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Berlin, 28. Mai. Das Unglück im königlichen Schauspielhause stellt sich auf Grund der genaueren Berichte etwas anders dar, als in den ersten Stunden, nachdem es passirt war. Nicht die Decke oder das Dach Ist eingestürzt, denn diese waren schon vor einigen Tagen abgetragen, es ist vielmehr das zum Zwecke des Umbaus im Bühnenraum aus mächtigen Balken errichtete fünf Etagen hohe Gerüst in sich zu- sammengestürzt. Dieses war aus schweren Balken konstruirt und hatte besonders fest hergestellt werden müssen, da auf ihm die Etsenkonstruktion für das neue Dach in die Höhe geschafft werden sollte. Ein hiesiger Techniker, eine Autorität auf diesem Ge­biete, hatte das Gerüst vor einigen Tagen untersucht und dessen Sicherheit bescheinigt. Heute morgen nach 7 Uhr befanden sich auf dem Gerüst, wie angenommen wird, sünfundoierztg Arbeiter, die Mehrzahl derselben war in den ober n E agea des Ge- rüsts beschäftigt. Kurz nach/48 Ubr gcrteth plötzlich das kolossale Holzgecüst in Be­wegung, die schweren Balken wankten und gaben nach und unter entsetzlichem Krachen stürzte das Gerüst zusammen. Die Arbeiter, welche an der Außenseite des Hauses beschäftigt waren und die Hausbeamten stürzten heran, vermochten aber nur mit Mühe sich einen Zugang zum Bühnenraum zu bahnen. Wo sie eine der schmalen eisernen Thüren, welche auf die Bühne führten, öffneten, war der Zugang durch hohe Balken­lagen und Trümmer versperrt und der Zuschauerraum von der Bühne durch den eisernen Vorhang getrennt. Dennoch gelang es, zur Unglücksstätte vorzudringen und hier bot sich nun ein entsetzliches Bild. Auf der Bühne erhob sich ein gewaltiger Trümmerhaufen, der von dichten Staubwolken eingehüllt war, die schweren Balken lagen zum Theil in der Mitte gebrochen und zersplittert übereinander und auf ihnen und unter ihnen sah man die verwundeten Körper der verunglückten Arbeiter liegen. -Sofort legten die Anwesenden hilfreiche Hand an und begannen die Rettungsarbetten. Schon nach wenigen Minuten erschienen auch starke Abheilungen der Feuerwehr, welche durch die MeldungGroßfeuer" herbeigerufen worden waren. Jetzt konnten die Arbeiten in größerem Maße fortgesetzt weiden. Dreizehn Arbeiter zog man schwer­verwundet unter den Trümmern des Gerüstes hervor, einer derselben war tobt mit zerschmetterten Gliedern aufgefunden, er ist bisher nicht rekogiroszirt worden. Ver­mißt wurden bis gegen Mittag noch 3 Arbeiter, doch vermuthet man, daß dieselben möglicherweise des Morgens gar nicht zur Arbeit gekommen sind. Als Ursache der .Katastrophe wird angenommen, daß einer der schweren Balken, die vom Gerüst herab­gelassen wurden, auf einen Gerüstbalken gefallen oder gestoßen ist und dadurch den Zusammensturz des ganzen Gerüstes veranlaßt hat.

Brüssel, 28. Mai. Die offizielle Eröffnung der hiesigen internationalen Aus­stellung durch den König wird am 6. Juni stattfinden.

Eingesandt.

Sehr zu bedauern ist es, daß das gestrige Concert der Tyroler-Sängergksellschaft Bogner-Kittel sehr schwach besucht war. Die Leistungen waren wirklich vorzügliche, wobei noch diejenigen der Zitherspieler Herren Kittel besondere lobende Erwähnung verdienen. Wie wir hören, gedenkt die Gesellschaft Dienstag, den 29. d- M, ein zweites Concert zu geben. Wir glauben mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß der -schwache Besuch des gestrigen Concerts lediglich daraus zurückzuführen ist, daß dem hiesigen Publikum die Ankunft der Gesellschaft zu wenig bekannt geworden war und empfehlen einen Besuch des zweiten Concertes aufs wärmste.

