Posen, 24. März. Der Reichstagsabgeordnete für Mogilno-Gnesen-Wongrowitz, v. Jarochowsli, ist heule hier gestorben.
Arankreich.
PariS, 24. März. Gestern fand hier eine Versammlung von Gegnern Boulangers statt, welcher etwa 2500 Personen beiwohnten. Joffrin hielt eine Rebe, in welcher er das Säbelregtment brandmarkte, wahrend Graf Neuville zu Gunsten Boulangers sprach. Die Versammlung verlief äußerst stürmisch, Ruse „Nieder mit Boulanger" wurden mit Hochrufen auf Boulanger beantwortet. Schließlich wurde eine Tagesordnung angenommen, welche sich auf das Schärfste gegen Boulanger ausspricht; gleichzeitig wurde ein Telegramm an Felix Pyat nach Marseille abgesandt, in welchem dessen Eandtdatur mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde. Die Versammlung verlief ohne weiteren Zwischenfall. Am Ausgange des Saales war eine größere Anzahl Polizisten aufgestellt.
— Das Untersuchungsgericht für die Angelegenheit Boulanger wird, wie nunmehr bestimmt ist, am Montag zusammentreten. Boulanger wird zu demselben Entlastungszeugen vorladen.
Atalieu.
Rom, 24. März. Deputirtenkammer. Der Präsident verlas ein Schreiben des deutschen Botschafters Grafen Solms-Sonnenwalde an den Ministerpräsidenten Crispt, in welchem dieser ersucht wird, den Präsidenten des Senats und der Kammer die MittheUung zu machen, daß der deutsche Reichstag in seiner Sitzung vom 19. d. M. einstimmig erklärt hat, daß die Ehrfurchtsbezeugungen für weiland Kaiser Wilhelm und die Theilnahme des Italienischen Parlaments an der Trauer des deutschen Volks Gefühle der lebhaftesten Erkenntlichkeit und der tiefsten Dankbarkeit heroorgerufen haben und daß diese Beweise der Sympathie eine erneute Kundgebung der freundschaftlichen Beziehungen bilden, welche beide Länder mit einander verbinden.
Telegraphische Depesche«-
Wvlff'S telegr. Eorrewmrdem-BAre««*
Groß-Lichterselde, 25. Marz. Der Kronprinz und die Kronprinzessin trafen soeben am Haupieingange der evangelischen Kirche der Haupt-Cadetten-Anstalt ein, um der Einsegnung von 66 Cadetten beizuwohnen. Zum Empfange waren der General von Strubberg, der Kriegsminister, die Kommandeure des Eadetten-Corps und der Anstalt anwesend. Die höchsten Herrschaften wurden zu dem Altäre geleitet. Die Feier war um 11 Uhr zu Ende.
London, 25. März. Gestern Abend fand die Gedächtnißfeier für Kaiser Wilhelm statt, welcher der Prinz von Wales, General v. LoS, Graf Hatzfeldt mit dem gesammten Personal der Botschaft und des Consulats, die hervorragendsten Vertreter deutscher Kunst und Wissenschaft, sowie der Ftnanzwelt, im Ganzm etwa 3000 Personen aller Stände der hier lebenden Deutschen, darunter auch viele Angehörige des Arbetter- ftandes beiwohnten. Die Feier gestaltete sich zu einer imposanten, erhebenden Kundgebung des deutschen Elements, wie London eine solche nie zuvor gesehen hat. Nach Gesangsoorträgen mit Orchesterbegleitung, ausgeführt von hiesigen deutschen Vereinen hielt Dr. Max Müller eine von wärmster Begeisterung getragene Gedächtntßrede auf Kaiser Wilhelm, welche mit dem Ruf schloß: Lange lebe das neue Kaiserpaar' Der Redner forderte das deutsche und das englische Volk auf, in guten und bösen Tagen treu zusammenzuhalten. Hierauf verlas der Ehrenschriftführer folgendes an den Kaiser
Friedrich zu richtende Telegramm: „3000 Deutsche Londons, in Exeter Hall versammelt, um das Gedächtnlß Ew. Majestät hochseligen Vaters zu ehren, sprechen Ew. Majestät die innigste Theilnahme aus und erflehen in treuer Anhänglichkeit für Ew. Majestät eine lange und gesegnete Regierung."
