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128 Mittwoch den 30. Mai ^88

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau r Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Ä^ährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst,

rq3r waoa k 24 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 25. d. M., enthält'

Betrieben befchäftigien Personen" nom 5" Ma^lkVö ^0^1863""°^ bU ttnfaD' 11,10 Krankenversicherung dec in land, und sorstwirjhschastlicheu

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------------------------ Or. Boekmann.

stattfinden.

Komm-nden Svnntag ben 3. Juni l. I. soll zu Gi-ß-n im Gasthaus-Zum Einhorn" daselbst

BogelSberger Rindviehraffe^*"* " beS B«--inS für Züchtung und D««dl«ng btt

2) um 12 Uhr Mittags eine Generalversammlung des landwirthschaftlichen «ezirkSvereioS Gießen

Beide Versammlungen haben zur Tagesordnung:

s) die Wahl eines ersten Vorsitzenden an Stelle des Unterzeichneten,

< <.= statutenmäßige Ergänzunoswahl des Vorstandes, bezw. Ausschuffes

Vercinr » -ÄÖSStt&S ÄÄ? K-n.« dr. dchd.r

Darmstadt, den 28. Mai 1888.

Der erste Vorsitzende des landwirthschaftlichen Bezirksoereins und des Viehzuchtvereins Gießen.

---------------------------------------------------------Nover, Regierungsrath.

»etr.: Die Bestimmungen über den Eintritt junger Leute in die Unteroffizierschulen und UnteroffiziervorMlem °1888'

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

en hte Grotzherzogltchen Bürgermeiftereie» bei Kreises.

2ßtr weisen «Sie an, nachstehende Bekanntmachung auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen zu lassen

Dr. Boekmann.

Md w*«-«»«. Ew-gm

Oberstlieutenant und Commandeur des Landwehr-Bataillons-Bezirks Gießen

Politische Ueberficht.

Gießen, 28. Mai.

Das Bulletin über «aiser Friedrich vom Montag besagt, daß sich der Kaiser am Samstag etwas ermüdet fühlte, daß jedoch sein Befinden sonst während der vorigen Woche ein gutes war; Fieber ist nicht vorhanden, der Kräftezustand ein befriedigender D»e Uebersiedelung des Kaisers nach Schloß Friedrichskron soll Ende dieser Woche erfolgen und zwar auf der DampfjachtAlexandra."

In nichts weniger als harmonischer Weise hat die preußische Landtagssesston in den letzten stürmischen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über das Volksschul­lastengesetz und namentlich über die Elbing-Marienburger Wahlen ausgeklungen. Gab am Freitag schon die nochmalige Berathung des genannten Gesetzes den Anlaß zu er­regten Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Parteien und auch den einzelnen Rednern, so wies die Samstagsdebatte über die Ungültigkeit der Wahl der beiden conservativen Vertreter für Elbing-Marienburg mitunter einen Ton auf, wie er in Wirthshausgesprächen am Platze sein mag, aber nicht in der parlamentarischen Arena. Wohl sind bei der Elbing-Marienburger Wahl bedauerliche Unregelmäßigkeiten vorge­kommen, die auch vom Hause durch die mit Stimmenetnheit erfolgte Cassirung der Wahl der Herren v. Puttkamer-Plauth und Dühring gebührend gerügt wurden, aber dies rechtfertigte noch keineswegs die Art und Weise, in welcher auf beiden Seiten des Hauses discutirt wurde. Vielfach trat hierbei die Discussion vom Gebiete der rein sachlichen Erörterungen auf das Feld persönlicher Angriffe über und besonders hierdurch erhielt die Samstagverhandlung des Abgeordnetenhauses einen recht uner­quicklichen Charakter und daß gerade die letzte Sitzungsperiode des bisherigen Land­tages in der zweiten Kammer mit solchen Mtßklängen schließen mußte, macht allseitig einen keineswegs angenehmen Eindruck.

Der Bundesrath hielt in voriger Woche neben seiner regelmäßigen Wochen­plenarsitzung noch eine außerordentliche Sitzung ab, in welcher dem Vernehmen nach die geplanten Retorsionszölle gegen Rußland zur Erörterung gelangt sein sollen.

