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Lokales

9. Februar d.

Stenographie, Verehrung zu unermeßlichen

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenz- Bureau«

Deutscher Reichstag.

33. Plenarsitzung. Montag, den 4. Februar 1889, 1 Uhr.

Der Abg. Magdzinski (Pole) ist am 1. d. M. plötzlich verstorben.

In einem Schreiben des österreichischen Botschafters Grafen Seckzeny theilt derselbe mit, daß er den Ausdruck der Theilnahme des Reichstagspräsidenten an dem Ableben des österreichischen Kronprinzen seinem Monarchen habe zugehen lassen.

Das Haus tritt in die Tages-Ordnung ein.

Der Gesetzentwurf betr. die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen und der Gesetzentwurf betr. die Convention über den Brannt­weinhandel unter den Fischern der Nordsee werden beide in dritter Lesung debattelos angenommen.

r, . Gießen, 4. Februar. (Gabels bergerfeier) In diesen Tagen rüsten

ftch iu ollen Gauen Deutschlands die Gabelsberger Stenographenvereine, um den 0 k I., den 100. G-burlswg ihres Meisters, des Erfinders der den,scheu

würdig zu begehen, Gabelsbergers und seiner Erfindung in dankbarer gedenken. So bescheiden uns die stenographische Kunst ja auch in der . - - Fülle menschlichen Wissens und Könnens erscheint: ohne sie würde

unser ganzes Kulturleben doch eine Lücke ausweisen, die vielfach schmerzlich empfunden werden mußte. Von dem Erfinder ursprünglich nur zur Aufnahme von Parlaments­verhandlungen bestimmt, hat sie sich in wenigen Jahrzehnten zu einer Bedeutung emporgeschrvungen, die nur Unkenntniß oder Widerwilligkeit nicht anzuerkennen ver- moch.en. Wenn die Stenographie trotz alledem noch nicht zur vollen Anerkennung gelangt ist, so wird gerade diese Feier sämmtltche Jünger Gabelsbergers wieder zu neuer Thatigkett, zu neuem Eifer für die Erreichung ihres Zieles i die Stenographie zu einem Gemeingut aller Gebildeten zu machen, anspornen. Auch der Gabelsberger Stenographenverein zu Gießen gedenkt den 100. Geburtstag Gabelsbergers am 9. und 10. Februar festlich zu begehen, in der sicheren Hoffnung, daß sich außer den Mitglie­dern des Vereins auch sehr viele Freunde der Stenographie an der Feier betheiligen werden. Das Programm ist folgendermaßen festgesetzt: Samstag 9. Februar Abends 8 Uhr Festessen (Couvert 2 Mark. Eine Liste zum Einzeichnen liegt für Nichtmtt- glieder des Vereins bis Freitag Abend in der Ferber'schen Buchhandlung offen). Sonntag 10. Februar findet ein Ausflug statt.

Gießen, 5. Februar. Wie aus dem heutigen Jnseratentheil zu erfahren ist, rüstet sich auch der hiesige Radfahrveretn zu seinem zweiten Winterfeste, welches kommenden Sonntag den 10. er. in Stein's Garten stattfindet. Wir haben im Vorjahre gesehen, daß es auch dieser Verein versteht, seinen Mitgliedern einen genuß­reichen Abend zu schaffen und verspricht das diesjährige Winterfest mit seinem neuen Programm ein wohlgelungenes zu werden.

Gießen, 5. Februar. Am 26. v- Mts. wurde in einem Hause der Schloßgasse dahier entern Studenten Uhr und Portemonnaie mit Inhalt aus dem Zimmer ent­wendet. Der Dieb, welcher zwar alsbald ermittelt, konnte jedoch wegen seiner schleu­nigen Abreise nicht verhaftet werden. Gestern Abend nun wurde derselbe auf hiesiger Herberge wieder erkannt und festgenommen. Die Uhr hat er im Pfandhause zu Frank- furt versetzt und Pfandschein sowie auch das gestohlene Portemonnaie verkauft.

Nrriversttitts - EhrorriL.

