Ausgabe 
30.9.1888 Zweites Blatt
 
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tie Verhältnisse an, wie sich dieselben im Handwerk entwickelt haben und erblickt das Charakteristische des gelernten Arbeiters darin, daß derselbe eine der handwerksmäßigen Ausbildung der Lehrlinge ähnliche, wenn auch in Folge der Eigenthümltchkett des fabrikmäßigen Betriebes immerhin in wesentlichen Punkten verschiedene Unterweisung und zwar mehrere Jahre hindurch erhalten hat. Es ist erklärlich, daß bet der weiteren Auffassung des Begriffsgelernter Arbeiter" ein Bedürfniß für dieselben sich in jedem Industriezweige findet, nur ist dies Maß der erforderlichen Ausbildung sowohl in den einzelnen Industrien als auch in den einzelnen Betrieben derselben Industrie häufig ein verschiedenes.

Unter den Berichten, welche von dieser weiteren Auffassung ausgehen, tritt besonders der Bericht für den Aufsichtsbeztrk Düsseldorf hervor. Nach den Aus­führungen desselben liegt das Bedürfniß, gelernte Arbeiter, Vorarbeiter und Werkmeister zu beschäftigen, in jedem Industriezweige und in jedem Betriebe vor, aber die Ursachen und das Maß dieses Bedürfnisses sind überall verschieden und vorwiegend abhängig von der augenblicklichen Geschäftslage, von den Ansprüchen an die Güte der beab­sichtigten Erzeugnisse, von der Schwierigkeit ihrer Herstellung, von der dafür verlangten Schnelligkeit der Arbeit und von der Größe der für die Ausführenden, sowie für den gesammten Betrieb damit verbundenen Gefahr. Daneben spielen die örtlichen und Lohnoerhältnisse und auch die persönlichen Ansichten und Neigungen der Betriebsleiter eine Rolle. Infolgedessen deckt sich das Bedürfniß nach gelernten Leuten keineswegs immer mit dem Bedürfniß nach der Heranbildung solcher. Gewerbe, welche Mode- einflüssen ober plötzlichen, nicht regelmäßig wiederkehrenden Conjuncturen unterworfen sind, sowie manche Satsongewerbe empfinden das gedachte Bedürfniß zeitweise in hohem Maße, aber sie sind nur ausnahmsweise in der Lage, für die Heranbildung gelernter Arbeiter zu sorgen. Können sie solche in genügender Zahl nicht aus Eoncurrenz- oder ähnlichen Betrieben heranziehen, so begnügen sie sich mit ungelernten, namentlich für gröbere Arbeiten und infolge dieses Verfahrens sind dann Unfälle, welche auf die Un- gelerntheit der Leute zurückzuführen sind, nicht seltene Erscheinungen. Oder man läßt die in der Ausbildung begriffenen Leute rascher aufrücken, kürzt die Lernzeit neu­eingetretener Arbeiter um ein Erkleckliches ab und sucht ihre Leistungen durch Prämien­zusagen u. s. w. zu steigern.

Wesentlich günstiger sind schon diejenigen Industriezweige gestellt, welche nur mit einigermaßen regelmäßig wiederkehrenden Geschäftsschwankungen rechnen müssen, wie einzelne Zweige der Seidenindustrie, der Tuchindustrie, Zeugdruckerei und Färberei, fast die gesammte Besatzindustrie, viele Fabriken für Baumaterialien jeder Art, Maschinenfabriken, welche für Saisoninduftrien arbeiten und einzelne Sroeige ber £kin= Eisenindustrie. Wie in ben Mobeinbuftrien brängt sich auch hier in ber flotten Zeit,

wegen ber dann gesteigerten Löhne immer eine große Anzahl von frischen Arbeitskräften heran; aber im Gegensatz zu jenen ist diesen Industrien, weil sie auch in dm Zwischen-

Eine größere Arbeiterzahl beschäftigen können, die Möglichkeit gegeben, einen erheblichen Antheil ber Eingetretenen auszubilbm. Ein Mangel an Gelernten ist besbalb seltener, ein Ueberfluß öfter vorhanben.

