— Der „Kreuz - Zeitung" zufolge haben die Generale Treskow (9. Corps), Witzendorff (7. Corps) Abschiedsgesuche etngeretcht. Die Generaladjutanten ©ra; Lehndorff und Fürst Radziwill sind zur Disposition gestellt. Ferner will die „Kreuzzeitung" das Gerücht betr. Caprivi's Entlassungsgesuch für richtig und mit wichtigen Oaantsationsfragen der Marine zusammenhängend halten. Eine anderweitige Be- ftätiauna fehlt. — Die „Nationalzettung" stellt als sicher hin, Wedell-Ptesdorf werde Hausminister. — Die „Post" bezeichnet das in Parlamentskreisen verbreitete Gerücht, Achenbach werde Minister des Innern, als unbegründet.
Berlin, 28. Juni. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Unterstaats- secretär Studt der Nachfolger von Lucanus im Unterstaatssecretariat des Cultus- mintsteriums werden wird.
Berlin, 28. Juni. ^Abgeordnetenhaus.^ Der Adreßentwurf wurde ohne Debatte einstimmig angenommen und das Präsidium mit der Ueberreichung der Adresse beauftragt sowie mit der Vermittelung des Beileidsausdruckes des Hauses an die regierende Kaiserin, die Kaiserin-Wittwe Victoria und die Kaiserin Augusta. Darau schloß der Präsident die Sitzung mit der Ausbringung eines dreimaligen Hochs au Se. Majestät den Kaiser.
— sHerrenhaus.) Der Adreßentwurf wurde gleichfalls ohne Debatte einstimmig angenommen und das Präsidium mit der Ueberreichung beauftragt. Der Präsident schloß die Sitzung mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Nachdem die beiden Häuser des Landtages die Adreßentwürfe an den Kaiser ohne Debatte einstimmig angenommen hatten, erfolgte nach gemeinsamer Sitzung der beiden Häuser der Schluß des Landtages durch den Minister von Maybach. Nach einem dreimaligen begeisterten Hoch auf den Kaiser ging das Haus auseinander.
— Der bekannte Eommisstonsrath Engel, Inhaber des Kroll'schen Etablissements, ist beute Morgen in Folge eines Herzschlages gestorben.
Dresden, 28. Juni. Eine Huldigung, welche gestern Abend dem Könige im Schloß Pillnitz anläßlich seiner Theilnahme an der Eröffnung des Reichstages dargebracht wurde, verlief in glänzendster Weise. Viele Dresdener Eorporationen, Gesangvereine, Mtlttärvereine, Polytechnikervereine, Schüler der Thterarzneischule nahmen an der Huldigung Theil. Oberbürgermeister Dr. Stübel hielt eine Ansprache, worin er der Trauer der letzten Monate gedachte und gleichzeitig der Freude darüber Ausdruck gab, daß der Kaiser jetzt verkündet habe, in den gleichen Wegen wandeln zu wollen wie der Begründer des Reiches. Wir begrüßen es jubelnd, schloß der Redner, daß Eure Majestät nach wie vor in unerschütterlicher Treue zu Kaiser und Reich den Sachsen vorangehen wollen und daß Eure Majestät mit dem Kaiser Wilhelm nicht nur durch übernommene Pflichten, sondern auch durch innigste Freundschaft verbunden ist. Redner schloß mit einem Hoch auf den König, der den Vertretern der Residenz seinen Dank für die ihm dargebrachte Huldigung aussprach. Dieselbe habe ihm große Freude bereitet, weil ihm die Begrüßung eine Beruhigung sei, daß der Schritt, den er als König des Landes zu thun für Pflicht hielt, auch die Billigung der Bürger der Residenz gefunden habe. Die Feier schloß mit einem allgemeinen Gesang.
