Ausgabe 
30.8.1888 Erstes Blatt
 
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Der russisch« Kaiser hat für einige Zeit seinen Aufenthalt in Jlzinskoje, dem unweit Moskau gelegenen Landgute des Großfürsten Sergius, genommen. Ob alsdann der Czar noch nach Kopenhagen zum Besuche des dänischen Hofes gehen wird, bleibt noch abzuwarten, jedenfalls dürften aber, so lange Alexander III. in der ländlichen Stille von Jlgtnskoje weilt, in der russischen auswärtigen Politik keine besonderen Ueber- raschungen zu gewärtigen sein.

Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. . n/x Lust 15, Wasser 15 Gr.

Gießen, den 29. August 1888. Rübsamen.

Literarisches.

~ Sammelstelle des besten, was unsere moderne Unterhaltungsliteratur

bietet, hat sich Schorer's Familienblatt von jeher bewiesen und von Jahr zu Jahr steigerte sich sein Ruf, das vielseitigste, interessanteste und bestillustrirte aller Journale zu sein. In der -rchat, es ist ein echtes Familienblatt und werth, bei Alt und Jung immer neue Freunde zu finden. Besonders hat die prächtig ausgestatlete handliche Salon-Ausgabe alle guten Eigenschaften eines rechten Hausbuchs, sowohl was den Text als auch was die Illustrationen betrifft, welche auf's Sorgfältigste gewählt und

?Lv^ugltch ausgefuhrt sind. Wenn wir Eingangs sagten, daß genanntes- Blatt m sich die besten Erzeugnisse unserer modernen Unterhaltungsliteratur vereinigt, so erhalten wir soeben einen neuen Beweis dafür durch das jüngst erschienene erste Heft des vierten Jahrganges der Salon-Ausgabe, denn es wird uns darin mitgetheilt

neue Jahrgang einen Roman von Nataly v. Eschsttuth bringen wird, eine Nachricht, welche gewiß überall auf das Angenehmste überraschen wird. Auch der in Hest 1 beginnende RomanIm Bann der Liebe" von Sahra Hutzler, derselben, die so gemuthooll das Leben unserer Kleinen zu schildern weiß, wird berechtigtes Aufsehen zachen. Es /reut uns auch, mittheilen zu können, daß Schorer's Familienblatt jetzt beginnt, öffentlich für eme allgemeine, gesetzlich geregelte Sonntagsruhe energisch ein­zutreten. Dies ist eine der brennendsten Fragen unseres öffentlichen Lebens und wir werden tn Schorer's Familienblatt die mannichfaltigsten Aussprüche hervorragender Persönlichkeiten der Gegenwart über diesen Gegenstand vernehmen. DieRundschau über die Schulreform" wird ebenfalls fortgesetzt. - Der Preis eines Heftes ist 75 Alle 4 Wochen erscheint ein solches.

Kandel und Werk ehr.

m ,27 c F?r die zu gewährenden Beförderungsvergünsttgungen für Ausstellungs- Gegenstande hat der deutsche Etsenbahnverkehrsverband, wie dieVoss. Ztg." erfährt folgende Bestimmungen und Voraussetzungen vereinbart: 1) Für die Hmbeförderuna zum Ausstellungsorte wird stets die volle Fracht berechnet. 2) Die Rückbeförderung an den Aussteller des ersten Original-Frachtbriefes erfolgt frachtfrei, wenn die Be- strmmungen unter 3., 4. und 6. erfüllt werden. 3) Bet der Hinbeförderung ist das Gut im Frachtbriefe ausdrücklich als Ausstellungsgut zu bezeichnen. Bet Vereinigung von ^u?!lElluugsgut und Ntchtausstellungsgut zu einer Frachtbriefsendung ist die fracht- frete Rückbeförderung der Theilsendung ausgeschlossen. 4) Die Aufgabe zur Rück­beförderung muß innerhalb vier Wochen nach Schluß der Ausstellung und stets auf der nämlichen Station erfolgen, wo das Gut in Empfang genommen wurde. Dabet sind sammtltche Frachtbriefe für den Htntransport und eine Bescheinigung des Aus- stellungs-Eomtt^'s darüber, daß die Gegenstände ausgestellt, aber unverkauft, bezw. unverlooft geblieben sind, vorzulegen. 5) Wird vom Ausstellungsgut nur ein Thetl verkauft, so wrrd der Rest gegen Vorlage der unter 4) erwähnten Papiere ebenfalls frei zuruckbefordert. 6) Die Rückbeförderung darf nur in einer Sendung frachtfrei an den Aussteller des Original-Frachtbriefes für die Hinbeförderung erfolgen. Die fracht- fre e Rucksendung in mehreren Theilsendungen ist nicht zulässig. 7) Für die als Gepäck aufgegebenen Gegenstände ist frachtfreie Rückbeförderung ausgeschlossen. 8) Das auf dem Hinwege als Eilgut beförderte Gut wird auch auf dem Rückwege bei Vorlage mit ^t^?rr?r?d31bricf etlgutmäßig frachtfrei befördert. 9) Bei der Rückbeförderung ist Werth-Declaration zulässig, Jnteresse-Declaration dagegen ausgeschlossen. 10) Für besondere Leistungen bet der Rückbeförderung (Verwiegen, Verladen, Versicherungen :c.) werden die tarifmäßigen Nebengebühren berechnet.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S tclegr. Lorresponderiz, Burearr.