_ Die Zahl der weiblichen Studenten in Zürich beträgt im laufenden Winter-

Semester 70. Davon studieren 46 Medictn, 21 Philosophie und 3 Jurisprudenz. 10 dieser studierenden Damen sind Schweizerinnen, von denen 8 Medictn und 2 Philo­sophie studieren. Das größte Contingent hierin stellt immer Rußland. Aber während es ftüher zumeist nur Töchter begüterter Familien waren, welche dem Studium sich, zuwendeten, sind es heute fast durchgängig Russinnen der unteren Volksklasien, mnche hier medictnische Studien betreiben, um sich dann in ihrer Heimath als Dorfärzte niederzulassen. Es sind jetzt 24 Jahre her, seitdem die erste Dame an der Züricher Universität immatrikuliert wurde. Die Gesammtzahl der Studierenden ist 515.

Qt/ ,,,ES1en, 4. Februar. Nach dem festgesetzten Ceremoniell fand gestern Abend

Uhr die Uebertragung der Leiche des Kronprinzen aus dessen Gemächern in die Hofburg- Pfarrkirche behufs Ausstellung statt. Die Leiche wurde vorher durch den Hosburgpmrrer eingesegnet. Im Burghofe harrte unterdessen eine tiefbewegte Menschen­menge. Das Curatorium des Handelsmuseums trat Vormittags zu einer Trauer- kundgebung zusammen. Der Präsident Graf Coronini hielt eine ergreifende Gedenk­rede und wird dem Protektor Les Museums, Erzherzog Carl Ludwig, die Bitte unterbreiten, die tiefempfundene Theilnahme des Curatoriums an den Stufen des Thrones auszudrücken. In den Kirchen fand Vormittags unter außerordentlichem An­drang feierlicher Ttauergottesdienst statt; in der evangelischen Kirche waren u. A. anwesend: der deutsche Botschafter Prinz Reuß mit Gemahlin und dem Botschafts- perfonale, die Gesandten Württembergs, Dänemarks, Schwedens, der Schweiz, Prinz Gustav von Sachsen-Weimar, der Erbprinz von Lippe-Schaumburg, das Herzögspaar von Cumberland, die Prinzessin Marie von Hannover, der Herzog Elimar von Olden­burg. Sammtliche Kirchen waren schwarz ausgeschlagen.

Paris, 4. Februar. Das Seinetribunal sprach die beantragte Auflösung der Panama-Gesellschaft aus und ernannte Brunet zum Liquidator mit sehr ausgedehnten Vollmachten.

' London, 4. Februar. Nach einer Reuter-Äreldung vom 3. Februar kamen Briefe des Millionärs Mackay, welcher jüngst aus Uganda vertrieben worden, vom 2b. November aus Usambiro an, worin er mittheilt, daß er keine direkten Berichte über Stanley und Emin erhalten habe, daß neue Umwälzungen in Uganda stalt- gefunden hatten. Kiwiwa wurde von den Arabern abgesetzt und durch einen jüngeren Bruder ersetzt. Vor seiner Absetzung habe Kiwiwa eigenhändig zwei Araber, die Haupt­urheber der Vertreibung der englischen Missionäre, getödtet. Der Bürgerkrieg wüthet in Uganda. Mehrere Deutsche reisten nach Lama ab.

Brüssel, 4 Februar. Die Leichen der bei dem Eisenbahnunsall um's Leben gekommenen Personen sind sämmtlich hierher gebracht worden. Die Aufräumungs­arbeiten wurden auf heute verschoben. Bedeutende Trümmer des Mauerwerks der Brücke versperren den Weg und müssen mittelst Dynamits gesprengt werden. In Hoeylaert sind 15«tödtlich Verwundete, darunter mehrere Kinder, untergebracht. Der Eisenbahnminister besuchte die hierher gebrachten Verwundeten. Fast alle Verunglückten erlitten schwere Verletzungen der Beine. In den Krankenhäusern sind bereits acht Amputationen vorgenommen worden. Die Untersuchung über die Ursache des Unfalles ist eingelettet.

