1 Uerbandstäg der landwirthschaftlichen Ereditgenossenschaften im
Großherzogthum Hessen.
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Politische Rundschau
(Ziehen, 6. Juni.
Es sind in den letzten Tagen abermals Nachrichten über bevorstehende Monarch««' besuch« am B«rlitt«r Hof« durch die Press- gegangen, u. 21. auch wiederum Uber ’n Gegenbesuch des Ezaren in Deutschland. Als Zeitpunkt für denselben ist hierbei End- August angegeben worden, mit dem Hinzusügen, der Kaiser Alexander werde feine Reis- nach Deutschland von Kopenhagen aus avtrcten und hierbei wahrscheinlich vom Könige von Dänemark begleitet sein. Aber auch dieser Angabe gegenüber muß immer wieder betont werden, daß all- Mittheilungen über den so beharrlich angekun- dtgt-n Czarenbesuch in Deutschland nach wie vor als bloße Permuthungen angesehen werden müssen und daß die bezüglichen Meldungen daher fortgesetzt nur mit allem
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nn. Darmstadt, 5. Juni.
Unter dem Vorsitz des Verbands-Directors Herrn Kreisrath Haas-Offenbach tagte heute im Hotel Darmstädter Hof hier die Verbandsoersammlung der landwirth- schaftltchen Ereditgenossenschaften im Großherzogthum Hessen und waren hierzu etwa 48 Vereine durch ca. 95 Abgeordnete vertreten.
Nachdem der Vorsitzende die zahlreich erschienenen Vertreter begrüßt hatte, wurde zur Erledigung der sehr umfangreichen Tagesordnung geschritten und ist daraus das Nachfolgende hervorzuheben.
Zunächst wurde Seitens der Verbandsleitung auf die nöthtg werdende Statuten- Aenderung hingewiesen, welche durch das nunmehr in Kraft tretende Genossenschafts- Gesetz erforderlich werde. Aus dem bis jetzt noch nicht im Druck erschienenen Rechm- schaftsbericht konnte bekannt gegeben werden, daß der Verband Ende 1887 aus 81 Ereditgenossenschaften mit einer Mitgliederzahl von 7532 bestand. Ende 1888 umfaßte derselbe 86 Vereine mit einer Mitgliederzahl von 8072; bis heute aber sei der Verband auf 98 Ereditgenossenschaften mit einer Mitgliederzahl von ca. 9000 gestiegen. Gewiß ein erfreuliches Resultat und für die Landwirtschaft von größter Bedeutung.
Ueber die Erfolge, welche der Verband im abgelaufenen Jahre erzielt hat, ist zu berichten, daß derselbe namentlich auf Vereinfachung der Rechnungsführung in organisatorischer Hinsicht Bedacht genommen habe, um Mißstände, die sich ergeben hatten, zu beseitigen. Bezüglich des Umsatzes konnte der Vorsitzende berichten, daß während der Umsatz zu Anfang der Geschäftsperiode nur 4 Millionen Mark betrug, derselbe bis Ende 1888 aus 415 Millionen Mark stieg.
Zum Kastenwesen wird mitgethetlt, daß im Berichtsjahr 1888/89 8734 je vereinnahmt, dagegen 8259 v4L verausgabt wurden. Die Rechnung war durch die Rechnungsrevtioren geprüft und nicht beanstandet worden. Dem Verbandsdirector wurde daher Decharge erteilt. Von den weiter verhandelten Gegenständen ist noch hervorzuheben, daß durch das neue Genossenschafts-Gesetz eine wesentliche Revision in der Organisation der Genossenschaften bedingt werde. Ueber diese Frage sei aber auf dem letzten Verbandstag in eingehender Weise verhandelt worden. Es sei deshalb nicht mehr nöthig, heute noch einmal darauf zurückzukommen. Es bestanden ferner seither obligatorische Verwaltungsrevisionen und facultative Rechnungsreoisionen. Für letztere wurde seither eine besondere Gebühr erhoben. Nunmehr wird vom Verbandsausschuß vorgeschlagen, daß auch die Rechnungsrevtsion für alle dem Verband angehörigen Genossenschaften obligatorisch sein soll. Man nehme an, daß nach einer vorgenommenen Verwaltungsreoision eine nachfolgende Kassenrevision gehöre, um zum gewünschten Ziele zu gelangen. Die gleiche Einrichtung bestehe in Baden und Württemberg seit einigen Jahren.