Vermischte».
c x Mainz, 25. März. Nachdem gestern die Ständekammer geschlossen worden, hat der Landtagsabgeordnete Jöst heute die Aufforderung erhalten, die durch Verfügung des Ministeriums unterbrochene Strafhast innerhalb drei Tagen wieder anzutreten.
△ Mainz, 25. März. Der Rhein ist seit heute Moraen wiederum in sehr merklichem Steigen und lassen die heftigen Niederschläge während des ganzen TagcS ein weiteres Wachsen befürchten.
*»* Frankfurt, 25. März. Gestern Abend 7 Uhr wurde hier ein neues EafS, das EafS Brandl, im Neubau- der Versicherungsgesellschaft „Germania"' am Roßmarkt, eröffnet. Frankfurt ist damit um ein prachtvolles Lokal reicher geworden. Das neue Cas6 besteht auS einem Hauptsaal, welcher sich an der Südseite hinzieht, dem angrenzenden Damensalon, einem mit 5 neuen Billards ausgestatteten Billardsaal, 2 Spielzimmern, in denen die Freunde des Schach, Whist,Skat rc. in Ruhe ihr Spielchen machen können und einer allerliebst eingerichteten altdeutschen Weinstube. In letzterer ist ganz besonders Alles gethan, das Zimmer zu einem harmonischen Ganzen zu gestalten. Tische und Stühle, Fenster, Uhr, alles ist altdeutsch. Der Hauptsaal machte geftem Abend einen imponirenden Eindruck. Reiche, mit Gold bedeckte Stukkaturarbeiten* zieren Decke und Wände, prachtvolle Lüstres mit zahllosen Gasflammen spenden Licht, das sich von den goldbedeckten Wänden hundertfach widerspiegelt. Feine Plüschsophas stehen längs den Wänden und laden den Besucher zum Sitzen ein. Nicht minder prächtig und geschmackvoll ist der Damensalon, zu dem ein besonderer Aufgang führt, eingerichtet. Schon Nachmittags drängte sich das Publikum zu dem neuen Lokal und es bedurfte der größten Anstrengungen des Inhabers, die Neugierigen fern zu halten, damit die Arbeiter nicht gehindert wurden. Kurz vor 7 Uhr ergoß sich der Strom der ungeduldig Harrenden in das neue Lokal und schon nach einer Viertelstunde war jeder Platz besetzt. Zahlreiche Besucher konnten nur einen Rundgang durch die weiten Säle machen. Den ganzen Abend wogte es im Eas6 Brandl aus und ein, nicht 5 Minuten war ein Tisch leer. Billard wurde den ganzen Abend gespielt. So einladend das Cafä bei Lichterglanz auch aussehen mag, mehr noch wird es vermuthlich bei Tage besucht sein, denn seine Lage ist eine herrliche und von seinen Balkons kann das Auge den ganzen Roßmarkt bis zur Kaiserstraße hinüber und nach der andern Sette den Schillerplatz und ein großes Stück der Zeil übersehen. Es erscheint zweifellos, daß das Cafä Brandl binnen Kurzem einer der beliebtesten Sammelpunkte der Fremden und Einheimischen werden wird. Die Bedienung war gestern Abend eine recht gute und auch die gebotenen Getränke ließen nichts zu wünschen übrig.
Bonn, 23. März. Der große Brand läßt sich jetzt, wo das Feuer gelöscht ist, in seinen Folgen übersehen. Die einzelnen Baulichkeiten, die betroffen worden, sind nicht in dem Maße zerstört, wie es anfänglich befürchtet wurde. Die Minoritenkirche ist bis an das Dachgewölbe abgebrannt, der Thurm, der, wie es scheint, nahezu zerstört ist, stürzte in den Dachstuhl der Kirche und bohrte durch die Gewalt des Sturzes ein Loch in das Gewölbe. Die Fenster der Kirche sind durch die Hitze stark beschädigt. Von dem angrenzenden Pfarrhaus ist nur das obere Stockwerk zerstört, das Schulgebäude ist fast ganz unverletzt geblieben. Am meisten gelitten hat die Stallung und oas Hintergebäude des Gasthauses „Zum goldenen Stern".
