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Samstag den 30. Juni

Nr. ISO

1888.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Durean r Schul st raße 7.

* ., . . .. Qr 8kaU4 c ? Preis vierteljährlich 2Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme Les.MitYtags. Lurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mdrk 50 Pf.

Amtlicher Hßei l.

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Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreisausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält. '

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen. 'Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind dieselben ohne Einfluß. * l

Gießen, am 27. Juni 1888. Der Kreisausschuß des toifes Gießen. *

Dr. Boekm anm.______, ________________.__

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach $ 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält. '

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen. Auf den Laus der gesetzlichen Fristen sind dieselben ohne Einfluß.

Gießen, am 27. Juni 1888. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen.

Dr. Boek mann. ___ ____ . __________________________

Politische Ueberfkeht.

Gießen, 29. Juni.

Zwei Thronreden und zwei ParlamentSsesfionen innerhalb einer Woche eine solche parlamentarische Woche hat Preußen und Deutschland noch nie erlebt! Allerdings handelte es sich in der zweitägigen außerordentlichen Reichstagssession nur darum, die Thronrede Kaiser Wilhelms zu beantworten und dieselbe Aufgabe hatte auch der preußische Landtag in seiner ebenfalls nur zwei Tage umfassenden Session zu er­ledigen, aber diese so kurze Tagung kann weder der Session des Neichsparlamentes, noch jener des preußischen Landtages die ihr zukommende Bedeutung schmälern. Diese Bedeutung aber offenbart sich in der freudigen Zustimmung zu den Kundgebungen des Kaisers und Königs in den Ausdrücken des Vertrauens und patriotischer Treue, welche in den Adressen des Reichstages und der beiden Häuser des preußischen Landtages als Antwort auf die Thronreden Wilhelms II. niedergelegt sind und die einstimmige und debattelose Annahme der Adressen in den drei Parlamenten erhöht nur den Werth dieser loyalen Kundgebungen seitens der Vertreter der deutschen Nation und des preußischen Volkes. Selbstverständlich verleihen aber die Thronreden, mit denen Kaiser Wilhelm die außerordentlichen Sessionen des Reichstages und des Land­tages eröffnete, den letzteren erst ihre eigentliche Bedeutung und was Wilhelm II. als Kaiser und als König zum erfftcnmale vor den Parlamenten gesprochen hat, es wird für immer ein Markstein in der deutschen und preußischen Geschichte bleiben. Wenn der jugendliche Monarch in seiner Thronrede im Reichstage mehr seine künftige auswärtige Politik entwickelte und betonte, daß er hierbei den Friedens- traditionen seiner beiden großen Vorgänger auf dem Kaiserthrone unentwegt folgen werde, so enthält die Thronrede im preußischen Landtage naturgemäß das innerpolitische Programm Wilhelms II. als König von Preußen, demselben voran steht das eidliche Gelöbniß des Königs, die Verfassung fest und unverbrüchlich zu halten und in Uebereinstimmung mit ihr und den Gesetzen zu regieren. Mit einem berühmten Worte Friedrichs des Großen schließt König Wilhelm II. seine Thronrede, indem er versichert, er werde sich stets das Wort seines großen Ahnen gegenwärtig halten, daß in Preußender König des Staates erster Diener ist.

Wie die Rede des Kaisers bet Eröffnung des Reichstages, am Montag, so wird auch seine Kundgebung vom Mittwoch, vor dem preußischen Landtage, das ganze Land und das ganze Reich mit Vertrauen beim Beginne der neuen Regierung erfüllen. Auch abgesehen von der äußeren Pracht und dem Glanze, unter welchem sich die Er­öffnung des ersten Reichstages und des ersten Landtages unter Wilhelm II. vollzog, werden dieselbe deutungsvollen Staatsacte mit ihren Mittelpunkten, den Thronreden des Kaisers und Königs, in der Erinnerung des Volkes fortleben und es knüpft sich an sie die zuversichtliche Hoffnung,daß nach all' den aufregenden und schmerzlichen Ereignissen, welche unser Vaterland in den letzten Monaten betroffen haben, für Preußen und Deutschland nunmehr wieder eine lange Zeit ruhiger und stetiger Entwickelung anheben wird.

Die Krisis im preußischen Ministerium des Innern ist doch noch nicht entschieden. In neuester Zett war Herr v. Achenbach, der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, bestimmt als Nachfolger Puttkamer's genannt worden, Herr v. Achenbach soll nunmehr aber definitiv abgelehnt haben.

Der am Donnerstag erfolgte feierliche Schluß der österreichisch-ungarischen Dele- aationSsesston hat dadurch noch eine besondere Weihe erhalten, daß die ungarische Delegation am Tage vorher nochmals ihre vollste und freudigste Zustimmung zur Allianz Oesterreich-Ungarns mit Deutschland ausdrückte. Zugleich gab der Minister- vräsident Tisza hierbei Erklärungen ab, welche augenscheinlich eine eclatante Genug- thuung für Deutschland wegen der gehässigen Kritik desPester Lloyd" an der Pro- clamatton Kaiser Wilhelms bedeuten sollen. Außerdem wendet sich dre gesammte tonangebende Prefse tlngarns gegen dt- Auslassungen des Pester Lloyd" und erklärt die ungarische Nation hege die wärmst- Freundschaft für Deutschland. Hiermit erscheint dieser Zwischenfall, welcher einen Augenblick einen leisen Schatten auf das deutsch­österreichische Verhältniß zu werfen drohte, als vollständig beigelegt.

