Ausgabe 
31.7.1888
 
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Nr. 176 Dienstag den 31. Juli

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Amtlicher HHeit.

,rn, «n . ... .. Nr. 32 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M., enthält:

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Born 16.^ Jul? 1888 Bekanntmachung, betreffend eine Abänderung des Verzeichnisses der gewerblichen Anlagen, welche einer besonderen Genehmigung bedürfen- (Nr. 1817.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Gummiwaarenfabriken. Vom 21 'Mi 1888 Greßen, den 28. Juli 1888. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. Juit 188«.

Bekanntmachung.

geschloffen^^ ^itherige Verkehr über den Wiesecksteg in der Bleichstratze bleibt wegen Erbauung einer Brücke daselbst Gießen, am 30. Juli 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

______ I. V.: Kraemer.

von morgen ab bis auf Weiteres

Politische Rundschau.

Gießen, 30. Juli.

In Stockholm hat unser Kaiser den denkbar wärmsten Empfang gefunden und alle Berichte aus der schwedischen Hauptstadt bekunden, daß der Besuch Kaiser Wilhelms reue, herzliche Beziehungen zwischen dem scandinavischen Doppelreiche und Deutschland geknüpft hat. Dies erhellt schon aus den Trtnksprüchen, die bei dem Galadiner nelches am Abend des 26. Juli im Stockholmer Residenzschlosse stattfand, gewechselt wurden. König Oscar führte in seinem Toast auf Kaiser Wilhelm aus, wie zu seinen schönsten Erinnerungen die ihm von Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III be- wiefene Freundschaft gehöre und schloß er mit dem Wunsche, daß Gott dem jetzigen Kaiser ein langes Leben und eine glückliche Regierung verleihen möge. Kaiser Wilhelm gib in seinem Erwiderungs-Trinkspruche der Freude Ausdruck, welche ihm der Besuch m dem schonen scandinavischen Lande bereite und sprach er weiter die Hoffnung aus daß dre Freundschaftsbande zwischen den Völkern Deutschlands und Schwedens fort­bestehen würden. Am Freitag Nachmittag unternahmen Kaiser Wilhelm und Prinz geleitet vom König und dem Kronprinzen, auf der schwedischen Königsnacht Skoldmon' eme Ausfahrt nach Schloß Drottningholm, der auf einer Insel im Mälar- see gelegenen herrlrchenSommerresidenz KönigOscars; Abends gegen 7 Uhr refolgte die Rück­kehr nach Stockholm. Die Schiffe des deutschen Geschwaders erhielten fortwährend zahl- rnchen Besuch von der Stockholmer Bevölkerung , während die Offiziere und Mannschaften des Geschwaders anderseits der Stadt Stockholm Besuche abstatteten und hier überall die herzlichste Ausnahme fanden. - König'Oscar verlieh Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich das Großkreuz des norwegischen St. Olafordens, Kaiser Wilhelm zeichnete den schwedischen Cabmetschef, Freiherr v. Bildt, durch die Verleihung des Schwarzen Adler-O rdens aus. Das deutsche Geschwader verließ am Samstag Morgen Stockholm wieder, um auf hoher See dieHohenzollern" zu erwarten. Die Ankunft Kaiser Wilhelms in Kopenhagen, welche nach den letzten Meldungen auf Sonntag Mittag festgesetzt war Hal sich inzwischen wieder verzögert, denn ein Kopenhagener Telegramm voin Samstag fignalifirte das Eintreffen des deutschen Kaisers für Montag Vormittags 11 Uhr mit

<^Cn' der Kaiser beabsichtige, behufs der Weiterfahrt nach Kiel sich bereits am Abend des genannten Tages wieder auf derHohenzollern" einzuschiffen. König Cyrifnan gedachte seinem kaiserlichen Gaste auf dem DampferDannebrog" und ge- leitet von zwei Panzerschiffen und vier Torpedobooten, entgegen zu fahren. Ein weiterer Therl der dänischen Flotte sollte auf der Rhede von Kopenhagen zum Empfange des deutschen Geschwaders Aufstellung nehmen.

