Vermischtes.
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Staatssecrelär o. Bötticher theilt hierauf eine allerhöchste Botschaft mit, mittelst welcher der Reichstag geschlossen wird.
Präsident v. Wedell: Lassen Sie uns dem festen Vertrauen in Deutschlands Zukunft, welches uns erfüllt, Ausdruck geben, indem wir rufen: Se. Majestät der Kaiser Wilhelm er lebe hoch! 1 '
Das Haus stimmt dreimal begeistert in diesen Ruf ein.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Korrespondenz, Bureau.
Berlin, 26. Juni. Der König von Sachsen und die Großherzöge von Baden und Hessen waren gestern Abend bei den Majestäten zum Thee.
— Der Kaiser verbrachte die ersten Morgenstunden mit Erledigung der Regierungsangelegenheiten. Um 11 Uhr stattete der Großherzog von Hessen vor seiner Abreise den Majestäten einen Besuch ab. Mittags um 12 Uhr fand tm Pfeilersaale des Schlosses die feierliche Vereidigung der Staalsmtnifter statt, woran sich sofort eine Staatsministerialsitzung anschloß, welcher der Kaiser präsidirte. Rach derselben empfing der Kaiser einige Generäle und andere höhere Militärs zur Abstattung persönlicher Meldungen und arbeitete hierauf mit dem Kriegsmunstcr. Vorher war Albedyll zu kurzem Vortrag empfangen.
— Der König von Sachsen und andere zur Zeit noch in Berlin anwesende deutsche Fürstlichkeiten begaben sich um 12 Uhr nach Friedrichskron, um sich von der Kaiserin Victoria zu verabschieden. Der König von Sachsen gedenkt um 4 Uhr mittels Sonderzugs nach Dresden zurückzukehren.
Berlin, 26. Juni. Die Eröffnung des Landtags erfolgt genau mit demselben Eeremonrell wie die des Reichstags. Dle Retchsinsignten werden von denselben Persönlichkeiten getragen werden. Die Kaiserin-Königin wird der Feier in der Loge rechts vom Throne beiwohnen.
— Entgegen der gestrigen Meldungen eines Wiener Blattes erfahren wir, daß zur Zeit keinerlei Verhandlungen über Zollmaßnahmen irgend welcher Art zwischen der deutschen und der österreichisch-ungarischen Regierung schweben.
Berlin, 26. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." conftatirt, daß anläßlich der Reichstags-Eröffnung und der Thronrede die deutschen Fürsten gekommen seien, um durch ihre persönliche Gegenwart der Welt zu bekunden, daß das neue Deutsche Reich in sich gefestigt dastehe, getragen von dem Geiste von 1871. „Das deutsche Volk bekunde in feiner legalen Vertretung, dem Reichstage, im Einzelnen lebhafte Zustimmung, wie ihm auch das Bewußtsein des Zusammenftehens Aller für Kaiser und Reich ein Element des politischen Empfindens je länger je mehr geworden ist. Der Kaiser ist entschlossen, Frieden zu halten mit Jedermann; er wird ein Hort des Friedens wie sein Großvater. Richt nur unser Volk, sondern die ganze gesittete Welt wird dem Kaiser für diese Verheißung danken. Was der Großvater begonnen, wird der Enkel im Anschlüsse an die christliche Sittenlehre vollenden, das Werk socialer Reformen." — Der „Kreuzzeitung" zufolge behält der Kaiser die Abzeichen des Generalmajors bei, wie Friedrich Wilhelm III. es seiner Zeit auch gethan. Ferner werde Prinz Albrecht die Investitur des Ritterschlages der Johanniter auf der Sonnenburg infolge des Todes des Kaisers Friedrich erst im August abhalten. — Die Beileidsadresse der städtischen Behörden Berlins wirb der Kaiser morgen Mittag aus den Händen der Deputation von Mitgliedern der Stadtverordneten entgegennehmen. — Das „Mrlitärwochenblatt" meldet die Ernennung des Prinzen Albrecht von Großbritannien zum Secondelteutenant * la suite des Infanterie- Regiments Nr. 95.
— Heute Abend 6 Uhr fand beim Reichskanzler zu Ehren der anwesenden Minister der Bundesstaaten ein Tiner statt, woran thetlnahmen Bötticher, Lutz, Lerchenfeld, Hohentbal, Mittnacht, Marschall, Finger, Retdhardt, Prollius-Erammburgsdorf, Herrward, Erosigke, von Bonin, von Stark, Spring, Behn-Lübeck, Krüger, Gtldemeister und Versmann, Graf Rantzau, Roltenburg, sowie Legattonsrath Schwartzkoppen.