Die erledigte Stelle eines Kreis- firafienwarteS mit dem Sitz in Heuchelheim soll auf 15. Aprll d. I. wieder besetzt werden.
Bewerber haben ihre Meldungen bis längstens 1. k. M. unter Angabe von Alter, Wohnort und seitheriger Beschäftigung, sowie Beifügung etwaiger Zeugnisse über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art schriftlich bei dem Be- zirksbauaujseher Rohrer in Gießen zu erstatten.
Gießen, am 24. März 1888.
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. 2513 Dr. Boekmann._______
Versteigerung
Mittwoch den 28.März 1888
Nachmittags 2 Uhr sollen mehrere Haufen AuSputz- reifer von den städtischen Anlagen versteigert werden.
Die Zusammenkunft ist bei der Stadtmädchenschule in der Westanlage.
Gießen, den 26. März 1888.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
________A. Bramm. 2516
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 29. März
I. I., Nachmittags 2 Uhr, soll das Gemeinde-Brauhaus mit Inventar, bestehend in Kessel, einer Bier- und Maischbütte, öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Versteigerungsbedingungen können Vormittags von 11 Uhr an auf hiesigem Bürgermeisterei- Bureau eingesehen werden.
Bemerkt wird, daß in demselben Termine das frühere Rathhausgebäude mitverkaust wird, und können beide Gebäude von Kaufliebhabern vorher eingesehen werden.
Treis a/L., am 23. März 1888. Großh. Bürgermeisterei Treis.
Benner. 2457
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Allgemeiner Anzeiger.
Das Bureau des Kreisgesundheitsamts Gießen befindet sich nunmehr Ost «Anlage Nr. SO, ?. Stock.
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Möbelversteigerung.
Donnerstag den 29. Marr
Nachmittags 2 Uhr
werden wegzugsbalber Ludwigstr. 4III — bei Frau Dr. Leißler — Möbel, als:
1 neue Garnitur lSopha und 6 Stühle), 1 großer Spiegel, 1 saft neuer ovaler Ausziehtisch, 1 großer ovaler Tisch, für Wirthe geeignet 1 Sopha, Rohrsessel, Kleiderständer Garderobe-, Büchergestell, Bettlade Vetrolfaß Oelbilder, Herrenkleider Küchengeräthe, Flaschen u. s. w.
versteigert.
2533 Im Auftrag:
Hoffmann, Ortsgerichtsmann.
Dienstag, den 8. Mai l. I ,
Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht das den Heinrich Euler dritter Eheleuten in Gießen gehörige Grundstück:
Flur 17 Nr. 57 — 1188 Meter Acker am Hamm, öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 26. März 1888.
Großh. Ortsgericht Gießen.
2535 Vogt, Ortsgerichtsmann.
Dienstag, den 27. Mar? I. I,
Mittags 2 Uhr, werden in meinem Bureau
verschiedene Mobiliar - Gegenstände, darunter 2 Ladeneinrichtungen, verkauft.
Gießen, den 26. März 1888.
Bühner, 2520 Gerichtsvollzieher.
Mittwoch, 28. März l. I., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich in meiner Amtsstube — Schillerstraße 5 — gegen Baarzahlung:
Sophas, 2 Sessel, Kleiderschränke, Kommoden, 1 Spiegelschrank, einen Secretär, Tische, Stühle, Spiegel, Bilder, 1 Küchenschrank mit Glas- aussatz, 2 Nähmaschinen, 1 silberne Taschenuhr, 1 Stoßkarren, 1 Pferd, 1 Kuh u. a. m.
Geißler, 2518 Gerichtsvollzieher.
Eine Hofraithe, bestehend aus einem größeren und zwei kleineren Wohnhäusern, mit großem Garte« auf dem SelterSweg hier ist erboertheilungshalber unter sehr günstigen Bedingungen zu verkaufen.
Näheres durch I. Blitz. 2514