Rom, 4. Februar. In der Adresse der Kammer an den König heißt es: Der Besuch des Deutschen Kaisers bestätigte die FrLmdschaft zwischen den beiden Dynastien, die so glorreich dastehen, weil sie das Erhabenste, was Fürsten thun können, gethan, nämlich die Einheit der Nation hergestellt haben.

Rom, 4. Februar. Cardinal Ledochowskt ist an einer Lungenentzündung erkrankt; im Laufe des Nachmittags trat eine kleine Besserung im Zustande des Kranken ein. e

Februar. DieNorddeutsche, Allgemeine Zeitung" bemerkt betreffs der Washingtoner Telegramme, wonach der Präsident Cleveland dem Kongresse einen wer^ren Schriftwechsel über Samoa übersandte und Bayard den Gesandten Pendlelon m Berlin unterm 31 Januar anwies, der deutschen Regierung gewisse Eröffnungen über Samoa zu machen: Wenn auch kein Grund vorliege, die Meldung bezüglich berSfitHn0,.» £ne- irrthümliche zu bezeichnen, so sei doch zu konstatiren, daß Pendlelon der diesseitigen Regierung ketnerlet Eröffnungen gemacht habe. Pendlelon habe wegen semes bedauerlicher Weise immer noch schwankenden Gesundheitszustandes das aus­wärtige Amt überhaupt fett mehreren Monaten nicht besucht und babe auch demselben sett der vor emtgen Wochen erfolgten Wiederübernahme der Geschäfte amtliche Mit- thetlungen feiner Regierung über Samoa überhaupt nicht gemacht.

Stettin, < Februar. Der dänische DampferUffo" wurde durch Treibeis im Haff unweit der Kaiserfahrt in zwei Theile geschnitten und ist gesunken. Der Stettiner DampferHolsalia", ebenfalls durch Treibeis leck geworden, sank in der Swine. Mannschaft und Passagiere wurden tndeß gerettet. Das Danziger Bark- fchiffTheodor Lehrend" ist an der holländischen Küste gescheitert. 13 Personen, darunter der Capitan mit Frau, und Kindern, ertranken.

Februar- Der Kaiser empfing heute den ungarischen Minister für Äi^?ertherdtgung, Fejervary. Die Präsidien und Deputationen des ungarischen Reichstags, sowie fast sammtliche ungarische Minister sind zur Theilnahme an der morgenden Beisetzungsfeler hier etngetroffen.

Nach einer authentischen Meldung derPolit. Corresp." steht die Fortsetzung des v?m Kronprinzen herausaegebenen WerkesOesterreich-Ungarn in Wort und Bild", 5rage t,Ict6cn°en Denkmals der geistigen Bedeutung des erlauchten Urhebers außer

_ Abg. Kr ober (Volksp.) bekämpft das ganze Zollsystem, weil die Förderung der Interessen einzelner Berufsgruppen nicht zu billigen sei. Er glaubt weder an das Elend des Großgrundbesitzes, noch an das Elend der Bauern. Wenn man Herrn o. Kardorff und seinen Schilderungen Glauben schenken will, so möchte man,s fast vorziehen, daß der Staat am Besten thäte, den Besitz am Grund und'Boden abzulosen.

. t 2lbS-0r. o. Bennigsen (natl.): Ich halte noch heute die Kornzölle für einen der bedenklichsten Theile des Zolltarifs. Mißernten, Kriegsereignisse und ähnliche Dinge werden deren Aushebung um so leichter herbeiführen, je höher diese Zölle sind. Anderer­seits verkenne ich die mißliche Lage der Landwtrthschaft nicht, die bedingt ist durch die Verbesserung der Transportmittel. Die Wirkung der Zölle ist in den verschiedenen Gegenden ganz verschieden und bedauerlicherweise am geringsten im Osten der Monarchie, wo die Lage der Landwtrthschaft einer Besserung am bedürftigsten ist. Man müsse midererseits alles aufbieten, um die Lage der Landwirthschaft zu bessern, denn eine Katastrophe der Landwirthschaft würde die verhängnißvollsten Folgen haben. Für den mittleren und kleinen Grundbesitz wäre es von Wichtigkeit, wenn die Verbesserung des Steuerwesens in die Hand genommen würde; es könnte damit dem Grundbesitze eine größere Erleichterung gewährt werden, als durch die Zölle. Dem Anträge Bebel können wir zur Zett nicht zustimmen, denn eine so schnelle Einwirkung auf die Preise ist nicht möglich, nachdem der Verkehr sich mit dem Zolle eingerichtet hat und die Höhe der Ä)hne nöthigt ebenfalls nicht zur Aufhebung des Zolles. Die Durchschnittspreise des Getreides sind heute nicht höher als vor 10 Jahren.