In der Schweiz beginnt man jetzt, offenbar durch das Beispiel Deutschlands angeregt, der socialpolitischen Gesetzgebung ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Von Seiten des Nationalrathes ist der Bundesrath beauftragt worden, mit denjenigen Staaten welche bereits eine Arbeitergesetzgebung anstreben, in Beziehung zu treten, um durch internationale Verträge oder eine internationale Arbeitergesetzgebung gleichartige gesetzliche Vorschriften, namentlich über den Schutz minderjähriger Personen, Beschrän- klmgen der Frauenarbeit, Sonntagsruhe und über einen Normalarbeitstag zu erzielen. Der hier angeregte Gedanke einer internationalen Arbeitergesehgebung ist ganz gut,

aber seiner practtschen Durchführung dürsten denn doch schwer zu überwindende Hindernisse entgegen stehen. . '

Die Städte SundKVall Und-Umea, an der Ostküste Schwedens gelegen, find völlig niedergebrannt. ' Der hierdurch entstandene Gesammtschaden wird auf 25 bis 30 Millionen Kronen angegeben und sind durch diese Brände gegen 12,000 Menschen obdachlos geworden. Es haben §ich in zahlreichen Städten Schwedens sofort Eomites für die Abgebrannten gebildet; auch, besuchte König Oscar die-heimgesuchten Städte.

Darmstadt, 28. Juni. sMilitärdienstnachrichten.^ Kreut er I., Sec.-Lieut. vom 2. Grotzh. Hess. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116 zum Prem.-Lteut. befördert, Riedejel Frhr zu Eisenbach, Sec.-Lieut. von der Cao. 1. Aufgebots des Landw.- Bats.-Bez. Gießen, zum Prem.-Lieut. befördert.

Berlin, 27. Juni. Der Entwurf der Adresse, welche das preußische Abgeord­netenhaus an Seine Majestät den König zu richten beabsichtigt, lautet:

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, .König und Herr!

Mit Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät betrauert das preußische Volk in tiefem Schmerz den Heimgang seines nach schwerem Leiden in Gott ruhenden Kaisers und Königs. Ihm war es nicht vergönnt, seine hochherzigen, auf das Wohl des Landes gerichteten Absichten zu verwirklichen. Die herzlichL Liebe und Bewunderung seines Volkes aber hat er in vollem Maße erworben durch die ruhmvolle Vklrwtrkung an der Herstellung der nationalen Einheit, durch seinen Heldenmuth im schwersten Leiden, durch seine unwandelbare Pflichttreue bis zur letzten Stunde und vor Allem durch die vertrauensvolle Liebe, die er selbst seinem Volke entgegenbrachte.

Eure Majestät haben das eidliche Gelöbniß abzulegen geruht, die Verfassung zu halten und die Zusicherung ertheilt, die Gesetze und die Rechte der Volksvertretung achten und schützen, die verfassungsmäßigen Rechte der Krone wahren und ausüben zu wollen. Mit Dank nimmt die Landesvertretung dieses fürstliche Wort entgegen, einig mit Eurer Majestät in der Anerkennung der Nothwendigkeit, die Rechte der Krone gewissenhaft zu wahren und die Rechte des Volkes und seiner Vertretung un­geschmälert zu erhalten.

Eurer Majestät Entschluß, den Bahnen zu folgen, welche die Begründer der deutschen Einheit, Kaiser Wilhelm I. und der in Gott ruhende Kaiser Friedrich III. ihrer Politik im Reiche wie in Preußen oorgezeichnet haben, ist des Dankes und der freudigen Zustimmung aller Preußen sicher.

Eurer Majestät Zusicherung, nach den bewährten Grundsätzen des erlauchten Hauses der Hohenzollern die freie Ausübung aller religiösen Bekenntnisse schützen zu wollen, findet in unseren Herzen lauten Widerhall.

Daß Eurer Majestät Bemühungen, den religiösen Frieden zu erhalten, von Erfolg sein werden, hoffen auch wir.

Dankbar erkennt in Eurer Majestät Worten das preußische Volk die sichere Gewähr für die Erhaltung, Befestigung und Ausgestaltung der Selbstverwaltung.

Wie Eure Majestät, ist auch die Landesvertretung von dem Bestreben erfüllt, unter Aufrechterhaltung der bewährten Grundsätze altpreußischer Finanzpolitik eine noch gerechtere Verthetlung der Steuern und eine Erleichterung der Gemeindelasten herbeizuführen.

Mit Eurer Majestät erkennen wir in dem auf gegenseitiges Vertrauen gegründeten Zusammenwirken der Regierung mit der Landesvertretung im Dienste des Vaterlandes die sichere Gewähr für die Förderung der Wohlfahrt des Landes.

Eurer Majestät danken wir und dankt mit uns das preußische Volk, daß Aller- höchstdteselben Gerechtigkeit und Pflichtgefühl zum Leitstern Ihres Regiments erkoren haben. Wie Friedrich der Große durch das von Eurer Majestät erneute hochherzige Wort seine völlige Hingabe an die Pflicht, sein Volk und das Vaterland bezeugte, so hat ihm auch das preußische Volk in höchster Gefahr, in tiefstem Leid unter schweren Opfern die Treue gehalten.

Wir geloben Eurer Majestät, die Treue zu bewahren, die Preußens Volk seinen Herrschern in guten und bösen Tagen gehalten hat.

In tiefster Ehrfurcht ersterben wir als Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät

allerunterthänigftes, treu gehorsamstes

Haus der Abgeordneten.

Telegraphische Depeschen.

Wolst's lclcgr. Correspondenz Brrrearr.

Berlin, 28. Juni. Der Kaiser empfing gestern vor seiner Abreise den rumä­nischen Staatsminister Earp. Nach seiner Ankunft in Potsdam besuchte der Kaiser die Friedenskirche. Heute Vormittag arbeitete der Kaiser mit dem Krtegsminister und empfing den Admiralitätsrath Dietrich.