Der gegenwärtige Aufenthalt des Statthalters von Elsaß-Lothringerr, Fürsten Hohenlohe, in Berlin soll in der That mit der Paß maßregel der reichs- I ländischen Regierung Zusammenhängen, es wird versichert, der Statthalter habe bei ! seinem Empfange beim Kaiser dem Monarchen einen längeren Vortrag über diese An­gelegenheit gehalten. Von französischen Gegenmaßregeln verlautet bislang noch nichts, es sind solche aber kaum zu bezweifeln, schon im Hinblick auf die gereizte Stimmung, welche in den chauvinistischen Kreisen Frankreichs durch das entschlossene Vorgehen der deutschen Regierung entstanden ist, wird die französische Regierung wohl oder übel etwas thun müssen, um die Stimmung zu beschwichtigen. Vielleicht wird nun an der französischen Grenze auch den aus Deutschland kommenden Reisenden auch ein Paß

abvcrlangt werden, worauf freilich die deutsch-französischen Grcnzbeziehungen sich noch weiter ungemuthlicher gestalten würden, als sic cs jetzt schon sind, aber die Franzosen s^en, daß sie an diesem unerquicklichen Zustande der Dinge un- fchuldlg seien.

Mit dürren Worten haben im ungarischen Abgeordnetenhanse der Cabinetschef Tisza wie der Handelsminister Graf Sczecheny dieser Tage erklärt die unsicheren politischen Verhältnisse Frankreichs verhinderten eine Beschickung' der Pariser Weltausstellung durch die ungarische Industrie ebensosehr als der revo­lutionäre Hintergrund der Ausstellung. Es ist das eine bittere Pille welche den Franzosen zum Vorgeschmack ihres großen Revolutionsjubiläums gereicht worden ist und dies durfte in Frankreich um so mehr empfunden werden, als man bislang ge­rade in Ungarn immer gern eine gewisse Schwärmerei für Frankreich zur Schau trug Aber Herr Tisza hat eben nur eine einfache Wahrheit ausgesprochen, wenn er meinte es herrsche jenseits der Vogesen zuweilen eineaufgeregte Stimmung", die selbst gegen den Willen der Regierung und der französischen Nation zu einer Schädigung des Eigenthums oder Verletzung der vaterländischen Farben einer fremden Nation sichren könne. Der ungarische Ministerpräsident deutet hiermit ziemlich unverschletert die ja nicht so entfernte Möglichkeit an, daß eines schönen Tages in Paris eine Revolution ausbrechen konnte und daß es alsdann um die Sicherheit fremden Eigenthums und um die Achtung fremder Flaggen in der französischen Hauptstadt bedenklich aussehen wurde. Es wird hiermit den Franzosen ungarischerseits ein Mißtrauensvotum er- therlt, welches jenseits der Vogesen schwerlich angenehm berühren wird, das jedoch durch die in Frankreich mehr und mehr um sich greifende politische Tollhäuslerwirthschast vollständig gerechtfertigt wird.

Aerttschland.

, Darmstadt, 28. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht:

Am 26. Mat den Oberamtsrichter bet dem Amtsgericht Altenstadt, Dr. Carl Arnold, zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Lorsch, mit Wirkung vom Tage des Diensteintritts seines Nachfolgers, zu ernennen.

Berlin, 27. Mai. Der Kronprinz war von 123/« Uhr bis gegen 3 Uhr bei den Majestäten zum Frühstück und besichtigte sodann mit der Kaiserin den am Schlosse liegenden DampferAlexandra", mit welchem der Kaiser sich nach Potsdam begeben wird. Der Prinz und die Prinzessin von Hohenzollern besuchten die Majestäten gegen 1 Uhr. . Der Kaifer zeigte sich gegen 6 Uhr wiederholt am Fenster. Die Kaiserin machte von 5 Uhr 10 Minuten ab mit den Prtnzessinnen-Töchtern eine einftündige Ausfahrt. Das Allgemeinbefinden des Kaisers ist gut, obwohl er sich etwas ermüdet fühlt, was die Aerzte als Folge der Witterung betrachten.