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Nr. 57. Freitag den 8. März

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Orrrearrr Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich ? Mark 20 Pf. mit Bringerlohn» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf:

Am 1 kichrr Hyeit.

Polizei-Verordnung für drn Kreis Gießen.

Betreffend: Die Beleuchtung der Fuhrwerke und Fahrzeuge zur Nachtzeit.

Alle auf den öffentlichen Straßen der Kreises Gießen verkehrenden, mit 1 Zugthteren bespannten Fuhrwerke und Fahrzeuge müssen nach Eintritt der Dunkelheit mit einer an gut sichtbarer Stelle angebrachten, brennenden Laterne versehen fein. Personenfuhrwerke, welche auf den erwähnten Straßen während der genannten Zeit verkehren, müssen durch zwei hellbrennende Laternen, welche zu beiden Seiten des Kutschensitzes anzubringen find, beleuchtet sein. Für Personensuhrwerke, welche auch in der Landwirthschast verwendet werden 8e<*8t E gut sichtbarer Stelle (am Vordergestell unter der Deichsel) anzubrmgcnde brennende Laterne.

8 2.

. Fuhrwerke und Fahrzeuge, welche unmittelbar von

ver Feldarbeit m ihrer OrtSgemarkung oder der angrenzenden Gemarkung auf dem Heimwege begriffen sind, sind von den Vorschriften des 1 befreit. !

Qkn Bezirk der Stadt Gießen gilt diese Befreiung nicht

Betreffend: Die Abhaltung von Faselschauen.

Wenn die Ladung einer Fuhrwerks oder Fahrzeug» neben oder Hinte« so wett vorsteht, daß Fußgänger, vorbeifahrende oder entgegenkommende Fuhr­werke dadurch in der Dunkelheit gefährdet werden können, so muß dieser Thei" der Ladung durch eine Laterne besonders beleuchtet sein.

§ 4-

, Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen unterliegen der Bestrafung nach § 366, pos. 10 de» Reichsstrafgesetzbuchs (Geldstrafe bis zu 60 JL oder Haft 6t» zu 14 Tagen).

§ 5.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem 1. Mai 1839 in Kraft. Gießen, den 26. Februar 1889.

Grobherzogliches Kreiramt Gießen.

_______________________v. G agern.

Gießen, am 4. März 1889.

Großherzogliches Kreiramt Gießen,

v. Gagern.

dai mit KÄteÄ* ."ÄSVT sl 'S«" » - -*« '* M-d-q-ü W

W°gegeld?-Iahlt Sen^ W' * Unb auf bem 3Kflrft ni^ »«tauft worden sind, wird, soweit die Mittel reichen, an die Besitzer ein

<Jmn 70jährigen Dienstjubiläum des Genrrslfttdmsrfchalls Grafen Moltkc.

Ein für Preußen und Deutschland hochbedeutsamer Tag ist mit diesem Freitag herangenaht, denn am 8. Marz des gegenwärtigen Jahres vollenden sich 70 Jahres f^a^wrar ^?ltke der preußisch-deutschen Armee angehört. WaS %^eTr ln b .^ben Jahrzehnten dem vaterländischen Heere wie der 8u^?inc*M1^OttOn, mit ehernen Lettern in den Tafeln der

Wel1ge,chtchte verzeichnet und in der Gründungsgeschtchte des neuen Deutschen Reiches wird der ^tame Helmuth von Moltke allzeit einen leuchtenden Platz etnnehmen. n»finTh.nn ^lc E", s^em Wesen und Ausgange entscheidend für die Neu­

gestaltung der Dinge in Deutschland waren und in ihrem Höhepunkte, dem großen Kampfe der deut chen Stamme mit dem wälschen Erbfeinde vor nun bald zwanzig Jahren, zur Errichtung des mächtigen neuen Deutschen Reiches führten, hat der ^^^bndenker die vaterländischen Waffen zu immer glänzenderen Stegen /nd hierdurch in glücklichster Verbindung mit der Staatskunst des großen Kanzlers uns Deutschen eine neue Aera des nationalen Lebens eröffnet.

n t,Jr<nu ba§ ^jährige Dienstjubiläum des berühmten Strategen zunächst Sol ttins^ÄL"ichtltchm miUlSrsichen L-tstung-n auf den Schlachtfeldern Schleswig- S?en! und Frankreichs erinnert, so lenkt es doch zugleich den Blick auf iWirken dieses Mannes, wie es in mühevoller, jedoch rastloser Arbeit die herrlichen Triumphe der preußisch-deutschen Armee vorbereiten half.

* 5b Jahren gehörte Graf Moltke dem Generalstabe an, seit drei lÄtne? Stellt?^/rften Ressorts der Armee und namentlich in

1 mit Nie nachlassender Kraft und RegUmkeit des Geistes jene ^ei! ^eres vorbereitet, die den Namen Moltke unauslöschlich mit der ThätTnf!?t ?r^lLnprn^iT verknüpfen sollten. In dieser seiner dr^ßtgjährigen Hnh sich Graf Moltke als ein unvergleichlicher Führer

modernen KrÄaes und Anschauungen über das Wesen des

SJUmpnhLnn tr Ä? ? im deutschen Generalstabe den Geist entwickelt, welcher ' K0.?er Massenheere eines Volkes in Waffen erweckte und retltate Die !