Literarisches.

Bei der großen Fluth von Erscheinungen auf dem Gebiete der Zeitfchriften- Ltteratur ist es für das lesende Publikum gewiß schwierig, bei Auswahl eines Familien- Journals, welches doch für Jeden etwas Interessantes und Lesensweithes bringen soll, das Richtige zu treffen. Wir halten es daher für unsere Pflicht, die Abonnenten unseres BlatteS immer wieder auf die illustrirte ZeitschriftUniVecftttn* aufmerksam zu machen, als ein echtes deutsches Familienblatt, welches durch seine hervorragenden Leistungen auf belletristischem wie illustrativem Gebiete die Gunst des Publikums immer mehr sich erwirbt und in seiner, der höchsten Vollendung zustrebenden vielseitigen inneren und prächtigen äußeren Entwickelung hoch über das Niveau der mannigfachen, zum Theil recht geringwerthigen, leider immer noch viel gekauften, Geschmack und Geist verderbenden Unterhaltungs-Lectüre sich erhebt und als Familienschatz von bleibendem Werthe empfohlen zu werden verdient. Jedes Heft enthält neben hochinteressanten Novellen und Romanen rc., sowie außer einer Menge kleinerer Illustrationen drei Kunstbeilagen, zwei in Holzschnitt und eine in Lichtdruck, welche, durchweg künstlerisch vollendet schön, einen ganz besonderen Werth haben. Alles in Allem: Vielseitigkeit und Gediegenheit des Inhalts wie vornehm prächtige Ausstattung, lassen uns den überaus billigen Preis von 50 Pfg. für ein alle 14 Tage erschemendes Heft kaum glaublich erscheinen.

Verfälschte schwarze Seide. ein Müstercheu des Stoffes, von dem man kaufen will, und bte etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Rechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchuß­fäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt sondern krümmt. Zer­drückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-DSpöt von G. Henneberg (K. u. K. Hoflies) Zürich versendet gern Muster von feinen echten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei in's Haus. 3584

(Internationale Kunstausstellung in Münchens Auf Einladung des Eentral- comitSs wird Franz o. Lenbach vermittelst einer Separatausstellung im Glaspalast die berühmte Sammlung historischer Porträts in einer selbständigen, eigenartigen und fesselnden Weife den Besuchern derselben zugänglich machen. Es finden sich darunter die letzten Porträts Kaiser Wilhelms, Kaiser Friedrichs, Bismarcks und Moltkes, dann ein Porträt König Ludwigs I. von Bayern, Prinz Ludwigs von Bayern, ferner Gladstone und Minghetti, hervorragende Gelehrte, Künstler und Schriftsteller fehlen nicht, wie Döllinger, Richard Wagner, Franz Liszt, Wilhelm Busch, Dr. Schweninger, Oberländer und Andere, deren geistvolle Darstellung und Auffassung in weiten Kreisen das lebhafteste Interesse erregen werden. Außer diesen meist größeren Oelgemälden begegnet man Zeichnungen und Pastellen, Alles in atelierartigem und zugleich vornehm distinguirtem Arrangement zusammengestellt, daß eine gesteigerte Anziehungskraft und dadurch auch eine erhöhte Frequenz unserer Ausstellung sich erwarten läßt.

An der Spitze unserer dieswöchentlichen Anzeige desDaheim" im Annoncen- theil erblicken unsere Leser die Trauer-Nachricht vom Tode Otto Klasings, welcher bei Lebzeiten Leiter der Leipziger Niederlassung der weltbekannten Bielefelder Verlags- Buchhandlung Velhagen & St la fing war, als solcher das weitverbreitete illustrirte FamilienblattDaheim" begründete und seither, während 24Jahren, an der Redaction und Leitung desselben energischen Antheil nahm.

Die Redaction desDaheim" widmet dem Entschlafenen folgenden, den Todten wie die Ueberlebenben gleich ehrenden Nachruf:

Otto Klafing t.

