— Frankfurt, 28. November. Die Betheiligung an den heute stattfindenden Stadtverordnetenwahlen ist eine ungemein rege. Der Ausfall derselben ist, wenigstens in einigen Bezirken zweifelhaft, weil durch die in den Wahlkampf hinein- aeworfene Frage des Canalstatuts eine nicht unwesentliche Stimmenzersplttterung zu befürchten ist. Im I. Bezirk passirte der gewiß einzig dastehende Fall, daß der Polizeipräsident unserer Stadt, als er im Wahllokal erschien, um seine Stimme abzugeden, abgewtesen werden mußte, weil — er nicht in die Liste eingetragen war. Eine angenehme Ueberraschung für die Beamten des statistischen Amts!
— Zwei Arbeiter des hiesigen TiefbauamtS verunglückten gestern an der Louisa dadurch, daß sie nach Passiren eines Zuges unter der Barriöre durchschlüpften, ohne darauf zu achten, daß noch eine Maschine gleich nachfolgte. Sie luuiben von letzterer erfaßt und zur Seite geschleudert. Einer, Namens Nahm, aliit erhebliche Verletzungen.
— Von unserem ersten ansgebrochenen Silberdieb Langner ist cs lange Zeit still gewesen. Jetzt hört man auf einmal wieder von ihm. Er soll in New-Amt sein und sich dort mit einer jungen Dame aus Breslau verlobt haben. Hier glaubt man nicht recht an diese Nachricht, denn einmal gibt es der Langner in Schlesien viele, — warum soll es daher gerade der Silberdieb Langner sein — das andere Mal würde unsere Polizeibehörde wohl eher Kenntnitz davon erhalten haben, als irgend ein Anderer.
— Der Hamburger Mord, von welchem die Leser des „Gießener Anzeiger" bereits Kenntniß erhalten haben, ist allem Anschein nach wirklich von einem Sachsenhäuser mit Namen Dauth verübt worden. Der Mörder soll noch vor vier Wochen hier gewesen sein und gelegentlich geäußert haben, er gehe mit einem reichen Herrn in's Ausland. Man ist geneigt, diese Aeußerungen als Vorbeugungsmaßregcl vor der
Entdeckung nach der That zu halten. Dauth bat gleichzeitig mit einem anderen jungen Sachsenhäuser bei der Marine gedient. Er soll aus guter Familie stammen.
— Vater (der einen sehr kahlen Kopf hat, seinem Söhnchen den Wechsel der Jahreszeiten erklärend): „Siehst Du, mein Sohn, im Winter ist alles kahl — aber im Frühling bedeckt sich bif ganze Erde wieder mit frischem Schmuck." — Sohn: „Ader, Papa, Dein Kopf tft doch das ganze Jahr kahl."
— Herr (zur schönen Verkäuferin tm Wilopretladen): „Sie sagen, dieser Hase ist frisch? Wenn er so frisch ist, wie Sie, so nehme ich ihn."
GchifsSnachrichten.
Bremen, 28. Novbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Werra, Eapt. R. Bussins, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. November von Bremen und am 19. November von Southampton abgeg^angen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel und Verkehr.
Limburg, 28. November. (Fruchtmarks. Rother Weizen A 16.60, weißer Weizen A 16.45, Korn A 1255, Gerste A 9.00, Hafer A 6.65, Erbsen A 00.00, Kartoffeln A 0 00.
Gottesdienst der israelitischen Religiansgesellschast.
Freitag Abend 345 Uhr, Samstag Vormittag 803 Uhr, Samstag Nachmittag Zoo Uhr, Samstag Abend 445 Uhr.
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Allgemeiner Anzeiger.
Mittwoch den 5. Derember, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die ver NeustLdter Schäferei-Gesellschaft gehörigen Immobilien: ,
Flur 3 Nr- 82 und 83 — 5450 Meter Acker am Krofdorfer Weg,
Flur 10 Nr. 10a — 1594 Meter Wiese unter der Harth,
Flur 15 Nr. 253 — 12156 Meter Wiese auf der kleinen Weide,
Flur 16 — Nr- 133,3 — 544 Met. Wiese auf der Hohleiche,
Flur 16 Nr. 133,5 — 544 Meter Wiese daselbst,
Flur 16 Nr. 133a,3 — 263 Meter Wiese daselbst,
Flur 16 Nr. 133a,5 — 269 Meter Wiese daselbst,
Flur 16 Nr. 144,3 — 44 Meter Wiese daselbst,
Flur 16 Nr- 434,5 — 44 Meter Wiese daselbst,
Flur 16 Nr. 135 — 556 Meter Acker daselbst,
Flur 16 Nr. 137 — 88 Meter Acker das. öffentlich meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden-
Bemerkt wird noch, daß die Wiese auf her kleinen Weide auf Wunsch auch in Theilen zum Ausgebot kommen kann-
Gießen, 29. November 1888.
Großh. Ortsgericht Gießen.
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Vogt, Ortsgerichtsmann. 9608
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Christbescheerung
der Kleinkinder - Bewahranftalt.
Am 4. Adventssonntag, den 23 Dezember d. I., soll die Christbescheerung für die Kinder unserer Anstalt stattfinden.
Wir haben in diesem Jahre für 212 Kinder den Christbaum zu schmücken und den Tisch mit Gaben zu decken.
Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohl wollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. dergl., besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen.
Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Fräulein Amalie Bansa (Nordanlage 41), Frau Oberbürgermeister B r a m m (Ludwigsplatz 10), Frau Dr. Brüel (Neuenbäue 41), Frau Amtsrichter Gebhardt (Gartenstr. 15), Fräulein Emilie Lang ermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Louise Ottens (Bismarckstraße 11), Frau Auguste Schwan (Seltersweg 64), Fräulein Louise Wort mann (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen-
Gießen, den 10. November 1888.
Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt.
Dr. Naumann, Pfarrer.
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