Berlin, 28. August. Der Kaiser traf um 6 Uhr 35 Minuten auf dem Pots­damer Bahnhofe ein und fuhr direct zum Schloß zum Besuche des Königs von Griechen­land. Abends fand in den Gemächern des Kaisers ein Diner statt, welchem der König und der Kronprinz von Griechenland, der griechische Gesandte und die beiderseitigen Hofstaaten beiwohnten. Der König fährt morgen früh 8 Uhr 25Min. via Warnemünde nach Kopenhagen.

Berlin, 28. August. Der Kaiser wird heute nach Empfang seiner Kinder, die heute Morgen Oberhof verlassen haben und Nachmittags in Potsdam eintreffen werden auf einige Stunden nach Berlin kommen.

Ihre Majestät die Kaiserin Augusta kam heute Mittag über Charlottenburg wo Allerhöchttdieselbe das Mausoleum besuchte, nach Berlin, empfing tm Palais den diesseitigen Gesandten bet dem Vatikan, von Schlözer, und kehrte sodann nach Potsdam zurück.

Ueber die Weiterreise des Königs von Griechenland sind noch keine näheren Bestimmungen getroffen worden.

Berlin, 28. August. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die die Verabschiedung des General-Feldmarschalls Moltke betreffenden Schriftstücke. Moltke erbat am 3. d. M. den Abschied, da er bei seinem hohen Alter das Pferd nicht mehr besteigen könne. Der Kaiser erwiderte darauf am 9. August: Für ihn und für die Armee sei der Gedanke, den General-Feldmarschall nicht mehr aus dem Posten zu sehen, auf welchem derselbe das Heer zu den wunderbarsten Stegen geführt, die je die Kämpfe eines Heeres gekrönt haben, ein überaus schmerzlicher. Dennoch wolle er, wenn auch schweren Herzens, dem Wunsche willfahren. Um aber den General-Feldmarschall Moltke um das Wohl und Wehe des Vaterlandes beschäftigt zu sehen, bitte er ihn, dem Kaiser; dem Vaterlande und der Armee zu Liebe, das Amt des Präses der Landesverthetotgungs - Commission anzunehmen, welches seit dem Heimgänge seines Vaters unbesetzt gewesen sei.

_ x Dberhof, 28. August. Die Königlichen Prinzen haben mit ihrer Begleitung heute früh die Ruckreise nach Potsdam angetreten.

Drewitz, 28. August. Die Königlichen Prinzen trafen heute Nachmittag um 5 Uhr 15 Minuten hier ein und fuhren von hier zu Wagen nach dem Mar­morpalats.

Wien, 28. August. Das Kronprinzenpaar ist heute Abend nach Gmünd (Bayern) abgereist.

Der Erzherzog Carl Ludwig mit Gemahlin begibt sich am 30. August zu der Taufe des jüngsten Prinzen nach Berlin, wo ein zweitägiger Aufenthalt in Aus­sicht genommen ist. |

Paris, 28. August. Einem Telegramm desTemps" aus Toulon zufolge i wird das Mobiltsirungs - Geschwader am Montag auseinandergehen und nach dort zur Abrüstung zurückkehren. w

Paris, 29. August. Im deutschen Botschaftshötel gab gestern ein Individuum, welches bereits in den letzten Tagen wiederholt daselbst erschien und den Kanzleibeamten Tournouer zu sprechen verlangte, aber abgewiesen worden war, einen Pistolenschuß auf Tournouer ab mit den Worten:Endlich werde ich doch einen getödtet haben" Tournouer blieb unverletzt, der Thater wurde verhaftet, er heißt Garnier, ist 66 Jahre und will durch den Krieg und Unglücksfälle um sein Vermögen gekommen sein

Lokales»