Berlin, 26. Juni. Die „Nordd. Allgem. Ztg." knüpft an die vom „Dagblad" und „Kuryer Warschawski" gebrachte Aeußerung des Dr. Mackenzie, der Kaiser Friedrich habe m fernem und seiner Gemahlin Interesse, sowie aus höheren moralischen und praktischen Gründen gewünscht, wenigstens eine kurze Zeit zu regieren, und sagt Dieses sei eme positive Fälschung. Kaiser Friedrich, welchem die denkbar höchste Vorstellung von den Pflichten und von der Stellung des Kaiserthums innewohnte, hatte keinen Zweifel gelassen daß er die Regierung nicht antreten würde, wenn eine unheilbare Krebskrankheit zweifellos festgestellt wäre. Andererseits waren die eventuell dazu berufenen Persönlichkeiten entschlossen dem Kaiser die Kränkung und die Anregung der Frage zu ersparen, so lange er nicht selbst die Initiative ergriffe. Deshalb war es die Aufgabe Derjenigen, die den Kaiser auch bei der Unfähigkeit zu regieren auf den Thron bringen wollten, denselben über seinen Zustand zu täuschen. Es ist somit festgestellt, daß ein unbedeutender englischer Arzt von radical politischer Gesinnung sich heraus genommen hat, in die Geschicke der Nation bestimmend einzugreifen.
Wien, 26. Juni. Das „Fremdenblatt" bezeichnet den gestrigen Tag in Berlin als einen geschichtlichen Augenblick auch für das übrige Europa. Jedes Wort der Thronrede lei oon dem festen Entschlüsse begleitet, die ausgesprochenen Grundsätze zur unbedingten Wahrheit zu machen. Jeder fernere Zweifel über die von allen Wechseln unabhängige Fortdauer des Bündnisses mit Oesterreich sei zerstreut, wodurch Jene bekehrt wurden, die auf eine Erschütterung des Bündnisses speculirten. Die Thronrede werde dem Frieden eine neue mächtige Unterlage leihen. — Die „Presse" meint: Die Thronrede sei die Sprache eines starken Charakters, einer großen Intelligenz, eines redlichen, wohlwollenden Mannes, eine echte Friedensbürgschaft. Auch Oesterreich wünsche gute Beziehungen zu Rußland. - Die „Neue Freie Preffe" nennt die Thron- rebe eine Friedensbotschaft. Auch Oesterreich würde es als eine Erlösung preisen wenn es gelange, Rußland für die conseroative Polittk der Friedensliga zu gewinnen — Die „Deutsche Zeitung" charakterisirt die Thronrede als eine Botschaft der Kraft und der Friedensliebe. — Das „Extrablatt" sieht in der Thronrede ein bewährtes Regierungs Programm von durchsichtiger Klarheit; es sei vollkommen das Programm des Großvaters.
c- c Stockholm, 26. Juni. Der König ist mittels Exttazuges nach der Stadt Sundeswall abgereist, welche durch eine Feuersbrunst beinahe völlig zerstört ist
Rom, 26. Juni. Sämmtliche Abendblätter sprechen ihre hohe Befrtediauna über den friedlichen Ton der deutschen Thronrede aus. yoye ^esrieotgung über
. ^E>M, 26. Juni. Die Morgenblätter drücken sich über die Thronrede Kaiser 8Äblms sehr sympathisch aus. Die „Opinione" sagt, die Thronrede sei überaus
o. /, Pest- 26 Juni Der „Nemzet" bemerkt zu der Auslassung der „Nordd. Allg. Ztg. betreffs des Artikels des „Pester Lloyd" über die Proclamation Kaiser Wilhelms l 2 V ?-re1K ^be sich für den deutschen Kaiser, die deutsche Nation und
das deutsche Bundnitz allenthalben die ehrfurchtsvollste, sympathischste und wärmste Anerkennung kund. Ungarn wünsche aufrichtig, daß Deutschland diese Stimmen vernehmen mochte. Der „Pestt Naplo" weist entschieden die Ansichten des „P. L." zurück- Hl 7* ungarischen Presse, sowie im politischen und parteilichen Leben Ungarns mache sich keine andere Auffassung geltend, als die der aufrichtigsten Freundschaft für Deutsch- ^H?^^??besondere hielten sämmtliche politische Parteien Ungarns an dem Bündnisse test welchem sie bei jeber Gelegenheit Ausbruck gäben. Diese That- fadje itluftrire lebhaft genug bte Auffassung unb bte politischen Bestrebungen bet unga- rlschen öffentlichen Meinung gegenüber Deutschland. e 0
