Gingesandt.
Qn. Gießen, 25. November.
Sehr geehrter Herr Redacteur!
Als ich heute die letzte Sette der Sontagsnummer Ihres geschätzten Blattes durchsah, fragte ich mich, weich ein besonderes Freudenfest denn heute in Gießen begangen würde Fast in jedem Stadttheil irgend eine Tanzmusik, irgend eine Abendunterhaitung mehrerer namhafter Vereine aus den verichtedenen Schichten der Gesellschaft; dazu Concert und Theater! Da muß ja gewiß irgend ein besonderes Freudenfest statthaben. (Als ich später durch die Stadt wanderte, hörte ich sogar die Klänge eines Mustk- Frühschoppens" einer Studentenverbindung). Ich suchte in Ihrem Blatte weiter, fand aber kein anderes Fest angezetgt als das — Todtenfest.
feiert man tn Gießen die Todtenfeste so? fragte ich mich, mit Musik und Tanz? Bisher hatte ich nur gewußt, daß verschiedene unculttoirte heidnische Völker in der That bei Todtenfetern tanzen und lärmen. Aber daß man in dieser Form in der Universitätsstadt Gießen seine Rücksicht auf die Todten und die Trauernden ausdrucken will das kann ich nicht glauben. Man ist daher anzunehmen gezwungen, daß alle diese Unterhaltungen und Vergnügungen arrangirt und erlaubt sind, ohne irgendwie auf die Hunderte, ja Taufende Rücksicht zu nehmen, die diesen Tag in stiller Trauer
schrille schreiende Tanzweise anzuschließen, müssen wir entschieden als Mißgriff be= zeichnen. Tb- M~n-
UniverfitätS-Chronik.
— Dr. theol. Bernh. Riggenbach tn Basel, Pfarrer und Prioatdocent an der dortigen Hochschule, hat einen Ruf an den Lehrstuhl für reformirte Theologie in Erlangen erhalten.
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Vermischtes.
e- Ruttershausen, 24. November. Zwischen zwei Burschen von hier und einem in der Nähe stationtrten Bahnwärter kam es gestern Abend zu einem Streit, der schließlich in eine Schlägerei auszuarten drohte. Der Bahnwärter zog sich deshalb in seine Wohnung zurück und verschloß dieselbe. Damit nicht zufrieden, versuchten nun die Burschen mit Gewalt in die Bahnwärterwohnung zu dringen und zwar durch ein Fenster. Um sich dieses Eindringens zu erwehren, ergriff Der Bahnwärter in seiner Bedrängntß ein Beil und versetzte dem Einen der Beiden, welcher eben versuchte, etnzustetgen, einen solchen wuchtigen Hieb auf den Kopf, daß derselbe sofort zusammenstürzte. Die Verletzung ist so gefährlich, daß an dem Aufkommen des Betreffenden gezweifelt wird. Heute Nachmittag war die Staatsanwaltschaft von Gießen hier, um den Thatbestand festzustellen. Der eine der Burschen (dieselben sollen Brüder sein), welchen der Bahnwärter als den Mitthäter bezeichnete, wurde heute verhaftet und nach Gießen abgeführt, während der andere infolge seiner Verletzungen noch nicht vernehmungsfähig sein soll.
verbringen und deren Empfindungen hierdurch schwer verletzt werden muffen. Wir wissen nicht, ob irgend ein Gesetz der Polizei das Recht nimmt, die Aufführungen von Vereinen zu erlauben oder nicht. Aber sollte es wtikltch nöthig sein, die Polizei- Organe anzurusen? Dieselben vermögen freilich nicht wohl irgend ein Concert in Stein's Garten zu verbieten, wenn sogar der Concertoerein — und nicht zum ersten Male — am Todtenfest-Abend Concert abhält.
Wir hoffen, daß es nur dieser Anregung bedarf, um den Leitern der betreffenden Vereine und Veranstaltungen es nahe zu legen, in Zukunft Derartiges am Todtenfeste zu unterlassen, andernfalls sollte doch wohl die Behörde die Macht in der Hand haben, das Recht des Todtenfestes auch gegenüber solchen Verletzungen der Empfindungen Vieler zu schützen.
