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6.11.1889 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 6. November.

Gie^enev Anzeiger.

Beilage zu Nr. 259.

1889.

vermischte».

:i: Die Stürkezahl des in den einzelnen (Saruisousorten des Großherzogthums Hessen stehenden Militärs wird in einer Uebersichr über öffentliche Gesundheitspflege wie folgt ange­geben: Mainz 8770 Mann, Darmstadt 3 t 20 Mann, Gießen 1860 Mann, Offenbach und Worms je 550 Mann. In Babenhausen dürften 400, in Butzbach 260 Mann Militär stehen.

A Mainz, 4. November. Anläßlich der Eröffnung des neuen Gymnasialgebäudes fand heute Mittag im Akademiesaal des Kurfürstlichen Schlosses eine entsprechende Feier statt, der als Vertreter der hessischen Staatsregierung Geh. Staatsrath Knorr, Oberschulrath JL)r. Soloan und Ober­baurath von Velzin anwohnten. Den Haupttheil der Feier bildete die Recitation der Antigone von Sophokles in der Damer'schen Uebersetzung, von Gymnasiasten der oberen Elassen vorgetragen und begleitet von den musikalischen Chören, Solis, Melodramen re. von Mendelssohn. Dieser mit großer Sorg­falt einstudirten Darbietung schloß sich eine Ansprache des Directors des Gymnasiums, Prof. Dr. Menge an, worin er unter Abstattung des Dankes an alle Factoreu, die für die Erstehung des Neubaues gewirkt, betonte, daß die Grund­sätze, welche das Gymnasium in seiner alten Behausung ge­habt, auch auf dasselbe im neuen Heim übertragen werde. BachnersMacto Imperator mit neuunterlegtem Text von Gymnasiallehrer Nover schloß die Feier, der sich alsdann eine gemeinschaftliche Besichtigung des Neubaues anreihte.

A Mainz, 4. November. Hier rechnet man fest darauf, daß K a i s e r W i l h e l m in nächster Zukunft auch Die Festung Mainz besuchen wird. In dieser Voraussetzung Hal die Bürger­meisterei bereits einen Kostenvoranschlag über die bei dem Empfang nothwendigen Decvrirungen verschiedener Straßen ausarbeiten lassen, der sich aus 22,000 M. beziffert. Auch die Verwaltung der Ludwigsbahn hat schon entsprechende Vor- kehrlmgen getroffen.

Im hiesigen Güterbahnhos geriet!) gestern Abend ein Hülssarbeiter von Rüsselsheim beim Rangiren zwischen zwei zusammenstoßende Güterwagen und wurde sofort ge- dtet.

A Aus dem Nheingau, 4. November. Die seither ge­übte Praxis, daß die in der Abtei Eberbach untergebrachten Strafgefangenen aus den umliegenden Gütern gegen geringen Lohn in der Landwirthschaft beschäftigt werden, ist durch eine Verfügung der Regierung jetzt verboten worden und dürfen nur Strafgefangene zu derartigen Arbeiten benutzt werden, wenn die hierfür geleistete Entschädigung nicht ge­ringer als die in der Gegend jeweils üblichen L^hne.

Abkürzung der Fahrzeit von und nach Amerika. Es wird beabsichtigt, die zwischen Europa und den Vereinigten Staaten sahrenden Personendampfer zum Theil nicht mehr in Liverpool, sondern an dem vorgeschobensten Punkte des westlichen Englands, in Milford landen zu lassen und die Landungsstätte aus dem amerikanischen Continent in Hoboken und Jersey City nach dem vorgeschobensten Punkte in Staten- Jsland zu verlegen. Die dadurch erhoffte Abkürzung des Weges wird aus 24 Stunden berechnet. Es tritt somit zu der Verstärkung der Maschinen, durch welche in den letzten Jahren die Beschleunigung der Oceanfahrten erzielt wurde, noch ein zweiter Factor, die Verkürzung des Weges, so daß in der Thal die wirkliche Oceansahrt sich nach Vollendung des Planes aus etwa 53/4 Tage wird verkürzen lassen. Ein Kabel telegramm ans Newyork meldet nun, daß das Newyorker Postamt beabsichtige, zur Beschleunigung des Postdienstes zwischen New- york und San Francisko einen Dienst einzurichten) der etwa 108 Stunden gleich 4J/2 Tag fahren soll. Ein Brief von Berlin nach San Francisko würde also, unter Voraussetzung nicht phantastischer, sondern thatsächlich möglicher Anschlüsse folgende Zeit in Anspruch nehmen: BerlinLondon 1 Tag, LondonMilford einschließlich Einschiffung 6 Stunden, Mil­fordNewyork, einschließlich der Eisenbahnsahrt ans dem amerikanischen Festlande, 6*/4 Tag, NewyorkSan Francisko 4j/2 Tag gleich in Summa also 12 Tage. Rechnet man für Zeitverlust noch 1 Tag hinzu, -so dauert die Reise immerhin nur 13 Tage. Und damit ist die Grenze des Erreichbaren noch immer nicht gezogen. Vor 12 Jahren, vor Vollendung der ersten Pacific-Bahn, also zu einer Zeit, zu der es noch keine Schnelldampfer gab, brauchte man von Berlin nach New­york 14 Tage und von Newyork nach San Francisko etwa 22 Tage, selbst vor acht Jahren war die denkbar schnellste Fahrt von Berlin nach dem stillen Ocean immer noch 22 Tage. Wo bleibt da Jules Verne mit seiner Reise um die Welt in achtzig Tagen. Jenes Phantasiegebilde ist schon überholt, wie lange noch und man wird mitleidig auf die Zeit blicken, in der man so langsam um die Welt herumkrebste!