Nach einer längeren Debatte, an welcher sich der Vorsitzende, sowie die Herren Pfarrer Fuchs, Director H e i d e n r i ch - Wiesbaden, Wanderlehrer Weitzel, Schmidt- Guntersblum, Balser-Büdingen, Dettweiler-Laubenhetm, von Wedekind- Darmstadt und Andere betheiligen, wird der Ausschuß-Antrag mit großer Majorität angenommen. r „ r,, t
Bezüglich der Verbandsbeiträge der Genossenschaften waren dieselben seither dahin geregelt, daß eine Grundtaxe von 15 JL pro 1OOO JL festgesetzt war. Da nun im Verband für die Folge auf Grund des neuen Genossenschafts-Gesetzes umfangreiche Arbeiten und hierdurch Druck und Portokosten entstehen, wird vorgeschlagen, die Grund- taxe von 15 JL zu belassen, dagegen weiter 15 H pro 1000 JL Umschlag zu erheben. Es würde dieses aber für manchen größeren Verein, wie z. B. Büdingen, welches einen beträchtlichen Umsatz hat, eine weitere Steuer von etwa 500 JL ausmachen. Dagegen wehrte man sich mit aller Entschiedenheit.
Nach einer längeren Debatte wird ein Antrag Schmidt-Guntersblum, den Genossenschaftsbeitrag der Leistungen auf 120 M incl. der Grundtaxe von 15 JL fest- zusetzen, mit Majorität angenommen.
Im Weiteren refedrt der Vorsitzende über die durch das Genossenschafts-Gesetz, welches bekanntlich im October dieses Jahres in Kraft tritt, nöthig werdenden Statutenänderungen. Er betont namentlich, daß für die landwirthschaftlichen Ereditgenossen- schasten es nöthig sei, daß dieselben bei der unbeschränkten Haftpflicht verbleiben müßten, um zu einem gedeihlichen Ziele zu gelangen. Es sei ferner geplant, ein Muster-Statut auszuarbeiten und den Verbandsmitgliedern zuzustellen. Hauptsächlich wurde hervor- gehoben, daß das neue Gmvssenschaftsgeseh ein Verbot enthalte, daß für die Folge Geld an Nichtmitglieder nicht mehr ausgeliehen werden dürfe, dagegen könnten Nichtmitglieder Gelder beim Verband anlegen. Ferner bestimme dasselbe weiter, daß neben dem Vorstand auch noch ein Aufsichtsrath bestehen solle. Ferner sollen an neu eintretende Mitglieder Gelder erst dann verabfolgt werden, wenn solche in die gerichtlich zu führenden Genostenschaftsregister eingetragen sind. Bei austretenden Mitgliedern können die Genossenschaftsanteile auf Neueintretende überschrieben werden. Zum Schluß der trefflichen und klaren Ausführungen des Vorsitzenden schlug derselbe eine Resolution dahin lautend vor, der Verband möge beschließen, daß dahin zu wirken sei, daß die Genossenschaften auf unbeschränkter Haftpflicht bestehen müssen. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. L
Die weiteren Verhandlungen boten kein besonderes Jntereste und wurden diese um Vr2 Uhr geschlossen. Später versammelten sich die Vertreter zu einem gemeinsamen Mittagsmahl.
Beilage zu Jlr. 131 öes „Mmer Anzeiger"
Vorbehalt aufzunehmen sind. oi , , . !
Das ungarische Abgeordnetenhaus hat am Dienstag nach mehrfach stürmischen Debatten das Budgetgesetz mit überwiegender Mehrheit angenommen. Dasselbe war von der Opposition zum Ausgangspunkte erneuter heftiger Angriffe j gegen den Ministerpräsidenten Tisza und seine Politik gemacht worden, aber die An- j nähme des Budgetgesetzes beweist, daß sich der leitende Staatsmann Ungarns fortgesetzt des unerschütterlichen Vertrauens der liberalen Parlamentsmehrheit erfreut. Dasselbe n arbe ihm auch auf dem ihm zu Ehren von der liberalen Partei gegebenen Banket bandet, auf welchem Tisza der Gegenstand stürmischer Ovationen war. Er brachte zum Dank einen Trinkspruch auf die liberale Partei aus, in dem Tisza darauf hin- rvies, wie sehr sich diejenigen täuschten, welche glaubten, selbst zur Macht zu gelangen, } iobalb sie einen Mann entfernt hätten. Schars verurteilte er die Bestrebungen der » Opposition, welche unter dem Deckmantel des Radicalismus die Reaction einschmuggeln | Uten um sich später mit der Reaction im Interesse des Radicalismus und der , (Störung der Ordnung zu verbinden. So lange die liberale Partei bestehen bleibe — Moß Tisza — würden diese Bestrebungen in Ungarn nie zur Macht gelangen. — Tisza hat mit dieser Rede den ungarischen Oppositionsparteien einen getreuen Spiegel ihrer selbst vorgehalten!
