Beilage zu Ar. 57 hes „Eichener Anzeiger".
Deutschland.
Berlin, 5. Ntärz. Im Jahre 1888 sind nach dem neuesten Berichte des Reichs- Kommissars für das Auswanderungswesen 80,671 Deutsche über deutsche Häfen nach überseeischen Ländern ausgewandert. Die Zahl ist um 1198 gegen das Jahr 1887 gestiegen. Was die Staaten, bezw. Landestheile der Herkunft der Auswanderer betrifft, so zeigt sich dabei für beide Jahre fast das gleiche Bild. Im Königreich Preußen nehmen die einzelnen Provinzen fast genau in derselben Reihenfolge fan der Auswanderung Theil, nur das Vcrhältnttz von Posen und Westpreußen, den beiden in dieser Beziehung am meisten bethetltgten Provinzen, hat sich geändert. Während im Jahre 1887 Westpreußm mit 11,978 Auswanderern an der Spitze der preußischen Landestheile stand und Posen mit 8690 erst in zweiter Linie sich befand, ist für 1888 letztere Provinz mit 11,731 und erstere mit 10,969 Auswanderern verzeichnet. Es folgen sodann Pommern mit 7031 (im Jahre 1887: 6722), Hannover mit 5921 (5989), Brandenburg und Berlin mit 4452 (4254), Schleswig - Holstein mit 4397 (4163), Hessen-Nassau mit 2695 (3160), Schlesien mit 2240 (2752), Ostpreußen mit 1909 (1762) und Sachsen, Rheinland und Westfalen mit je unter 1500 und über 1200 Auswanderern. Die Auswanderung autz Bayern, zu der 1887 sich 8646 Personen entschlossen hatten, ist etwas, wenn auch wenig, auf 8334 Personen zurückgegangen. Es folgen, wie früher, Württemberg diesmal mit 4703, Sachsen mit 2115, Hessen mit 1694, Hamburg mit 1659, Mecklenburg-Schwerin mit 1121, Bremen mit 1030 Personen. Die Zahl der Auswanderer aus jedem der anderen Staaten betrug unter Tausend.
Von den Auswanderern gingen im Jahre 1888 nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika 76,757 Personen (1887: 76,115), nach Britisch Nordamerika 198 (268), nach Mexiko und Centralamerika 46 (54), nach Westindien 47 (44), nach Brasilien 998 (920), nach Argentinien 1131 (809), Peru 29 (17), Chile 157 (135), nach anderen südamertkantschen Staaten 239 (125), nach Afrika 331 (302), nach Asien 225 (226), nach Australien und Polynesien 553 (458) Personen. Man sieht aus dieser Zusammen- tteLung, daß sich auch die Auswanderungsziele wenig oder fast gar nicht geändert haben. Der einzige wesentlichere Unterschied zwischen 1887 und 1888 betrifft Argentinien. Hier hat die Zahl der deutschen Einwanderer um nahezu 40 pCt. zugenommen.