London, 26. Juni. Sämmtliche Morgenblatter besprechen die Tbronrede Kaiser Wilhelms überaus günstig Die „Morning Post" sagt, die Worte des Kaisers Frieden und Furchtlosigkeit. Die „Times" bezeichnet die Thron- als schlicht und mamstich, welche nichts enthalte, was ein Einschlagen einer neuen Wulf anbeuten fonnte. Der „Daily Telegraph" meint, die Worte des Kaisers lauteten WnungSDoa für Aufrechthaltung des Friedens in Europa unb er beglückwünscht $ Qn£' ,cf ,in bct” ueueri Herrscher einen roürbigen Nachfolger beider hoch- seligen großen Patrioten und hochherzigen Monarchen erhalten habe. Der „Standard" bemerkt, es mache einen vortrefflichen Eindruck, diese männliche Botschaft zu lesen die die Ziele und Grundsätze der Politik Deutschlands entschieden offenbare, Niemandem drohe und Europa das Schaufviel gewibmtt H * ** ^iIitärrctc^ bcr Vertheidtgung und Beschirmung des Friedens
Lokales.
t>em K^ser aus dieser Veranlassung das goldene Verdienstkreuz verliehen — Die Seconde-Lteutenants Kreuter I. und Buffe [elfterer
2. Bataillons, wurden zu Premier-Lieutenants befördert ' ' * ^Mant des ^ute in acht Tagen, den 4. Juli, findet in Alsfeld das-
8 rVrA 1 LI* I19 e fa n g fe ft statt. Den Mittelpunkt des Festes bildet ein musikalisch reich ausgestatteter Gesanggottesdienst in der Walpurgiskirche bei dem die Äir(bengefangoeretne oon Alsfeld, Gießen, Grünberg, Lardenbach Lauterbach, Londorf und Grunberg Mitwirken werden. Dieser Gottesdienst beginnt Nachmittags 21/» Uhr rechtzeitiger Anmeldung del dem Vorsitzenden des hiesigen Vereins, Herrn Pfarrer
L-chlosfer, können alle hiesigen Festthetlnehmer Fahrpreisermäßigung erhalten.
PcSÄ”/ 20 £tu v = ® a u.] Wir können nunmehr bestimmt baö ba3 durch das Ableben Sr. Majestät des Kaisers Friedrich in Frage
2agen (am tJ unb 8.' July stat.finden w1rd!'° be^omi1^ an btn bestimmten
q, • l ■ r o feuern, 2o. Juni. Der gestrige Trauergottesdienst für weiland Kaiser- Friedrich III zu welchem ber hiesige Geistliche alle Einwohner ber Gemeinde ohne Unter- schied der Religion undKonfession emgeladen hatte, verlief in sehr erhebender Weise. Die Kirche war ubersirllt. Auf dem Altäre brannten die Kerzen, die nebst den stilvoll gearbeiteten 7^°7/*En Leuchtern aus echter Bronce der Kirche von einem hiesigen Ehepaare unlängst, gestiftet worden sind. Alle Thellnehmer der Feier, selbst die Kinder nicht ausgeschlossen waren tn ^rouerkleidung erschienen. Auch der Kriegerverein hatte sich wie am 18. März b. I. gelegentlich ber Trauerfeier für Kaiser Wilhelm I. nach gehaltener Kirchenparade unter fernem dermaligen Präsidenten, Herrn Gemeindevorsteher Lepper, in corpore ein- gefunden. Daß endlich auch der Kirchengesangverein durch den Vortrag verschiedener Choräle die Feier würdig gestalten half, das versteht sich nachgerade fast von selbst. Diesmal jedoch hat uns Verein, bez. dessen Dirigent, Herr Lehrer Musch, noch zu besonderem Danke verpflichtet, indem er zugleich des verstorbenen Kaisers Lieblingslieb „Wenn der öerr ein. ^euze schickt ^ erbaulicher Weise zum Vortrag brachte. Die Gedächtnißpredigt, auf ^rund des vorgeschriebenen Tex es Jak. 1, 12 - „Selig ist der Mann, der die Anfechtuna Erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat, denen die ihn lieb haben" — gehalten, behandelte das Thema: „Es mag ein Mensch wohl blühen im Sonnenschein des Glückes, es muß ber Christ aber reifen in der Sonnen gluth der Anfechtung". Mögen die Worte, möge die ganze Feier nicht ohne< Segen bleiben in einer Zeit, wie kaum eine andere so mächtig drängt auf religiöse Ver- 3ugebe9nUnb ^uer Gemeinde zugleich, die so sichtbar bestrebt ist, diesem Zuge sich hm-