Karlsruhe, 28. Juni. Die Ernennung des Großherzogs von Baden zum Generaloberst mit dem Range eines Feldmarschalls ist, wie die „Karlsr. Ztg." mtt- Ihetlt, geschehen mittels eines Handschreibens, das Kaiser Wilhelm dem Großherzog vor der Retchstagseröffnung überreichte und das sich dahin ausdrückt: Der heutige bedeutungsvolle Tag habe durch seinen schönen feierlichen Ausdruck für die Größe und Einigkeit des deutschen Vaterlandes in dem Kaiser die Gefühle aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit für den Großherzog besonders warm angeregt. Aus den Mit- theilungen des Großvaters kenne er die wesentliche Mitwirkung des Großherzogs an der Neuerstehung des Reiches. Er gedenke mit tiefer Dankbarkeit, wie ihm Der Großherzog jederzeit ein väterlicher und nützlich berathender Freund gewesen sei. Der Großherzog möge daher die Beförderung als einen Ausdruck feiner Dankbarkeit und Liebe erkennen.
Wie«, 28. Juni. Das „Fremdenblatt" bezeichnet die preußische Thronrede als ebenso bedeutsam wie glückverheißend. Sie biete durchaus den Beweis einer hochherzigen und erleuchteten Auffassung der erhabenen Mission. Friedrichs des Großen Ausspruch, wiederholt von dem Kaiser, sei das freudigste Wort, welches die Station vernehmen konnte.
— Die „Presse" sieht in der eventuellen Begegnung der Kaiser Wilhelm und Alexander eine hochbedeutsame praktische Betätigung der ernsten Friedenspolitik Deutschlands.
Paris, 28. Juni. Präsident Carnot empfing den Grafen Münster, welcher fein Beglaubigungsschreiben überreichte.
Rom, 28. Juni. Fürst Lichnowski, der, um den Thronwechsel anzuzeigen, in außerordentlicher Mission zum Vatikan gegangen ist, wurde heute vom Papste im Thronsaale empfangen. Der Papst sprach verbindlichst über Kaiser Wilhelm und drückte die Hoffnung aus, daß sich die Lage der Kirche immer mehr bessern möge. Er lud alsdann den Fürsten in sein Privatzimmer zu einer halbstündigen Unterhaltung. Hierauf begaben sich Lichnowski und Schlözer zum Cardinal Rampolla, welcher morgen zu Ehren der außerordentlichen Gesandtschaft ein Diner gibt.
Madrid, 28. Juni. Die Deputirtenkammer lehnte das Amendement der Con- seroatioen, den Zolltarif zu erhöhen, mit 135 gegen 54 Stimmen ab.
Kronstadt (Ungarn), 28. Juni. Anläßlich von Grundregulirungsverhandlungen wurde in der Gemeinde Töldwar die Gerichtscommifsion von einer aus verschiedenen Gemeinden zusammengerotteten Menge — etwa 1600 Personen — mit einem Steinhagel empfangen. Der Oberstublrichter ist leicht, der Notar schwer verwundet. Die Gensdarmerie gebrauchte die Waffen. Von den Aufrührern ist einer todt, viele sind verwundet. Die Mitglieder der Commission konnten sich nur mit Mühe retten. Vorkehrungen zum Schutze der bedrohten Grundbesitzer sind getroffen.
Lokales.
Gießen, 26. Juni. Am Schwarzen Brett der Universität befindet sich folgender Anschlag: Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz an die Großh. Landes-Universität. Auf den Bericht vom 20. d. M. erwidern wir Ihnen das Nachstehende: Die Mitglieder des Corps „Starkenburgta" haben zweifellos dadurch gegen die akademische Dtsctplin verstoßen, daß sie geduldet haben, daß atud. G. — obwohl ihnen bekannt war, daß und aus welchen Gründen derselbe vom engeren Senat mit der Strafe der Ausschließung von der Landes-Universität belegt war — in ihrer Mitte die Farben des Corps tragend und damit sich als ein Mitglied des Corps darstellend, an einem öffentlichen Orte erschien. Lägen bestimmte sichere Anhaltspunkte dafür vor, daß das Corps „Starkenburgia" mit diesem Verhalten eine förmliche Demonstration flegen den engeren Senat, beziehungsweise dessen Straferlaß gegen atud. G. beabsichtigt habe, dann wäre selbst eine strengere Strafe als die vom engeren Senat verhängte Suspension von 4 Wochen gerechtfertigt gewesen. Das in den Akten vorliegende Material bietet aber für die Annahme einer solchen Absicht keine sichere Grundlage und halten wir es unter diesen Umständen für zulässig, bei der Strafzumessung mildernden Maßstab anzulegen und die Suspension auf die Dauer von 14 Tagen zu beschränken. Wir beauftragen Sie, hiernach zu verfügen, dabei aber das Corps „Starkenburgta" in unserem Namen noch ausdrücklich vor ähnlichen Verstößen gegen die akademische Disciplin zu verwarnen, gez. Finger."