® deöeranPa ^"^üstu)rg, Ausbildung und kriegstüchttge Erziehung nnVh4Cäfd)ÄUtfttien H^res ist im Wesentlichen das Werk des ,,aio6en ©Äer"9 ?rbfle nur dadurch ermöglicht, daß der GeneL thpnrTtH*611 ^r^e^wesens, durch das unermüdliche, alle Fächer des praktischen wie von Mouk" ^"itärischen Wissens von Grund auf umfassende Wirken Helmuth als Muster Mrdiealeicken^nmi,.^^ rocI^e no$ heute den deutschen Gemralstab 9ifrprk4a^cr anderen Heere erscheinen läßt.

an der ^Spitz^ des ^?!?^^retse Feldmarschall seinen heutigen Ehrentag nicht mehr : so lan^e oeranta,ortun0§reid,e Amt, das er

bie $)Änbe Pin^aU?\ unb ^^/oßc des gelammten Vaterlandes bekleidet, in |

gnHhCfnc§TJCkner lungeren Schüler nieder; in pietätvollster Weise hat iedock

Frager Jo ruhmreicher Erinnerungen zum Präses der Landesoertheidigungs-Commission ernannte. Das deutsche Volk darf hoffen, daß Graf Moltke auch in dieser Stellung noch fernere Jahre zum Wohle des Heeres wie der Nation wirken wird und der Umstand, daß der nun im<89. Lebensjahre stehende ehrwürdige Veteran sich noch einer vollkommen"begründet ZL-n k°rp°rNch°n Rüstigkeit erfreut, I36t jene Hoffnung al$

. Mt ein leiser Schatten auf den Jubeltag des Hochoerdienten Greises, die wehmuthige Erinnerung daran, daß sich am heurigen 9. März ein Jahr vollendet, fett e.CVa Waffengefährte Mottke's, der ruhmreiche Gründer des neuen Reiches »" a(uS r£cb.en toieb. Aber wenn die deutsche Ration dieses Tages «fbcnkf so weiß sie doch, daß das Werk des großen Koffers tmerschüttert h^ ,n ,e« .'r?ta8 lel? @elf? namcn'lld> auch im deutschen Heere kräftig sortlebt und S Bf.fan*6b? ,u(?Cflen Uvd ,u pflegen - dieser wichtigen Aufgabe widmet sich Gras Moltke auch in feinem nunmehrigen Wirkungskreise mit bewundernswerther KuWbe Alle deutschen Stämme bringen daher zum 70jährigen Dienstjubiläum Moltke s, welches der Jubilar in der ländlichen Stille seiner schlesischen Befftzmia feiert, ihre innigsten Wünsche dar und diese wiederum vereinigen sich zu dem allgemeinen ^cr berühmte Heerführer, der einen fo hohen Ehrenplatz in der Geschichte

beä Vaterlandes einnimmt, noch lange. Zett in Frische des Geistes und Körpers durch das Leben wandeln möge. v w

-evlschkaad.

der«», «.März. DerExerciermeister des deutschen Kronprinzen, Feldwebel Kam von der 2. Eoinxagnie des ersten Garderegtrnenis zu Fuß, wurde am Sonntag Compagnieches verhaftet und mußte in Gegenwart sammtltcher Mannschaften dm Degen abgeben. D-e Grunde der Verhaftung sind unbekannt. (Kl. Vr.)

6. Mörz. Das Gesammlresultat der Reichstagswah! in Celle- dem »Hann. Cour." folgendes: Otte (Cartell) 7649, o. d. Decken lW- ff ^74. Warnecke (Socialist) 1708, Gieseke (freif.) 704; zersplittert 29 Stimmen Zwischen Otte und v. d. Decken wird also eine Stichwahl stattfinden.

Serviere

fip.ttP S8* ^crblSkroiJ baS 6"nze übrige Europa wurden durch die

heute bestätigte Nachricht von der Abdankung Könia Milans überrascht; schneller 2 * Sro?l c ^ ^ch sonach die vor kurzer Zeit geäußerte Vermuthung verwirklicht, ^orabcnb großer Ereignisse stehe. König Milan hat schon des öfteren seine Absicht der Krone zu entsagen und sich in's Privatleben zurückzuziehen, geäußert, indeß mar es bei den sich so oft wldersprechenden Nachrichten aus den Belgrader Hof- SS? ffcVU fa0en' diese Absicht des Königs wirklich zur Ausführung kommen m Pininp^ ^bems;nu5>mcb" ble Thronentsagung König Milans zur Thatsache geworden, sei einiges über die Vorgänge bei derselben mitgetheilt. DieFrankfurter Zeitung' meldet hierüber vom heutigen Tage: Am Vormittag wohnte der König in Begleitung deo gesammten Hofstaates dem feierlichen Tedeum in der Kathedrale bei und empfing hierauf des Mittags im Beisein des Ministerpräsidenten Nicola Christic und be<