Samstag den 2. November. (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 256. 1889.
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 30. October. Die Beschlüsse der Ersten Kammer zu dem Gesetzentwurf betreffs Errichtung ei ner Landes Creditkasse haben in den weitaus meisten Punkten Uebereinstimmung mit den von der Zweiten Stammet gefaßten Beschlüssen ergeben. Auch die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten betreffen keine grundlegenden Fragen. Betreffs des von der Ersten Kammer beschlossenen Zusatzes, demzufolge die Landes-Creditkasse zur Gewährung von Darlehen auch ermächtigt sein soll an Communalverbände und Gemeinden, zur Bestreitung der Grunderwerbs- und Baukosten für neue Kreisstraßen, beantragt der Finanzausschuß Zweiter Slammer Beitritt zu dem Beschlüsse Erster Stammet- betreffend Ermächtigung der Landes-Creditkasse zur Darlehnsleistung an Gemeinden für die Kosten der Neuanlage von Wasserleitungen - dagegen wird Ablehnung des von der Ersten Slammer beschlossenen Zusatzes betreffs Ermächtigung zur Darlehnsleistung an Provinzial- und Kreisverbände für solche wirthschastliche Anstalten beantragt, welche für die Förderung der landwirth- schasllichen Interessen geboten erscheinen"- ferner beschloß der Ausschuß Beibehaltung des von der Zweiten Slammer beschlossenen, von der Ersten abgelehnten Zusatzes- daß die Landes-Creditkasse mit der Hauptstaatskasse vereinigt werden solle, und endlich Beharren auf dem von der Ersten Kammer beanstandeten Beschlüsse, daß die Gesuche um Darlehen nicht durch Vermittelung der Kreisämter eingereicht werden könnten.
vermischter.
Bingerbrück, 29. Oetober. Wie sehr bei dem Betreten von Räumen, woselbst neue Weine eingekeltert werden, Vorsicht geboten ist, beweist wieder ein heute in dem Flecken Laubenheim (ea. 6 Kilometer von hier entfernt) stattgehabter Unglücksfall. Ein schon bejahrtes Ehepaar begab sich in den Keller, um nach dem „Neuen" zu sehen. Durch den starken Dunst erlitt die Ehefrau sofort den Erstickungstod, während ihr Gatte hoffnungslos darniederliegt. (Frkf. Ztg.)
□ Frankfurt a. M., 29. Oetober. Die statutenmäßig alle drei Jahre stattfindende Generalversammlung der Der-' trauensmänner der Unterstützungskasse der hessischen Landesirrenanstalten wurde gestern im Hotel Jaeobi dahier abgehalten. Es hatten sich dazu 82 Theilnehmer — Beamte, Geistliche, Lehrer, Bürgermeister, Kaufleute, Industrielle re. — aus allen Theilen des Landes eingefunden. Die Regierung war durch Provinzialdireetor v. Marquard aus Darmstadt vertreten. Den Vorsitz führte der Direetor der Landesirrenanstalt in Heppenheim, Geh. Medieinalrath Dr. Ludwig. Derselbe trug den ebenso belehrenden wie interessanten Bericht über die Ergebnisse der Geschäftsführung seit der letzten Generalversammlung und den gegenwärtigen Stand der gesammten Sachlage vor. Die ursprünglich ge
trennten Unterstützungskassen der Landesirrenanstalt in Heppenheim und des Hospitals in Hosheim sind unter dem Namen „Unterstiitzungskaffe der hessischen Landesirrenanstalten" in der letzten Geschüstsperiode vereinigt und die Statuten des Instituts demgemäß abgeändert worden. Die Einnahmen betrugen im letzten Geschäftsjahre 16,064 Mk. und haben hierzu nahezu 12,000 Spender in Gaben bis zu 5 Psg. herab beigesteuert - der Staat leistet 1000 Mk., die Hauptstadt Darmstadt 200 Mk. jährlich. Die Ausgabe