Das seit einigen Tagen durch die Presse gehende Gerücht von einem Tagebuch, das der hochselige Kaiser Friedrich mit der Bestimmung hinterlassen haben soll, daß das­selbe nach einer Durchsicht durch seine Gemahlin der Oeffentlichkett zu übergeben sei, wird von derNordd. Allg. Ztg." als ein Märchen bezeichnet, welches gewissen poli- tzschen Zwecken dienen solle. Es bleibt abzuwarten, was die LondonerWorld", auf

Blatt dies sensationelle Gerücht zurückzuführen ist, zu der Bemerkung der Nordd. All. Ztg." zu sagen haben wird.

In München begeht man zur Zett die Erinnerungsfeier an den kunstsinnigen und echt patriotischen König Ludwig I., dem das Bayerland ja so viel verdankt. Tie Eentenarfeier, am <L>onntag begonnen, findet an diesem Dienstag ihren Abschluß .und bildet den Mittelpunkt der gesummten Feier ein glänzender Festzug von theilweise historischem Eharacter. Ein außerordentlicher Fremdenzufluß findet infolge der Fest­lichkeiten in der bayerischen Hauptstadt daselbst statt.

3U den beiden Kunstausstellungen, deren Schauplatz München gegenwärtig ist, hat sich seit Freitag auch die deutsche Ausstellung von Kraft- und Arbeits- maschinen für das Kleingewerbe hinzugesellt. Die Eröffnung derselben gestaltete sich |u einem förmlichen Staatsacte, denn der Prinz-Regent nebst den übrigen Prinzendes bruerischen Königshauses, die Staatsminister, das diplomatische Eorps, die Hofchargen, die Spitzen der Behörden u. s. w. wohnten der Eröffnung bei. Der erste Präsident' Billing, betonte in seiner Ansprache an den Prinz-Regenten, daß die Ausstellung den Handwerkerstand darauf Hinweise, nicht durch sociale Reformen, sondern durch Selbst­hilfe sich emporzuarbeiten, worauf der Prinz - Regent mit den Ausdrücken wärmster Sympathie für die Ausstellung und für das Kleingewerbe erwiderte.

Die Zurdispositionsstellung des Feldzeugmeisters v. Kuhn scheint den Anfang 8311 wichtigen Personalveränderungen in den höheren Eommandostellen der österreichisch- ungarischen Armee in Verbindung mit bedeutsamen Neuerungen gebildet zu haben.

Nachfolger v. Kuhn's im Eommando des 3. Corps (Graz) ist Feldzcugmeister Enron Schönfeld, bislang Landescommandirender in Hermannstadt, ernannt worden, an die Stelle des letzteren tritt Feldmarschall - Lieutenant Baron Svetenay und die !

neugeschaffene Stelle eines Cavallerietruppen-Dioisionscommandeurs in Wien wird vom 1. August ab durch Graf Urxküll besetzt. Auch über fernere Veränderungen in den Corpscommandos treten immer bestimmtere Gerüchte auf, doch wird deren Bestätigung erst abzuwarten sein.

cn r ®ic ^richer CantonSregierung hat beschlossen, für die durch Hochwasser Beschädigten in Norddeutschla nd einen Staatsbeitrag zu bewilligen. Dieser be- merkenswerthe Beschluß wird jedenfalls das seinige zur Befestigung der trotz der Spitzel- affatre ungetrübten Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland beitragen.

Deutschland.

Darmstadt, 29. Juli. Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog und ?hr?r Prinzessin Alix sind heute früh 8 Uhr zum Besuch

.Königlichen Großmutter nach England abgereist, in ihrem Gefolge der Großh. Flugeladjutant Hauptmann Freiherr v. Grancy und die Hofdame v. Fabrice Wie wir hören, wird der Erbgroßherzog am Abend des 26. August hierher zurück'kebren wahrend der Aufenthalt der^Prinzessin Alix in England auf eine längere Zeitdauer bemessen ist. Voraussichtlich wird sich auch der Großherzog zu einem Besuche nach England begeben, nachdem derselbe vorher etliche Inspektionsreisen im Bereiche der 3. Armeemspection, zu welchem bekanntlich das 7., 8. und 11. Armeekorps gehören unternommen haben wird. Auf diesen Reisen wird den erlauchten Inspekteur der Generalstabsofficier Major v. Perbandt begleiten.