Komiker und Unternehmer. Der in England seiner Zeit einer beinahe unglaublichen Beliebtheit sich ersrcuende Komiker Sothern bestellte einmal bei einem Unternehmer von Leichenbegängnissen alles für ein Begräbnis; im vornehmsten Stile Nothwendige. Nachdem er im Verlauf des nächsten Tages zweimal sich nach dem Fortgang der Vorbereitungen erkundigt hatte, erschien er Abends abermals und fragte den Unternehmer, wann er in den Besitz des Leichnams gelangen könnte.Des Leichnams?" fragte der Unternehmer bestürzt. Nun ja doch," erwiderte Sothern.Besorgen Sie den nicht auch?" Als der Unternehmer ihn hierauf hilflos

anstarrtc, zog Sothern eine Empfehkungskarte des Geschäfts hervor, hielt sie ihm hin und sägte:Hier steht doch deutlich: Alle zu Leichenbegängnissen erforderltchen Dinge werden gut und prompt besorgt. Ist nicht die Leiche das erste aller er sorderlichcn Dinge?"

Vacante Stellen für Militärauwärter im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Offenbach, Großh. Oberstaats­anwalt Darmstadt, Gesangenwärtcr am Hastlocal, aus Wider­ruf, eine baare Remuneration von 720 M. jährlich. Alzey, Groß. Ober-Staatsanwaltschaft Darmstadt, Gefangenwärter am Haftlocal, auf Widerruf, eine baare Remuneration von 300 M. jährlich, freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung.

Verfälschte schwarze Seide.

Man Dcrbrenue ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt lojorl zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz heübräunlicher Farbe. Ver­fälschte Seide (die leicht speckig wird und bucht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seide.nfabrik-D<pöt von <x. Henne- berg (ä. u. Ä. Hoflief) Zürich versendet gern Muster von seinen echten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porio- und zollfrei ins Haus- 8136

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Es kann nicht genug wiederholt werden, und ist auch darüber schon Vieles von Autoritäten geschrieben worden, daß Oele und Pomaden bic Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staube« sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen er­zeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwindelhafte Reclame unbedacht, ob das Ver­sprochene zu erfüllen möglich sei Hunderltausende für schäoliche Haarmittel ausgeben und tn dem Wahne leben, neue Haare aus kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur den EharlatanismuS unterstützen und ihrer Gefundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zetten von dem unnatürlichen Dressiren der Kopf­haare abzulassen und dafür ein wirklich gutes conscroirendes Haar- mittel statt der insgesammt schädlichen Oele und Pomaden zu ge­brauchend Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann daS

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Es sind der Wahlvorschläge schon jo viele gemacht und meröeii jeden» falls noch weitere erscheinen, daß dem armen Wähler fast schwindlig wird. Jeder Vorschlag soll der beste sein, alle Vorgeschlagenen werden alles mög­liche für die Stadt leisten. Ob es aber wahr werden wird? Ein wirklich praktischer und von jedem Wähler annehmbarer Vorschlag ist eigentlich noch nicht erschienen. Darum soll er nachstehend kundgegeben werden.

Mitbürger! Seht euch einmal die Namen der Herren H. Adami, Bauunternehmer, Louis Flett, Oeconom, Wilhelm Gail, Fabrikant, Fr. Habenicht, Fabrikant, L. Hehligenstädt, Fabrikant, I. Hoch, Rentner, M. Homberger, Fabrikant, R. Scheel, Kaufmann, F. Schiele, Ingenieur, E. Schmoll, Fabrikant, A. Thaer, Universitäts-Professor, H. Vogt, Rentner

an und prüfet den Vorschlag. Es sind hier Männer aus allen Ständen vertreten, we-che gewiß ihre Erfahrungen in den Dienst der Stadt stellen und ihr dadurch in der Entwicklung förderlich sein werden.___________8901

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