Gießen, 29. Juni. „Der Barbier von Sevilla" ist bekanntlich von seinem Schöpfer Rossini ohne Ouvertüre in die Welt geschickt worden. Da sich das Bedürfniß nach einer Einlettungsmusik trotz dem geradezu großartigen Erfolge der köstlichen Oper aber im Laufe der Zeit doch herausstellte, so hat Rossini die sogenannte „Elisabeth- Ouvertüre" später für den „lustigen Barbier" componirt und wird dieselbe an allen großen Opernbühnen jetzt gespielt. Selbstoerftändltch bekommen wir bei Dem Gastspiel der Casseler Hof oper am nächsten Montag dieses anrnuthigeMusikwerk mitzuhören. Die musikalische Leitung führt der Köntgl. Musikdtrector Heinz Nagel. Außerdem wird Herr Kammersänger Paul Greeff noch als besondere Einlage das wunderbare Baßlted »In vino veritaa“ singen.
Vermischtes.
Darmstadt, 27. Juni. Wie verlautet, soll die hessische Gensdarmerie demnächst eine Aenderung an ihrer seitherigen Uniforms-Ausrüstung erhalten. Die seitherigen Kleeblätter auf den Achseln sollen hiernach für den täglichen Dienst in Wegfall kommen und an deren Stelle carmoisinrothe Achselklappen treten. Die Kleeblätter würden für die Folge nur noch bei festlichen Gelegenheiten angelegt werden.
nn. Darmstadt, 28. Juni. Vor dem Generalarzt des 11. Armeekorps fand beute eine Hebung der Krankenträger der 25. Division statt, um diese auf ihre Kriegs- ruchttgkert zu prüfen. Zu diesem Zwecke fand eine Gefechtsübung des Jnfanterie- Regrments Nr. llöjtatt wobei eine Anzahl Soldaten die Verwundeten und Todten markirten. Noch wahrend des Feuergefechts begannen die Krankenträger ihre Arbeit, indem sie m raschester Weise die betreffenden Verbände anlegten und den Transport verwundeten vornahmen. Nach der Hebung fand eine eingehende Prüfung und Kritik über die angelegten Verbände Seitens des Generalarztes und der versammelten Regtmentsarzte statt und soll die Hebung zur vollen Zufriedenheit ausgefallen fein.
, ~ Sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum feierte am Dienstag den 26. Juni er.,
Herr Schneidermeister und Stadtverordneter Eberhard Kaiser. (Der Jubilar ist benachbarten Wteseck geboren und erlernte das Schneiderhandwerk bei Herrn Schneidermeister Schwaab in Gießen. Am 24. Juli feiert Herr Kaiser, so Gott will, seine goldene Hochzeit. Anm. d. Red.) Wohl selten ist es, daß sich ein Mann in sammtlichen Kreisen der Bürgerschaft eine fo allgemeine umfassende Liebe und Achtung erwerben konnte wie dieser Jubilar. Sein schlichter Sinn, sein edler Charakter, seine biedere Offenherzigkeit mußten ihm Jeden, mit dem er in Berührung kam, zum Freunde Oewmnen. Das zeigte sich auch an diesem Ehrentage. Von nah und fern trafen zahlreiche gleitet von duftigen Blumenfpenden. In Anerkennung seiner um die Stadt Custrin erworbenen Verdienste — wir dürfen hierbei wohl speziell an das Kiezerthor denken — wurde dem Jubilar das Ehrenbürgerrecht verlieben. Unter ?UT?n0A« 2 Bürgermeisters Herrn Krakau erschien eine Deputation des Magi- strats und der Stadtverordneten und überreichte Herrn Kaiser nach einer Ansprache i>e8 H°rrn Bürgermeisters, worauf dann der Jubilar in tief bewegten Worten dankte, laffen^b^rst fun^tD°a ausgefuhrten Ehrenbürgerbrief, dessen Text wir hier folgen
_. Ehrenbürgerbrief.