r, — ^LanVurt,<.a* 26. Juni. An einem elfjährigen Knaben aus Seckbach, welcher hier Krankengeld erhoben hatte, wurde am Samstag Abend ein frecher Raub- anfaß verübt. Dem Kinde hatte sich ein Stromer, welcher Kenntniß davon haben mußte, daß dasselbe Geld bei sich führte (21 40 ^), zuaesellt und es unweit Seckbach
gewürgt unb ber Summe beraubt. Der Räuber hatte ben armen Knaben mit Tobt- uechen bebroht, falls er um Hilfe rufen werbe. - In letzter Zeit tauchen hier roieber falsche Zweimarkstücke auf. Die Falsifikate tragen bte Jahreszahl 1877 unb bas Münz- Zeichen A. — Kommenden Sonntag findet im Palmengarten hierfelbst das in Folge der Landestrauer verschobene Velocipeb-Wettfahren des Frankfurter Btcycle-Clubs statt. — Im Zoologischen Garten wird ber bekannte Aeronaut Carl Securius nächsten.
ISÄS/ISÄS-S? ä.S&S.SÄSS &
wiss-nsfreihei, ci„e Ablurdität sei, wenn ihr die B-deutnng d-s^Rechls^^b-taele^t we^7
^0^0 gegen bte Unterbrückung unb den Absolutismus die Setbellia»nn nn 87t fdT a*CnjuUHfi«UtiOnen Unb §iC Bestrebungen d-^tike^nkch ÄQ-r°Una7h°bn7.g- Mit 26. Juni. Großfürst Wladimir nebst Gemahlin und Gefolae
Lffch7n u^'den?°S ®r°6fÜrf,en *n früheren Sommern in den
. m ^iCar?I5t!c^ welche bereits die Thronrede Kaiser Wilhelms besprochen bnhen richtig sr7d'uch?n"^de Aw°j/'Lr'-7j°^^L SXMl
Rußland gute Beziehungen zu unkr^aIten, "tonne “fr ^günftigen SÄ ttächtigen brauche. b°6 bkfe§ bk Unabhängigkeit feiner eigenen Politik zu beein-
_ derttn, 27. Juni. [(Eröffnung des Preußischen Landtags.! Die von >Lr. Maiestat dem Kaiser und König gehaltene Thronrede besagt: Die kurze Zeit der Regierung Seines Vaters habe gezeigt, mit weich' herzlicher Theilnahme das Vaterland erHtten“1 ClbCn Unb schmerzlichen Verlust es durch dessen Htnscheiden-
orachdem bte Krone auf Ihn übergegangen, habe er bas Bebürsniß gehabt, ben. Landtag um sich zu versammeln unb vor bemfelben ungesäumt bas eibliche Gelöbniß abzulegen daß Er die Verfassung unverbrüchlich halten und in Uebereinftimmuna bamit nach btefen Gesetzen regieren will. Wie Sein Vater sich bie Politik Seines Dereroigten Großvaters angeeignet, thue Er bies auch unb werbe mit ber gleichen Gewissenhaftigkeit die Rechte der Volksvertretung achten, die verfassungsmäßigen Kron- rechte wahren. Er ist der Meinung, daß die Verfassung eine gerechte Vertheilung bei der Mitwirkung der verschiedenen Gewalten enthält. Seine Majestät wird allen religiösen Bekenntnissen Schutz gewähren. Er ist befriedigt daß durch die neue kirchenpolitische Gesetzgebung sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirche annehmbarer gestaltet haben. Er wird den kirchlichen Frieden erhallen sieht die Reform der inneren Verwaltung der letzten Session wesentlich als abgeschlossen Mit- feft an den für das Finanzwesen geltenden altpreußischen Uebcrlieferungen und'blickt mit Befriedigung aus die jetzige Finanzlage. Seine Majestät will das Ziel der Steuererleichterung der Gemeinden und minder Begüterten weiter versolgcn, gedenkt der von der Ueberschwemmung Heimgcsuchten und schließt mit den Worten Friedrichs des Großen, daß der König ber erste Diener des Staates sei.