Darmstadt, 28. Juli. sMilitärdienstnachrichten.j Hüther, Garn-Verwalt- D.r-ctor und N-chnungsrath in Mainz, nach Straßburg, Äorrmann, Garn.-Verwatt'- X.berinjpeftoi m Minden, nact)JIKainj, Herzog, Garn.-Bauinspektor in Lregnitz, nach Darmstadt zum 1. October d. I. versetzt.

, Berlin, 28. Juli. Der ,,Rcichsanz-igcr" publicirt den Allerhöchsten Erlaß, nach wellbem die Geburts- und Todestage der Kaiser Wilhelm und Friedrich fortan in allen schulen der Monarchie als oaterländifche Gedenktage zu feiern find

Solingen, 28. Juli. Eine in einer hiesigen Kirche stattgehabte Versammlung des evangeltsmen Bundes, in welcher der Pfarrer Thümmel über die Aachener Heilig- thumsfahrt sprach, wurde, als Thümmel den Erzbischof von Köln, sowie die SlistS- h-rr-n und dre Geistlichkeit von Aachen der Gotteslästerung beschuldigte, vom Bürger- meister van Meenen aufgelost. B u

$Ulo> ?cr ^mn8r.cöcnr erhob anläßlich der Eentenarfeier den ^.berstkammerei Freiherrn Pergler v. Perglas, sowie den Minifterpräsidenten Freiherrn , k Sl' Hubertus-Ordens und den Finanzminister v. Riedel rai1 Adelsstand , verlieh ferner dem ersten Präsidenten der Kammer der

ReichSrathe Frhr. von und zu Frankenstein das Großkreuz des Cioil-Verdienstordens der bayerischen Krone, sowie den Vtcepräsidenten der Kammer der Abgeordneten, Alwens und Ruppert das Rttterkreuz desselben Ordens. Außerdem erhielten sämmtliche Vor­stände des tfeftcomttd s Ordensdekorationen.

Dänemark.

Kopenhagen, 28. Juli. So weil bis jetzt bekannt, wird Seine Majestät der deutsche Kazter nächsten Montag, voraussichtlich gegen 11 Uhr Vormittags, hier ein­treffen und sich Abends wieder an Bord derHohenzollern" begeben. Das deutsche Gefchwader wird Dienstag früh 3 Uhr wieder in See gehen.

Kopenhagen, 28. Juli. Der König wird, nachdem er Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm auf demDannebrog" entgcgengefahren, Allerhöchstdenselben an Bord der KaiseryachtHohenzollern" begrüßen. Ob sich Kaiser Wilhelm auf demDanne­brog" oder auf derHohenzollern" zum Landungsplätze begibt, ist weiterer Bestimmuna vorbehalten. An derZollbude" werden sämmtliche Minister, die höchsten Hofchargen und die Höchst - Eommandirenden des Heeres und der Marines ferner die Spitzen der Staats- und Communalbehörden zum Empfange anwesend sein.

Arankreich.

Paris, 18. Juli. In der Vorstadt La Billette kam es zwischen der Polizei und den Stnkenden, welche die Arbeitenden zur Niederlegung der Arbeit bewegen wollten, zu einem Zusammenstoß. Die von den Strikenden bedrängten Polizeiagenten waren genothigt, von der Waffe Gebrauch zu machen, wobei mehrere der Strikenden und ein Polizeiagent verwundet wurden.

Telegraphisch« Depeschen.

Wolss'S ielcgr. «orresponden,. Bureau.

_, Potsdam, 29. Juli. Das heute Abend 6 Uhr ausgegebene Bulletin lautet: Ihre Majestät die Kaiserin und Königin und der neugeborene Prinz befinden sich andauernd wohl."