bezifferte sich auf 14,187 Mk., das Capitalvermögeu beträgt 37,763 Mk. Die Zahl der über das ganze Land zerstreuten „Vertrauensmänner" beträgt dermalen 225 und wurde für sie eine entgehende „Anleitung zur Geschäftsführung" von der Verwaltung entworfen und von der Versammlung en bloc an- angenommen. Die Unterstützungskasse wendet ihre Fürsorge in erster Linie den bedürftigen, aus einer der Landesirrenanstalten entlassenen, in den geeigneten Fällen auch den noch in einer der Anstalten befindlichen Pfleglingen, sowie den bedürftigen Angehörigen der Pfleglinge überall da zu, wo der Staat ober die bestehenden Armenverbände und Gemeiitden ihre Mitwirkung versagen. Auf diese Weise wird in häufigen Fällen die Genesung erleichtert, ein Rückfall verhindert und der Geheilte wieder ein nützliches Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft. Von besonderer Wichtigkeit ist eine rasche Ausnahme des Erkrankten in eine Anstalt alsbald nach ernstlichem Ausbruche der Krankheit, da nach vorliegenden Erfahrungen in den ersten Monaten der Krankheit bei zweckmäßiger Pflege und Behandlung bis zu etwa 60 pCt. Genesungen erwartet werden, im zweiten Halbjahre nur etwa 25 pCt. , im zweiten Jahre nur noch 2—5 pCt. Durch größere Neubauten in Hofheim und Heppenheim ist jetzt für weibliche Kranke genügender Raum beschafft- auch für männliche Kranke soll durch die projeciirten weiteren Bauten der Raumnoth abgeholfen werden. In den alljährlich erscheinenden gedruckten Jahresberichten sollen die Namen der einzelnen Geber nicht mehr ausgenommen, sondern nur noch die Namen der betreffenden Gemeinden und die entsprechenden Summen der Geber und Gaben veröffentlicht werden. Die so erzielte Ersparniß — bei 1200 Gebern immerhin jährlich circa 1000 Mk. — kommt den armen Pfleglingen zu Gute. Auch können jetzt aus der Kasse Kranke unterstützt werden, deren bereits genehmigte Ausnahme in eine der Anstalten wegen der noch theilweise herrschenden Raumnoth nicht sofort ausführbar erscheint. — In das Kuratorium wurden Ober- amtsrichter Königer von Langen und Bürgermeister van Gries von Bensheim neugewählt. Nach Schluß der Versammlung fand in demselben Locale ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, bei dem a'uf den Vorsitzenden Dr. Ludwig, auf den Regierungscommissar von Marquard und auf die Vertrauensmänner Trinksprüche ausgebracht und sehr beifällig ausgenommen wurden.
— Ein Bediensteter in Wien, welcher einen größeren Betrag Geldes mit sich trug, und bemerkte, daß er schon
längere Zeit von einem verdächtigen Individuum verfolgt wird, bleibt an einem abgelegenen Orte plötzlich stehen und erwartet den ihn Verfolgenden. Als sich dieser ihm näherte, ruft der Diener: „Na, jetzt wird mir die Sach' schon z'bunt. Net amol in der Nacht kann man ausgehen, ohne von seinen Gläubigern verfolgt zu werden." — Unbekannter: „I bin net Ihr Gläubiger - aber Uhr, Ring und 's klaue Geld möcht' i von Jhna haben." — Diener: „Was, Se san not mein Gläubiger? No, do san's der Erste, der mir nachgeht. Meine Uhr wollen s — die hängt am Stesans- thurm, mein Ring ist der, über den wir erst gangen san, und mein klan's Geld ist so Ilan, daß es net finden wern'n. (Dreht seine leere Taschen um.) Uebrigens weil i Ihnen schon für mein' Gläubiger g'halten hab', so macht i mi net a für die Zukunft irr'n — san's daher so gut und leih eu's ma auf an Liter Bier."