Wir Magistrat und Stadtverordnete von Cüstrin haben beschlossen, dem Schneidermeister und Stadtverordneten
Herrn Eberhard Kaiser
bei seinem siinfzigiährigen Bürgerjubiläum in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste, welche er sich wahrend seiner mehr denn 40jährigen Amtsthätigkeit als Stadtverordneter in unserer Stadt erworben hat, das
ri, . r Ehrenbürgerrecht
ju verleihen, und haben wir zum Zeugniß dessen ihm diese Urkunde ausgefertigt. Custrin, den 26. Juni 1888.
L- S. l. S.
Der Niagistrat. Die Stadtverordneten.
Krakau. Gottlob. Fuhrmann. Müller.
Lange. Milisch. H. Gottschalk. Em. Richter.
, . △ ptain j, 28. ^uni. Das traurige Vorkommniß in einer hiesigen Badeanstalt
tragisches Nachspiel bekommen, indem sich der Bräutigam des ertrunkenen Mädchens gestern Abend aus Gram durch Erhängen das Leben zu nehmen suchte. Der unglückliche junge Mann, ein Schuhmachergehülfe von hier, wurde zwar noch lebend abgeschnitten, doch ist sein Zustand ein derartiger, daß an ein Aufkommen nicht mehr zu denken. Die Eltern des jungen Mädchens trafen gestern Mittag hier ein und roobnten am Abend der Beerdigung bei. Die Leiche der mit ertrunkenen Hebamme ist bis jetzt noch nicht gelandet und ist dieselbe wahrscheinlich unter dem Badhaus weg- getruben. Die Thatsache, daß das Mädchen einer baldigen Niederkunft entgegengesehen unr° '"ner Herrath mit dem jungen Schuhmacher allerlei Hindernisse in den Weg gestellt haben, gibt in Verbindung mit dem Umstande des intimen Verkehrs mit einer ^bamme hier zu allerlei mysteriösen Gerüchten Veranlassung, die zu reprobuciren wohl nicht angezeigt, deren Auftauchen aber den Ausgang der gerichtlichen Unterfudjuna mit großem Interesse entgegensehen lassen.
= Frankfurt, 28. Juni. Ich theilte Ihnen schon mit, daß im Zoologischen ©arten am Sonntag eine Luftballon-Auffahrt ftattfinben wird. Witzige Köpfe könnten nun auf den Einfall kommen, daß diese Ballonfahrt zu Ehren „Bethfy's", des Ele- phanten des Gartens, stattfinden werde, der mit Sonntag in die Reihe der Jubilare -ritt„ »B-.hsy" tst am 1 3ulf 25 Jahr- im Garten. Das „Thterch-n" hatte, ais di- Gesellschaft es käuflich an sich brachte, eine Höhe von 2,12 Meter, beute mißt es 3 Meter ist also in dem Vierteljahrhundert 88 Zentimeter gewachsen. Der Jubilar ist z. 'st 39 Jahre alt. Früher gehörte der Dickhäuter einem Menageriebesitzer, der seine liebe Noth mit ihm batte, denn „Bethsy" ging gerne durch und zeigte auch keinen besonderen Sinn für Gehorsam. Mit dem zunehmenden Alter ist sein Betragen besser geworden- beute ist Jubilar der Liebling der Gartenbesucher, die er durch seine vielfachen Kunststücke amüftrL Daß Elephanten sehr alt werden, ist bekannt, allerdings wirkt die Gefangenschaft verkürzend auf die Lebensdauer. Der Coloß verzehrt täglich 50 Pfund Heu. 16 Pfund Brod und 4 Pfund Reiß mit 12 Pfund Weizenschaale gemischt, also m Summa 82 Pfund, abgesehen von den zahlreichen Gaben, die er von den Garten- besuchern, namentlich den Kindern in Gestalt von Biödchen, Zucker, Johannisbrod rc erhalt. Kommenden Sonntag wird dem Jubilar gewiß eine ganz besondere Ovation gebracht, indem ihm dankbare Kinderherzen vielleicht einen Korb Brödchen oder etliche Pfund Zucker verehren. Bethsy wird sich dafür durch Vortrag einiger Stücke auf der Orgel oder Mundharmonika dankbar zeigen.