cv Pr Qrterer (Ctr.) tritt dem Abg. Kröber entgegen. Gewerbe und

Industrie sind angewiesen auf die Kaufkraft der Landwirthschaft. Ueberall im Lande habe man die bestimmte Empfindung, daß die weitesten Kreise der Bevölkerung durch Aufhebung des Zolles Schaden haben würden. Die süddeutsche Bevölkerung könne die Zolle nicht entbehren. Selbst eine Verbilligung der Getreidepreise würde noch keines- wegs eine Ermäßigung der Brodpreise zur Folge haben. Wir haben das seinerzeit bei den Fle schaccisen gesehen, deren Aufhebung keine Verbilligung des Fleisches zur Folge e' wie will man denn den Zollausfall von 60 Millionen im Reichshavshalt J®rrFntröfl wird nur den Erfolg haben, die Unzufriedenheit zu schüren. Wir werden deshalb gegen den Antrag stimmen.

Abg. Rickert (dfr.) tritt wegen formeller Mängel des Antrages Schuhmacher- Stnger für dessen Berathung durch eine Commission ein. Der Hinweis des Abg v. Heydebrand auf die Handelskammer in Manchester hat wenig Bedeutung, denn diese Handelskammer hat gar keine officielle Bedeutung und der betr. Beschluß ist längst redressirt. Lohnerhöhungen infolge der neuen Wirtbschaftspolitik sind nicht nach­gewiesen,namentlich nicht durch die Lohnstatisttk der Berufsgenossenschaften, auch die Spareinlagen haben nicht zugenommen. Gerade heute sollte man an die Zollaushebung denken, wo sie noch ohne Katastrophe möglich ist, die Situation ist ernst genug, um nicht langer zu warten. Der Landwtrthschaft kann nur geholfen werden durch ein Sinken der Gutspreise, die wieder in Einklang gebracht werden müssen mit den nicht durch Zolle künstlich gesteigerten Getreidepreism.

.. Abg. vr. Fischer (natl.): Die Getreidezölle sind eingesührt als eine Noth- wendigkeit für den gefammten deutschen Bauernstand, ohne Rücksicht auf die Laae einzelner Besitzer Die Behauptung, daß die Brodpreise unmittelbar abhängen von ben Oetre bepreijen, ist aus der Luft gegriffen. Für die Aufhebung der Zölle ist keine Nothwcndigkeit erwiesen.

Hierauf wird die Debatte geschlossen.

In seinem Schlußworte erklärt Abg. Bebel (Soc.), daß der Antrag lediglich einen propagandischen Character habe, der nach außen hinauf den erwünschten RroecE nicht verfehlen werde. Die Lage der kleinen und mittleren Grundbesitzer sei ja eine traurige und vor Jahren wurden dort die Petitionen um Zollerhöhungen zahlreich unterzeichnet; heute hat man sich überzeugt, daß die Zölle nichts helfen. Mit diesem ganzen System kommen Sie nur dahin, die Privatwirtschaft durch den Socialismus zu ersetzen; damit sind wir einverstanden.

Die Verweisung an eine Commission,'wird abgelehnt. Die Vorlage kommt demnächst zur zweiten Berathung vor das Plenum.

Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. Tages-Ordnung: Kleinere Vorlagen, Wahlprufungen und dritte Etatberathung. u

Schluß 6 Uhr.