Berlin, 5. März. Die neue amerikanische Präsidentenbotschaft "erscheint' unter zwei Gesichtspunkten hochbeachtenswerth. Einmal wegen der darin entwickelten Theorien. Präsident Harrison stellt sich rückhaltlos auf den Boden des Schutzzollsystems, sowie einer specifisch amerikanischen Jnteressenpolitik in wlrthschaftlicher Beziehung, etwa analog dem bet uns in Deutschland gepflegten System des Schutzes der nationalen Arbeit. Was die auswärtige Aktion betrifft, so unterscheidet Präsident Harrison zwischen der Aufgabe seines Cabinets, Amerika vor europäischen Eingriffen in die geschlossene Interessensphäre des eigenen Continents zu wahren — Monroe- doktrtn — und der Aufgabe, die Rechte Der Union, sowie der für Handelszwecke in anderen Ländern und Inseln wohnenden amerikanischen Bürger zu schützen. Präsident Harrison hält sich von der Möglichkeit überzeugt, den Schutzzolltarif betzubehalten und dennoch der ungesunden Anhäufung von Baarbeständen in der Staatskasse ein Ziel zu setzen, ohne daß irgend eine Industrie geschädigt werde, was auf eine entsprechende Ermäßigung der Jnlandssteuern hinauskommen Dürfte, bezw. auf eine Erhöhung des Ausgabebudgets, wofür die empfohlene Verstärkung der Flotte den Weg eröffnen würde. Den Schutz des heimischen Arbeitsmarktes will die Botschaft durch Beseitigung der Concurrenz erreichen, welche das fort und fort wachsende Angebot der durch das Gros der europäischen Einwanderung repräsenttrten Arbeitskräfte darstellt. Die Spitze der 3d hoc ergriffenen oder noch zu ergreifenden Maßregeln richtet sich gegen das vollständig mittellose Jrenthum, bezw. die nicht weniger mittellose Einwanderung aus Osteuropa, da der deutsche Einwanderer in der Regel Ackerbauer ist, ein Betriebskapital mitbringt, und also weder unter die Rubrik des Paugers fällt, noch das Heer der Industriearbeiter verstärkt, also auch an der Ueberfüllung des transatlantischen industriellen Arbeitsmarktes keinen nennenswerthen Theil hat. Die praktische In
wendung der Monroedoktrin denkt sich Präsident Harrison offenbar im Hinblick auf den Panamacanalbau, überhaupt auf irgend welches Unternehmen obligatorisch, welches Amerika einer feindlichen Ueberwachung und Umgehung aussetzen würde. Der Passus der Botschaft, welche anhebt: „man sei nicht so exklusiv amerikanisch, daß anderswo vorkommende Ereignisse Amerika nicht interessirten" u. s. w., bedarf für deutsche Leser nicht erst des Cmnmenlars. „Anderswo" wird es geschrieben und „Samoa" wird es ausgesprochen. Die bezüglichen Erklärungen der Botschaft sind indessen ganz darnach angethan die Zuversicht auf eine rasche und gedeihliche Abwickelung der unter Cleveland- Bayard schen Auspizien auf der Samoagruppe hervorgetretenen Schwierigkeiten ru ^«runden Schon die Abberufung des Kapitäns Lcmn zeigt, daß ein anderer, gesunderer Wind in Washington zu wehen begonnen hat.
Vermischtes.
l t Friedberg, 5 Marz. Trotz sechs Grad Kälte verlief bei heiterem Himmel der heutige ^ruhiahrs-Pferdemarkt gleich denen der Vorjahre in jeder Beziehung günftta wodurch die Lebensfähigkeit dieses Marktes wiederholt bewiesen ist. Die Händler hattm wie immer so auch diesmal schöne Thiere zu Markt gebracht, und waren über 100 in den städtischen und privaten Ställen zum Verkauf stestellt. Der Marktplatz selbst zeigte ein buntes Gewimmel, hier waren über 200 Pferde verschiedener Race von den Oekonomen und Händlern der Umgegend zum Verkauf gebracht. Es wurde stark gemustert und viel gehandelt. Das Geschäft bewegte sich hauptsächlich in guten Arbeitspferden norddeutscher und belgischer Race. Es wurden hier JL 500 bis 1000 für ein Pferd bezahlt, ebenso auch für schwere Arbeitspferde. In Luxus- und Reitpferden wurde manches Geschäft abgeschlossen und sind hier bis zu JL 1500 das Stück verkauft worden. Nach Reitpferden war hauptsächlich starke Nachfrage. Für Pferdeschlächtereien wurden Exemplare im Preise von JL 25 bis Jü 80 genommen. Käufer waren diesmal erschienen aus Mainz, Darmstadt, Wetzlar und Gießen. Selbstredend war die Umgegend wiederum stark vertreten. Das Comite hat die 9 zur Verloosung bestimmten Pferde in guter Waare von den Händlern gekauft und kann wohl angenommen werden daß^im Ganzen nahe an 100 Verkäufe stattgefunden haben. '
T ,^/brtch, l'^März. Wie bereits von dem Herzog von Nassau bestimmt wordnr rst, wird im Falle seiner Thronbesteigung in Luxemburg das herzogliche Hausamt von hier nach Luxemburg verlegt werden, während die herzogliche Finanzkammer hier verbleiben soll. Den Beamten des Hausamtes ist bereits von dieser Bestimmung Kenntniß gegeben worden. Mit dieser Anordnung und den bereits getroffenen Vorbereitungen f?r einen neuen Palaftbau in Luxemburg schwindet auch die Hoffnung der hiesigen Bewohner, demnächst das hiesige prächtige Residenzschloß wieder von der herzoglichen Familie wenigstens für einen Theil des Jahres bewohnt zu fehen. Bekanntlich hat man diese Hoffnung von Jahr zu Jahr mit immer größerer Zuversicht geheat, aber gerade hierin zeigt sich der Herzog unerbittlich. Die 196 Zimmer des großen, in den Jahren 1704—1706 im neuern französischen Stil erbauten Schlosses, das seit 1744 die beständige Residenz der Regenten von Nassau war, bis es 1840 Wiesbaden weichen mußte, um sodann nur noch als Sommerresidenz benutzt zu werden, werden also höchst wahrscheinlich auch ferner gänzlich unbewohnt bleiben und mit dem großen immer mehr verwildernden herzoglichen Park auf den Beschauer denselbm melancholischen Eindruck machen wie in den letzten Jahrzehnten.