Unsere Leser und wir haben einen unersetzlichen Verlust erlitten. In der ersten Morgenstunde verschied heute nach langem, schwerem Leiden sanft und ganz in Gottes allezeit guten und gnädigen Willen ergeben Herr Otto Klafing, der als Buchhändler wie als Redacteur von der Begründung des Daheim an bis in die letzte Zeil die Seele und der Mittelpunkt unseres Blattes war. Sein mannhafter Charakter, seine lautere Vaterlandsliebe und sein genialer Geist befähigten ihn, wie wenige zuvor, ein Blatt zu begründen und zu leiten, dessen Ausgabe es immer war, noch ist und immer fein wird, der deutschen Familie eine Unterhaltung zu bieten im Sinne christlicher und deutscher Selbstzucht und zielbewußter Hingabe an die Güter, die nicht von dieser Welt sind.

Uns aber, seinen Mitarbeitern, war er ein theurer und treuer Freund, ein Freund, dessen Bild nie aus unserem Gedächtniß schwinden wird, ein Freund, dessen Andenken wir dadurch ehren werden, daß auch künftig dieses Blatt, fein Lebenswerk, in seinem Sinne und Geiste geleitet werden soll.

Ein ausführliches Lebensbild unseres theuren Todten wird unsere nächste Nummer bringen. Für heute nur diese Mittheilung.

Leipzig, am 12. Mai 1888.

Die Redaction des Daheim.

Handel und Verkehr.

Gießen, 29. Mai. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.001 05, Hühnereier pr. St. 5 ^>, 2 Stück 9 H, Enteneier 5 Gänseeier St. 910 H, Käte vr. St. 48H, Käsematte per St. 3 H, Erbsen per Liter 18 Linsen per Liter 32 H, Tauben per Paar X 0.650.80, Hühner per Stück X 1 00 bis 1.30, Hahnen per Stück X 1.502.00, Enten per Stück X 2.002.40, Ochsen- fleisch per Pfund 5654 Kuh- und Rindfleisch 4550 Schweinefleisch 5060

Hammelfleisch 54-64 H, Kalbfleisch 4046 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 5 00-6 00, Zwiebeln per Centner X 15 0016 00, Milch per Liter 1218 H, Weißkraut Stück 0000 Kirschen per Pfund X 0,500,70.

Frankfurt, 28. Mai. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X 20,0020,25, fremder X 18,5021,00, Roggen eff. hies. X 14,2514,50, fremder X 00,0000,00 Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,0017,50, fremde X 00,0000,00, Hafer eff. dies. X 14,25-14,75, fremder X 00,0000,00.

Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 28. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht 353 Stück Rindvieh und 1152 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag den 25. Juni d. I., zugleich Wollmarkt.

Wöchentliche Neberficht 6er Todesfälle in der Ltadt Gießen.

21. Woche. Vom 20. Mai bis 26. Mai 1888.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 27,3 %q. Kinder

Es starben an:

Zusammen:

Erwachsene:

im

1. Lebensjahr: 2.

vom

15. Jahr:

Altersschwäche

1

1

Lungenschwindsucht

2 (2)

1 (1)

1 (1)

Rückenmarksentzündung

1

1

Gehirnentzündung

1

1

Krämpfen

2

1

1

Entzündung der Bronchien

1

1

Scharlach

1

1

Gehirntuberkulose

1

1

Summa: 10

3

2

5

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankbeit auf von Äuswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Wärmegrade der Lahn und der Luft,

nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.

Lust 18% Wasser 15 Gr.

Gießen, den 29. Mai 1888. Rübsamen.

Eintrag

in das Firmenregister Großh.

Amtsgerichts Gießen

am 28. Mai 1888.

Herr Erich Wasferschleb en in Gießen eröffnet daselbst mit dem 1. Juni d. I. ein Bankgeschäft unter der Firma:E. Wassers ch leb en."

Dem Herrn WolfgangMeißner daselbst hat er Procura ertheilt-

Neidhart, 4501 Gerichtsschreiber.

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2500 Gewinne r. w. v. 75,000 Mark

Erster Hauptgewinn

1 25,000 Mark. 1

Mark.

911

^uni Mchfte Ziehung

Preis des Looses, für beide Ziehungen gültig.

Mark