Sodann wird Die erste Berathung des Antrages Schuhmacher-Singer (Soc.) betr. die Aufhebung der Getreidezölle fortgesetzt.

Abg. Brömel (bfr.) beschuldigt den Abg. v. Kardorff der Uebertreibung bei seiner neulichen Schilderung der Nothlage der Landwirthschaft. Hätte ein Mitglied der deutschfreisinnigen Partei die Landwirthschaft dem Auslande gegenüber so discreditirt, \ wie Abg. v. Kardorff dies gethan, so würde ihm der Vorwurf des Landesverrathes \ nicht erspart geblieben sein. Er gehe auf solche elende Verdächtigungen nicht ein. (Der Präsident ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung.) Die Productions- kosten für die Landwirthschaft sind billiger geworden. Die landwirthfchaftlich bebaute 1.... T. 7V.V,UU,

Fläche hat sich vergrößert. Der Umfang der subhastirten Grundstücke, soweit er für I Landesvertheidiguna Feie'rvarv die Rentabilität der Landwirthschaft in Betracht kommt, zeigt keine nennenswerthe Er- 5^wigung, Fezeroary. Höhung. Ist es denn nicht billig, daß der Besitz, welcher alle günstigen Conjuncturen des Kapitals erfahren hat, nun auch die ungünstigen Conjuncturen ertrage? Sehr zutreffend hat Herr Schulz-Leipzig kürzlich gefordert, daß die Landwirthe sich mit aller Energie bemühen, billiger zu produciren. Da in Norddeutschland noch Getreide für den Export gebaut wird, so ergibt sich, daß das bei uns verkaufte Getreide um 7 JL pro Centner theurer ist, als das an's Ausland verkaufte Getreide. Das sei mit den Grundsätzen des Christenthums und wahrer Gerechtigkeit nicht vereinbar! (Zustimmung links.) Auch den Antisemitismus hat man mit dem Getreidehandel in Verbindung gebracht; ftüher sagte man, die Juden oertheuem das Getreide, jetzt behauptet man, sie drucken die Preise herab. Also, ob theures oder billiges Getreide, thut nichts, der Jude wird verbrannt! Das Steuersystem, welches Getreide, Mehl und Brod ver- theuert, ist so verwerflich, daß immer wieder dagegen angekämpft werden muß.

Abg. v. Heydebrand und der Lasa (cons.): lieber die Principien, welche hier von der einen Seite behauptet, von der andern Seite bestritten werden, wird sich schwerlich eine Einigung erzielen lassen; Beweise für die Notwendigkeit der Zoll­aufhebung sind nicht betgebracht. Wollten Sie confequent sein, so hätten Sie die Auf­hebung sämmtltcher Zölle beantragen müssen. Die Weizen- und Noggenpreise sind heute nicht höher als in der zollfreien Zeit. Selbst in England macht sich eine starke schutzzollfreundliche Richtung bemerkbar, wie der Beschluß der Handelskammer in Manchester beweist. Die Preisnotirungen in den verschiedenen Welthandelsplätzen beweisen, daß die Preissteigerungen von dem Zoll ganz unabhängig sind. Die letzte ungünstige Ernte würde die Landwirthschaft sehr empfindlich betroffen haben, wenn wir keine Zölle hätten. Für die Brodpreise kann man die Getreidezölle nicht verant­wortlich machen, denn sonst dürfte das Brod heute nicht theurer fein als im Jahre 1879. Es zeigt sich nur, daß mit einem Steigen des Getreidepreises auch die Neigung entsteht, die Brodpreise zu steigern, während beim Fallen der Gctreidepreise von einem Fallen der Brodpreise nicht die Rede ist. Der scheinbare Lohnrückgang bei den Berufs- genossenschaften ist ein rein rechnungsmäßiger, er beweist keineswegs ein Herabgehen der Löhne; wohl aber melden die industriellen Centralstellen eine Steigerung der Löhne. Ein Grund auch nur zu einer näheren Prüfung der Anträge auf Zollaufhebung liegt nicht vor, wir werden gegen den Antrag und auch gegen eine Uebermeifung an eine Commission stimmen.