PrLffdent Carnot ist von seiner Rundreise durch die nordfranzösischen Jndu- I sirie- und Kohlenbezirke am Dienstag Abend nach Paris zurückgekehrt, nachdem er poch in Boulogne eine Flottenrevue abgehalten hatte. Die verschiedenen politischen Kundgebungen, welche die jüngste Rundreise des französischen Staatsoberhauptes zeitigte, fanden ihren Abschluß mit einer in Calais gehaltenen Rede Earnot's, in welcher tr natürlich wiederum die Republik feierte, welche alle Unglücksprophezeihungen ihrer Gegner zu Schanden gemacht habe. Earnot soll mit dieser Rede großen Eindruck erzielt hrben, wie denn überhaupt seine Reise durch die nördlichen Departements Frankreichs a'.s politisch erfolgreich bezeichnet werden muß. Gerade der Norden des Landes galt als am meisten vom Boulangismus angefteckt und um so bemerkenswerter erscheint die Thatsache, daß es auf der nun beendigten Rundreise Earnot's zu keiner einzigen boulangistischen Demonstration gekommen ist. — Der französische Minister des Auswärtigen, Herr Spuller, hielt am Dienstag in der Deputirtenkammer gelegentlich verschiedener Anfragen eine hochpolitische Rede. In derselben hob er das glänzende Gelingen der Pariser Weltausstellung hervor und erklärte er, daß in ihr die Politik des Friedens und der Gerechtigkeit, welche die französische Regierung verfolge, zum erbebenden Ausdruck gelange. Die Ausstellung sei ein Zeugniß der Kraft des modernen und republikanischen Frankreichs und diese Politik weise keine Großsprecherei und keine Schwäche auf, sie wisse, was sie wolle und gelte, nur müsse sie mit Klugheit vnb Geduld gehandhabt werden. Die Rede Spuller's schloß mit der Versicherung, Frankreich sei ruhig, weil es stark sei; jedenfalls klingt aus den Worten des Leiters der auswärtigen französischen Politik ein starkes Selbstbewußtsein hervor.
Dem neuen rumLnischeu Ministerium Catargi ist es bislang noch immer gelungen, die Anstürme seiner parlamentarischen Gegner siegreich zurückzuweisen. Auch der jüngste Vorstoß der vorzugsweise aus den Anhängern des gestürzten Cabinets Earp-Rosetti bestehenden rumänischen Opposition, welcher speciell dem Finanzminister . Vernescu galt, hat keinen besseren Erfolg aufzuweisen gehabt. Es war von denselben ein Tadelsvotum gegen Vernescu beantragt worden, die Kammer lehnte indessen den Antrag nach scharfer Debatte mit 77 gegen 65 Stimmen ab, offenbar steht das Eabinet Catargi fester als es zuerst den Anschein hatte.
Gegenüber dem jubelnden Beifall, mit welchem König Humbert nach der Rückkehr von der Berliner Reise in Italien empfangen worden ist, nehmen sich vereinzelte Gegendemonstrationen um so kläglicher aus. Zu einer solchen kam es dieser Tage in Bologna, wo man eine Garibaldi-Feier veranstaltete und hierbei zugleich für Frankreich tnmonftrirte. Hunderte von Arbeitern, Bürgern und Studenten zogen mit vielen Fihnen vor das französische Eonsulat und brachten hier Hochrufe auf Frankreich aus, doch protefttrten wiederum studentische Gruppen laut gegen die Hochs der Franzosenfreunde. Die Polizei zerstreute schließlich die Menge, indessen ging dies nicht ohne zahlreiche Verhaftungen von Demonstranten ab.
In Rom werden für diesen Pfingstsonntag ernste Tumulte anläßlich der Giordano-Bruno-Feier befürchtet; die Regierung trifft große Sicherheitsmaßregeln.
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