~ Von der Diemel, 28 Juni. sDie Sonne bringt es an den Tag.^ Im Sommer des Jahres 1882 erregte das geheimnitzoolle Verschwinden des Mühlenbesitzers Drescher auf der Eilhäufer Mühle in Waldeck allseitig ungewöhnliches Aufsehen. Und das mit vollem Recht. Drescher war ein wohlsituirter, in der Gegend bekannter und angesehener Mann; er hatte einige Zeit vorher die Mühle und das dazu gehörige Grundeigenthum seinem Sohne abgetreten und lebte nun auf der sogen. „Leibzucht". Eines Tages hieß es, der alte Drescher ist verschwunden, Niemand hatte von ihm etwas gesehen noch gehört und die wunderlichsten Gerüchte wurden laut. Der Sohn war untröstlich und gab an, der Vater sei spät Abends auf den Anstand gegangen und seitdem nicht wieder zurückgekehrt. Manche glaubten es, daß dem so sei, viele twey nicht. Dann hieß es wieder, der alte Mann habe aus Lebensüberdruß Hand an tdj selbst gelegt und mehr oder minder verblümt wurde der Verdacht ausgesprochen >aß der Sohn seinen Vater indirect in den Tod getrieben habe. Ja es kam sogar soweit, daß in einem größeren Prozeß vor dem Landgericht zu Kassel der junge Drescher von der gegnerischen Seite als einwandsfreier Zeuge nicht anerkannt wurde, indem ihm geradezu direct oorgehalten wurde, es sei der Verdacht laut geworden, daß er einen Vater zu dem verzweifelten Schritte veranlaßt habe. Doch geheimnißoolles Dunkel lagerte über dem auffallenden Vorfälle und schon hatte man die Hoffnung auf-- gegeben, daß jemals Aufklärung darüber erfolgen würde. Und nun kommt plötzlich 2'cht m diese dunkle Affaire und zwar von einer ganz unerwarteten Seite! — Der wegen der beiden Mädchenmorde in Erlinghausen verhaftete Bauernsohn Johannes Prior dortselbst hat nämlich, wie wir aus authentischer Quelle erfahren, von Gewissensbissen mächtig gepeinigt von selbst eingestanden, daß er in Gemeinschaft mit feinem Vater den Mühlenbesitzer Drescher damals ermordet hat. Er gibt an, daß er und sein Vater damals im Walde auf waldeckisches Gebiet gegangen waren, um Streu zu freveln. Dabei feien sie plötzlich von einem Manne, der ein Gewehr getragen, überrascht worden und im Glauben, es sei ein Forstbeamter, hätten sie ihn von hinten Überfällen und erschlagen und die Leiche im Walde vergraben. Erst nach geschehener That entdeckten sie, baß es der alte Drescher war. Den Thatort hat er genau beschrieben. Prior hat also drei Morde verübt.
Literarisches.
— Ein neuer Roman von E. Werner Alpenfee" beginnt soeben in der Gartenlaube zu erscheinen.
— Die Zimmergymnastik. Ihr Wesen, ihre Bedeutung und Anwendung. Für gebildete Laien faßlich dargestellt von Dr. med. ©lünfelb. Mit 50 Abbildungen. Preis 1 JL. Verlag von Martin Hampel in Berlin W.
Nicht nur unsere Jugend, deren theilweise schwächliche Entwickelung wesentlich durch Mangel an genügender körperlicher Thätigkeit bedingt wird, sondern auch erwachsenen Personen, die durch ihren Beruf zu sitzender Lebensweise gezwungen sind, im Uebrigen aber durch Mangel an Zeit und Gelegenheit sich die Theilnahme an einem Turnverein versagen müssen, gibt das Buch eine wohldurchdachte Anweisung, die allgemeinen gesundheitlichen Vortheile der Gymnastik im eigenen Wohnzimmer, also ohne