i r . tWißmann's Hausrats In einer Berliner Möbelfabrik wird soebm die daselbst bestellte und gearbeitete Mobel-Ausftattung für die Wißmann'fche Expedition nach Sansibar verpackt und verladen. Dieselbe umfaßt die Möbel für sechs Stationen und„ besteht aus Spetseschränken, Speisettschen, Stühlen, Schränken, Jnsttumenten- schranken, Feldtischen, Truhen, Spiegeln rc. sämmtltch aus einfachem Kienholze, ae- Nmackvoll lackiert, dem Tropenkltma angemeffen. Die Sendung wird einige 50 große Stiften füllen.
Freitag den 8. ds. Mts.,
Nachmittags 2 Uhr,
in der früher Bramm"scheu Hofraithe zu Gießen sollen gegen Baarzahlung öffentlich versteigert werden:
3 Wägen, 2 Schweine, 2 Hobelbänke, 1 Handkarren, 1 Ladeneinrichtung, 2 Sophas, 4 Sessel, 2 Kleiderschränke, 2 Kommoden, 1 Regulator u. s. w.
Versteigerung vorauSfichtltch theil- WeiU bestimmt.
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Allgemeiner Anzeiger.
SW
Bekanntmachung.
Die Lieferung der Stoffe zu Kleidern für arme Confirmanden auf Ostern 1889, bestehend in Knaben-Anzügek von schwarzem Tuch, schwarzem Cachemir, weißem und farbigem Flanell, soll im Submissionswege vergeben werden und sind deßsallsige Offerten unter Beischluß von Mustern bis spätestens zum 11. dS. MtS. bei Armenkafferechner Laub er verschloffen abzuqeben.
Gießen, am 2. März 1889.
Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.
I. V:
Keller, Beigeordneter.
Bekanntmachung.
Die Lieferung von 40 Raummetern lvrrcheu-Scheitholz für das Bürgerhospital in Gießen soll im Submissionswege vergeben werden.
Offerten find bis zum 11. ds. MtS. bei Armenkasserechner La über verschlossen einzureichen.
Gießen, am 4. Februar 1889.
Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.
I. V.:
Keller, Beigeordneter.
Bekanntmachung»
Die Lieferung des Armenbrodes und des Bedarfs des Bürgerhospitals an Brod, Wecken, Kuchen, Mehl, Mlch, Fleisch, Schmalzsett, Colonialwaaren und Hülsenfrüchten, Seife, Petroleum, Butter, Eier rc., sowie die Fertigung der Schuhe und Särge für Arme soll im Wege der Submission vergeben werden und sind Offerten hierauf verschloffen unter Beifügung von Mustern ms zum 11. dS. MtS. bei Armenkafferechner La über, bei welchem auch die Bedingungen eingesehen, sowie die zur Submission auf Colonialwaaren rc. zu verwendenden Formularien bezogen werden können, einzureichen.
Gießen, am 4. März 1889.
Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.
I. V.:
______Keller, Beigeordneter.
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