Schiff-nachrichten
Bremen, 24. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Lahn, Capttän H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 14. Novbr. von Bremen und am 16. Novbr. von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
— Der Trost der Mütter beim Keuchhusten der Kinder. Wer kennt wohl nicht diese gefürchtete epidemtsche Krankheit, die mit katarrhalischen Affekttonen beginnt und progressiv in den heftigsten Krampfbusten ausartet, der Erbrechungen und Blutungen aus Nase und Mund heroorruft? Der Keuchhusten ist ein Schrecken für die Mütter, eine Marter für die Kinder. Die Wissenschaft hat kein Heilmittel, wohl aber die Natur ein Linderungsmittel, und zwar in den Sodener Mineral-Pastillen, die, in warmem Wasser aufgelöst und öfters verabreicht, das beruhigende, das lösende Mittel sind, das diese langwierige Krankheit, die zuweilen Lungenentzündung, selbst Schwindsucht im Gefolge hat, in kürzester Zeit lindert. Bedarf es der Weisung mehr für eine vorsorgende Mutter, als daß diese Pastillen, die auf Grund wissenschaftlicher Erprobungen als das diesbezüglich beste, gehaltreichste und heilkräftigste Medikament empfohlen werden, pro 85 $ die Schachtel in allen Apotheken, Droguerien und Mineralwasserbandlungen zu haben sind. 8057
Hande» und Verkehr.
Grünberg, 24. November. (Fruchtpreise). Weizen 19,20, Äorn 16,20, Gerste JL 14,00, Hafer X 13,20, Erbsen v*L 18,00, Samen JL 21,00, Wicken JL 00,00, Kartoffeln JL %50. Linsen JL 24.00.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
B tbelstunde: Montag den 26. November, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule, 1. Mos. Kap. 8 und 9, Noah's Ausgang aus der Arche, Gottes Verheißung und Gnadenbund. Pfarrer Dr. Naumann. ___________________
Allgemeiner Anzeiger.
Verding
der Erd-, Maurer- und Steinhauer- arbeiten nebst den hierzu erforderlichen Materiallieferungen, zur Herstellung einer Wegeübersührung mit eisernem Ueberbau, aus dem Bahnhof Gießen.
Termin: Sonnabend, den 8. Deeember 1888, Vormittags 10 Uhr, in unserem Geschäftslocale.
Zeichnungen, Bedingungen u. s. ro., können in unserem technischen Bureau, Zimmer Nr. 8, sowie bei der König- Uchen Eisenbahn-Bau-Jnspection Marburg und bei Herrn Regierungsbaumeister Horstmann, Bahnhof Gießen, eingesehen oder gegen kostenfreie Einsendung von 2 JL durch unseren Bureau-Vorsteher bezogen werden. Zuschlagsfrist 2 Wochen. [9504 Königliches Eisenbahn - Betriebs - Amt (Main-Weser-Bahn) zu Caffel.
Mittwoch den 28. d. M,
Nachmittags 2 Uhr, in der früher Bramm'schen Hofraithe dahier sollen gegen Baarzahlung öffentlich versteigert werden:
1 Wagen, 1 Hobelbank, 1 Cassaschrank, 1 Clavier, 2 Bufftt's, 2 Sophas, 4 Sessel, 2 Commoden, 1 Anzahl Wirthstische und Stühle, 2 Kleiderschränke, 1 Iagdtisch (antik), 1 Regulator rc.
Gießen, den 26. November 1888.
Engel, 9527 Gr. Gerichtsvollzieher.
Mittwoch den 28. November,
Nachmittags 2 Uhr
werden in der L. Flett'schen Hofraithe gegen Baarzahlung versteigert: „
Sophas, Kommoden, Kletderschranke, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, Tische, Spiegel, Bilder, 1 Secretär, 1 Nähmaschine, 1 Weckeruhr, 1 eleg. Herrenschreibtisch, 1 eleg. Damenschreibtisch, 1 L-Trompete, 1 Stoßkarren, 2 Pferde, 1 Kuh u. a.
Geißler,
9512 Gerichtsvollzieher.
Freitag den 7. Derbr. I. I.,
Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht das dem Heinrich Weidig zweiter in Offenbach gehörige Grundstück:
Flur 44 Nr. 106,8 — 1375 Meter Acker, rechts am grünen Weg O, öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 26. November 1888. Großh. Ortsgericht Gießen.
I. A-:
9519 Dogt, Ortsgerichtsmann.
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