Universität» - Nachrichten.
— lieber die von einem Deutschen in Paris angeregte Gründung einer neuen Akademie in Berlin erhält die „Frkf. Z." die folgende authentische Mittheilung: Herr Heinrich Krohn richtete unterm 9. März 1888 an das Auswärtige Amt in Berlin eine Eingabe, in der er die Absicht aussprach, mittelst eines StiftungScaptialS von 100 000 Mk. eine deutsche Alubemie zu begründen, deren Aufgabe in folgenden Bestimmungen des gleichzeitig eingeretchten Statuts bezeichnet erscheint: 1) Die in Berlin zu gründende deutsche Akademie steht unter dem Schutze Sr. Majestät des deutschen Kaisers. 2) Die Aufgabe der deutschen Akademie ist die Ausbildung und Feststellung der deutschen Sprache. Die Druckschriften derselben tragen das deutsche Reichswappen. 3) Die deutsche Akademie besteht aus 40 Mitgliedern, welche die deutsche Sprache als ihre Muttersprache bekennen. Der Reichskanzler ist Präsident der Akademie. Die Akademiker werden auf Lebenszeit gewählt, zuerst vom Reichskanzler, in der Folge von der Mehrheit der Akademiker. 4) Die in Berlin unwestn- den Akademiker bilden das Directorium, welches die deutsche Akademie vertritt und selbstständig die Angelegenheiten derselben testet. Das Directorium wählt jäyrlich aus seiner Mitte einen Secretär, ertheilt ihm Vollmacht und bestimmt den Gehalt desselben. Die Entscheidungen der deutschen Akademie bedürfen der Unterschrift von 21 Mitgliedern. 5) Die Sitzungen der deutschen Akademie sind öffentlich und finden wenigstens einmal monatlich am ersten Sonntag des Monats in Berlin statt. 6) Das Stiftungscapital von 100 000 Mk. und die ferneren Dotationen sollen in Schuldscheinen der deutschen Reichsanleihe angelegt werden. — Das Auswärtige Amt antwortete am 1. September o. I. unter Anerkennung der patriotischen Gesinnung, die der Anregung zu Grunde liegt: „Die große Tragweite der Angelegenheit ließ es angezeigt erscheinen, die letztere nicht nur bei den behelligten Behörden, sondern auch in Verbindung mit berufenen wissenschaftlichen Kreisen zum Gegenstände eingehender Erörterungen zu machen, deren Abschlußweife noch längere Zeit In Anspruch nehmen kann." — In einer neuen Eingabe vom 9. Decemder 1888 erweiterte Herr Heinrich Krohn seinen Vorschlag wie folgt: „Die Akademie soll die deutsche Sprache ausdilden, feststellen und zur Weltsprache machen, wie die Academie franyaise es für die französische Sprache gethan. Die Regierung soll den Akademikern kein Gehalt geben. Der Verkauf der Werke Der deutschen Akademie, durch daS Reichswappen ausgezeichnet, sichert derselben ein bedeutendes Einkommen. Wenn die bepomrten 100 000 Mk. zur Gründung der deutschen Akademie nicht ausreichen, so verpflichte ich mich, das Fehlende zu beschaffen."
Ieikgevotenes.
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Pfennig - Sparkasse Gießen.
Nach Beschluß des Ausschusses des Spar- und Leihkaffe - Vereins vom 13. Juni l. I. treten hinsichtlich der Pfennigsparkaffe vom 1» November ♦ I. an folgende Andeerungen ein:
1. Die seither bestandenen Sammelstellen in den Schulhäusern in der Schulstraße und in der Neustadt, sowie bei Herrn Kaufmann Emil Fischbach dahier werden ausgehoben.
