botschafter sofort verständlich machte. Nach der Audienz besichtigte der Kaiser die ihm vom Beherrscher Marokkos zugesandten Prachtrosse.

Im ReichAschatzamte ist der Entwurf eines neuen Zuckerfteuergesetzes im Sinne der Londoner Convention ausgcarbeitet und bereits der Begutachtung Sach­verständiger unterbreitet worden. Nach Abgabe der betreffenden Gutachten seitens her- zugeh«i Vertreter der Zuckerbranche soll der Entwurf unverzüglich dem Bundesrathe

Fevtschland.

Darmftadt, 7. Februar. Das Amtsblatt des Grotzh. Ministeriums des nnmet9R u<?bber W°z's?-ction sur Justizverwaltung, Nr. 3, enthält Ausschreiben B°m 28. Januar 1889 betreffend die Visitation der Schreibstuben der Grotzh. Notare in der Provinz Rheinhessen im Jahre 1888.

Nr. 4 enthält Ausschreiben vom 31. Januar 1889, betr. das Reglement für die Provinzialarresthauser und Haftlocale. B

Nr. Enthält Ausschreiben -om 1. Februar 1889, betreffend das Reglement für die Grotzh. Gefängnisse.

~ Februar Ernannt wurde am 5. Februar 1889 der seitherig.

Gerichtsassessor 0r. Georg Boxhetmer aus Pfeddersheim zum Regierungsassessor.

Februar. Die Erhöhung der Krondotatton wurde in der Budget- Commtsston mit allen Stimmen gegen die der Freisinnigen Richter und Virchow bewilligt. (cj )

Deutscher Reichstag.

36. Plenarsitzung. Donnerstag, den 7. Februar 1889, 1 Uhr. Das Haus tritt in die Tages-Ordnung ein.

r. uie ^nventton zwischen dem Reich und dem Freistaat Salvador über die Weitergeltung des bisherigen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrts-Vertrages wird ohne wesentliche Debatte in dritter Lesung angenommen.

II. Sodann wird die dritte Berathung des Etats fortgesetzt.

m ?rbtnarium der einmaligen Ausgaben des Militär-Etats war die Position rnftbn^u8/tanuwnön^ncr Kaserne für drei Eskadrons Cavallerte '"Darmstadt (erste Baurate) 500 000 Jt" in der zweiten Lesung gestrichen. EL b C Babenhausen^ garnisonirenden drei Eskadrons nach Darmstadt Abg. v. Massow (cons.) wird beantragt, die Pofitton zu bewilligen, befürwortet die Belassung der Kaserne in Babenhausen.

g°sundh^II,ch-n Gründ°n. n|at* befÜrtD°tlCt bk ^U-gung aus baulich«, und die°° okn'BLhkulm^r.n.mm..^°'' b6 maR

ftimmcn160* D ^uenc (®tr-): Ein Theil des Centrums wird für die Verlegung

Betreffend: Revision der Hypothekenbuchsührung.

An fammtliche Ortsgerichte des Amtsgerichtsbezirks Gießen.

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Fragliches Ausschreiben lautet:

.^4 bestehender Anordnung haben die OrtSgerichte jährlich bis zu einem von den Amtsgerichten zu bestimmenden Zeitpunkte die feit der letzten gerichtlichen Revision der Hypothekenbücher stattgehabten Einträge und Löschungen nebst Register, soweit dies ohne die amtsgerichtlichen Acten möaück gemäß M ordnen" ""^rwerfen, und die dabei gefundenen Mängel zu berichtigen, auch die etwa nicht genügend geordneten Acten instructions-- Die Amtsgerichte haben die Ortsgerichte vor Beginn der amtsgerichtlichen Revision entweder durch ein Circular oder bei Anberaumung des Revisionstermins auf dre vorstehend erwähnte Verpflichtung hinzuweisen, dabei auf die Mängel, welche vorzugsweise durch die ottsaerichtliche Revision zu beseitigen smd (mangelnde Beglaubigungen und fehlende Unterschriften, fehlende oder wesentlich mangelhafte Einträge von Hypotheken oder Löschungen rm Register, mangelhafte Abschrift der amtsgerichtlichen Verfügungen, wie Auslassungen von Worten, unrichtige Angabe des Datums der gerichtlichen Verfügungen und unterlassene Unterstreichung desselben, sowie nicht instructionsgemäß vollzogene Löschungen) ausdrücklich aufmerksam zu machen und zu bemerken, daß die schuldvoll unterlassene Berichtigung derartiger Mängel angemessener Ahndung (mit Verweis und selbst mit Geldstrafe) unterliege.

Indem wir diese Vorschriften, welche nicht genügend befolgt zu werden scheinen, in Erinnerung bringen, bestimmen wir zugleich, um ihre bessere m,rÄn?rfi*triA6fr-n' bQf ^OrtSgerichte über tue jedesmalige Vornahme der ihnen obliegenden jährlichen Revision ein Protokoll auszunehmen haben, aus welchem erftchllich sein muß daß, wann und in Gegenwart welcher OrtSgenchtSmitglieder, sowie bezüglich welcher Einträge die Revision vorgenommen wurde Gießen, am 8. Februar 1889. Grobherzogliches Amtsgericht Gießen. a

- Stammler.

Aht nunmehr seinen Widerspruch zurück, m FHCrt ebenfalls mit der Verlegung einverstanden. ä)liIitär7@tat8Ogene6mißrt mU 8ro6cr M-Srheit angenommen, auch der Rest des. den $eWilarimet®rayefDungb °W ntfwtli4e Debatte genehmigt, unverändert nach nh ®pke,dafcet,at des Reich sschatzamtes liegt vor der Antrag v. Helldorff berftenunÄ suchen, falls England die Initiative zür Wieder-

Währungsmetall ergreift - die Bereitwilligkeit zu einem. I gemeinsamen Vorgehen mit England auszusprechen.

i li(hcn D' Girbach (cons.) befürwortet diesen Antrag. Rach seinerpersön-

5 " ^""lht waren zwar auch ohne Rücksicht auf England schon wirthschaftliche Vor-