' . Sn ber günstigsten Lage sind bie von ben Vorschriften der Mobe, von Saisons und starken G-onjuncturen mehr ober weniger unabhängigen Industriezweige, welche g eichmäßig jahraus jahrem Zwischenproducte ober Stapelartikel ober stündig auf feste Rechnung liefern. Es gehören hierher bie Moll- und Zanellawebereien, viele Streich- garn- und die Kammgarnspinnereien, fast die gesammte Baumwoll-und Leinminbuftrie, die chemischen und Explosivstoff Fabriken, bie meisten Hüttenwerke unb Maschinen-. Draht- unb Nagelfabriken, bie gesammte keramische unb Holzinbustrie, soweit sie nicht für bas Baugewerbe arbeiten, bie Nahrungsmittelindustrie, mit Ausnahme ber ©auers haut;, Obstwein- unb Obstsaftfabriken, bie Bekleidungsinbuftrie mit Ausnahme ber

.'Geschäfte, ein erheblicher Theil der Kleineisenindustrie, die Papier- unbeingroßer Thcil der ßebcnnbuftrie und fast bie Gesammtheit ber polygraphischen Gewerbe Bei ihnen allen liegt bas Bebürfniß, gelernte Arbeiter zu beschäftigen vor, aber es wird kemeswegs immer unb überall in bem wünschenswerthm Maße befrtebtgt; obgleich die hauptsächlichsten Voraussetzungen: Stetigkeit ber Arbeit, bas Verlangen nach möglichst schneller Erzeugung möglichst guter Maare unb ber Wunsch nach thunlichster Vermeidung der ^-fahren wohl überall gegeben sind unb auch anzuerkennen ist, baß seit bem Enbe ber 70er 3a$re auf die Heranbildung gelernter Arbeiter mit und ohne Lehrverhältniß mehr Aufmerksamkeit verwendet wird. Bedauerlich bleibt es aber, daß eine gleiche Fürsorge nicht regelmäßig betreffs der Anlernung der Arbeiter Platz greift, welche bet groben, aber unter Umständen sehr verantwortungsvollen Arbeiten z. B. beim Verladen von Rohstoffen und Maaren, beim Transport unb Handhaben schwerer Sachen, beim Fahren mit Lastgeräthm u. s. w. beschäftigt werden.

Telegraphischer DchiffSbericht

berNeb Star Line" Antwerpen.

N ew y or k, 26. September. Der PoftbampferBelgenlanb" berReb Star Line* ist von Antwerpen heute wohlbehalten hier angekommm.

TF OOnd. Bouillon 18t eingedickter reiner

lull Fleischsaft ohne Zusatz von billigen Suppen- cn> kräutem. Bequem.Gebrauch, fein. Geschmack. A

Ohstverfleigerung.

Dienstag den 2. Oktober,

Vormittags 9 Uhr, soll das Obst der Gemeinde Annerod, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, öffentlich meistbietend ver­steigert werden.

Zusammenkunft im Ort bei der Kirche. Annerod, 26. September 1888. Großh. Bürgermeisterei Annerod.

___ Engelhardt. 7685

Montag, den 1. Moder, Nachmittags 2 Uhr, werben in der früher Koch'schen Wirth- fchatt Seltersweg 35 verschiedene Mobiliar-Gegenstände meistbietend ver­steigert, darunter namentlich:

1 Secretär, 1 Küchenschrank, 1 Eis­schrank, 2 Kleiberschränke, Betten mit Matratzen, 1 großer Ankleibespiegel, 1 Kaffeekochapparat, 1 Regulator.

Versteigerung bestimmt.

Bühner, 7724 Gerichtsvollzieher.

Dienstag den 2. Dctober,

Nachmittags 2 Uhr,

in bem Hause Frankfurterstratze 12 dahier, läßt ber einzige Bruder u. Erbe des verstorbenen Landgerichtsraths Herrn Oppermann zu Gießen, aus dem Nach­lasse des Letzteren:

2 Betten, 2 Sopha's, Kleiderschränke, 1 Secretär, 1 Eisschrank, Tische, Stühle, 1 Waschkommode, 1 Stand­uhr, 1 große Badewanne, Spiegel, Bilder und sonstige Hausgeräthschaften, ferner Küchengeräthe, Herren-Klei­dungsstücke 2C 2C.

durch ben Unterzeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigern.

Versteigerung Dcfhmmt.

Gießen, ben 28. September 1888.

Engel, 7744 Gr. Gerichtsvollzieher.

Versteigerung.

Montag den 1. October, Nachmittags 2 Uhr, wirb ber Rest ber ben Retter- schen Erben gehörigen Waaren unb Möbel u. s. w. versteigert. Besonders kommen zum Ausgebot an Maaren:

Sammete, Mulle, Batist, Spitzen- shawls u- f. w.

An Möbeln u. a. besonders:

1 eompletes Bett, 1 Kommode, große u. kleine Tische, Stühle rc., ferner:

1 Büchse mit Zubehör- sowie ein eompletes fast neues feines Kaffeeservice.

' I- A>: 7740

L. Kothenberger, Taxator.

Die Versteigerung findet im 2 Stock des Hauses Seltersweg 1 statt.

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