^ *** Gießen, W. August. Vor seinem Scheiden von Gießen gedenkt Herr Oscar Zack in der Woche vom 19.26. September noch drei Vorträge zu halten

19., 23 und 26. stattfinden sollen. Für den ersten Abend ist ShakespearesSommernachtstraum", für den zweiten eine epische Dichtung' von Adolph Mitzenius, und für den dritten Goethes Egmont mit Aeethovens Musik in Aussicht genommen. Letztere wird von unserer wackeren Kraußeschen Capelle unter Leitung ihres Dirigenten ausgeführt werden. Wir wachen unsere geschätzten Leserinnen und Leser schon heute aufmerksam circuUren^wird.^^^ Oletchzettig, daß in den nächsten Tagen eine Lifte zur Subscription 1in8 I Rücksicht auf die diesjährige nasse Witterung wird

uns au9 dem Tagebuche eines verstorbenen hiesigen Büraers über hfp nhnTirhpn im Jahre 1829 Folgendes milgelheiltiDer Sommer im Jahre 1829 war so nab, daß es von Johanni mit weniger Ausnahme bis Anfang November immerwährend regnete Den zweiten October war das Wasser so groß, daß es üb r den kleinen Steinweg ging - ungefähr da, wo jetzt die Synagoge steht Kaum der zehnte Theil des Grummets konnte eingebracht werden; auch die Frucht und Kartoffeln J11? Aut "?*? 2?",^ und zwar naß nach Hause gebracht werden. Den 26. November

*on kalt, den 4. December fuhr Herr Kaspar Löber sein Grummet noch jiuu) jpau9<

Deutschland.

Berlin, 27. August. Den diesjährigen Kaisermanöoern auf deren Bedeutung in tacnscher Beziehung schon Kaiser Wilhelm I. beim letzten Neujahrsempfang die Generale aufmerksam gemacht hatte wird in allen beiheiligten Kreisen mit großer Spannung entgegengesehen. Es werden dabei in Thätigkeit treten 54 Bataillone Infanterie, 70 Schwadronen, 40 Batterien. Die sonst übliche Betheiligung zahlreicher fremdländischer Offiziere an den Kaisermanöoern fällt in diesem Jahre weg; es werden lediglich die in Berlin beglaubigten Militär-Bevollmächtigten zugezogen werden. Die frühere Gepflogenheit, fremde Offiziere an den Manöoern als Zuschauer theilnehmen zu lassen, hat doch zu mancherlei Jnconvenienzen geführt und dürfte vorläufig wenigstens in Deutschland nicht mehr Platz greifen. Auch Rußland ist dem deutschen Beispiele gefolgt und hat für dieses Jahr von der Zuziehung fremder Offiziere bei den großen Manöoern Abstand genommen. Dagegen wird den deutschen Kaisermanöoern diesmal ein besonders illustrer Gast ein auszeichnendes Gepräge geben: Erzherzog Albrecht, der General-Jnspecteur der österreichisch-ungarischen Armee, wird im September hier erwartet und zwei unserer bewährtesten Armeecorps werden es sich zur hohen Ehre rechnen, vor dem ruhmreichen Sohne des Siegers von Aspern Beweise ihrer feldmäßigen Ausbildung zu geben. Die diesjährigen Herbstübungen dürften übrigens für alle deutschen Truppen- theile von besonders practischer Bedeutung sein, da zum ersten Male sämmtliche Truppen vollständig mit dem neuen Gepäck ausgerüstet zu den Manöoern erscheinen und nun­mehr auch die Erfahrungen hinsichtlich der Verwendung des Magazingewehres ungleich mehr in Fleisch und Blut übergegangen sind als im vorigen Jahre. Endlich bean­spruchen die Herbstübungen 1888 auch noch ein historisches Interesse, als in denselben zum letzten Male die deutsche Infanterie als nach dem alten Exercierreglement aus­gebildet auftreten wird. Es verschwinden damit viele liebgewordene Traditionen; aber neue Waffen verlangen auch neue Formen und somit bedeutet die jetzt zu Ende gehende Uebungsperiode nur einen erfreulichen Uebergang zu verbesserten und dem modernen Gefechte mehr entsprechenden tactischen Formen, welche der Ausbildung unserer Infanterie em verändertes Gepräge geben sollen.

Berlin, 27. August. Die türkische Regierung ist, wie derAnz. f. d. Havell." I erfährt, gewillt, aus Preußen Büchsenmacher zu gewinnen. Die Direction der Gewehr­fabrik zu Spandau hat unter ihren Büchsenmachern Umfrage gehalten, wer geneigt sei, in türkische Dienste zu treten. Drei haben sich bestimmt bereit erklärt, das Anerbieten der Türkei anzunehmen. Es wird bei der Auswahl der Leute Werth auf Kenntnisse in der französischen Sprache gelegt.