2. Der Verkauf der Sparmarken findet von dem oben genannten Zeitpunkte an in folgenden Geschäften statt:
a) bei Herrn Kaufmann Eberhard Dort, Wallthorstraße Nr. 45, d) „ „ „ Joseph Georg, Everstraße Nr. 2,
c) „ „ I. Hainbach, Marburgerstraße Nr. 29,
d) „ „ Eberhard Metzger, Neustadt Nr. 8,
e) „ „ „ Christoph Biecker, Neustadt Nr. 55,
f) „ „ Christian Haubach 11, Krofdorserstraße Nr. 2,
g) „ „ Wilhelm Klee, Marktstraße Nr. 2,
h) „ Frau Ottmar Köhler Wwe., Lindenplatz Nr. 5, i) „ Herrn Conr. Steinhäuser, Buchbinder, Neuen BäueNr. 17, k) „ „ Julius Hoos, Buchbinder, Bahnhossstraße Nr. 41,
1) „ „ Kaufmann Emil Fischbach, Sellecsweg Nr. 24, x
m) „ Frau Wilhelmine Rusag, Franksurterstraße Nr. 39, n) „ Herrn Kaufmann August Voigt, Seltersweg Nr. 46, o) „ „ Rudolf Schlabachs Nachfolger,Ludwigsplatz4,
sowie:
p) in dem Schulhause in der West-Anlage,
q) „ ,, „ auf dem Berg,
r) „ der höheren Mädchenschule.
In den unter pos. a—o aufgeführten Geschäften sind Sparmarken jederzeit zu haben, solange die Geschäfte offen sind, und in den Schalen an den von den betreffenden Herren Lehrern bestimmt werdenden Tagen.
3. An Stelle der seither üblichen Büchelchen werden Markenkarten aus- gegeben, welche beim erstmaligen Kaufen der Marken und später nach Bedürsniß bei den Markenverkaufs stellen in Empfang zu nehmen sind.
4. Sobald eine solche Karte ganz mit Marken beklebt ist, oder wenn sie Marken im Betrage von mindestens Zwei Mark enthält, kann Ein läge bei der Sparkaffe erfolgen. Ist schon ein Büchelchen ausgestellt, io muß aus der Karte oben rechts dessen Nummer, anderenfalls das Wörtchen „neu" beigefügt werden. Die Beischreibung der Einlagen kann nur an den bestimmten Zahltagen im Geschästslokale der Sparkasse stattfinden und zwar unter Vorlegung der Sparkaffebücher.
Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Vorlage der Bücher und Markenkarten auch durch Kinder besorgt werden kann, sodaß die Eltern darüber keine Zeit zu versäumen brauchen. Mehr als einmal im Monat findet eine Zuschreibung von Einlagen zur Pfennigsparkaffe nicht statt- 5. Es ist notwendig, daß auf den Markenkarten an der dafür bestimmten Stelle außer dem Namen des Kindes auch der genaue Namen des Vaters,
der Mutter oder des Vormundes rc. angegeben wird, da eine Rückzahlung von Einlagen nur an erwachsene Personen stattfinden kann, deren Berechtigung zum Rückempfang durch ihre Bezeichnung aus der Karte dar- gethan wird, während sonst durch Beibringung anderer Legitimationen Kosten entstehen würden.
6. Sollte sich das Bedürsniß nach Errichtung weiterer Verkaufsstellen ergeben und sollten weitere Kaufleute mit offenen Geschäften bereit fein, solche zu übernehmen, so wird um gefällige Mittheilung an die unterzeichnete Directwn gebeten.
7. Für die Anfangs Januar k. I. an Stelle der eingesammelten Sparkaffen- fcheine zur Ausgabe gelangenden Sparkassenbücher sind je 10 zu entrichten. Es wird daher gebeten, bei Empfangnahme dieser Bücher zugleich den Kostenbetrag derselben zu bezahlen.
Gießen, am 21. October 1889.
Die Direction des Spar- und Leihkasse-Vereins. Langsdorfs.
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