An unsere geehrten Abonnenten.

Wiederholte Beschwerden, welche in den letzten Tagen uns kund wurden, veranlagen unsdie geehrten Abonnenten unseres Blattes zu bitten, jede Unregelmäßigkeit der Austräger uns mit kurzer Notiz gefl. direct zu Nur dadurch sind wir in Stand gesetzt, Abhilfe zu schaffen. Die Austräger sind angewiesen, den Anzeiger in die 28ohnung der Abonnenten zu bringen und nicht, wie vielfach zu geschehen scheint, auf Treppen und Muren abzulegen.

Die Expedition desGießener Anzeiger"».

1? Fieiscli-Exrract, Pepton u. Bouillon

AlvÄl&lHöi Itfil S smd in kurz. Zeit bereits mit 16 Ehrendiplomen u. goldenen Medaillen ausgezeichnet worden.

Vermischtes.

j nn- Darmstadt, 28. August. An dem der Firma Lildebrandt aehnrln«. i '°°b-n 'm Bau beftnblijfcn 8ro&arti0en Jieftaurationäbau^ut ben^Sutai8§pIaB0erriBneU ftd) heute Morgen um W Uhr ein schrecklicher UnglückSsaU. Durch SiachlässjgkeKattl man versäumt, die nach der Straße gelegenen Fundamentmauern eines alten Gebäudes abzusprießen. Kaum begannen die Arbeiter heute Morgen ihr Tagewerk, als sich eine Steinmasse von über 100 Cubikmeter loslöste und 3 Arbeiter unter fick bear H

war ba8 ©cfÄrei der Verschütteten und erst nach einer angestrengten Arbeit ^eselben dem Tode zu entreißen. Zwei der Arbeiter davon lam ^ verquetscht, wahrend der dritte mit weniger schweren Verletzungen August. Ein biederes Bäuerlein aus den Gefilden des Odenwaldes stand gestern Mittag mit seiner besseren Hälfte vor einem unserer ersten Delicatessenladen und beschaute sich mit Wohlbehagen all die Herrlichkeiten für den ^??gen HL. *r Auslage. Da fällt fein Blick auf ein Plakat mit der Aufschrift

Ö,?ne PS ^tucro12 Welches Über einer Anzahl geräucherter Aale hängt Des muß es neu Sort aus unsere Colonien sei, weil die so groß sinn da fnnnte ^mme", replicirt unser Bäuerlein zu seiner Ehefrau und Beide dem Geschäftsinhaber wird der Bauer jedoch Äm^^in»»«!^-"-"^ "/rkfam gemacht und er verläßt das Lokal mit langem Gesicht ^enf?."0 00 $ n aU$er* Cl llDd?: "Do derst ihr auch so kaan Zettel an die Dinger

j;- : s.seie Fahrt der Eisenbahnbeamten auf allen zum Vereinsverbände

8-ä°m?/"rs?^nstrecken soll nad) anderweitiger Meldung neuerdings durch einen Erlaß Ministers wesentlich eingeschränkt worden fein. Es sollen den Beamten fünftiabin "dbem roetVem eWe clnmaIi0c serienreife und für besonders dringende Fülle 28 August. Der Luftballon mit dem bekannten Luftschiffer Sim- b 3tDeln Äderen stieg gestern Nachmittag von der irischen Ausstellung hier- auf, um den Kontinent -u gewinnen; er fiel aber am Abend um 6 Uhr bei

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^rfmber des "Fernsprechers , d. h. er hat das TelephonFernsprecher" getauft er bat b e Mben TetuJn bfe "3io^?oft"' »v°stlag-rnb" unbeingeschrieben" crfunben* hnt Atzten Bezeichnungen turposte restante undrecommanbirt". Schade

® selbst in's Deutsche übersetzt.Doctor" ist nicht deutsch'

nSt hn tu Qr s ebenfalls mcht deutsch,Poft" ist nicht deutsch,Excellenz" ist nicht deutsch und o Ironie des Schicksals Stevban" selbst ist Anstatt Dr :,,, J n Äl'ttdj. Als^o^>orwärts:

s Stephan, Staatssecretar trn, Reichspostamt, Excellenz", wird es heißen: u^d 2^^ Kranz, Menschen-Zwangsvergesellschaftungs-Gehetmschreiber im Reichsbrief- mk üch-?hau^t°n?ch7m°^^ksA7L''°'"-" n,d,t to6n «»- dann wissen